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Leselupe.de > Kurzprosa
Geduldige Erkenntnis
Eingestellt am 14. 01. 2018 14:39


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Sabrina
Hobbydichter
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Ein Geduldsfaden im Apfelbaum


Der alte Mann hielt den Samenkern eines Apfels zwischen seinen faltigen Fingern in die Sonne. Er kniete sich m├╝hsam nieder, legte behutsam den Kern in die Erde und ebnete das Loch mit seinen runzligen H├Ąnden. Sein Lebensabend war weit voran geschritten. Die eigene Verg├Ąnglichkeit im Kreislauf des Lebens stand kurz bevor und damit auch ein neuer Anfang im Zyklus des Werdens und Vergehens.

Er goss seinen Samen fortan jeden Tag und betrachtete dabei den Ort, wo einst ein prachtvoller Baum seine Fr├╝chte verschenken w├╝rde. Sein Leben war gelebt, kein Auftrag auf Erden mehr offen. Seine Seele hatte eine F├╝lle an Erfahrungen gespeichert und w├╝rde zufrieden gehen k├Ânnen. Dennoch hoffte der alte Mann den ersten Apfel dieses werdenden Baumes noch vor seiner Abreise ernten zu k├Ânnen. Er hatte es versprochen!

Sein Bem├╝hen war es, sich allzeit mit Geduld und Hingabe, als Alternative zu mineralischem Kunstd├╝nger und Pflanzenschutzmittel, seinen Z├Âgling zu pflegen. Es ging nur langsam voran mit dem Baum. Das beruhigte den Alten einerseits, denn er selbst war schlie├člich auch sehr langsam. Nicht nur bei der Pflege seiner Pflanze. Die Langsamkeit war ein friedenherstellender Gegenpol in dieser -├╝ber seine 74 Lebensjahre hinweg - immer effektiver gewordenen Gesellschaft. Andererseits qu├Ąlte ihn manchmal die Ungeduld, wenn er die Pflanze nicht wachsen sah.
ÔÇ×Geduld ist eine Frucht des Heiligen GeistesÔÇť, sagte seine Frau bevor sie starb und gab ihm den Apfelkern, mit dem sie ihm gleichzeitig die F├Ąhigkeit auf seine Abreisezeit zu warten schenkte. Jeden Tag musste er mit seiner ungestillten Sehnsucht leben und diese, auf ungewisse Zeit, zur├╝ckstellen.
Als der Samen aufging und die Pflanze sich durch die Erde ihren Weg zum Licht Bahn brach, waren endlich die Entwicklungen an der Erdoberfl├Ąche sichtbar. Der Greis erfreute sich an den Beobachtungen, die er jetzt machen konnte. Er sah, was er pflegte!

Die Jahre vergingen, ebenso wie einzelne K├Ârper- und Vitalfunktionen des Alten.

Gemeinsam mit dem Apfelbaum wuchs auch weiteres Leben in seinem Umfeld heran. Das siebte Urenkel-Kind wurde im dritten Jahr des Apfelbaumes geboren und war nach nur eineinhalb Jahren - aufrecht stehend -gr├Â├čer, als der Baum in seinem f├╝nften Jahr.

Geduld ist eng mit der Hoffnung verbunden und so hoffte der alte Mann mit der Ernte des ersten Apfels, seinen letzten Auftrag erf├╝llt zu haben und gehen zu d├╝rfen. Bis es soweit war, blieb ihm nur, den gegenw├Ąrtigen Moment, in dem alles geschieht, mit den vorhandenen M├Âglichkeiten zu leben.

Die Bl├╝ten, die der Baum in seinem achten Jahr hervorbrachte, waren ganz besondere Apfelbl├╝ten. Das war offensichtlich. Die Bl├╝ten fielen aber nach einer Weile ab, ohne dass sich eine Frucht entwickelte.
Drei lange Jahre in der Vorausschau und drei kurze Jahre in der Erinnerung, sollte der Alte noch den gegenw├Ąrtigen Moment, immer m├╝hseliger gestalten m├╝ssen, bis der Baum endlich seine ersten Fr├╝chte hervorbrachte.
Nach elf Jahren der langm├╝tigen Pflege, des geduldigen Beobachtens, der gelassenen Freude ├╝ber sichtbare Entwicklungen und den Missmut, ob der Sehnsucht nach dem Ende, sah der alte Mann, dass aus dem Geduldsfaden im Apfelbaum, etwas anderes geworden war.
Jetzt erst sah er was er pflegte! Mit der Herausbildung der Fr├╝chte, sah er die Erkenntnis in dem Birnenbaum vor ihm und die Stimme seiner Frau in ihm sagte:

ÔÇ×Zu jedem Augenblick, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.ÔÇť

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Franka
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