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Leselupe.de > Theoretisches
Gedichtformen: Das Ghasel/die Ghasele
Eingestellt am 17. 06. 2010 16:59


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Bernd
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Das Ghasel (auch Schreibweise: das Gasel)/die Ghasele (Wikipedia: Hier klicken ) ist eine schon sehr alte Gedichtform. Sie stammt urspr├╝nlich aus Indien oder Persion und beschreibt den Lebensgenuss, die Lebensfreude, die Liebe.
Nach Angabe der Wikipedia wurde der urspr├╝nglich erotische Inhalt sp├Ąter auch durch religi├Âsen und mystischen Inhalt ersetzt.

Beim Ghasel wird eine recht ungew├Âhnliche Strophenform verwendet.
Es besteht aus Strophen mit je zwei Versen, wobei sich die der ersten Strophe untereinander und mit der zweiten Verszeile aller anderen Strophen reimen. Zus├Ątzlich kann es Binnenreime mit der gleichen Struktur geben.

Reimstruktur: a a - x a - x a - x a - x a - x a ...
(entsprechend Wikipedia geandert. Hier klicken)

(Wiederkehrender Reim)

Neben reinen Reimen werden oft auch identische Reime verwendet, die sonst in Deutsch eher selten sind - das Reimwort ist dabei jeweils gleich.

Die anderen Verszeilen (x) reimen sich weder untereinander noch mit der ersten Zeile. Sie sind "Waisen".

Die Gesamtzahl der Verse liegt nicht fest.

Ein oft angegebenes Beispiel stammt von Von Gustav Pfizer:

quote:
Das Ghasel

Es wandte meine Kunst sich zum Ghasele,
Damit sie allen Formen sich verm├Ąhle.
Erg├Âtzlich ist solch bunte Reimerei,
Ob auch des Lebens markiger Kern ihr fehle;
Die Wandrung selbst bereichert schon den Geist,
Ob er auch nirgends pl├╝ndre oder stehle.
Hier lernt, wie t├Ânender Musik zulieb
Die Sprache sich in mancher Kr├╝mmung qu├Ąle
Und, von des Gleichklangs strenger Schrift beherrscht,
Seltsame Bilder halb gezwungen w├Ąhle.
Des K├╝nstlers Kunst und Fassung leihet oft
Den Wert dem minder kostbaren Juwele.
Euch fleh ich an, o Richter, richtet mild,
Weil ich ja selbst die Schw├Ąchen nicht verhehle,
Und unter dieses bunten Turbans Schmuck
Verkennet nicht die echte Christenseele.



(Hier zitiert nach der Fassung in der Wikipedia. Hier klicken )

Friedrich R├╝ckert schrieb eine Reihe deutscher ├ťbertragungen.

Beispiel:

quote:
Solang' die Sonne nicht den Nachtflor bricht,
Sind Tagesv├Âgel ohne Zuversicht.
Der Blick der Sonne ruft die Tulpen auf;
Jetzt ist, o Herz, dir zu erwachen Pflicht.
Das Sonnenschwert gie├čt aus im Morgenrot
Das Blut der Nacht, von der es Sieg erficht.
Voll Schlafs das Auge, sprach ich: ┬╗Es ist Nacht.┬ź
Er sprach: ┬╗Vor meinem Angesichte nicht.┬ź
Solang' es graut, ist zweifelhaft der Tag;
Am hellen Tag, wer zweifelt noch am Licht?
Im Osten steht das Licht, ich steh' im West,
Ein Berg, an dessen Haupt der Schein sich bricht.
Ich bin der Sch├Ânheitssonne blasser Mond;
Schau weg von mir, der Sonn' ins Angesicht!
Dschelaleddin nennt sich das Licht im Ost,
Des Wiederschein euch zeiget mein Gedicht.

Zitiert nach Friedrich R├╝ckert, Gedichte: Hier klicken

* Gedichte / Wanderung / Zweiter Bezirk. Ghaselen / 1. Mewlana Dschelaleddin Rumi / 1. [Solang' die Sonne nicht den Nachtflor bricht]
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Version vom 17. 06. 2010 16:59

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