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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Geheimnis
Eingestellt am 21. 12. 2003 00:20


Autor
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tinchen
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

Werke: 15
Kommentare: 9
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Sie war ├Ąngstlich.
Aber nur manchmal. Meist dachten die Leute, das sie nichts aus der Ruhe bringen k├Ânnte. Das sie immer wieder mit Optimismus reagieren w├╝rde, egal, was auf sie zu kommen w├╝rde. Und falls sie dann doch mal schwach war, nicht wusste, wie sie ihre Welt wieder ins Lot bringen sollte, sa├čen die anderen hilflos da, konnten sie nicht aus ihrem Loch heraus ziehen. Wenn sie dann eine Bemerkung machte, die mit kleinen Hoffnungsschimmern besetzt war, atmeten die anderen auf, wandten sich ihr zu und best├Ąrkten sie in ihrer Hoffnung.
Viel zu oft aber f├╝hlte sie sich hilflos, wusste gerade nicht wie es weiter gehen, wie sie die Situation durch stehen sollte.

Manchmal war sie auch ruhig.
In den meisten Momenten aber war sie diejenige, die das Wort ergriff. Die Leute mochten sie, weil sie kein Blatt vor den Mund nahm. Wenn sie anfing Geschichten zu erz├Ąhlen, sah man die Leute um sie herum an ihren Lippen h├Ąngen.
Man k├Ânnte denken, dass sie es liebte, Leute um sich zu scharren. Das sie gerne von Menschen umgeben war. Genau das war sie auch.
Ebenso gerne war sie aber alleine. Verkroch sich stundenlang in ihrer Wohnung. Nur sie, ihre Gedanken und die M├Âglichkeit, diese nicht aussprechen zu m├╝ssen. Dann genoss sie die Stille, schaltete manchmal sogar ihre geliebte Musik aus, um ganz in sich selbst zu ruhen.

Wenn sie dabei war, gab es immer etwas zu lachen. Sie lachte auch ├╝ber sich und das gerne.
Dann und wann vermisste sie es, ernsthafte Gespr├Ąche zu f├╝hren, scheute zur├╝ck vor der Einfachheit und der Naivit├Ąt der Menschen um sich herum. Dabei ging ihr so vieles durch den Kopf, ├╝ber das sie genauso gerne mit den Leuten sprechen und diskutieren w├╝rde.

Wer sie kannte, w├╝rde sie als sehr realistisch bezeichnen.
Sie versuchte klar zu sehen. Manche, die sie nur kurz erlebten, bezeichneten sie als egoistisch. Das war sie. Aber sie nahm trotz allem R├╝cksicht auf die Menschen um sich herum.
Das sie auch eine Tr├Ąumerin war, vermochten nur sehr wenige zu wissen. In manchen Stunden aber baute sie sich eine zweite Welt auf, in der sie das sein konnte, was sie wirklich war.

Sie war mehr als alle von ihr dachten: Wer wusste schon , dass sie einsam war.
Sie wurde gesch├Ątzt, weil sie nicht jammerte, dass sie keinen Freund hatte, sondern erkannt hatte, wie wichtig die Zeit f├╝r sie war. Ihre eigenen Bed├╝rfnisse hatte sie dadurch besser kennen gelernt. Zugleich aber gab es Momente, in denen sie sich so sehr nach N├Ąhe und Z├Ąrtlichkeiten sehnte, dass sie ihre Arme fest um ihren K├Ârper schlang, um dem Schmerz zu entfliehen.

Sie war ein Geheimnis. Manche schafften es in ganz bestimmten Momenten, einen Blick mehr von ihr zu erhaschen.
Was sie traurig machte, war das Gef├╝hl, dass keiner da war, der das ganze Bild sehen wollte.


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Cleo
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2003

Werke: 4
Kommentare: 10
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Kompliment, die Geschichte gef├Ąllt mir wirklich gut!

Du hast sch├Ân beschrieben, welche Gegens├Ątze wohl in jedem Menschen schlummern und hast es dabei geschafft, die Ausf├╝hrungen kurz zu halten. Dabei versteht aber doch jeder, was gemeint ist.

Mir hat es auf jeden Fall viel Spa├č gemacht, den Text zu lesen.

LG
Cleo

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Enza ost
Guest
Registriert: Not Yet

Dem kann ich mich anschliessen, die Geschichte gef├Ąllt mir gut! Gru├č von Enza ost

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