Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92253
Momentan online:
254 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Gefangen
Eingestellt am 17. 08. 2000 00:00


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Rei
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Sep 2000

Werke: 21
Kommentare: 13
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Gefangen
„Ich liebe dich, hey, dein Daddy liebt dich“ Er war nicht ihr Daddy, nur irgendein Spinner, ein Verr├╝ckter.
Das Bild, das schreckliche Bild, das er ihr immer zeigte, wenn sie die Augen ├Âffnete, das schreckliche Bild, das sich in die Innenseiten ihrer Augen gebrannt hatte, so dass sie es immer sah. Schrecken, Gewalt, Blut, das war alles, was von ihm ├╝brig geblieben war. Mehr gab es von ihm nicht mehr, nicht, seit „Daddy“ die Sache in die Hand genommen hatte. Seitdem war sie hier.
„Vergi├č nicht, Daddy liebt dich.“ Sagte er, bevor er ging,bevor er sich ihr n├Ąherte, bevor er die scheuernden Handschellen anlegte. Hatte er sich auch Daddy genannt, als er ihr das Liebste in ihrem Leben genommen hatte, das, was er auf dieses schreckliche Bild verbannt, es in ihm verewigt hatte? Sie wollte nicht daran denken, sie wollte an gar nichts denken. Aber das Bild war da. Die aufgerissen braunen Augen, die immer so sanft waren. Der entstellte Mund, der sie immer so sanft gek├╝sst hatte. Die gebrochenen Finger, die sie immer so sanft gestreichelt haben. Die tiefe Stimme, herausgeschnitten. Alles vorbei, alles verbannt auf dieses Bild, das in ihrem Hirn abgespeichert war, immer verf├╝gbar.
Nie h├Ątte er sie bekommen, h├Ątte Daddy nicht das unaussprechliche begangen, das, was sie jeden Tag sehen musste. Er h├Ątte sie besch├╝tzt, beh├╝tet, w├Ąre nicht ihr „Daddy“. Wo war er nur, jetzt, wo sie ihn brauchte? "Daddy" hatte ihn ihr genommen. Aus Eifersucht? Aus Liebe? Wieso?
Die Handschellen dr├╝ckten ihr das Blut ab. Die Finger schliefen ihr ein. W├╝rde das ein Daddy zulassen? Warum hatte er das getan, das schreckliche?
Sie wusste noch, wie es begonnen hatte, damals, als sie g├╝cklich mit ihm hatte sein wollen, doch dann kam „Daddy“ und zerst├Ârte ihr Gl├╝ck, ihre Liebe. Dr├Ąngte sich zur├╝ck in ihr Leben, aus dem sie ihn Jahre zuvor verbannt hatte. Doch er war wieder da. St├Ąrker, entschlossener, brutaler. Hatte ihn ├╝berrascht, ihn eiskalt ermordet, dieses Foto gemacht, mit dem er sie jetzt jeden Tag konfrontierte. „Das kann Daddy auch mit dir tun“ sagte er, aber er tat es nicht. Er liebte sie. Er tat gar nichts, au├čer sie anketten, damit sie nicht weglief. Das Bild h├Ątte l├Ąngst jeden Schrecken verloren haben m├╝ssen, aber das hatte es noch lange nicht. Immer wieder war etwas neues da, was sie erneut erschreckte, schockierte. Die Tr├Ąnen waren l├Ąngst versiegt, tief in ihr begraben. Das machte Daddy Sorgen, aber er wollte sie nicht zwingen. Er zwang sie zu gar nichts, nur zu den Dingen, die gut f├╝r sie waren. Darum hatte er ihr ihn ja auch genommen, da er – Daddy – besser f├╝r sie war. Er war der Mann in ihrem Leben, nicht der andere. Jetzt jedenfalls nicht mehr.
Der Schl├╝ssel ging in der T├╝r. „Daddy ist zuhause!“ Er war nicht ihr Daddy, nur irgendein Spinner, ein Verr├╝ckter.
Rei 030800

(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
Kommentare und Aufrufz├Ąhler beginnen wieder mit NULL.)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!