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Leselupe.de > Kurzprosa
Gefährliches Spiel
Eingestellt am 21. 07. 2001 14:32


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visco
Häufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2001

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Gefährliches Spiel

Gefährliches Spiel


»Was ist das?«
»Ich glaube, es ist ein Spiel.«
»Was für ein Spiel?«
»Ich weiß nicht. Mögen Sie Spiele?«
»Nicht besonders. Ich halte es für Zeitverschwendung.«
»Was wollen wir sonst tun?«
»Zeitverschwendung!« zischt der alte Mann. Glasige Augen starren ins Leere.
»Was mischst du dich ein, Alter, heh?«
»Er hat Recht«, murmelt der Neuankömmling und entfernt sich vom Spieltisch.
»Warten Sie! Geh´n Sie nicht weg!«
»Wo sollte ich denn hingehen?«
»Dann spielen wir?«
»Ich kenne die Regeln nicht.«
»Niemand kennt sie«, wirft die Frau ein. »Aber ohne Sie sind wir nicht komplett.«
»Woher wissen Sie das?«
»Vier. Man braucht vier. Sonst funktioniert es nicht.«
»Vier braucht man!« hallt es von Gegenüber wider.
»Ach, halt´ doch die Klappe! ... Können wir anfangen?«
»Also schön. Was muß ich tun?«
»Ziehen Sie einen Stein, wenn Sie an der Reihe sind.«
»Von den hellen?«
»Das sind doch die anderen, Mann! Wir haben natürlich die dunklen!«
»Wir sind die Dunklen!«
»Du sollst doch die Klappe halten! ... Entschuldigen Sie. Er ist verrückt.«
»Es gibt also noch mehr Spieler?«
»Jemand muß doch die anderen Steine bewegen.«
»Es gibt nur zwei Farben aber acht Spieler?«
»Wir wissen nicht, wer die anderen zieht.«
»Und woher weiß ich, wann ich an der Reihe bin?«
»Wenn es ein kluger Zug ist.«
»Geht es denn nicht reihum?«
»Nein. Man zieht, wenn es klug ist.«
»Können wir jetzt endlich anfangen?«
»Weiß beginnt!« schallt es von hinten.
»Klappe!«
»Was sollen wir jetzt tun?«
»Ich werde ziehen!«
»Er beginnt immer. Er kann nicht abwarten. Jetzt ziehe ich.«
»Ah, ich verstehe, auf die hellen zu. Muß man springen?«
»Das Feld dahinter muß frei sein. Nun machen Sie schon!«
»Bin ich dran? Na schön. Ich könnte mit diesem Stein ...«
»Können Sie nicht!«
»Nein, das ist nicht Ihrer. Das sind seine. Nehmen Sie einen von Ihren, und ziehen Sie nach.«
»Nicht seine! Man muß von seinen nehmen!«
»Du bist nicht dran, Opa!«
»Also, dann vielleicht diesen? Soll ich diesen setzen?«
»Mann, nun ziehen Sie doch endlich! ... Na also. Geht doch. ... Jetzt du, Opa!«
»Es geht also doch reihum.«
»Nein. Es muß klug sein. Ziehen Sie noch ´mal.«
»Den gleichen Stein?«
»Oder einen anderen.«
»Lieber einen anderen! Damit wir zusammen bleiben!«
»Er läßt sich nicht bewegen.«
»Natürlich nicht. Sie müssen einen von Ihren nehmen.«
»Welche sind denn meine? Da sind so viele. Und alle sehen sie gleich aus.«
»Sehen Sie genau hin.«
»Ja, Mann! Sehen Sie denn nicht die Felder?«
»Ich ... natürlich sehe ich die ... ah, Moment, ... ich habe bestimmte Felder. Ja, so wird es sein. Ich habe die Steine, die auf diese Felder springen können.«
»Endlich kapiert er´s! ... Was ist jetzt? Geht´s endlich weiter?«
»Sekunde noch, ... eins, zwei, drei, vier ... eins, zwei, drei, vier, fünf. Vier mal fünf. Das macht zwanzig. Ich kann also auf zwanzig verschiedene Felder setzen. ... Nur drei Steine können durch Überspringen eines benachbarten auf eines dieser Felder gelangen. Dieser, dieser und dieser.«
»Bitte ziehen Sie jetzt. Er wird schnell ungeduldig. Wir dürfen uns keinen Fehler erlauben.«
»Kann man auch diagonal setzen?«
»In alle Richtungen.«
»Auch mehrmals?«
»Wenn es klug ist? Nur nicht hin und zurück.«
»Ich werde bis hier hin vorziehen.«
»Guter Zug! Jetzt kann ich schlagen! ... Nimm´ das, ... und das! Haha!«
»Ah, ich verstehe. Die Übersprungenen werden zu unseren. Jetzt haben wir zwei Steine mehr und der Gegner zwei weniger.«
»Warten Sie ab.«
»Ich sehe schon. Er schlägt zurück.«
»Los, Opa! Die kannst du kriegen!«
»Nein, warte. Das ist eine Falle. Wir sollten zusammen bleiben. Sonst geben wir unsere Deckung auf.«
»Spielt unser Gegner stark?«
»Wir haben noch nie gewonnen.«
»Diesmal schaffen wir es! ... Hörst du? Diesmal kriegen wir dich!«
»Er hat schon wieder welche geschlagen. Jetzt habe ich nur noch zwei Steine, die ich setzen kann.«
»Verflucht! ... Na warte! Das zahle ich dir zurück!«
»Wir müssen besser aufpassen. Du spielst zu offensiv.«
»Genau so, Opa! Gib´s ihm!«
»Er hört Ihnen nicht zu. Sollen wir nachziehen?«
»Zu gefährlich. Wir haben schon zuviele Steine verloren. Schließen Sie die Lücke.«
»Nein, nein, nein! Was macht ihr denn da? Wie soll ich denn jetzt zurück?«
»Du hättest dich eben nicht so weit vorwagen sollen.«
»Drei zu eins.«
»Wie bitte?«
»Unser Gegner ist uns dreifach überlegen.«
»Das heißt nichts. Ziehen Sie an den Rand. Wir müssen neu aufbauen.«
»Ich könnte drei seiner Steine überspringen.«
»Und damit eine Brücke hinterlassen? Das wäre nicht klug.«
»Na toll, Opa! Was hast du dir denn dabei gedacht, heh? Kannst du mir ´mal sagen, wie ich ... oh nein! Jetzt sieh´ dir das an! Ich kann nicht mehr setzen! Das hast du jetzt davon!«
»Wir haben Glück. Sehen Sie die Stellung? Das ist nicht zu sichern.«
»Was? Wo? Ich verstehe nicht.«
»Eine Sorte ist hilflos, eine Stellung aus dreien ist nicht zu halten. Heute spielt er nicht so stark. Ich glaube, wir können gewinnen.«
»Ich sehe es. Wenn ich da hin käme, sind unsere nicht zu überspringen, aber im nächsten Zug gehören die Weißen uns.«
»Höchstens drei. Mehr werden nicht eingetauscht. Und denken Sie daran. Wichtig ist, was zurückbleibt.«
»Jetzt komme ich langsam dahinter. Neben den Spielsteinen hat jede Partei drei in Reserve. Geschlagene Steine werden also zu Reservesteinen, sofern mindestens einer davon auf dem Brett ist. Sind aber alle drei Plätze belegt, sind alle dann Geschlagenen für immer verloren und können nicht mehr eingesetzt werden.«
»Ja genau. Deswegen werden es immer weniger.«
»Nun macht doch endlich! Holt mich hier weg!«
»Nur die Ruhe. Wir werden andere Steine deiner Sorte erobern.«
»Wieviele soll ich nehmen?«
»Nur einen. Das ist sicherer.«
»Er schlägt ja gar nicht zurück.«
»Das ist klug. Die Steine sind ohnehin verloren. Er formiert sich neu.«
»Wollen wir nachsetzen?«
»Uns fehlt die zweite Flanke. Bringen wir die anderen wieder ins Spiel.«
»Na endlich! ... Was ist mir dir los, Opa? Bist du eingeschlafen?«
»Jetzt sind wir in der Übermacht. Er zieht sich zurück.«
»So weit waren wir noch nie. Sie spielen gut.«
»Werden wir gewinnen?«
»Das Endspiel ist nicht ohne Gefahren. Ein falscher Zug, eine unachtsam gelassene Lücke, und alles war umsonst.«
»Gleich haben wir ihn! Er kann nur noch am Rand entlang ziehen!«
»Die Steine lassen sich nicht überspringen. Dort ist er sicher.«
»Nein. Man muß ziehen, wenn man kann. Wir werden ihn in die Ecke drängen, bis er nicht mehr ziehen kann.«
»Und was dann?«
»Dann werden wir ihn herauslocken.«
»Ah, verstehe. Ein Angebot, das er annehmen muß.«
»Wenn wir es klug anstellen, kann er keine Stellung aufbauen. Er darf nicht entkommen.«
»Da guckste, was? Kannst nicht mehr ziehen! Haha! Jetzt kriegen wir dich!«
»Können wir denn die entscheidenden Felder absichern? Haben wir dafür ausreichend ... und vor allem die richtigen Steine?«
»Sie haben gut aufgepaßt. Ja. Die Voraussetzungen sind gut. Aber wir dürfen keinen Fehler machen.«
»Jaaa! Komm´ schon! Nu mach´ endlich! Nimm´ ihn ruhig! JA! Dummer Fehler! Da kommst du nicht mehr weg!«
»Noch zwei Züge.«
»Gewonnen! Gewonnen! Wir haben gewonnen! ... Das hättest du nicht gedacht, was? Haha! ... Dem haben wir´s aber gezeigt!«
»Was passiert jetzt? Die Spielsteine sind wieder in der Anfangsposition.«
»Das Spiel ist zu Ende.«
»Ja aber, ... das war´s? Man gewinnt, und das ist alles?«
»Wir leben noch.«
»Ich verstehe nicht.«
»Das ist der Einsatz.«
»Dann ... haben die anderen ... gerade ihr Leben verloren?«
»Nur einer. Der den letzten Stein verliert. Drei in Reserve. Sie wissen schon. Das ist das Prinzip.«
»Los! Spielen wir noch einmal! Hey, Opa. Hast gut gespielt diesmal. Wir werden´s denen schon zeigen, was?«
»Weiß beginnt!«

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Chrissie
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2000

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Wow!

Genial konstruiert und doch lebendig gefüllt!

Liebe Grüße
Chrissie
__________________
Pseudonym? Nein Danke!
Christine Mell von Mellenheim

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visco
Häufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2001

Werke: 24
Kommentare: 206
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Re: Wow!

Liebe Chrissie,

ähem, ich ... räusper ... weiß nicht, was ich sagen soll. Mit einem solchen Lob hatte ich eigentlich nicht gerechnet.
Umso mehr freue ich mich darüber! Vielen lieben Dank dafür.

Der Kommentar meines Göttergatten lautete übrigens: "Ganz witzig, aber keine Chance, zu erkennen, wer das was sagt. Ist aber auch für´s Verständnis nicht erforderlich." (Zitat Ende)
Aufgrund dieses Kommentars hatte ich eigentlich herbe Kritik erwartet. Zugegeben, Lars (so heißt mein Lieblingsmann) kann bestenfalls Douglas Adams rezitieren. Anderen nicht-wissentschaftlichen/-technischen Texten steht er grundsätzlich äußerst skeptisch gegenüber.

Falls Interesse an dem Spiel bestehen sollte (in Wahrheit ist es gar nicht lebensgefährlich; es macht höchstens süchtig), stelle ich gerne die Anleitung hier ein.

__________


Das An-Dich-Drücken hat mir übrigens sehr gut getan. Vielen lieben Dank auch dafür.
__________


Viele liebe Grüße
__________________
Ich hatte eine Lösung gefunden, nur passte sie nicht zum Problem.

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