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Leselupe.de > Humor und Satire
Geflügelte Worte, oder: Warum gibt es keine Plüschfliegen?
Eingestellt am 11. 02. 2011 22:22


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Uerdinger
Wird mal Schriftsteller
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Fliegen. Als Verb geliebt, als Tier verachtet. Eintagsfliegen, Zweitagsfliegen, Einewochefliegen, Stubenfliegen, Deckelschlüpfer, Fruchtfliegen, Keulenschwebfliegen, Schmeißfliegen, die ganze Sippe. Schiefliegen nicht. Allesamt seit immer im Fadenkreuz der Menschheit. Peng, peng! Mit dem Stempel \"Nervtier\" verstehen und unversehentlich in die tiefste Schublade der Welt gestopft. Weil der gemeine Mensch es nicht ertragen kann, dass solch einem Geschöpf die Fliegerei in die Gene gesteckt wurde, während die eigene Gefolgschaft auf Flugzeuge, Zeppeline und Ufos angewiesen ist. Schweben, Saltos in der Luft, Flügelputzen. Das können nur die Fliegen! So klein und trotzdem schuldig. Dabei sind es doch die Zweibeiner, die auf die Anklagebank des allerhöchsten Gerichts müssen, nicht die Zweiflügler. Die Fliege wird systematisch am Sein gestört und auf der ganzen fliegenfeindlichen Welt mit teils unsichtbaren Waffen beschossen. Nur, damit irgendwann gar kein Vieh mehr auf einem herumkrabbeln kann. Ruhestörer Fliege. Sind sie denn wirklich so böse? So unnütz? So ausrottungswürdig? Haben wir denn gar nichts aus unserer Geschichte gar nichts gelernt?

Fliegen werden voller Erregung mit der Hand zerpatscht, so dass es nur so eine Freude ist. Die Freude zu töten! Wo kommen wir denn dahin? In die Hölle, liebe Leute. Und auch dort gibt es Fliegen. Tausend. Viertausend. Dreihundert Millionen! Mehr! Ihr könnt ihnen nicht entkommen! Aber selbst Spinnen werden daumenhebend akzeptiert, solange sie nur als vielbeinige Insektenpolizei unterwegs sind. Getreu dem Motto: Mein WG-Genosse schläft zwar mit meiner Freundin, aber wenigstens putzt er monatlich das Klo. Wo ist da die Logik? Die Moral? Die Liebe für alle göttlichen Schöpfungen, selbst wenn sie noch so hässlich sind, Stichwort Fledermaus. Weg vom Pauschalhass, hin zur Akzeptanz. Und wenn man schon mal auf dem Weg dorthin ist, kann man gleich noch ein paar Reformen gebären. Ich hätte da ein paar Maßnahmen ausgearbeitet. Zur Güte, nicht zur Belustigung. Da mich an dieser Stelle niemand daran hindern kann, werde ich sie der Weltöffentlichkeit nun auf den Teller legen.

Punkt eins: Fliegengitter an Flugzeugturbinen.
Täglich sterben etwa unendlich viele Fliegen, weil sie beim Starten und Landen der Flugkolosse in die Turbinen flattern. Chancenlos müssen sie dem drehenden Tod in die tausend Augen gucken, schließlich bewegen sich Flugzeuge schneller fort als Vergleichbares (z.B. Adler). Ein Fliegengitter aus einem ganz weichen Stoff, beispielsweise Wolle, könnte die Fliegen sanft und unfallfrei darauf hinweisen, dass sich die Erkundung einer Gasturbine selten lohnt.

Punkt zwei: Kalte Straßenlaternen an deutschen Straßenrändern.
Fliegen lieben Licht. Der Mensch weiß um diesen Fakt, deswegen stellt er flächendeckend Laternen auf, um die hilflosen Fliegen hinters bzw. ans Licht zu führen. Ein millisekündiger Tod folgt, doch auch ein schnelles Ableben führt immer zum Jenseits. Pech für lichtgeile Fliegen. Kalte Lampenschirme wären die Rettung für Milliarden netter Insekten, zudem würde die bei Dunkelheit vom Homo Sapiens weitestgehend ungenutzte Straße so zu einem freundlichen Treffpunkt für Fliegen und andere Nachtschwärmer werden.

Punkt drei: Gesellschaftliche Anerkennung in allen Bereichen.
Die Fliege muss lediglich den Aufstieg vom Raustier zum Haustier schaffen, um ein bisschen billige Polemik in mein ernstes Anliegen zu integrieren. Fliegen müssen akzeptiert und im besten Falle sogar geliebt werden. Angedacht sind etwa Plüschtierfliegen, Kinofilme, Kaffeetassen, YouTube-Filmchen und witzige Anstecknadeln mit des Slogans \"Fliegen - der summende, ewige Menschentraum\" und \"Wenn Fliegen fliegen, fliegen Fliegen hinter Fliegen her\".

Um mein Plädoyer leicht verdaulich abzurunden, rufe ich den Fliegenhassern ins Gewissen: Rational ist nur die Liebe zu allen Tieren dieser Erde. Deswegen kürze ich den kompletten Text auf drei einfache Worte herunter: Sozial geht nur rational! Und mit Fliegen!

<font size=1>(Danke an Aaron für die Anregung zu diesem Text.)</font>

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Charmaine
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Lieber Johannes,

die Frage, warum es keine Plüschfliegen gibt, kann ich mir auch nicht hinreichend beantworten. Schließlich haben Fliegen doch alle Eigenschaften, um auf das Rückenteil des Sofas aufgenommen zu werden: große Augen, haarige Körper und lange Beine, die auf niedliche Stumpen verkürzt werden könnten. Außerdem lieben sie den Menschen und sogar seine Abfälle, bevorzugen wärmere Temperaturen, Fleisch und pflanzen sich so zahlreich fort wie wir. Dass sie schützenswürdig sind, wir mit unserem Verhalten auf sie Rücksicht nehmen und sie vor dessen grausamen Auswirkungen auf das Fliegenleben bewahren sollten, darin kann ich dir nur bedingt zustimmen. Mir widerstrebt die Vorstellung von der gänzlichen Schwärze, die, würde man es zulassen, dass sie sich so weit ausbreiteten wie unser einer, jegliches überzöge. Stell dir vor sämtliches Sonnenlicht würde von der Nichtfarbe absorbiert, die entstünde, wenn man sie unbegrenzt zuließe. Nicht nur würden sämtliche Gegenstände von ihnen absorbiert, Bücher, stell dir vor Bücher voller Fliegen, nein, auch und vor allem die geliebten Pflanzen, die am schützenswürdigsten, wären abgeschnitten vom Sonnenlicht. Ein einzugehender Kompromiss wäre vielleicht, man beeinflusste sie dahin gehend, dass sie sich nur bis zum Larvenstadium entwickelten und soweit ein Einsehen herausbildeten, sich nur auf die ihrer Art bezogenen Aasfresserei zu spezialisieren. Dann könnte man sich auf sie einlassen, ein Leben miteinander, eine gegenseitige Akzeptanz und Toleranz zulassen. Aber die Fliegen sind uns Menschen nun mal zu ähnlich: sie mögen das Licht, wärmere Temperaturen, lassen sich überall nieder, sind grenzenlos. Es wäre wert ein Szenario einer friedlichen Koexistenz zu entwickeln.

Sprachlich fiel mir auf:

„unversehentlich“ klingt eigentümlich, vlt. unbesehen

so dass – sodass

daumenhebend – Daumen hebend

kalte Straßenlaternen, gesellschaftliche Anerkennung, klein geschrieben, da kein vollständiger Satz

Homo Sapiens – Homo sapiens

Danke fürs Lesen lassen und viel Spass beim weiteren Schreiben

LG
Charmaine
__________________
Dann eines Tages regt sich dieser gebrechliche Leib in Gottes Bauch. (Marguerite Duras)

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