Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95252
Momentan online:
370 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gedankenspiel
Eingestellt am 17. 02. 2013 20:05


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Hanne Kurz
Hobbydichter
Registriert: Feb 2013

Werke: 1
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Hanne Kurz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Das durchmischte GeschwĂ€tz der anderen lenkt mich etwas ab, auch das sie ĂŒbertrieben laut reden wirkt irgendwie beruhigend auf mich. Die TĂŒr öffnet sich im Minutentakt. Es stört mich nicht. Es ist sogar ganz gut, so kommt immer etwas frische Luft mit rein. Außerdem ist es sehr warm. Viele Menschen an einem Ort bringen immer eine gewisse Hitze mit sich. Dazu zĂ€hlen auch die stĂ€ndig eintretenden PĂ€rchen, Familien oder best friends auf der Suche nach einem freien Tisch. Die stehen ihre Zeit ab und tragen zur engen warmen AtmosphĂ€re bei. Der eine oder andere gibt sich nach kurzer Zeit geschlagen und klatscht sich mit dem nĂ€chsten eintretenden Platzsucher ab.
Ich bin froh ĂŒber meinen Katzentisch, der keinen weiteren Gast vertragen kann. Das kleine CafĂ© im Souterrain ist ein guter Ort um ĂŒber das Geschehene nachzudenken. Ein beliebter Platz, der mit ĂŒberfĂŒllten Tischen nicht unbedingt ein Ort der Stille ist, aber heute genau richtig. Trotz vieler Gesichter, die mich anstarren ein Ort, an dem man mich in Ruhe lĂ€sst. Ein schönes GefĂŒhl, das brauche ich gerade. Ich muss mich vorbereiten. Was werde ich dir sagen? Werde ich es dir sagen? Ein Glas fĂ€llt zu Boden und zerspringt in funkelnde Kristalle, die den abgewetzten rotbraunen Dielenboden schmĂŒcken. Ich mag dieses Bild und wĂŒrde es gerne noch lĂ€nger betrachten, nur leider verschwindet es so schnell wie es gekommen ist. Wo war ich gerade mit meinen Gedanken? Bei dir. NatĂŒrlich. Da sind sie heute, da waren sie auch gestern. Ich bestelle ein stilles Wasser, mehr bekomme ich gerade nicht runter. Dann gebe ich mir eine Stunde Zeit, bevor ich mich auf den Weg zu dir mache.

Es steht in der Zeitung. Die Marmelade vom vorherigen Leser ziert die Schlagzeile. Du wirst eine ganze Zeit ausfallen. Kreuzbandriss. Dein Foto hat glĂŒcklicherweise keinen Marmeladenfleck abbekommen. Ich schaue dich an. So wie das Foto, dass mich jeden Tag begleitet. Gut versteckt reist es mit mir von Termin zu Termin. Riskant, aber passende Ausreden habe ich bereits einstudiert. Wie immer macht mich dein Anblick nervös, lĂ€sst meine HĂ€nde schwitzen und mich in eine Welt tauchen, die es nicht gibt. Noch nicht oder nie? Es wird viel ĂŒber dich berichtet. Nicht nur im Sportteil. Auch in der Klatschpresse bist du ein gern gesehener Gast. Wenn man dem bunten Blatt Glauben schenken darf, ist es unglaublich wie oft du deine Freundinnen wechselst. Ein Womanizer wie er in der Gala steht. Aber jetzt scheinst du dich fĂŒr eine ganz besondere Frau entschieden zu haben, fĂŒr deine Herzensdame. Das freut die Presse. Das freut deine Fans. Nicht alle. Ich kann das nicht glauben. Vielmehr glaube ich, dass du aus aktuellem Anlass einfach alles tust, um den Frauenheld zu mimen. Das du dich dafĂŒr aber mit den unechtesten Sternchen ablichten musst, lĂ€sst mir einen kalten Schauer ĂŒber den RĂŒcken laufen. Das ist so offensichtlich. Wie sie sich alle der Reihe nach anstellen um auch nur einmal in deiner NĂ€he sein zu können, wie sie sich an dich ran schmeißen, keine Ahnung von Fußball haben, aber haufenweise das Stadion stĂŒrmen und grölen. Sich zulaufen lassen und hoffen die Nacht mit dir im Hotel verbringen zu können. Ich muss lachen. Ich weiß, dass nicht du derjenige bist, der in die Kamera lĂ€chelt. Nicht du bist es der bald heiratet und im siebten Himmel schwebt. Du bist anders, das hab ich bei unserer ersten Begegnung gespĂŒrt. Du bist wie ich. Du musst es tun. Und bald wird es wieder ein ausfĂŒhrliches Interview geben, in dem die Welt nachlesen kann, dass ihr euch auseinander gelebt habt und ihr die Liebe nicht aufgeben wolltet. Und eine Woche darauf sieht man dich mit dem nĂ€chsten Möchtegernmodel. In einem CafĂ©. Ich stelle mir vor, wir du dann deine graue WollmĂŒtze trĂ€gst, die deine ungebĂ€ndigten Haare bedecken. Die MĂŒtze, die am Hinterkopf lĂ€ssig fĂ€llt. Ich liebe diese MĂŒtze an dir. Ich kann das alles verstehen. Wer, wenn nicht ich.

Kann ich dir noch was zu trinken bringen? Die Bedienung schaut mich an und ich denke nur, dass sie sicherlich auch scharf auf dich ist und versuche das Bild von dir vor ihren Blicken zu schĂŒtzen. Nein danke, ich muss gleich los. In dem Moment schĂ€me ich mich vor meinen Gedanken. Ist das Eifersucht? Am liebsten wĂŒrde ich mich bei dem MĂ€dchen entschuldigen. Aber wofĂŒr? Es waren doch nur Gedanken, die sie gar nicht gehört hat. Trotzdem. Um mein Gewissen zu erleichtern gehe ich die wenigen Schritte zur Bar und bestelle nun doch noch einen Cappuccino. Sie lĂ€chelt und nickt mir zu. Bringe ich Ihnen gleich an den Platz. Ich setze mich wieder auf den kleinen Eckplatz, den der Inhaber des CafĂ©s sicherlich nur fĂŒr eine kurze Pause selber in Anspruch nimmt. Vielleicht könnte sich ein frisch verliebtes Paar noch mit diesem Platz arrangieren. Auch wenn er nur fĂŒr ein Glas Wasser, einen Cappuccino und eine Zeitung, wenn sie mehrfach zusammen gefaltet wird, Platz hat. Kurz denke ich daran, dass wir zwei hier sitzen könnten. Ich wĂŒrde dir erzĂ€hlen, was ich gedacht habe, als ich noch ohne dich hier saß und du wĂŒrdest mich anlĂ€cheln und zusammen könnten wir es schaffen. Nein, könnten wir nicht. Es ist aussichtlos. Niemand wĂŒrde es akzeptieren. Niemand. Aber es geht mir auch nicht um diesen Platz. Ich muss nicht mit dir hier sitzen. Ich könnte dein Spiel mitspielen und es akzeptieren, wir mĂŒssten einfach nur vorsichtig sein. Ich will deiner Karriere nicht im Weg stehen. Und meiner auch nicht. Es macht mich traurig, dass es in unserem Fall keine Fans gibt.
Einmal der Cappuccino. Ich danke ihr und versuche zu lĂ€cheln. Ich möchte nicht stören, aber wĂ€re es möglich, dass sie mir ein Autogramm geben könnten. Sie wollen sicherlich Ihre Ruhe haben, aber 
 Den Cappuccino serviert sie mir zusammen mit ihrem ganzen Mut. Gerne. Ein Fan.

Ein Blick auf die Uhr verrĂ€t mir, dass ich mein Zeitlimit schon ĂŒberschritten habe. Ok, nur noch den Cappuccino trinken, durchatmen und dann zu dir. Ist ja völlig legitim, dass ich dich besuche. Gibt nur gute Presse. Wie nett.
Es zerreißt mich in tausend StĂŒcke. Wenn ich es einmal ausgesprochen habe, kann ich es nicht mehr zurĂŒck nehmen und dir aus dem Weg gehen wird die nĂ€chsten Jahre nicht möglich sein. Ich mache es also nicht. Der Mut hat mich verlassen und ich komme mir so dumm vor. Es gibt Regeln. Im Spiel und in diesem Fall auch in der Liebe. Der Raum kommt mir auf einmal noch kleiner vor. Ich bin immer gern hierher gekommen, aber ich werde ihn jetzt meiden mĂŒssen. Ich habe mir hier immer eine Zukunft mit dir ausgemalt und jetzt gerade beschlossen sie ruhen zu lassen. Weil sie nicht der Norm entspricht. Weil wir nicht der Norm entsprechen. Es ist nicht gewĂŒnscht und auch dieser tolerante Ort, mein LieblingscafĂ© hĂ€tte keinen Platz mehr fĂŒr uns frei. Das wird mir auf einmal klar. Klarer als je zuvor. Ausgelöst durch nichts. Der Verstand hat gesiegt. Gerade eben.
Ich stehe auf, zahle und öffne die TĂŒr, die immer noch von den SzenegĂ€ngern der Stadt aufgesucht wird. Das Atmen fĂ€llt mir draußen wieder leichter und mit langsamen Schritten mache ich mich auf in Richtung Klinik. DafĂŒr werde ich auch noch mal eine halbe Stunde brauchen. Vielleicht ĂŒberlege ich es mir doch noch mal?

Da liegst du also mit deinem Kreuzbandriss. Vor den TĂŒren der Klinik die Presse, die Fans und die Weiber. Die kriegen alles sofort raus. Mit Sicherheit wĂ€re unser Geheimnis dann auch nicht lange ein Geheimnis. Aber ich habe mich gegen die Wahrheit entschieden. Aber trotzdem und gerade deswegen fĂŒr dich. Es ist ein leichtes fĂŒr mich dich jetzt besuchen zu können. Der Rest muss draußen bleiben. Die sterilen GĂ€nge fĂŒhren mich zu dir und ich gehe kurz meine wirren Gedanken im Kopf durch. Dann klingelt mein Handy. Diese verdammte Agentur. Gerade jetzt. Wie passend. Ich nehme das GesprĂ€ch an und erfahre, dass mir noch heute VorschlĂ€ge geschickt werden. Richtig, die Benefizgala. Ich habe noch keine Begleitung. Ich bedanke mich fĂŒr die Info und versuche dieses GesprĂ€ch aus meinen Kopf zu streichen. Sollen die mir doch einfach eine Mail schreiben und mich nicht noch telefonisch auf meine Situation hinweisen. Ich muss jetzt funktionieren und wie auch auf dem Feld ein Profi sein.
Ich öffne die TĂŒr und sein Anblick lĂ€sst meine HĂ€nde schon wieder schwitzen. Ich erinnere mich daran, wie nah wir uns gestern waren. Vor Zeugen und jederzeit online einsehbar. Es sieht so aus, als wĂŒrdest du dich freuen mich zu sehen. Ich freue mich mehr, aber ich sage dir nur das was sagen darf. Sorry, fĂŒr gestern. Ich entschuldige mich fĂŒr mein gestriges Foul, welches ihm diesen Aufenthalt eingebrock hat. Mit einer lĂ€ssigen Handbewegung lĂ€sst er es gut sein. Dann sprechen wir ĂŒber die Saison.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung