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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Geografiestunde
Eingestellt am 19. 11. 2006 17:16


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Seshmosis
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Geografiestunde

Meine ersten Geografiestunden erlebte ich bei Verwandtenbesuchen. Nicht dass ich dabei den G├Ąnsberg oder Weiherhof kennen gelernt h├Ątte, da kannte ich mich schon sehr fr├╝h aus. Nein, ich lernte dort die weite Welt kennen, zumindest dem Namen nach. Geografie hie├č damals noch Erdkunde und die Erde k├╝ndete vor allem vom Blut, mit dem sie getr├Ąnkt war.

Der Eberleins Opa eroberte f├╝r F├╝hrer, Volk und Vaterland den Eiffelturm in Paris und die Akropolis in Athen und sorgte daf├╝r, dass alle zuhause per Feldpost von diesen Triumphen erfuhren. Er diente in einem mobilen Postamt und sorgte f├╝r den Kontakt der Soldaten zur Heimat. Seine Landkarten, mit denen ich sp├Ąter exzessiv spielte, trugen viele verschieden farbige Buntstiftlinien mit immer neuen, sich st├Ąndig ver├Ąndernden Grenzen. Ein Tieffliegerangriff mit anschlie├čender Explosion war Anlass f├╝r die lapidare Meldung in die Gustavstra├če, dass Opa nun ein Held sei. War er aber gl├╝cklicher Weise doch nicht, zumindest kein toter Held. Nach Monaten der Trauer kam das Lebenszeichen aus franz├Âsischer Gefangenschaft.
Norwegen lernte ich durch Onkel Leikauf kennen, der hoch im Norden in Narvik bei Eis und Schnee als Gebirgsj├Ąger k├Ąmpfte. Seine Liebe zu den Bergen ist ihm geblieben, nicht aber sein ├Ąltester Sohn Willi, der im Alter von einundzwanzig Jahren bei der russischen Stadt Moltopol fiel.
Noch mehr Kenntnisse der Weiten Russlands konnte der ├Ąlteste Bruder meines Vaters, der Karl, beitragen. Er stand mit seinem Panzer irgendwo bei Moskau, sehnte sich zur├╝ck in die Hitze des Afrikafeldzugs, als ihn die Rote Armee sagte, er k├Ânne jetzt gleich bis Sibirien weitermarschieren.
Der Schellers Opa, mein Stiefgro├čvater, war auch durch den Triumphbogen in Paris marschiert und hatte auf dem Montmartre flaniert. In Russland haben sie ihm dann das Bein zerschossen und er hat es sich nicht abnehmen lassen, von den Lazarettmetzgern im Erzgebirge. Als der Kanonendonner n├Ąher kam, schnappte er sich einen Schrubber und einen Besen als Kr├╝cken und machte sich auf den Weg nach F├╝rth. Dort erst, zuhause, beim Arzt, den er kannte, lie├č er sein Bein und bekam die Prothese, die immer in der Wohnzimmerecke lehnte und mir Alptr├Ąume verschuf.
Den anderen Bruder meines Vaters, Arthur, haben sie in Montecassino in Italien so zusammengeschossen, dass er mehr tot als lebendig war. Aber doch noch so lebendig, dass die Wehrmacht ihn f├╝r die R├╝ckzugsgefechte in Ostpreu├čen brauchen konnte.
Mein Vater schlie├člich stemmte sich als Siebzehnj├Ąhriger in der Normandie mit dem Flakgesch├╝tz gegen die Invasion am D-Day, bis ihn die Amerikaner herauszogen aus all den Toten in der Stellung. Danach durfte er jahrelang auf den Baumwollfeldern Amerikas in sengender Hitze seine Kriegsschuld abarbeiten.

Jedes, aber auch wirklich jedes m├Ąnnliche Familienmitglied war ÔÇ×dort drau├čenÔÇť, wie es genannt wurde, auch noch andere, als die eben erw├Ąhnten, und etliche sind dort drau├čen geblieben, nicht nur der Willi, der Lieblingscousin meiner Mutter.

So lernte der Gerdi in den 50er Jahren die Welt kennen ÔÇô von der blutigen K├╝ste der Normandie bis zu den Arbeitslagern von Sibirien, von Montecassino und seinem zerst├Ârten Kloster bis zu den Baumwollfeldern Amerikas, vom sturmumtobten Narvik am Nordkap bis zur Gluthitze von El Alamain in ├ägypten.

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