Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
146 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Gedankensplitter
Eingestellt am 31. 07. 2011 14:14


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
Kommentare: 2919
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Was man so sagt:

"Jedes Wort hat eine Bedeutung"

Kaum denke ich dar├╝ber nach, was dieser Satz sagen will,
hadere ich, komme ins gr├╝beln...

Ein Wort deutet also auf etwas hin. Das hei├čt auch,
r├Ąumlich betrachtet, das es nicht Teil von dem ist, was
es benennt.
Das Wort ist ein "Au├čerhalb";
wie ein Mensch, der seinen Arm ben├Âtigt um auf etwas
vor ihm liegendes zu deuten.
So impliziert das Wort "Bedeutung" immmer auch einen
Abstand zwischen dem Ausgesprochenen und dem Benannten.

Hier zerfasern meine Gedanken weiter.
Nach einigen ├ťberlegungen komme ich zu dem Schlu├č, da├č
es mithin mindestens zwei "Wortfamilien" gibt.

Zum einen haben wir Worte, die Dinge benennen, die in
der Welt sind, die im tiefsten Sinne des Wortes
einen "Begriff" haben.
Das w├Ąre z.B. der Baum, der Flu├č, ein Stein, etc.
Zum anderen gibt es Worte, die nicht mehr sind als
Platzhalter, Symbole, weil sie etwas zu benennen suchen,
das nicht begreifbarer Teil der Welt ist.
Das w├Ąren z.B. die Zeit, die Liebe, der Sinn, etc.

Hier erahne ich ein menschliches Bed├╝rfnis, oder viel mehr
eine Leidenschaft:
Wir wollen den "Dingen" Namen geben.
Namen vermitteln uns den Eindruck von Herrschafft ├╝ber
das Benannte.
Es erinnert ein wenig an eine Geisterbeschw├Ârung.
In diesem Sinne ist Sprache auch immer Exorzismus;
wie wir die D├Ąmonen zwingen uns ihren Namen zu verraten,
um sie zu beherrschen oder zu vertreiben,
so entrei├čen wir dem Gedeuteten durch Benennung
sein schattenhaftes Wesen, zwingen es in eine H├╝lle
aus Buchstaben, und erlangen Herrschaft ├╝ber das Symbol.

Es bleibt ein Beigeschmack der Unsicherheit, etwas das mich
Nachts hochschrecken l├Ąsst:
Beherbergen unsere Worte mehr als eine Leere,
geben sie wirklich irgendetwas Quartier?

Gedanken, Gr├╝beleien,...
Ich finde einen Satz von Wittgenstein:
Wor├╝ber man nicht reden kann, mu├č man schweigen.

__________________
RL

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
Kommentare: 2919
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Was man so sagt:

"Einen Zeitraum festlegen"

Diese drei Worte, sie wollen nicht einfach an mir
vorbei. Meine Gedanken verbeissen sich in dieses
eine Wort : Zeitraum.

Was soll das sein? Wie habe ich mir das vorzustellen?

Die Zeit nimmt einen Raum ein.

Die deutsche Sprache verbl├╝fft mich immer wieder.

In meiner Vorstellung und, wie ich unterstelle bei
vielen anderen auch, ist die Zeit auf einer
eindimensionalen Zahlengeraden beheimatet, die
gerne als Zeitpfeil bezeichnet wird.
Der willk├╝rlich festgelegte Nullpunkt bezeichnet die
Gegenwart, rechts davon liegt die Zukunft, links davon
die Vergangenheit.

F├╝r mich liegt hier etwas absurdes vor. Solche Entdeckungen
rufen meinen Ehrgeiz hervor.
Also suche ich analoge Begriffe mit "Zeit", die nach genauerem
Hinsehen einen Widerspruch darstellen.
Relativ schnell werde ich f├╝ndig.
Das gegebene Bild des Raumes erg├Ąnze ich mit vier W├Ąnden.
Da, diese Wand ist so nackt, hier geh├Ârt ein Bild hin.
Also brauche ich einen Rahmen: einen Zeitrahmen.
Der Raum entwickelt sich pr├Ąchtig.
Aber es ist mir noch zu dunkel. Ich hole meinen virtuellen
Vorschlaghammer und haue ein Loch in die, dem Zeitrahmen
gegen├╝berliegende, Wand. Schnell noch in den Baumarkt
ein Zeitfenster kaufen, und schon ist es gem├╝tlich.

Jetzt mache ich einen Schritt zur├╝ck und betrachte
mein Werk. Ich habe einen "wundersamen" Zeitraum geschaffen.
Beinahe zeitlos sch├Ân.
Da kommt mir ein Gedicht von Anbas in den Sinn: Titel "besiegt"
In diesem St├╝ck weckte besonders der erste Satz mein Interesse:

"auch wenn ich
die zeit tot schlage
wird sie mich ├╝berleben"

Was w├Ąre denn, wenn wir sie wirklich tot hauen, die Zeit!
G├Ąbe es nicht einen Raum, wohin sie sich zur├╝ckziehen k├Ânnte?
Da w├Ąre er doch sinnvoll aufgehoben mein "Zeitraum".

Es wird Zeit dies alles zu verarbeiten.

Es wird Zeit dies zu verdichten...





__________________
RL

Bearbeiten/Löschen    


Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
Kommentare: 2919
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Sprachlos auf Wortsuche.

Sprachlos auf Wortsuche.

Seit geraumer Zeit suche ich nach bestimmten Worten.
Worten die sich einer "bestimmten" im Sinne von festgelegten
Auslegungshoheit entziehen.
Vielleicht suche ich auch nur nach dem EINEN.
Vielleicht gibt es so etwas auch nicht.
Aber woher soll ich es wissen, bevor ich f├╝ndig geworden bin?

Bleibt die Frage merke ich auch das es "Nichts" zu finden gibt?
Eine zeitlang dachte ich, ich h├Ątte etwas gefunden:

"WESEN"

Warum?
Das Wort ist so ├╝beraus flexibel - ein ungl├╝ckliches Wort -
nehme ich also biegsam.

Aber zuerst wieder eine Irritation.
"Das Wesen eines Menschen ist..."

Was verbirgt sich hier? Was offenbart sich?

Ein Start ist die Etymologie:
altgr. ouisa, lat. essentia
Beide Worte meinen das, was ein "Ding" haben mu├č, damit
es notwendig existieren kann. Wohl wahr, schon wieder
Metaphysik:
Das Wesen ist der unwandelbare Kern eines Gegenstandes.
Schnell weg...
Also ein neuer Versuch. Das wort "Wesen" beherbergt, wenn
auch nur rudiment├Ąr, das Partizip von "Sein". Hier, "gewesen".
"Sein" wiederum l├Ąsst sich am weitesten zur├╝ckverfolgen
im altiranischen " a-ste", was soviel wie Platz, Sitz,
Bleibe meint.
Hilft mir das? Und wenn ja, wohin hilfst es mir?

Ich beginne mit dem Wort zu spielen. Pr├Ąfixe, Suffixe,
Substantivierungen, etc.

Das Wesen:das Wesentliche, Anwesen- anwesend, abwesend,
Unwesen, verwesen(passiv), Der Verweser(Aktiv), der Wesir,
die Wesensz├╝ge, Lebe-wesen( gibt es ein todeswesen? ),
wesensfremd, wesenlos, das Gesundheitswesen..., das Gewesene


Ich bleibe suchend, und stelle fest, noch sind mir viele
"wesen" fremd.



__________________
RL

Bearbeiten/Löschen    


Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
Kommentare: 2919
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Intensivstationen

Was man so sagt:
" sich etwas verschreiben"

Es ist wie eine Treppe. Aber wohin f├╝hrt sie?
Die Stimmungslage f├╝hrt mich zur Arithmetrik:

Ich addiere:

Sekundenfetzen
+
Minutenblatt
+
Stundenzettel
+
Tagebuch
______________

????????

Was bleibt ist "Zusammen-fassung".
Addition von Gegenwart zu Gegenwart ist ein "Fassungslos".

Schreiben ist immer Jetzt. Das Geschriebene immer
geronnene Zeit. Aber es ist, ├Ąhnlich einem alten Foto, das ich mir anschaue: w├Ąhrend ich es studiere, ├╝berkommt mich die Frage, was wohl links neben dem gew├Ąhlten Bildausschnitt
liegt?
Existiert auch die Aussparung?
Was ist das Geschriebene, wenn nicht immer auch eine "Aus-lassung"
Was w├Ąre zu sehen, h├Ątte ich die Belichtungszeit statt auf einer sechzigstel Sekunde, anders gew├Ąhlt.
Im Geschriebenen verbirgt sich "dem entsprechend" auch immer das nicht Gesagte, da├č sich selbst Versagte und Entsagung.

Sich dem Schreiben widmen, hei├čt sich damit abzufinden, einen Gedanken verlieren zu k├Ânnen.

Willkommen im " Verlustreich".


__________________
RL

Bearbeiten/Löschen    


Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
Kommentare: 2919
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Rekapitulieren:

Was ist das ├╝berhaupt f├╝r ein Tagebuch.
Hier steht ja nichts von dem was ich tue.

Nur was ich denke, findet sich hier.
Also ein Gedankenbuch.
Ich ├╝berblicke nachdenklich meine Tage, meine Wochen,
mithin die letzten fast vier Jahre in denen ich selbstst├Ąndig
bin.

Eigentlich f├╝hle ich Erleichterung, als ich feststelle:
meine Gedanken erleben mehr als mein K├Ârper.

Der reist zwar gelegentlich umher, der trinkt mal ein zwei zuviel, der geht mit seiner Frau ins Kino, und ab und an
sitzt er beim Italiener und i├čt...

Aber die Dinge, die mich wirklich bewegen haben ihren
Raum in meinem Kopf.

Macht mich das fremd?

__________________
RL

Bearbeiten/Löschen    


Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
Kommentare: 2919
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Quichote und der Zauberberg

Wenn ich unsere transatlantische Zivilsation betrachte, will
mir scheinen wir, h├Ątten so etwas wie eine "faustische Seele".
Und zus├Ątzlich will mir scheinen das gerade Goethe, der den
Mythos von Faust in eine so wunderbare Form gegossen hat,
selbst doch eher eine "Lichtgestalt"war, will hei├čen eine "apollinische"
Seele hatte.
Insofern war Goethe f├╝r mich ein antiker Geist, eher verwandt mit
den gro├čen Dichtern der Griechen, als z.B.mit seinem Zeitgenossen
Immanuel Kant,in dem ich das d├╝sterste Bild der faustischen Seele
zu erkennen glaube.
Das faustische ist durchdrungen von Willem nach Kausalem:
wo Goethe schaut, wo er hinsieht und Freude empfindet, will
die faustische Seele, sezieren, will einteilen, will von allem
einen Begriff haben.
Hier erkenne ich eine Verwandtschaft zwischen Goethe und
Cervantes. Obschon mit dem "Don Quichote" zum Erstenmal ein echter
Mensch die B├╝hne der Literatur betritt, ein Wesen das nicht nur Maske,
Spiegel von etwas ist, wie es die "Helden der griechischen Trag├Âdien
waren, ist doch der Held "Quichote" selber eine durch und durch
"apollinische Seele".

Was er schaut, was er sieht von seiner Aussenwelt, ist doch
mit keiner unserer Erkenntnisse zu vergleichen.
Quichote ist beseelt vom Wunsch - vielleicht vom Traum - und was
er blickt ist noch nicht gegossen, hat keine festgelegte Form,
alle Hülle ist ihm nur ein Nebliges, ein sich Änderndes.
Hier ist Quichote ein Wesen, das bei Ovid und seinen Metamorphosen
eine Heimstatt gefunden h├Ątte.
Und doch ist der "Don Quichote" von Cervantes ein moderner Roman:

Wir m├╝ssen ihn f├╝r verr├╝ckt erkl├Ąren um ihn als einen der unseren
zu begreifen.
Wo Quichote wandelt, gehen wir Modernen spazieren, wo sich in seinem
Blick Ver├Ąnderung findet, erkennen wir Gesetze, was ihm Luft ist, was
er empfindet, ist uns Physik und Chemie.

Gibt es in der modernen Literatur ein Gegenpart zu Quichote?
Ich versuche ihn in Castorp, jenem Helden aus Thomas Manns
Zauberberg,zu erkennen.
Der junge Castorp ist auf seine eigent├╝mliche Art und Weise ganz Gef├Ą├č,
ist Form, hat aber keinen Inhalt. Gerade so als h├Ątte der Sch├Âpfergott
der Gnosis, der Demiurg, beim ausgiessen des Geistes in die beseelte
Welt,gerade ihn ├╝bersehen.
Und diesem Gef├Ą├č stellt Mann nun Naphta und Settembrini an die Seite.
Zwei gewaltige diametrale Geister; der eine Naphta, durch und durch
faustsich und daneben, der eher apollinische Settembrini. Hier beginnt
der Kampf um die Seele des jungen Castorp.
Aber es ist kein Kampf um etwas Vollendetes, es ist ein Krieg
um das Gef├Ą├č "Castorp", das beide, je nachdem wer den Sieg erringt,
mit ihrer Seele f├╝llen wollen.

Mit Thomas Mann endet f├╝r mich die Geschichte des modernen Romans.
Wo bei Cervantes die "eine Seele" erwacht und sich eine Welt sucht,
ist im Zauberberg das vollendete als Form ,bzw. Gebilde zu erkennen.
Die Seele ist nicht da, Alles ist Form, ist Kampf und, so zeigt es
das Ende: D├Ąmmerung.

Was f├╝r mich bleibt sind Begriffe: Postmoderne, Dekonstruktion.
Erkennen von Teilwelten, nichts Ganzes, die Ideen zerfallen.
Wie hat es der letzte gro├če Weltenerkl├Ąrer Nietzsche so treffend
formuliert: ( in leichter Abwandlung)
"Das Ende der Geschichte(n). Die Wiederkehr des stetig Gleichen."


__________________
RL

Bearbeiten/Löschen    


22 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Tagebuch - Diary Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!