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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Gemischte Gefühle
Eingestellt am 27. 03. 2005 12:37


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Zinndorfer
???
Registriert: Jun 2004

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Gemischte Gefühle

Würdest du dir für mich deine Möse rasieren?
Was für eine bescheuerte Frage!


Evi stand mit Guinea zusammen am Fenster und sah dem Schneetreiben über dem Park zu. Es war ein früher Vorbote des Winters, untypisches Novemberwetter. Ein paar Kinder warfen sich auf dem Platz Schneebälle zu und ein Straßenkehrerauto rumpelte über das Kopfsteinpflaster.

Evi kippte das Fenster. Die Luft war frischer als gestern, fand sie. Und die Welt über Nacht leiser geworden, der Schnee schluckte den Lärm.
Gleich war es Neun. In wenigen Minuten würde das Meeting beginnen und Guinea und sie mussten ihre Ergebnisse präsentieren. Wider Erwarten hatte sie ein gutes Gefühl dabei. Ihre Zusammenarbeit war wie geschmiert gelaufen, Guinea und sie hatten sich hervorragend ergänzt. Komisch eigentlich. Sie hatten sich so gestritten am Tag zuvor. Der Texteditor war ausgerastet und hatte ihnen gesagt, sie könnten beide ihre Sachen packen, wenn sie so weiter machten, er und der Chef seien nicht bereit, sie unter diesen Umständen weiter zu beschäftigen. Entweder sie rissen sich zusammen oder einer von ihnen flog raus.
Wer, ließ er offen.

Nein, eigentlich nicht.
Was für eine Idee ... die Möse rasieren!


Ach, Guinea. Der war so verplant, brachte nichts auf die Reihe. Während sie, Evi, zu Hause saß und lernte, ging er in die Bar und traf Freunde. Oder legte sogar irgendwo Musik auf. Er hatte sie mal eingeladen zu kommen, aber sie hatte mit Nachdruck den Kopf geschüttelt.
Evi hatte viel zu tun, auch am Wochenende. Sie blieb lieber zu Hause und sah zu, dass sie ihre Unterlagen in Ordnung hatte. Ihr Vater wartete doch nur darauf, dass sie aufgab. Dass er Recht bekam. Dass er es schon immer gewusst haben würde.

Du würdest mir damit aber einen großen Gefallen tun, Evi!
Das mag schon sein, aber jetzt mal im Ernst: Bin ich auf der Welt, um anderen einen Gefallen zu tun? Nee. Und ganz besonders nicht, um mir für Typen die Möse rasieren zu lassen. Wie sieht denn das aus?
Aber könntest du dir denn rechten Fuß abschneiden, das macht mich an!


Gott, Guinea. Warum hatte sie ausgerechnet ihn als Ko-Praktikanten bekommen? Sein Schreibtisch war eine einzige Katastrophe, kein Mensch blickte da durch. Sie hatte einmal was gesucht – aussichtslos. Batterien, CD´s, Postkarten, Lederarmbänder, ein Messer.
Was willst du mit einem Messer, hatte sie ihn gefragt? Was willst du an meinem Schreibtisch?, war seine Replik gewesen. Hast du schon mit dem Kunden telefoniert, Evi?
Nein, hatte Evi nicht. Sie brauchte morgens einen Moment, bis sie sich warmgelaufen hatte. Bummelte gern in der Abteilung herum, während Guinea schon am Computer hing und igrendwelche Sachen ausdruckte. So hatten sie sich die Aufgaben verteilt; er machte die Internetrecherche und sie telefonierte den Leuten hinterher.
Aber wie sollte sie sich auch konzentrieren, wenn sie im Off eine so bescheuerte Auseinandersetzung führte?





Würdest du dir für mich deine Möse rasieren?
Nein!


Evi wünschte, es gäbe eine Handbuch für Sexualneurosen. In dem man alphabetisch geordnet unter „rasierte Möse“ nachschlagen konnte, um nachzulesen, was für eine Macke der Typ hatte.
Natürlich konnte sie es sich denken, sie war ja nicht blöd. Lust auf kleine Mädchen.
Abtörnend.
Das vergangene Frühjahr fiel ihr ein. Ein Kerl,der sich ständig an ihren Zehen festgesaugt hatte. Warum? Es sah nicht gut aus, von ihr aus gesehen. Außerdem war es nicht einfach, die Balance zu halten, wenn ein Anderer den Fuß auf Saughöhe hielt.

Würdest du dir für mich deine Möse rasieren?

Sie schaute zu Guinea rüber.
Guinea platzte vor Stolz auf seine Dreadlocks. Seit er in Afrika gewesen war, trug er sie ununterbrochen, und seine Rastamütze auch. Das war Evi neu gewesen, dass es auch in Afrika Rastas gab. Bisher hatte sie gedacht, es gäbe sie nur auf Jamaica, mit Bob Marley und Reggae und so. Er trug Silklocks. Extra-gut, extra-teuer. Okayokay, es sah nicht schlecht aus. Guinea war ein Bürschchen aus gutem Hause. Lebte irgendwo in Charlottenburg.
Evi ging auf den Balkon raus und zündete sich eine Zigarette an.
Guinea rauchte zu viel und er nahm auch Drogen. Weiches Zeug, sagte er, bewusstseinserweiternd. Sie rollte mit den Augen? Noch mehr Bewusstsein? Nein, danke. Sie sah die Welt schon klar genug. Und Männer.

Man sollte eben nicht nach dem Äußeren gehen. Evi war ohnehin misstrauisch geworden war, seit dieser Idiot an ihren Fußzehen gehangen hatte. Sie ließ sich nicht mehr beim ersten Date abschleppen, auch nicht beim zweiten oder dritten. Mit Nico war sie erst nach dem vierten Date nach Hause gegangen. Er hatte beim Orgasmus losgebrüllt wie ein Tier und sie wäre fast aus dem Bett geknallt vor Entsetzen. Gott sei Dank waren sie nicht bei ihr gewesen, nicht auszudenken, wenn ihre Eltern das gehört hätten, sie wäre glatt rausgeflogen zu Hause und hätte ihre Ausbildung in den Wind schreiben können.

Die Präsentation lief gut. Der Texteditor war ganz begeistert von Guinea und ihr und fand es auch eine gute Idee, dass sie Kerzen und Plätzchen auf den Tisch gestellt hatten. Fast schon adventsmäßig, sagte er.
„Wir wollten mal was anderes machen“, grinste Guinea.

Keine Ahnung, wie sie sich plötzlich mit dem Rastatyp zusammen gerauft hatte. Eigentlich waren sie sich immer nur auf den Geist gegangen. Er ihr mit seiner Frisur, sie ihm mit ihren Faltenröcken. Dabei waren sie gerade im Trend, man musste sie nur gescheit kombinieren?.
Dann hatte Tim sie gemeinsam in ein Projekt gesteckt.
„Ihr vergiftet mir mit eurem Kleinkrieg noch die ganze Atmosphäre in der Agentur! Reißt euch gefälligst zusammen.“
Jajaja.
Beinahe den ganzen Tag dauerte die Präsentation, mit der Feinabstimmung noch. Aber dann stand die Kampagne. Es würde gut werden, sagte der Kunde. Guinea und Evi waren vor Stolz geplatzt und im Büro um die Tische getanzt.

Bisher haben sich alle Frauen für mich die Möse rasiert.
Dieser Idiot hatte es doch tatsächlich fertig gebracht, ihr seinen beleidigten Hintern zuzudrehen. Dass er es nicht kapieren wollte. Dass sie es nie machen würde. Was müsste passieren, dachte Evi, um einem Typ vorzuschlagen, sich zu rasieren? Nach der ersten Nacht? Sie griff sich an den Kopf.


Gereizt sah sie auf ihre Unterlagenmappe hinunter.
Kaum war die Präsentation und die Anspannung vorüber, kam dieser ganze Mist wieder hoch.
„Wie ist es, wollen wir zusammen essen gehen?“ Guinea drehte sich in seinem Schreibtischstuhl um und sah sie an. „Nur eine Kleinigkeit, beim Türken um die Ecke?“

Dabei hätte sie sich denken können, dass Nico einen Schuss hatte. Er hatte nach dem gebrüllten Orgasmus erbärmlich gezittert. Auch das noch! Erst hatte man ein Tier in sich, so dass man dachte, man sei in einem Gorillakäfig gelandet - und dann nur noch ein Häufchen Elend. Es war eine Art Schauzittern gewesen, war sich Evi sicher. Nicht natürlich oder so, der Typ wollte ihr zeigen, wie sensitiv er (trotz der Brüllerei) war. Na toll. Wahrscheinlich war es seine Art, „Bravo, Evi!“ zu sagen.
Zum Teufel mit ihm!

Evi stützte sich auf ihre Ellenbogen hoch und ließ eine der Dreadlocks durch ihre Finger gleiten.
„Was mich interessieren würde ...“, begann sie.
Guinea lachte. „... ob das Eitelkeit mit meinen Silkdreadlocks ist.“
Sie nickte. „Genau. Woher weißt du das?“
„Die Frage höre ich nicht zum ersten Mal.“
„Und die Antwort?“
„Mit normalen Dreadlocks würde ich keinen gescheiten Job kriegen. Die Haare verfilzen zu schnell.“
Das leuchtete Evi ein. „Stimmt.“
Guinea lächelte ihr zu. „Hast du noch was auf dem Herzen?“ Er beugte sich aus dem Bett heraus, fingerte nach seinen Zigaretten und zündete sich eine an.
"Ja, da wäre noch was.“
„Und?“
„Wie findest du rasierte Mösen?“
Guinea spuckte seine Zigarette auf die Decke. „Mensch, Evi!“, rief er und sah sie genervt an. „Jetzt war´s gerade mal nett mit uns und schon wirst du wieder exzentrisch!“
„Es gefällt dir also nicht?“ Gespannt sah sie ihn an.
Er machte die Zigarette aus. „Bist du noch ganz dicht? Ich finde es furchtbar. Krank. Voll daneben. Sag mir bitte nicht, dass du das machen willst!“
"Es ist nur, dass mich das einer gestern gefragt hat", meinte sie.
Ungläubig sah Guinea sie an. "Nee, oder? Surfst du auf irgendwelchen blöden Sexseiten herum?"
Evi strich ihr Fransenpony zurück. Die erste Hürde war genommen.
Sie lachte und erzählte ihm von ihren Kontaktanzeigen im Stadtmagazin.
"Mannmannmann, Evi! Nachts mit wildfremden Typen in den Stadtpark!"



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Zinndorfer
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Der Beitrag stand schon mal im Anonymen ... da ich ihn fertig machen wollte, dachte ich, vielleicht sagt noch mal jemand was ...
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Mumpf Lunse
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Hallo Zinndorfer

Die Idee und auch die Umsetzung finde ich witzig.
Aber!
Ich versteh den Schwenk am Ende nicht.
Er will es die ganze Zeit. Am Ende will sie es?
Und scheinbar wurde nie drüber geredet.
Welch erste Hürde wurde genommen?

ratlos
Mumpf

PS Der vorletzten Satz:
"Evi lehnte sich im Kissen und strich sich ihr Fransenpony zurück." ist eigenartig.
beide "sich" streichen ...vielleicht
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Schreiben ist etwas überraschendes

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Zinndorfer
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Hallo Mumpf,

Lapismont hatte mir seinerzeit den Gefallen getan, die Geschichte beim zweiten Mal lesen zu kapieren ... nun dachte ich, es sei mir gelungen, das schon beim ersten Mal hinzukriegen.
Wohl nicht. Aber ich warte noch mal ab. Vielleicht sagt ja noch einer, völlig klar!
Sonst muss ich glaube ich was dran tun.
Den Satz habe ich geändert.
Danke für deinen Kommentar!
Zinndorfer
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Zinndorfer
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Also ich wünschte, ich hätte hier eine Umfrage-Funktion und könnte fragen, was ihr von meiner Heldin haltet (meine Aufrufer). Ich schätze, es läuft auf eine Änderung meiner Geschichte raus, es bringt ja nichts, wenn die einen sie zwei Mal lesen müssen - aber nur weil sie die Geduld dazu haben - und die anderen ratlos zurückbleiben. (Guinea stellt ihr nicht die Frage; er steht nur am Fenster und unterhält sich mit ihr, während sie an den Typ denkt, der sie gefragt hat. Evi sucht über Kontaktanzeigen nach einem Freund, gerät aber nur an abseitige Fetischisten; und offensichtlich erst gestern (von der Erzählzeit aus gesehen) an einen, der will, dass sie sich rasiert. Das geht ihr nicht aus dem Kopf, darüber regt sie sich furchtbar auf, während sie eine Präsentation mit Guinea hat. Guinea hat Rastalocken und ist DJ und lernt nie am Wochenende, ist also überhaupt nicht Evis Typ (denkt Evi). Dann landen sie doch an dem Abend im Bett und sie fragt ihn, wie er rasierte Frauen findet. Er fragt zurück, warum sie den schönen Augenblick zerstören muss (zwischen den Zeilen) und sie lehnt sich zurück und die Hürde ist genommen, Guinea ist kein Fetischist, sondern einfach nur er selbst). Es ist eine klassische "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah ist ..."-Geschichte. Evi datet herum, obwohl der Richtige die ganze Zeit vor ihrer Nase rumläuft, mit dem sie sich das ganze Jahr streitet. Vielleicht reicht es ja - für Noch-Leser - wenn ich im letzten Absatz ganz klar mache, dass sie sich am Vortag mit diesem Nico getroffen hat, der schon den Rasierapparat dabei hatte.
Und außerdem hätte ich gern einen dritten Fetischismus.
?
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Mumpf Lunse
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Hallo Zinndorfer
Wenn ich den Text mit der Erklärung lese entwirrt er sich. Aber ich weiß, während ich lese, dass ich ihn ohne deine Erklärung nicht verstehen würde. Du unterstellst, dass es dem Leser reichen müsste, wenn du die gedachten Passagen kursiv setzt. Mir zumindest reicht das nicht.
Das mag daran liegen das ich andere Vorstellungen davon habe, was man dem Leser zumuten kann. Ich erwarte das der Schreiber mir entgegenkommt. Das kannst du natürlich als intellektuelle Faulheit auslegen oder als unterentwickeltes Rezeptionsvermögen.
Die Idee mit der rasierten Möse ist witzig und ich gebe zu das sie es war die mich bei der Stange gehalten hat. Zumal es ja durchaus sein kann, dass der eine oder andere Leser diese Diskussion kennt. Wäre dein Text einer von den üblichen kryptischen Depressionsorgien, hätte ich wohl zwischendrin schulterzuckend aufgegeben. Ich unterstelle bei solchen Texten das ich als Leser nicht gemeint bin. Der Autor legt keinen Wert drauf das ich ihn lese. Ergo lass ich es. Dein Text ist witzig, gut geschrieben und spanend genug um mich zu fesseln. Der Plot, den du als Erklärung anbietest, ist noch besser. Ich denke sofort "he, das zu lassen macht bestimmt Spaß". Wenn ich den Text daraufhin nochmal lese denke ich "aha, das hab ich also gelesen".

Das ist natürlich eine Sichtweise, die von den meisten oder zumindest vielen Lesern auf der Leselupe, mit Sicherheit nicht geteilt wird. Ich frage mich allerdings, ebenso wie du, warum sich dann niemand äußert. Möglicherweise müsste er dazu offensichtlicher verwirrend sein (der Text) und den einen oder anderen potenziellen Selbstmord enthalten. Bei allem Ärger, den man im ersten Moment vielleicht über eine Kritik empfindet, ist es doch genau dieses Feedback, um das es hier geht. Oder?

Ein weiterer Fetischist wäre lustig.

Einen guten Tag

Mumpf

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