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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gedanken zur Jugend
Eingestellt am 03. 01. 2002 14:20


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nemo
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Registriert: Aug 2001

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Mc Donalds in Barmen, Wuppertal.
Ges├Ąttigt, zumindest f├╝r die n├Ąchste Stunde, und froh ├╝ber die Tatsache, Fritten frisch aus der Friteuse ergattert zu haben, dr├Ąngele ich mich, nach meinem pers├Ânlichen Abendmahl, zum Ausgang. Dort wird mir der Weg von einigen Vertretern der Buffalo Generation versperrt. Fettige Mittelscheitelfrisuren in Glanzhosen reden mit magers├╝chtigen Britney Spears Klone. Unterhaltungsfetzen treffen mich und verletzen mein Sprachverst├Ąndi├č. Da wird das Wort Fett (fett <Adj.; -er, am -esten> dick, sehr beleibt) als Interpunktion benutzt und ÔÇ×AlterÔÇť ('Al┬Ěter <n. 13; unz.> Zeitdauer, die seit der Entstehung eines Lebewesens verstrichen ist; Lebenszeit, Zeit des Bestehens eines Gegenstandes (z.B. eines Kunstwerkes); der sp├Ątere Teil des Lebens, Lebensabend ) beendet jeden Satz.
Ich erahne ein Medienverseuchtes Weltbild und Hornhaut an den Fingern.
Ich ziehe meine Chicago Bulls Kappe tiefer ins Gesicht und trete in den Regen.
Niederschlag ist f├╝r uns Wuppertaler leider nichts ungewohntes.
Manchmal wundert es ich mich, da├č mir noch keine Schwimmh├Ąute oder Kiemen gewachsen sind.
Es m├╝├čte der n├Ąchste logische Schritt der Evolution sein.
Das Gem├╝t der Eingeborenen, ist wie der Himmel, Grau in Grau. Die Wuppertaler als fr├Âhliches Volk zu bezeichnen, w├Ąre als w├╝rde man behaupten, die Deutsche Nationalmannschaft w├╝rde attraktiven Fu├čball spielen.
Ich schlendere zum Busbahnhof und ertrage die N├Ąsse mit W├╝rde und Coolness, und das, obwohl durch ein Loch in meiner Schuhsohle Wasser dringt, und meine Socke sich langsam aber sicher vollsaugt. Ich stelle mich unter die ├╝berdachte Haltestelle und bewundere ein Plakat auf dem Salma Hayek im Bikini abgebildet ist. Ich denke an Sommer, Sonne, Geschlechtsverkehr und ├╝berh├Âhte Textilpreise in der Frauenmode. Ich lasse den Blick schweifen und entdecke einen Typen mit langen schmierigen Haaren und einer Kutte, vollgepflastert mit Aufn├Ąhern verschiedener Metalbands.
Ich f├╝hle mich in die Zeit zur├╝ckversetzt, als ich noch Hart war und Bands mit Namen wie Tankard, Anthrax oder Helloween f├╝r die wichtigsten Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts hielt.
Auch ich hatte, zum Leidwesen meines Vaters, meine teure Levis Jeansjacke als Aush├Ąngeschild meines Musikgeschmacks gemacht, allerdings scheiterte der Versuch mir lange Haare wachsen zu lassen, an meiner fehlenden Geduld. Es gab immer einen Punkt an dem meine Frisur derma├čen beschissen aussah (ich habe mehr Wirbel auf dem Kopf, als ein Esel am Arsch), da├č ich mich nicht mehr auf die Stra├če traute. Also ging ich einen Kompromi├č ein und lie├č mir von einem Freund die Schl├Ąfen rasieren. Mein Vater war von mir wirklich einiges gewohnt, aber meine neue Frisur machte ihn sprachlos. Ich nutzte diesen Augenblick der Verwirrung und verzog mich auf mein Zimmer.
Ich war damals 15 und nutzte nat├╝rlich jede Gelegenheit, meinem Vater zu zeigen, da├č ich nicht werde wollte wie er. Als ich mir mit Sechzehn mein erstes Ohrloch schie├čen lie├č, ich hatte zu Hochzeiten neun St├╝ck, fragte mein Vater mich entnervt ob ich jetzt Schwul geworden sei.
Die T├Ątowierung die mir im Rauschzustand auf den R├╝cken machen lie├č, zeigte ich Ihm erst als ich schon mehr als ein Jahr nicht mehr zu Hause Wohnte.
Solange du deine F├╝├če unter meinem Tisch hast...
Ich mu├čte aber erstaunlicherweise feststellen, da├č mein Vater sich daran hielt.
Sobald ich ausgezogen war, kam von Ihm nie mehr als ein leises Knurren als ich abwechselnd mit Blonden, Roten und Gr├╝nen Haaren nach Hause kam, und meine Ohren so l├Âchrig waren wie ein Schweizer K├Ąse.
Aber solange meine F├╝├če unter seinem Tisch waren...ja damals gab es nichts zu lachen.
Ende der Achtziger, Anfang Neunziger wurden Jeanshosen mit L├Âcher modern, so modern, da├č manche Leute sogar mehr bezahlten um Levis mit perfekt designten L├Âchern zu ergattern.
Da mein Vater mir schon von fr├╝h an, jegliches Markenbewu├čtsein, durch eine Art v├Ąterliche Gehirnw├Ąsche, ausgetrieben hatte, war ich gar nicht erst auf die Idee gekommen mir so etwas k├Ąuflich zu erwerben sondern legte gleich selber Hand an und schuf meine eigene Jeans Kreationen.
Als mein Vater mich dann so erblickte, mit meinen dreckigen Converse, einem ÔÇ×No Chemical InvasionÔÇť T-Shirt von Tankard und einer eigens hergestellten Designer Jeans, lief erst sein Kopf rot an und dann fing er an zu br├╝llen.
Von da an landeten alle Jeans, die auch nur ann├Ąhernd ein Loch hatten, in den M├╝ll.
Ich schlich dann des Nachts in den Keller, holte die Hosen aus der Tonne, wusch sie mit der Hand, trocknete sie mit einem F├Ân und versteckte sie dann in meinem Bettkasten zwischen zwei Bettlaken.
Ging ich dann aus, nahm ich ein Exemplar mit in meinem Rucksack und zog mich in einem kleinen Waldst├╝ck in der n├Ąhe unseres Hauses um.
Der Bus kommt und ich steige ein. Ich setze mich in die letzte Reihe und beobachte eine Ladung pubertierender Vollspacken die vor mir Platz nehmen.
Ich frage mich ob ich damals genauso Hirntod war.
Ich brauche eigentlich nicht lange zu ├╝berlegen und komme zum Ergebnis, da├č es wohl so gewesen sein mu├č.
Es war die Zeit als fett noch geil und krass, cool war.

__________________
:nemo

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flammarion
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jaja,

die jugend! was hab ich mich aufgeregt, als damals das wort "geil" zum guten ton der teenys geh├Ârte! ich hab nie begriffenm, da├č es nur ein anderes wort f├╝r "dufte" oder "knorke" war . . . eliminiere die fehler, und die geschichte ist prima (oder geil, wenn du so willst). ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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