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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Geister und Schatten
Eingestellt am 13. 12. 2013 20:42


Autor
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Andy M
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2013

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Ich bin ein Geist. Unsichtbar wandere ich durch das Leben.

Ich gehe durch die Stra├čen, den Park und sehe die Sch├Ânheit der Welt. Kinder spielen, kreischen, lachen. Auf einer Bank sitzt ein Paar, alt und grau, beobachtet das Treiben und h├Ąlt sich dabei die H├Ąnde. In einem Bach tauchen Enten. Zwischen den B├Ąumen geht die Sonne unter. Vollkommenheit.
Ich atme tief ein und muss l├Ącheln.

Da bemerke ich sie. Die Schemen, gesichtslose Wesen. Sie sind ├╝berall, in den Schatten, hinter verschlossenen T├╝ren, hinter Ecken und in Sch├Ąchten. Manchmal kommen sie heraus, laufen an den Menschen vorbei so nah, dass sie sie ber├╝hren k├Ânnten. Wer sind sie? was wollen sie?
Irritiert gehe ich weiter.

Vor einem Supermarkt sehe ich sie. Eine Frau, nicht alt. Sie kniet dort auf einem St├╝ck Pappe. Ihr Blick ist leer. In einer Schale vor ihr liegen ein paar M├╝nzen. Die Menschen gehen vorbei, schwer beladen, den Blick starr geradeaus. Was mag die Frau hierher gebracht haben? Ich w├╝rde sie gerne fragen, doch ich bin ein Geist, sie k├Ânnte mich nicht h├Âren. Ich sehe ihn. Der Schemen steht hinter der Frau, eine Hand auf ihrer Schulter. Ich m├Âchte auf ihn zeigen, auf ihn aufmerksam machen, doch ich bin ein Geist, niemand k├Ânnte mich sehen.

Durch das Fenster einer Kneipe f├Ąllt er mir auf. Er sitzt alleine an einem Tisch, sieht Fu├čball in einem Fernseher der dort ├╝ber der Bar h├Ąngt. Vor ihm ein Bier. Ich beobachte ihn. Seinem Bier folgt ein zweites, ein drittes, mehrere Stunden sitzt er dort. Die ganze Zeit ├╝ber zeigt sein Gesicht keine Regung, doch manchmal schweift sein Blick durch den Raum, als w├╝rde er etwas suchen, auf etwas warten. Er scheint nichts zu finden und starrt in sein Glas. Ich w├╝rde mich gern zu ihm setzen, mit ihm reden. Wie geht es dir, mein Freund? Wie war dein Tag? Doch ich bin ein Geist. Er w├╝rde mich nicht wahrnehmen. Als er schlie├člich das Lokal verl├Ąsst und z├╝gigen Schrittes in der Nacht verschwindet sehe ich ihn. Erfolgt ihm auf dem Fu├če, die Hand auf seiner Schulter.

Jetzt, da ich sie einmal gesehen habe, sehe ich sie ├╝berall! ├ťberall Menschen, verfolgt von gesichtslosen Schatten! Sie folgen einem Greis, der Flaschen aus dem M├╝ll zieht. Sie stehen hinter der jungen Studentin, die zitternd auf einer Bank sitzt, die H├Ąnde vor dem Gesicht, ein Blatt Papier auf ihren Knien. Hinter dem Mann der in zerschlissenen Jogginghosen, mit einer Zigarette in der Hand, auf der Treppe vor einem Wohnblock sitzt, eine leere Bierdose neben sich, im Blick nichts als Resignation und Gleichg├╝ltigkeit.
Je ├Âfter ich sie sehe, desto deutlicher werden sie. Immer und ├╝berall Schatten, ich sehe nur noch die Schatten! Ich kann sie nicht ignorieren! Wieder l├Ąchelnd durch das Leben wandeln? Unm├Âglich, sie sind allgegenw├Ąrtig!

Ich m├Âchte die Menschen anschreien! Sie an den Schultern packen und sie Sch├╝tteln! Seht ihr sie nicht? Wollt ihr sie nicht sehen? Unternehmt doch etwas! Ich kann es nicht, ich bin doch ein Geist! Ich kann nichts tun, ich kann nicht mit euch sprechen. Vertreibt bitte diese Schatten! Sie beherrschen meine Welt und qu├Ąlen mich. Sind in meinem Kopf, in meinen Gedanken wie ein Fiebertraum.

Doch niemand tut etwas. Ihr seht nichts, ihr h├Ârt nichts und vor allem ihr sagt nichts, ihr tut nichts! Ihr geht einfach durch die Welt als w├Ąrt ihr unsichtbar, als w├Ąrt ihr Geister!

Ich sp├╝re eine Hand auf meiner Schulter.

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Architheutis
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Registriert: Not Yet

Hallo Andy M und herzlich willkommen.

Eine verst├Ârende Geschichte aus der Perspektive eines Geistes, der seinerseits Schatten f├╝rchtet. Er braucht die Menschen, um sie zu vertreiben, doch als Geist ist er verdammt, er kann keinen Kontakt aufnehmen.

--> Ein ungew├Âhnliches Thema, aber (oder deswegen) habe ich es gerne gelesen.

Dein Schreibstil gef├Ąllt mir. Er ist kurz, pr├Ągnant und fl├╝ssig. Ich konnte gut folgen, ein Spannungsbogen ist vorhanden und hielt mich neugierig am Ball. Gut! ;-)

Es sind Kleinigkeiten, die ich sprachlich korrigierte, wie zB:

quote:
Doch niemand tut etwas. Ihr seht, nichts, ihr h├Ârt nichts und vor allem ihr sagt nichts, ihr tut nichts! Ihr (Kursivdruck!)geht einfach durch die Welt (Komma) als w├Ąrt ihr unsichtbar, als w├Ąrt ihr Geister!

Inhaltlich w├╝nsche ich mir einen klitzekleinen Hinweis, wer oder was die Schatten sind, warum sie einen Geist verfolgen. Es ist ungew├Âhnlich, dass Geister vor Schatten Angst haben, sind sie doch selber welche.

Ich brauche keine allumf├Ąngliche Erkl├Ąrung, nur einen Schnipsel, einen Anfang eines roten Fadens. Der fehlt mir hier.

Ansonsten ein gelungenes Debut. Bitte mehr davon. ;-)

Lieben Gru├č,
Archi

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