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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Genug gesehen
Eingestellt am 05. 07. 2003 00:56


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wondering
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Oct 2002

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Genug gesehen

Er hatte genug gesehen. Er war mĂŒde, sein Kopf voll verwirrender Bilder und er hatte Hunger.
Vor seinen Augen tanzten die EindrĂŒcke der vergangenen Stunden wie toll durcheinander. Sie zu sortieren, hatte er lĂ€ngst aufgegeben. Er zog es vor, sich eigene Geschichten aus den Fetzen des Gesehenen zu basteln. Er war dann stets der Held, rettete die Erde vor Außerirdischen, befreite Geiseln aus den HĂ€nden ĂŒbler Burschen und fĂŒhlte mit, wenn ein Guter zu Schaden kam. Sein oberstes Prinzip war, diesen zu rĂ€chen. Zumindest hatte er immer sofort den genauen Plan dazu im Kopf. Ja, er war ein echter Held. Sein ganzes Herz schlug fĂŒr die Guten.
Die ewigen Diskussionen um Beziehungsprobleme kotzten ihn an. Er sah mehr durch sie hindurch, wenn sich diese Menschen schon mittags miteinander stritten. Doch wegsehen wollte er auch nicht. Er hĂ€tte wichtige Erkenntnisse verpassen können. Außerdem konnte er Erfahrungen sammeln, die ihm so selbst erspart blieben.
Seine Stunde kam am frĂŒhen Nachmittag. Jeden Tag. Da fand er sich wieder, umgeben von Freunden, die, wie er Helden waren. Gemeinsam sorgten sie fĂŒr Recht und Ordnung, koste es, was es wolle. Er konnte es zwar kaum ertragen, wenn Unrecht geschah, doch dann und wann faszinierte ihn auch die gewitzte Art seiner Gegner. Manchmal fiel es ihm schwer, sich fĂŒr die richtige Seite zu entscheiden. Er schlĂŒpfte zuweilen kurz in die Rolle der Bösen. Es kribbelte im ganzen Körper und hatte einen eigenen, besonderen Reiz. Spritzendes Blut, sich aufbĂ€umende, dann leblose Körper, die er auf dem Gewissen hatte.....auch eine Art von Heldentum. Doch er schob diesen Gedanken schnell beiseite. Er verspĂŒrte wieder seinen Hunger.
Plötzlich hatte er den unbĂ€ndigen Wunsch, nach draußen zu gehen, aber er durfte nicht. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, gleich wĂŒrde seine Mutter nach Hause kommen.
Er war sieben Jahre alt und hatte ihr so viel zu erzÀhlen. Und er hatte Hunger.
__________________
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie woanders zu suchen.

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sohalt
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

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Talkshows und Gerichtssendungen - ein PhÀnomen, das wirklich mal literarische Verarbeitung verdient hat. Ob diese meistens doch eher simpel gestrickten FÀlle bei Salesch & Co. wirklich solche Verwirrung hervorrufen? Allerdings, bei einem SiebenjÀhrigen...
Gut gemacht!

sohalt

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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

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Ein gut geschriebener Text mit Auflösung am Ende, wie man ihn sich wĂŒnscht. Lediglich die Stunde am Nachmittag lĂ€ĂŸt mich ein wenig verwundert zurĂŒck – ist das jetzt die „Kinderstunde“ oder eine Anspielung auf eine andere Fernsehsendung wie etwas eine der unsĂ€glichen Gerichtssendungen?
Wie auch immer: es macht Spaß zu erkennen, daß man sich am Anfang hat tĂ€uschen lassen, denn zumindest ich dachte erst, ich sollte in die verwirrten GedankengĂ€nge eines mĂŒrrischen (erwachsenen) Unikums eingefĂŒhrt werden; die Auflösung mit dem Kind gibt der Geschichte einen erfreulichen Tiefgang.

__________________
Andrea Rohmert

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wondering
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Oct 2002

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Hallo Andrea,
danke fĂŒr's Lesen und deinen Kommentar.
Es ist im Prinzip egal, um welche Sendung am Nachmittag es sich handelt. Es flimmert ja eine Menge auf dem Bildschirm, angefangen bei diesen unsĂ€glichen Talk Shows ĂŒber Zeichentrick aus Japan bis zu Gerichtssendungen und soaps. Ich habe alle Sendungen ein bißchen eingebracht und damit zeigen wollen, dass der "Kurze" den ganzen Nachmittag "glotzt"...

GrĂŒĂŸe wondering



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