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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gegen den Wind
Eingestellt am 19. 11. 2017 21:19


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Maramareo
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2017

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Unbarmherzig fegt der Wind durch die Stra├čen des kleinen ├ľrtchens gleich hinterm Nordsee-Deich und l├Ąsst das struppige Haar Marie Johansson┬┤s, wie Silberdisteln vom Kopf abstehen. Sie stemmt sich mit ihrer gebeugten Gestalt gegen ihn, w├Ąhrend sie mit zitternder Hand die Eingangst├╝re ihres L├Ądchens aufschlie├čt, nicht ohne wie an jedem Morgen das Schaufenster mit ihren noch immer wachen Augen kontrolliert zu haben.

ÔÇ×Mein Gott, was f├╝r ein Sommer, alles Grau in Grau.", denkt sie m├╝rrisch, w├Ąhrend sie ihre dicke Wolljacke energisch um ihre d├╝rre Gestalt wickelt. Auch ihre Gelenke k├╝ndigen wieder einen unfreundlichen Tag an.

W├Ąhrend das M├Âwengeschrei vom nahen Strand her├╝ber getragen wird, l├Ąsst sie sich schwerf├Ąllig in einen wei├čen Korbsessel fallen und ein Seufzen kommt ├╝ber ihre farblosen Lippen.

Wie lange wird sie dieses L├Ądchen noch halten k├Ânnen, dieses L├Ądchen, das immer ihr Leben war? Sie betrachtet nicht ohne Stolz die vielen Woll-und Filzssachen, Pullover, M├╝tzen, Schals, Socken, Taschen in kr├Ąftig klaren Farben, liebevoll in den wei├č gebeizten Holzregalen pr├Ąsentiert. Die Zimmerw├Ąnde sind so blau wie der Himmel des Nordens im Sommer sein sollte. Ein wei├čes Segel, quer zur Zimmerdecke gespannt, unterstreicht den maritimen Charakter.

Nein, sie will nicht diesen billigen "T├╝ddelkram" aus Fernost verkaufen, solche wertlosen Souvenirs auf Ramsch-Niveau. Niemals w├╝rde sie sich herablassen, mit diesem ÔÇ×Schiet" die Leute abzuzocken. Nein, sie w├╝rde weiterhin auf Handarbeiten aus der Umgebung setzen, Wollpullover aus hiesiger Schafwolle und feine Filzarbeiten. Nichts, dass nach ein- bis zweimal Waschen unbrauchbar ist, f├╝r die Wegwerfgesellschaft produziert.

Ach ja, und sie wird wie immer den ├ärger hinunterschlucken, wenn solche Ignoranten durch ihren Laden stolpern, die die Qualit├Ąt ihrer Ware nicht erkennen und ├╝ber die Preise mosern. Ja, ja, man mag sie unbelehrbar schimpfen, stur und unbeweglich, aber was soll`s ?

ÔÇ×Was k├╝mmert es mich, wem sollte ich etwas hinterlassen? Nein, Kinder waren mir nicht geg├Ânnt, immer war das L├Ądchen mein Baby", sinniert sie, w├Ąhrend sie ihre faltigen, knochigen H├Ąnde in ihrem Scho├č betrachtet.

Nein, sie w├╝rde nicht aufgeben, sondern weitermachen, wie jeden Tag die T├╝re aufschlie├čen, wie jeden Tag auf Kunden warten, ihren Tee trinken, dem Kreischen der Wasserv├Âgel lauschen und nach Ladenschluss die kaum gef├╝llte Kasse verschlie├čen.

Maramareo
__________________
...ein liebevolles Herz steht selten vor verschlossener T├╝r

Version vom 19. 11. 2017 21:19
Version vom 20. 11. 2017 12:56
Version vom 20. 11. 2017 13:10

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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

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Der Vorredner hat's schon angedeutet - ein bisschen zu viele Adjektive, ein bisschen zuviel Wertung von au├čen und der feine Geruch nach Moralin, von dem bekanntlich schon ein einziges Tr├Âpferl gen├╝gte, um ein ganzes, volles Geschichten-Fass zu verderben.

Keine Omi denkt wirklich, "wie dunkel-grau verhangen der Himmel schon wieder ist", und keine, die einen solchen Laden hat, gr├╝belt, wie lange sie ihn noch "halten" kann. Das ist, wie jeder wei├č, der sich mit solchen Omis auskennt, so gut wie nie eine pekuni├Ąre, sondern eine rein physische Frage. Die Omi macht, solange sie kann, und der Laden stirbt ihr nach, nicht umgekehrt.

Das und nichts anderes ist der Grund daf├╝r, dass es sogar mitten in den Einkaufszentren der Gro├čst├Ądte, neben all den Gucci-, Prada- und Joop-Gr├╝ften, noch diese Omis und Opis gibt, die ihren Filz, ihre B├╝rsten, ihr Werkzeug, ihren Tee, ihre Spielsachen und ihre W├╝rstel feilbieten.

Eine "Geschichte" ist diese ein wenig bem├╝hte Personeneschreibung nicht; sie bleibt klischeehaft und f├╝hrt den Leser leider nicht hinter die Ladentheke, dort, wo die eigentlichen "Einmachgl├Ąser" st├╝nden.

TTip: Die Omi sich in eine Kundschaft verknallen lassen - einen jungen Mann oder ein M├Ądchen, die nicht nur nach preisg├╝nstigen Filzpuschen suchen, sondern von Omi wissen wollen, wie's hinter der Ladentheke aussieht. Dann k├Ânnte die selber erz├Ąhlen, ganz moralinfrank und frei ...

Heiter

aligaga

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