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Leselupe.de > Feste Formen
Gefangen gegangen (Sonett)
Eingestellt am 03. 12. 2011 17:51


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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1535
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Gefangen gegangen
Zum Tod von Christa Wolf

Du trafst auf Himmel, die sich einfach teilten;
Die Trauermauer ohne Dauer sprach
Sich in den Wind der Liebe, sagte: Ach,
Du Schönster, geh jetzt nicht! Und es enteilten

Die schwarzen Vögel zweifach nicht, sie blieben,
Verdeckten Himmel und verhießen Nacht:
Du hieltest Wacht. Du schriebst von kalter Macht.
Du hießt uns lachen und das Dennoch lieben.

Es ist ein kurzer Glanz durchs Land gegangen,
Momente jenseits Gier- und Neidverlangen:
Ein heller Strahl im drögen Einheitsgrau.

Du hast zum Abschied nochmals kurz gewunken,
Schon ist der letzte Vorhang leis gesunken.
Wie’s weitergeht, sag, wusstest Du’s genau?

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 03. 12. 2011 17:51
Version vom 04. 12. 2011 11:32
Version vom 07. 12. 2011 15:32

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2247
Kommentare: 11064
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Ich habe auch viele Werke von Christa Wolf gelesen und ihr Tod geht mir nahe.

Aber jetzt geht es um das Gedicht.

Ich denke, die Zeile "Die schwarzen Vögel nicht, sondern blieben," funktioniert rhythmisch nicht.

Ich denke, es fehlt eine Silbe.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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AchterZwerg
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Walther,
mich macht dein Sonett ein wenig traurig.
HĂ€ttest du es nicht dabei belassen können, dass Lapismont ein so großartiges Gedicht zum Tod der Dichterin verfasst hat?
Muss denn nun eins nachgeschoben werden, das seinen Inhalt vorab erklÀren will und das leicht hingeschustert wirkt?

quote:
Gefangen gegangen
Zum Tod von Christa Wolf
Schon die Überschrift finde ich nicht sonderlich gelungen; der Binnenreim wirkt leicht komisch auf mich.
quote:
Du trafst auf Himmel, die sich einfach teilten;
Die Trauermauer ohne Dauer, sprach
Sich in den Wind der Liebe, sagte: Ach,
Du Schönster, geh jetzt nicht! Und als enteilten

Die schwarzen Vögel nicht, sondern blieben,

Wie Bernd schon sagte: Hier fÀllst du aus dem Rhythmus.
quote:
Verdeckten Himmel und verhießen Nacht:
An diesem Part gibt es von meiner Seite nichts zu meckern.
quote:
Du hieltest Wacht. Du schriebst von kalter Macht.
Du hießt uns lachen und das Dennoch lieben.
Tut mir leid; da denke ich sofort an die "Wacht am Rhein."
Es ist ein kurzer Glanz durchs Land gegangen,
Momente jenseits Gier- und Neidverlangen:
Hier mĂŒsste der Genitiv hin: Neidverlangens. Dann passt aber der Reim nicht mehr.

quote:
Du hast zum Abschied nochmals kurz gewunken,
Schon ist der letzte Vorhang leis gesunken.
Wie’s weitergeht, sag, wusstest Du’s genau?
Das ganze letzte Terzett finde ich einfach nur schlecht. Das Winken und den Vorhang, also nee, Walther.
Da du selber ja manchmal recht streng mit den Kollegen umgehst , wirst du sicherlich einmal einen veritablen Verriss vertragen können? Oder?
Heidrun

@ beba: Dein Eindruck ist ein ganz anderer, und ich respektiere den natĂŒrlich.

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1535
Kommentare: 9779
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Lb. Bernd,

Du hast völlig recht, es fehlt eine Silbe, und dieser Schnitzer ist inzwischen ausgebaut. In der Tat war Christa Wolf eine große Gestalt der deutschen Nachkriegsliteratur.

Danke fĂŒr Deinen Hinweis.

LG W.

Lb. Marie-Luise,

hier verweise ich auf diesen Leselupen-Eintrag: Hier klicken Es geht wohl beides.

LG W.

Lb. AchterZwerg,

Deine Ansicht in Ehren. Ich habe den Tod Christa Wolfs auf meinem FLug nach Spanien, wo ich die letzten Tage auf einer Tagung war, gelesen und dann dieses Sonett verfaßt. Das Gedicht von Lapismont werde ich nach Deinem Hinweis lesen. Manchmal ist es besser, das, was man schreibt, vorher zu bedenken. Man könnte nĂ€mlich einfach danebenliegen, so wie hier.

Nun zu den Details: Den Metrenfehler habe ich ausgebaut, das Thema "gewinkt" und "gewunken" ist ebenfalls abgehandelt. Über die lyrischen Mittel, die ich verwandt habe, kann man streiten, ich habe sie mit Bedacht und, wie ich meine, begrĂŒndet eingesetzt. Das ergibt sich aus der Geschichte unseres Landes und der Biografie des Menschen Christa Wolf, auch die "Wacht"; worauf das anspielt, muß, so meine ich, bei Kenntnis dessen, nicht weiter erlĂ€utert werden. Wie gesagt: Manchmal genĂŒgte es, dem Autor einfach zuzutrauen, daß dieser weiß, was er warum tut, deswegen muß man es immer noch nicht gut finden, selbstredend.

Die Mauer war, ist und bleibt ein Treppenwitz der (deutschen) Geschichte, und zwar ein verdammt schlechter. Ebenso stimmt die Feststellung, daß Christa Wolf in ihrer Weltsicht "gefangen" war. Das gehört zu ihr dazu, auch wenn sie zweifelsfrei eine ganz große deutsche Schriftstellerin war.

Den Vers

quote:
Momente jenseits Gier- und Neidverlangen
kann man auch so
quote:
Momente ohne Gier- und Neidverlangen
schreiben, kann aber auch, weil "jenseits" genitivisch (des) und dativisch (von) weitergefĂŒhrt werden darf, so stehen bleiben. Auch hier gilt: Never discuss with the experts. Ich weiß, was ich schreibe, und in ca. 99,5% der FĂ€lle stimmt es auch, wie ich es schreibe, und dieser Vers gehört eben nicht zu den 0,5%. Take it as it is.

Nun zum letzten Terzett: De gustibus non est disputandum, d'accord. Man könnte den letzten Vers auch relativieren:
quote:
Wie’s weitergeht, sag, wĂŒsstest Du’s genau?
Ansonsten schließt sich mit dem letzten Vers der Kreis zur Überschrift. Weil eben keiner weiß, wie's weitergeht, und erst recht nicht, wie's denn richtig wĂ€re.

LG W.

Lb Beba,

danke fĂŒr gute Worte und Wertung. Man kann es nicht allen rechtmachen. Selbst wenn man's wollte.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Marie-Luise Wendland
???
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Lieber Walther,
ich weiß, dass winken ein regelmĂ€ĂŸiges Verb ist

winken, winkte , gewinkt, genau wie

zinken, zinkte, gezinkt, oder

hinken, hinkte ,gehinkt.

Niemand wĂŒrde sagen.

Da habe ich gehunken, da habe ich gezunken.

Stinken, stank, gestunken ist ein unregelmĂ€ĂŸiges Verb

Wenn man gewunken sagen kann, mĂŒsste man statt
„ich winkte“ dir zu, auch sagen können „ich wank“ dir zu.

Gewunken ist einfach falsch, das aber, selbst im Fernsehen,oft so falsch gebraucht wird.
Schön ist es aber nicht.
Meinst du nicht auch?

Doch, wie ich dich kenne, wirst du bei deiner Meinung bleiben.

Trotzdem grĂŒĂŸt dich herzlich
Marie-Luise


__________________
Marie-Luise Wendland
Carpe diem!

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Label
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Lieber Walther

fĂŒr die einen ist das Glas halbleer und die anderen beharren auf halbvoll
des weiteren sagte Eugen Roth; es wollt einer immer recht behalten, so kams vom Haar zum SchÀdelspalten
so weit wird es ja wohl nicht kommen
Mir persönlich gefĂ€llt gewunken besser (klingt schöner) und wenn ich es bedenke, benutze ich gewinkt eher fĂŒr eine kĂŒrzliche, gerade eben stattgefundene Vergangenheit und gewunken fĂŒr etwas das lĂ€nger her ist, vergleichbar mit "was waving" and "waved".
Die Metrik bietet genug Raum zur Zwanghaftigkeit, die auf eine lebende Sprache angewendet, diese lediglich erwĂŒrgte.

Dein Gedicht gefĂ€llt mir gut, besonders die sich teilenden Himmel sind fĂŒr mich wunderbar poetisch. Anderes macht das EinfĂŒhlen leicht, jedenfalls erschließt sich mir dein Sonett eher, als anderes, das ich dazu gelesen habe.

Lediglich diesen Teil
Sich in den Wind der Liebe, sagte: Ach,
Du Schönster, geh jetzt nicht! Und als enteilten

Die schwarzen Vögel zweifach nicht, sie blieben,
Verdeckten Himmel und verhießen Nacht:

finde ich - ich sage mal mariniert.

Dir einen lieben Gruß
Label

__________________
sie lasen soeben die buchstabenfolge, zensiert nur von eigener meinung

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1535
Kommentare: 9779
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Hallo Label,

danke fĂŒr Deine Hinweise. Ich habe das Gedicht oben nochmals leicht angepaßt. So sollte die Sprache etwas geglĂ€ttet sein in S1 und S2.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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