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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gedankenverloren
Eingestellt am 09. 06. 2005 21:56


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Rautenhaus
Hobbydichter
Registriert: May 2005

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Gedankenverloren

Kennen Sie das auch ? Sie sitzen vor einem weissen Blatt Papier, den Stift in der Hand und wollen einen Roman schreiben. Einen echten Klassiker, einen Bestseller. Und was passiert ? Ihnen f├Ąllt nichts ein. Sie haben im wahrsten Sinne des Wortes ein Brett vor dem Kopf.

Gedankenverloren sehe ich aus dem Fenster. Blauer Himmel. Vereinzelt zieht eine Wolke vor├╝ber. Ich stelle mir vor, die gro├če weisse Wolke ist ein riesiges grosses Luftschiff auf seiner Fahrt, das B├Âse zu bek├Ąmpfen. Mutig und zum Kampf entschlossen, steht der Kapit├Ąn am Bug des Schiffes und h├Ąlt Auschau nach dem unsichtbaren Gegner. Dort. hinter den Wipfeln des angrenzenden Waldes taucht pl├Âtzlich eine dunkelgraue Wolke auf. Der Kapit├Ąn der weissen Wolke gibt den Befehl zum Angriff. Donnernd feuert die weisse Wolke eine Salve auf die graue Wolke, woraufhin sie in tausend kleine Wolken zerf├Ąllt und und es zu regnen beginnt. Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, denn der Regen entpuppt sich als Pl├Ątschern des Wassers aus der Dusche unter der meine Frau gerade steht und nach dem gelben Frotteehandtuch verlangt. Ich habe wieder mal getr├Ąumt und mir ist immer noch nichts eingefallen, was ich schreiben soll. Als ich meiner Liebsten das Handtuch reiche, fragt sie mich, ob ich mir schon Gedanken ├╝ber das Abendessen gemacht habe, aber mir f├Ąllt partout nichts ein. Gr├╝belnd gehe ich wieder ins Wohnzimmer und setze mich in den Ohrensessel und ├╝berlege mir, wie ich meinen Roman beginnen soll. Ach, ich sollte mir doch noch etwas zum Essen ├╝berlegen. Wo bin ich nur mit meinen Gedanken. Abendessen, ja. Ein St├╝ck Fleisch w├Ąre nicht zu verachten. Vielleicht Schwein ? Oder doch lieber Rind ? Ich stelle mir ein Leben als Rindvieh ziemlich grausam vor. Ein ganzes Leben nur auf der Wiese, nur Gras fressen, um irgendwann wenn es dem Bauern gef├Ąllt geschlachtet zu werden, damit der Mensch etwas zum Essen hat. Aber so ist das Gesetz der Natur. Fressen und gefressen werden. Wie w├Ąre es wohl, wenn die Tiere die Macht h├Ątten. Wie in Orwells "Farm der Tiere". Wieder sehe ich aus dem Fenster. Draussen geht ein alter Mann mit seinem Hund spazieren.Pl├Âtzlich w├Ąchst der Hund zu ungeahnter Gr├Âsse. Er ist jetzt doppelt so gross wie der alte Mann. Er legt den Greis in Ketten und treibt ihn mit einem Stock vor sich her. Tiere an die Macht. Was w├Ąre, wenn Tiere reden k├Ânnten ? Sie w├╝rden uns so manches Mal eines Besseren belehren. Vielleicht k├Ânnten sie uns ├╝berzeugen, dass es unrecht ist, so ├╝ber sie zu bestimmen. ├ťber Leben und Tod die Macht zu haben. Draussen pinkelt der Hund gerade an mein Auto und ich rufe dem alten Mann zu, er solle seine T├Âle besser im Griff haben und schleunigst mit dem Vieh verschwinden, bevor ich es mir anders ├╝berlege und ihn wegen Sachbesch├Ądigung anzeige. Da bemerke ich, dass ich nichts besser bin. Auch ich herrsche ├╝ber die Tiere. Bin ich denn etwas Besseres ? Habe ich denn eigentlich das Recht dazu ? Mit nichten. Die Realit├Ąt hat mich wieder. Ich war mit meinen Gedanken wieder ganz woanders. Wo war ich stehen geblieben ? Ach ja, ich wollte einen Roman schreiben. Ich schaue zur Wohnzimmert├╝r her├╝ber, um den Ger├Ąusch nachzugehen, das vom Flur zu kommen scheint. Die T├╝r ├Âffnet sich und eine dralle Blondine in einem blauen Pailettenkleid kommt herein. In de Hand h├Ąlt sie eine Flasche Champagner. Dom Perignon. Ein Champagner mit Charakter. Mein lieber Mann, sie sind beide nicht zu verachten. Die Blondine fragt, ob sie mich auf ein Gl├Ąschen einladen darf. Ich bin nat├╝rlich nicht abgeneigt, als mich meine Frau fragt, ob es mir nicht gut geht und mir eine Tasse Ostfriesentee reicht. Ich werde aus meinen Gedanken gerissen und meine Wangen beginnen leicht zu gl├╝hen. Ich habe mich wieder hinreissen lassen. Wie konnte ich nur meine Frau, ach was sage ich, die beste Frau der Welt, mit so einem Flintenweib in Blau verwechseln. Was einem so manches Mal alles durch den Kopf schwirrt. Meine Frau l├Ąsst mich mit einem s├╝ssen L├Ącheln allein und ich widme mich wieder dem weissen Blatt Papier. Vielleicht sollte ich erst mal einen Schluck heissen Tee trinken. Ah, das tut gut an diesem tristen Novembertag. Ich beisse von dem Keks ab, den mir meine Angetraute zum Tee serviert hat. Knirschend kaue ich den Keks, und es h├Ârt sch an, als ob das Haus einst├╝rzt. Oh Gott ! Ich muss alles in Sicherheit bringen. Wo ist nur meine Frau ? Unser kleines Kanninchen sitzt bestimmt voller Panik hinterm B├╝cherregal und versucht sich in Sicherheit zu bringen. Ich muss es um jeden Preis retten. Und wenn es mein eigenes Leben kosten sollte. Ich springe auf und reisse voller Panik die Wohnzimmert├╝r auf, um den Tr├╝mmern zu entkommen. Meine Frau steht schreckensbleich vor mir. So schnell hatte sie mich erwartet. Sie wollte nur ins Wohnzimmer kommen, um mich zu fragen, was denn jetzt mit dem Abendessen sei, aber anscheinend sei ich mit meinen Gedanken wieder ganz woanders. Wie recht sie doch immer hat. Mit wild schlagendem Herz begebe ich mich wieder zum Ohrensessel und beruhige mich erst einmal wieder. Schlie├člich will ich doch noch vor dem Essen mit meinem ersten Roman beginnen. Wieder gleitet mein Blick nach draussen.Der Himmel zieht sich zu. Die B├Ąume des Waldes an dem wir wohnen wirken bedrohlich. Die kahlen ├äste sehen aus wie riesige Arme. Und pl├Âtzlich greift die grosse Eiche mit ihren d├╝rren kahlen ├ästen nach mir. Die Scheiben splittern und die Greifarme kommen bedrohlich nahe und wollen mich packen. Ich sinke immer tiefer in den Sessel. Der Baum greift ├╝ber mich hinweg. Ich ducke mich und springe aus dem Sessel, um nach einer Waffe zu suchen. Da klirrt es schon wieder. Ich h├Âre meine Frau in der K├╝che fluchen. Es war die Salatsch├╝ssel die zu Bruch gegangen ist. Die Realit├Ąt hat mich wieder. Ich beruhige meine Frau und fege die Scherben auf. Pl├Âtzlich sehe ich tausend M├╝nzen auf dem Boden liegen und ich fege wie ein Verr├╝ckter das Geld zusammen. Ich bin Dagobert Duck. Nachdem ich alles Geld zusammengerafft habe, bringe ich alles in den gro├čen Geldspeicher im Keller. Ich finanzieller Hinsicht bin ich ein Raffzahn. Aber war in der Werkstatt nicht eben ein Ger├Ąusch ? Ich nehme den Schraubendreher und pirsche mich an den B├Âsewicht heran. Vorsichtig dr├╝cke ich mit dem Fuss die Wekstatt├╝r auf. Ich hebe den Arm mit dem Schraubendreher in der Hand. Bereit zuzustechen. J├╝rgen dreht sich um und w├╝nscht mir einen guten Abend. Was ich denn von einer gek├╝hlten Flasche Bier halten w├╝rde. Ich lasse heimlich den Schraubendreher in meiner Ges├Ą├čtasche verschwinden und sage nicht nein. Zischend ├Âffnet J├╝rgen zwei Flaschen mit k├╝hlem blonden Gerstensaft. Und Zisch, und Klack und Prost !
Ich muss erst mal auf die Toilette und lasse mich auf die Klobrille nieder. Auf dem stillen ├ľrtchen kann ich meine Gedanken sammeln und wieder klar denken, um den Kopf frei zu kriegen. Schlie├člich wartet mein erster Roman auf mich. Ein paar Zeilen will ich heute schon noch zu Papier bringen. Aber vielleicht sollte ich mich zun├Ąchst erst einmal st├Ąrken und zu Abend essen. Doch mit einem Mal kribbelt es von unten an der linken Pobacke. Der Schreck f├Ąhrt mir in die Glieder. Eine pelzige Kanalratte schnappt nach meinem Allerwertesten und will mich in die Tiefe ziehen. Ich sitze schon tief drinnen in der Toilettensch├╝ssel. Meine Beine schnellen in die H├Âhe Ich sitze im Becken fest. Von unten zerrt die Ratte immer st├Ąrker an meinem Hosenboden. Ob ich hier je wieder rauskomme ? Ich halte mich krampfhaft am Papierhalter fest und leiste dem Nager unter mir erbitterten Widerstand. Die Stimme meiner Frau reisst mich aus meinen Gedanken. Wenn sie das Essen noch l├Ąnger warmhalten muss, gibt es zum Essen verkohlte Steaks und schwarze Kartoffeln. Sie bittet mich inst├Ąndig, mich von meinem Thron im Badezimmer zu erheben und endlich zum Abendessen am K├╝chentisch zu erscheinen. da bin ich doch glatt auf der Toilette eingenickt. Ich putze mir flugs den Popo ab und spreche das Tischgebet. Lieber Herr im Himmel, wir danken dir f├╝r das, was du und bescheret hast. Piep, Piep, Piep ! Guten Appetit !
Mann war das ein Tag ! Jetzt aber ab ins Bett.
Ich ziehe mir die dicke Bettdecke bis ├╝ber die Ohren. Den Gutenachtkuss meiner Frau bekomme ich nur noch im Halbschaf mit. Der Tag hat mich doch ganz sch├Ân mitgenommen. Ich gleite ins Reich der Tr├Ąume.
In der Wohnung ist es still. Nur der K├╝hlschrank surrt vor sich hin. Da ! Ein Ger├Ąusch aus dem Flur l├Ąsst mich hochschrecken. Panisch ├Âffne ich die Augen, die sich in der Dunkelheit erst mal an die Schw├Ąrze der Nacht gew├Âhnen m├╝ssen. Pl├Âtzlich bemerke ich einen Schatten der vor meinem Bett steht. Na warte Freundchen, dir werde ich es zeigen. Ich greife langsam hinter meinem Kopf und packe den Zipfel meines Kopfkissens. Ich hebe meinen Kopf an und ziehe es hinter meinem Haupt hervor und schleudere es dem B├Âsewicht mit voller Wucht entgegen. Rrrums ! Das war Schlafzimmert├╝r. Jetzt ist auch meine Frau wach. Mit grimmigem Blick schaut sie mich an, dreht sich um und sch├Ąft weiter. Ich hole mir mein Kopfkissen zur├╝ck und lege mich wieder hin.

Nun sitzen wir endlich am Abendbrottisch und lassen es uns schmecken. Meine Frau hat wieder vorz├╝glich gekocht.

Meine Frau sagt mir, wie sch├Ân doch der Weihnachtskaktus bl├╝he und ich denke mir nur, was ich denn f├╝r eine bl├╝hende Phantasie habe. Vielleicht sollte ich meine Gedanken mal in einem Roman niederschreiben, was meinen Sie ?

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