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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Geisterbeschwörung
Eingestellt am 06. 02. 2015 18:28


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krokotraene
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Registriert: Feb 2013

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Beim Betreten des ehrwürdigen, alten Hauses hängen in meinem Gedanken die vielen negativen Stimmen mit einem sauren Beigeschmack nach. Anscheinend passt Vergangenheit nicht mehr in die heutige virtuelle Welt. Alleine der kleine Eingangsflur, inmitten dessen eine abgewetzte Couch von einer ruhmvollen Hochkonjunktur berichtet, lässt uns eine längst vergangene Zeitreise beginnen.

Die in die Jahre gekommene, kleine Pension hatte in der modernen Computerwelt nicht viele Anhänger gefunden. Abgewetzt und alt sei sie. Die Möbel aus der Vergangenheit, die heute kaum noch einer kennt. Die hohen Räume mit der heutigen Heizungstechnik nicht zu erwärmen. Die knarrenden Türen Räuber des Schlafes. Die schmale Treppe mit dem notdürftig zusammengeschweißten Handlauf eine Zumutung für den Transport der schweren Koffer, die den ganzen elektronischen Krempel der Neuzeit beherbergen. Die alten, teilweise noch in Schwarz-weiß gehaltenen Bilder in den dicken, verstaubten Rahmen nicht mehr zeitgemäß.

Eine freundliche Stimme schlägt uns entgegen und heißt uns willkommen. In der Pension, genauso wie in der Stadt. Ohne Aufforderung bekommen wir einen Stadtplan. Händisch darauf vermerkt der Ort der Nächtigung. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liebevoll markiert. Ein warmes Willkommen nach einer langen Reise ist wie ein heißes Bad nach einem kalten Wintertag.

Obwohl es noch früher Vormittag ist, dürfen wir das Gepäck ins Zimmer stellen. Ein Service, das oft in Hotels zu suchen ist. Die Stufen sind tatsächlich schmal, zumindest für die Füße von heute, die in dicken Winterstiefeln stecken. Stück für Stück schrauben wir uns nach oben. An den Wänden erzählen Gegenstände von Zeiten, die wir nur noch aus Museen kennen.

Endlich stehen wir vor einer lustigen, windschiefen Zimmertür. Als wäre sie aus Sperrholz zusammen-gezimmert wirkt sie auf uns. Dennoch scheint sie bemüht das Innenleben des Zimmers soweit wie möglich von neugierigen Blicken zu schützen.

Der erste Schritt in das Zimmer, auf das ich durch die vielen negativen Meinungen erst recht gespannt bin. Gerade die waren für die Buchung ausschlaggebend. Was steckte wirklich hinter den vielen Meinungen? Waren es nur die heutigen Menschen, die mit der Vergangenheit nicht leben können? Oder waren es nur bösartige Verleumdungen? War es der Neid anderer Hoteliers, die in ihren eintönigen Glaspalästen sitzen und auf die moderne Kundschaft der Neuzeit warten?

Bewusst hatte ich die Bemerkungen und Meinungen gelesen und ein wenig darüber nachgedacht. Je älter die Gäste wurden, desto besser waren die Punkte in diversen Foren. Also was steckte dahinter?
Wie angewurzelt stehe ich mitten im Zimmer und lasse lediglich meinen Blick streifen. Tatsächlich. Wir sind mit der Zeitmaschine Jahre nach hinten geschossen. Die hohen Räume. Die alten, liebevoll verzierten Holzkästen, der typische Eichenschreibtisch mit der Marmorplatte. Die gemütlichen Armsessel, aus denen auch schon Mozart uns freundlich zu gewunken hätte. Die beiden Betten, in denen sich honorige Adelsleute schon vergnügt haben könnten.

Das Bild an der Wand zeigt eine verblichene Aufnahme des Dogenpalastes in Venedig. Ja, genau diese Herren könnte ich mir lebhaft in diesem ehrwürdigen Haus als Gäste vorstellen.
Meine zweite Hälfte reißt mich aus meinen Träumen. Er hat ja recht, wir sind hier und jetzt und wir möchten etwas erleben.

Spät abends kehren wir müde in unsere Vergangenheit zurück. Erst jetzt im schwachen Licht des Messinglusters sehe ich auch den witzigen Versuch an die heutige Zeit anzudocken. Ins Winkerl gedrängt wartet eine kleine Kochnische auf moderne Hausfrauen. Sie passt hier so überhaupt nicht herein. Aber wahrscheinlich war es irgendwann mal Mode in den Zimmern selbst zu kochen.
Die Nasszelle drängt sich hinter die Tür. Eingebaut aus einem Stück modernen Plastiks. Wie ein Zimmer im Zimmer. Dennoch bietet sie alles, was das Herz begehrt. Klein und überschaubar, leicht düster und trotzdem sauber.

Meine müden Knochen freuen sich auf die kommende Zeit in dem Bett, das normalerweise nur in alten Burgen und Schlössern zu besichtigen ist. Schon lange wollte ich mal wissen, wie man darin liegt. Zur Überraschung von uns beiden sind die Betten aber trotz deren Alter für uns inzwischen größer gewachsenen Menschen der Neuzeit geeignet. Also dann gute Nacht.

Das schwache Licht der Straßenlaterne zwängt sich durch die alten, handgenähten Vorhänge. Lässig mit einem Strick zur Seite gebunden versuchen sie den Blick auf die Neuzeit preis zu geben. Weshalb kann ich nicht schlafen? Sind es die Gedanken, die mich fest im Griff haben und beschäftigen? Ist es die Müdigkeit, die mich übermannt und dennoch wach hält? Ach nein, ich muss ja aufs Klo.

Wieder in die alte Daunentuchent gekuschelt werfe ich noch einen raschen Blick aus dem Fenster und erschrecke fast zu Tode. Huch! Mein Herz weiß nicht wirklich, stehen bleiben oder rasen? Meine Hände fangen an zu schwitzen. Mein Geist spielt verrückt. Ich schließe die Augen und hoffe beim erneuten Öffnen ein anderes Bild zu entdecken. Ganz vorsichtig und lautlos ziehe ich inzwischen die Decke bis unter meine Augen. Was würde mich erwarten? Welch Anblick würde mich anspringen, wenn ich gleich die Augen wieder öffne? Ist alles nur ein böser Traum?

Vorsichtig blinzle ich Richtung Fenster. Ich versuche mich im Nachtdunkel zu Recht zu finden. Ich atme durch und stelle zufrieden fest, da ist nichts. Kein dunkler Schatten vor dem Fenster. War alles doch nur ein Streich meiner überaus mächtig vorhandenen Phantasie?

Noch einmal starre ich mit weit geöffneten Augen durch den Spalt, den die liebevoll drapierten Vorhänge frei lassen. Da ist es wieder. Der Schatten, der mir zuvor die Luft zum Atmen nahm. Diesmal schließe ich die Augen nicht mehr. Die Neugierde ist größer als die Angst. War es nur eine Sinnestäuschung? War es ein Schatten einer Laterne?

Ich zwicke mich selbst in die Hand. Ich bin tatsächlich hellwach. Genauso wach wie der Schatten vor dem Fenster. Ich versuche mich zu orientieren. Zu analysieren. Zu erkennen.

Es ist eine Gestalt. Sie scheint kopfüber vor unserem Fenster zu baumeln. Leicht im Wind wankt sie nach links und rechts. Gehüllt in einen dunklen Mantel. Über dem Kopf eine schwarze Kapuze tragend. Es ist mir nicht möglich ein Gesicht zu erkennen. Dennoch hat es den Anschein, als würde der Unbekannte in unser Zimmer blicken.
Soll ich meine bessere Hälfte wecken? Soll ich mich fest an ihn kuscheln? Soll ich um Hilfe schreien? Oder soll ich allen Mut zusammen nehmen und aufstehen? Auf die Gestalt zugehen? Einfach fragen, warum er oder sie oder es vor unserem Fenster baumelt?
Die Angst lähmt meinen Körper. Ich bin kaum in der Lage meine Hände zu bewegen.

Ich krame in meiner Erinnerung. In keiner Pensionsbeschreibung habe ich von seltsamen Begegnungen gelesen. Zwar von eigenartigen Geräuschen, nächtlichem Lärm, Türen schlagen und seltsamen Lauten. War es die Gestalt vor unserem Fenster? War sie eine vergessene Seele des Hauses, die nach Erlösung sucht? Aber warum hing sie verkehrt vor unserem Fenster? Es erinnert mich an Spiderman, der meist auch kopfüber über Wände läuft. War es vielleicht nur eine überdimensionale Fledermaus?

Ich versuche mich wieder aus der Phantasie in die Realität zu rufen. Geht tatsächlich der Wind? Oder schwankt die Figur nur in ihrem eigenen Rhythmus? Was erwartet sie von mir? Soll ich sie aus ihrem verwunschenen Leben retten? Soll ich die Auserwählte sein, die sie für immer tot sein lassen wird? Was waren ihre Verbrechen? Warum fand sie nicht die ewige Ruhe?

So viele Menschen waren hier schon zu Gast. Warum muss ausgerechnet ich sie erretten? War sie in einer Zwickmühle und hoffte auf Erlösung? Was, wenn sie für immer für ihre schlechten Taten büßen sollte? Durfte ich sie überhaupt aus ihrem überirdischen Leben befreien? Vielleicht bin ich dann für immer verflucht?

Sollte ich nicht doch meinen Freund aufwecken? Und mit männlicher Unterstützung zum Fenster marschieren, dieses aufreißen und der sonderlichen Gestalt für immer zum ewigen Frieden verhelfen? Ich starre in die Finsternis und versuche näheres zu erforschen. Warum gelang es mir nicht ein Gesicht zu erkennen? War die Gestalt vielleicht eines Tages geköpft geworden? War es gar ein alter Hotelbesitzer, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte? Oder war es ein Selbstmörder der aus einem der oberen Stockwerke sprang und hier hängen geblieben war?

Meine Gedanken kreisen im Karussell. In diesem Moment verfluche ich die Menge an Phantasie, die mir bei der Geburt in die Wiege gelegt wurde. Oder bin ich doch ein Medium wie meine Oma eines Tages behauptete? Eine gute Hexe, wie es einst hieß? War ich anfällig für Geister? War ich die Auserwählte, die verwunschenen und verhexten Seelen die ewige Ruhe zuteil werden lassen konnte? Sollte dies hier mein erster Fall werden?

Welche Sprache sprechen solche Menschen? Sind das überhaupt noch Menschen? Oder nur Skelette? Wie kann ich deren Geheimnis ergründen? Ihre Ängste? Ihre Hoffnung? Ihre Anforderungen an mich? Wie geht man in solchen Fällen vor? Was ist, wenn die Gestalten im früheren Leben Massenmörder, Menschenschlachter, Krieger oder Heeresführer waren? Ich glaube kaum, die würden sich dann von mir als Frau helfen lassen.

Der Wecker reißt mich unweigerlich aus meinen Gedanken. Mein erster, verschlafener Blick fällt durch die Vorhänge in die Wirklichkeit. Schneeflocken tanzen um die Wette. Der Blick ist frei. Keine schwarze Gestalt baumelt kopfüber vor unserem Fenster. Soll ich meinem Freund von meiner nächtlichen Begegnung erzählen? Würde er mich verstehen? Oder bin ich ein Fall für eine rasche Einlieferung ins Irrenhaus?

Während ich den Beginn meiner Geschichte überlege, steht er am offenen Fenster und versucht Schneeflocken zu fangen.

„Schatz schau mal! Komisch, das wir das Gestern gar nicht bemerkt haben“, er dreht sich zu mir um, schaut mich belustigt an, „da baumelt eine EU-Flagge vor unserem Fenster! Die schaut aber schon sehr mitgenommen aus.“

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DocSchneider
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Hallo kokotraene, Deine Geschichte hat viele liebevolle Details, die die beschriebene Vergangenheit wieder aufleben lassen. Du könntest den Text verbessern, wenn Du mehr wörtliche Rede verwendest und den Teil straffst, in dem die Prot sich Gedanken um das Gespenst am Fenster macht.

LG Doc
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Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virgina Woolf)

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