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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
George Orwell "1984"
Eingestellt am 14. 04. 2002 14:09


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Bernd
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George Orwell "1984"

Zu den mein nachfolgendes Denken am meisten beeinflussenden B√ľchern geh√∂ren "1984" und "Animal Farm" von George Orwell.

Kennengelernt habe ich die B√ľcher in der Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.
!984 beschreibt das Leben in einem hierarchischen System, in dem das System alles bestimmen will, und das auch tut. F√ľr den einzelnen ist es unbemerkbar, solange er die Regeln des Systems einh√§lt.

Ein Verstoß gegen das System besteht darin, selbständig zu denken. Eine Methode, selbständig zu denken, ist beispielsweise das Schreiben von Gedichten.

Die Hauptperson ist ein Dichter. Heimlich hat er gedichtet. Das Dichten kann nur heimlich geschehen und alle wissen das. Der Dichter wird verfolgt und solange bearbeitet, das geschieht im Ministerium f√ľr Liebe, bis er am Schluss den Gro√üen Bruder, das Symbol dieser Gesellschaft wahrhaft und innig liebt.

Die Gesellschaft lebt davon, st√§ndig im Krieg zu sein. Es gibt drei gro√üe Gebiete, die von Zeit zu Zeit das B√ľndnis √§ndern. Der Krieg aber wird verharmlost und verniedlicht. Die niedergeschriebene Geschichte wird durch L√∂schen und √Ąndern der Berichte ge√§ndert und der jeweils herrschenden Meinung angepasst. Daf√ľr ist das Ministerium f√ľr Wahrheit zust√§ndig.

Nat√ľrlich wird jeder vollst√§ndig √ľberwacht. Zu den nicht sonderlich √ľberwachten geh√∂ren die Proles, die entsprechend konditioniert sind, dass sie mit ihrem Leben im wesentlichen zufrieden sind, √§hnlich wie in der "sch√∂nen neuen Welt" von Huxley.

Bemerkenswert ist Orwells Beschreibung von "Neusprech", einer neuen Sprache, in der man gar nichts mehr sagen kann was dem System missf√§llt. Es gibt keine Worte mehr daf√ľr. Aus diesem Grund ist die Erfindung oder Verwendung neuer Worte sowohl nicht m√∂glich, als auch ein Verbrechen.

Orwell hatte Probleme, das Buch zu veröffentlichen. Es schien gegen die Sowjetunion gerichtet zu sein. Dass es gegen diktatorische Systeme allgemein gewendet ist, sahen wenige.

Es gehörte zeitweise (paradoxerweise) zu den Kampfmitteln im Kalten Krieg.

Das westliche System sah in dem Buch eine Anklage gegen die Sowjetunion, und das östliche ebenfalls. So wurde es im Westen hoch und im Osten niedergehalten. Trotzdem gab es freundliche Rezensionen dazu auch im Osten, zum Beispiel von J. Kagarlitzki in dem Buch: "Was ist Phantastik".
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Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Pasta
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Zukunftsromane: 1984, Brave New World, Kallocain

Während Orwells 1984 mich sehr beeindruckt hat, weil es Methoden der Propaganda und Diktatur eindringlich erzählt.

Die Figurendarstellung ist ebenfalls sehr gut gelungen: Die Protagonisten sind nicht nur "schwarz" oder "weiß", sie haben Angst, sind angepasst und wagen doch den ein oder anderen Ausbruch aus dem System, und zwar in dem Moment, wo sie mit der Liebe konfrontiert werden und damit zu einer indivuduellen Auseinandersetzung mit ihrer Person und ihrem Leben gezwungen werden.

Die geheimgehaltene Liebesaffaire birgt nat√ľrlich zus√§tzlich ein ungeheures Spannungsmoment, wie in einem guten Thriller. Man fiebert mit: Werden sie entdeckt oder nicht?

Auch die Darstellung der Orte, der Stadt ist anschaulich und atmosphärisch dicht beschrieben.

Am Ende wartet Orwell nicht mit einer einfachen Lösung auf.

Dagegen nimmt sich meiner Meinung nach Huxleys Brave New World sehr schwach aus. Ich vermisse dort die Komplexit√§t der Figuren wie sie bei Orwell zu finden ist. Orte und Geschehen bleiben f√ľr mich ebenfalls blass so wie die Handlung - zumindest aus heutiger Perspektive - quasi vorhersehbar und damit entt√§uschend ist.

Aufmerksam machen m√∂chte ich schlie√ülich noch auf die schwedische Autorin Karin Boye und ihren Zukunftsroman "Kallocain", der in vielem - auch der Rezeptionsgeschichte - Orwells 1984 √§hnelt. Auch hier "stritten" sich die Kritiker, ob Kallocain nun auf das Sowjetsystem oder Hitlers Nazi-Regime anspielt. Meiner Meinung nach gibt es f√ľr beides Belege und Boye verurteilt vielmehr beide Systeme, d.h. jede Form von Diktatur.

Auch bei ihr ist die Liebe die treibende Kraft, die die Menschen dazu bringt, sich mit sich selbst, ihren persönlichen Beziehungen und ihrem Leben im allgemeinen auseinanderzusetzen -und eventuell zu rebellieren. Leider ist den Protagonisten kein Happy End beschieden, aber die inneren Konflikte werden glaubhaft und von ungeheurer Intensität in Szene gesetzt.

Als traurige Schlussfolgerung k√∂nnte man aus Kallocain ziehen, dass Liebe immer - in jedem System - "asozial" ist, weil sie immer "Sand im Getriebe der Effektivit√§tsmaschinerie" (der Wirtschaft) ist, denn Liebe bzw. pers√∂nliche Beziehungen √ľberhaupt kosten Ressourcen und lenken die Energie der Menschen auf ihr Du, was im wirtschaftlichen Sinn - vor allem im kapitalistische System - unproduktiv ist, weil es Zeit, Geld und Kraft "vergeudet".
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Lasst Euch die Kindheit nicht
austreiben! (Erich Kästner)

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ElsaLaska
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Lieber Bernd,

es wird zuviel √ľber 1984 und Orwell geredet.
Dabei erscheint mir das Buch immer nur wie ein Epigone von Jewgenij Zamjatins "Wir".
Dieses Buch wird leider viel zu wenig beachtet, und es ist Dir sicher bekannt.
Lieben Gruss
Elsa

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Bernd
Foren-Redakteur
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Liebe Elsa,

das Buch "Wir" kenne ich leider nur auszugsweise.
Ich habe schon viel dar√ľber gelesen, unter anderem in Kagarlitzkis Buch "Was ist Phantastik".

K√ľrzlich habe ich es gekauft, komme aber sehr langsam vorw√§rts - es ist russisch.

Zu erwähnen sind unbedingt auch noch die Werke Platonows, obwohl sie in eine andere Richtung gehen. (Z. B. "Das Juvenilmeer" - (Juvenilnoje morje) und andere. Vor allem auch die Kurzgeschichten.
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Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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ElsaLaska
Guest
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Lieber Bernd,

ich gehe sofort in meiner in den Keller ausgelagerten Slawistenbibliothek suchen. Irgendwo habe ich noch ein deutsches Exemplar von My.
Sobald ich es tatsächlich gefunden habe, maile ich Dich an.
Ich schicke es Dir dann gerne. Wenn ich es finde
Lieben Gruss
Elsa

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maskeso
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Brave New World

Brave New World kann man in meinen Augen wohl kaum mit 1984 verlgeichen. Im Gegenteil - in "brave New World" habe ich nie wirklich eine Dystopie gesehen und das ist in meinen Augen das absolut Geniale: Man darf in dieser Welt alles tun was man will (dass man nur will, was der Staat bzw. das System will ist dabei belanglos wenngleich extrem interessant). Praktisch alle Menschen sind nicht nur zufrieden sondern gar gl√ľcklich und die Dissidenten werden nicht beseitigt sondern "nur" ins Exil hinauskomplimentiert.
Dieses Buch zeigt wie kein anderes die Aussichtslosigkeit des menschlichen Strebens - das selbst die perfekte Welt nicht erstrebenswert ist.
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Die Hölle sind wir selbst.

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