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Leselupe.de > Kurzprosa
Geldgier
Eingestellt am 10. 07. 2000 00:00


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Petra
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Es war wieder Dienstag und wie jede Woche stand Marco vor der T├╝r seiner Gro├čtante. Ein nervt├Âtender Trott, den er heute ein f├╝r alle mal beenden w├╝rde. Als er klingelte, vergewis-serte er sich zum 100. Mal, ob er das kleine T├╝tchen Gift in seine Hosentasche gesteckt hatte, er war nerv├Âs und wartete. Viel zu lange musste er immer vor dieser T├╝r warten, bis seine Gro├čtante ihm endlich aufmachte.
"Hallo Tante, wie geht es dir heute?" fragte er wie gewohnt freundlich als sie ihm endlich ├Âffnete. Doch insgeheim ├Ąrgerte er sich ├╝ber die Dem├╝tigung, dass sie ihm nicht einmal einen Wohnungsschl├╝ssel anvertraute. Heute w├╝rde sie daf├╝r bezahlen m├╝ssen und zwar nicht nur mit einem 100er, wie er ihn allw├Âchentlich bei seinem Besuch bekam, sondern mit ihrem ganzen Verm├Âgen und ihrem Leben! "Wenn nur alles klappt", zerbrach Marco sich den Kopf und nahm im Wohnzimmer platz.
"Triffst du dich noch mit dieser Frau?" Marco zuckte j├Ąh zusammen, als h├Ątte Margarete ihn bei seinen b├Âsen Gedanken ertappt. "Nein nie wieder seit damals" log er und strich sich wut-entbrannt ├╝ber die st├Ąndige Einmischung in sein Leben, ├╝ber die Hosentasche, die das Gift trug. Schlie├člich h├Ątte das Verh├Ąltnis mit seiner Kollegin niemanden geschadet, wenn seine Frau nicht hinter ihm hergeschn├╝ffelt h├Ątte. Er war ein guter Ehemann gewesen.
"Sabine h├Ątte sich wegen dieses unbedeutenden Ausrutschers niemals von mir scheiden lassen d├╝rfen, das wird uns beide in den finanziellen Ruin treiben", f├╝hrte er weiter aus.
"Ich finde du ├╝bertreibst und schlie├člich unterst├╝tze ich dich jede Woche mit 100 DM. Sabine war eben sehr entt├Ąuscht vorn dir."
"Du kannst dir ja gar nicht vorstellen wie sehr ich sparen muss. Bei deinem Verm├Âgen hast du gut reden. Im ├ťbrigen finde ich es sehr leichtsinnig von dir, so viel Geld in der Wohnung zu lassen, ich k├Ânnte dir einen Tresor einbauen."
"Da mach' dir mal keine Sorgen, es geht nichts verloren, du wirst schon fr├╝h genug alles be-kommen."
Marco sprang vom Sofa auf. Der Gedanke an das viele Geld machte ihn w├╝tend. Er versuchte aber, sich nichts anmerken zu lassen. Wie oft hatte er schon vergeblich danach gesucht. Ir-gendwann geh├Ârte es ja sowieso ihm. Er war der Haupterbe. Aber das Leben war so unge-recht, er wollte das Verm├Âgen jetzt. Dann st├╝nde ihm die Welt offen. Er k├Ânnte verreisen, ein neues Auto kaufen, ach er hatte so viele Ideen und noch so viel Zeit, denn er war erst 38. Gro├čtante Margarete dagegen hatte mit 77 nichts mehr vom Leben zu erwarten, au├čer dem ollen alten Nachbarn, der jeden Tag auf einen Plausch vorbeikam. Ein paar Jahre mehr oder weniger w├╝rden f├╝r sie keinen Unterschied machen.
Marco hatte die Nase voll. Es kam ihm fast so vor als w├╝rde sich seine Tante ├╝ber ihn lustig machen und sich dar├╝ber am├╝sieren, dass er auf das Geld warten musste. Ihr w├╝rde das La-chen schon vergehen und zwar jetzt.
Marco ging in die K├╝che und kam mit zwei vollen Tassen Kaffee zur├╝ck, von denen eine das t├Âdliche Gift enthielt. Er stellte sie vor Margarete auf den Tisch. Als sie den ersten Schluck nahm, starrte Marco sie an. Er fragte sich, wieviel sie wohl trinken musste, damit das Gift wirken w├╝rde. Wie lange w├╝rde es dauern, bis er irgendwelche Symptome feststellen k├Ânnte und was genau w├╝rde eigentlich mit ihr passieren? Fast hatte er Angst vor seiner eigenen m├Ârderischen Tat, sein Herz pochte wild. "W├╝rdest du mir bitte noch mehr Milch holen?" wurde er unverhofft aus seinen m├Ârderischen ├ťberlegungen gerissen.
Ihre Marotten machten ihn krank, vor allem jetzt. Konnte sie nicht endlich tot umfallen?
Als er mit der Milch zur├╝ck kam sah seine Gro├čtante noch so rosig aus wie sonst und fragte "hast du noch etwas vor?, du wirkst so nerv├Âs."
Offensichtlich hatte sie etwas gemerkt. Marco musste sie unbedingt dazu bringen, schnell auszutrinken. Vielleicht lie├č das Gift in seiner Wirkung nach einiger Zeit nach?
"Ich bin so aufgeregt, weil ich noch eine ├ťberraschung f├╝r dich habe", log er. "Ich lade dich zu etwas ein, aber wir m├╝ssen uns beeilen, um p├╝nktlich zu sein".
Er st├╝rzte hastig seinen Kaffee hinunter und dr├Ąngte Margarete, auch schnell auszutrinken. Dabei schaute er sie erwartungsvoll an und tats├Ąchlich trank sie endlich aus.
Eine halbe Stunde sp├Ąter war die kleine Wohnung der alten Dame voller Menschen: Polizisten, ein Arzt und Sanit├Ąter gingen gesch├Ąftig umher, 2 M├Ąnner transportierten die Lei-che ab und der alte Nachbar Margaretes sa├č fassungslos da und sah allem zu.
Er t├Ątschelte Margaretes Hand, die neben ihm sa├č und eine Beruhigungsspritze bekam. Jetzt, da ihr kriminalistischer Instinkt sich als richtig erwiesen hatte, waren sie zwar froh, dass er Margaretes Leben gerettet hatte, aber auch ersch├╝ttert, dass ein Mordanschlag auf sie ver├╝bt worden war. Schon seit geraumer Zeit hatte die alte Dame bemerkt, dass Marco heimlich ihre Wohnung nach Geld durchst├Âberte, wenn er sich unbeobachtet glaubte. Er war nie auf den Gedanken gekommern, dass er darauf herumlief, auf den Geldscheinen, die mit Klebe-band unter dem Wohnzimmerteppich befestigt waren.
Nur zum Zeitvertreib und weil sie so gerne gemeinsam Kriminalromane lasen, hatten Marga-rete und ihr Nachbar sich ausgemalt, dass Marco f├╝r Geld sogar einen Mord begehen k├Ânnte. Sie dachten sich verschiedene Ma├čnahmen aus, wie Margarete sich davor sch├╝tzen k├Ânnte. So hatte sie sich angew├Âhnt, immer ein Tr├Ąnengasspray griffbereit in der Strickjackentasche zu haben, wenn Marco zu besuch kam, ein Fenster offen zu lassen, damit ihr Nachbar sie h├Âren k├Ânnte und die Tassen und Gl├Ąser zu vertauschen, wann immer Marco Kaffee kochte oder Getr├Ąnke brachte. Sie hatte sich sogar besonders clever verhalten, denn ihr erster Schluck Kaffee war nur vorget├Ąuscht. Aber das hatte Marco nicht bemerkt und es war ihm zum Ver-h├Ąngnis geworden. Auf einmal war er Leichenblass geworden, hatte nach Luft gerungen und dann lag er auch schon reglos auf dem Teppich.
Alles war in Sekundenschnelle geschehen, Margarete hatte vor Schreck laut aufgeschrien, ihr aufmerksamer Nachbar war so schnell er konnte zu ihr geeilt und hatte geistesgegenw├Ąrtig Polizei und Rettungswagen gerufen. Der Arzt war nach wenigen Minuten eingetroffen. Aber f├╝r Marco kam jede Hilfe zu sp├Ąt.


(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
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