Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95225
Momentan online:
546 Gäste und 22 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gerda
Eingestellt am 30. 04. 2015 17:52


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Marlen
Autorenanwärter
Registriert: Apr 2015

Werke: 2
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Marlen eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Gerda

„O- Ton Simone!“
Gerda balanciert auf einem Stuhlbein, verliert plötzlich das Gleichgewicht und purzelt bestürzt um. Sie landet auf ihrem Hintern und flucht.
Die anderen lachen; sitzen da um sie herum und bekringeln sich.
Peter, Hanna, Malte.
Es ist Nachmittag und die Uni ist vorbei. Sie treffen sich oft auf einen Kaffee, um über Belanglosigkeiten zu reden, über Kommilitonen zu lästern und immer dasselbe zu tun; in erdrückender Monotonie, während die Uhr „ticktack“ macht und sich nicht kümmert.
Gerda richtet sich auf. Sie murmelt noch immer FlĂĽche vor sich hin und klopft unsichtbaren Dreck von ihrer Hose. Sie nimmt den Stuhl, stellt ihn hin und setzt sich drauf.
Die anderen reden weiter; lachen.
Gerda hört nicht hin. Gedanken drängen durch die Dunstglocke der Langeweile hindurch. Ein stetiges Flüstern und Rascheln umgibt sie – dumpfer Lärm, nicht durchdringbar und unsagbar belanglos – während sich die Gedanken erfolgreich den Weg ans Licht bahnen. Reisen; jetzt sofort und zwar mit Dette.
Doch Dette hat nicht mehr so viel Zeit wie frĂĽher: Die Haare sind jetzt nicht mehr bunt; Beruf gelernt mit Vollzeit.
Gerda hat das auch mal versucht, nur war sie nicht gut drin; aber Dette mag sie trotzdem. Das alles macht sie traurig; ist plötzlich so schwer geworden.
Der Autolärm hämmert monoton gegen ihr Trommelfell und platzt als der Busfahrer wütend hupt. Jemand rennt über die Straße ohne auf den Verkehr zu achten.
Der Kaffee wird kalt, also schnell hinterkippen und nicken: Ja, ich habe zugehört. Finde ihr habt völlig recht, obwohl es mir scheißegal ist. Ist alles ganz schön zermürbend. Trotzdem sitze ich hier und tue so als ob’s mich was scheren würde. Heute unbedingt Dette anrufen, in einer Kneipe treffen, ein paar Bier trinken; das hier langweilt mich. Ich geh auf’s Klo, Wasser ins Gesicht – aufgewacht! Der Wecker hat geklingelt.
Muss noch was lesen und geh’ lieber schon nach Hause. Tschüssi und bis morgen vielleicht; ich kann euch nicht mal richtig leiden.

Auf der Straße verdichtet sich die Dunstglocke. Sie ist trotzdem leichter zu ertragen; will nicht persönlich werden.
Berlin stinkt. Ist das eigentlich mal jemandem aufgefallen? Es stinkt hier nach Pisse und mir treibt’s die Tränen in die Augen.
Tuuuuuuuut! Ein Autofahrer hämmert auf die Hupe ein. Genau neben Gerdas Ohren. Arschloch; aber wen kümmert’s.
Gerda schlängelt sich durch die Menschenmassen. Hoffentlich berührt mich keiner; sie möchte nicht berührt werden. Sie wird aber gestoßen. Verwirrt blickt sie sich um, sieht den Übeltäter in der Menge verschwinden, hört keine Entschuldigung. Wieder: Arschloch.
„Ticktack“, hier stinkt’s ganz scheußlich.
Es ist heiß; es ist Sommer. Die Cafés sind voll belegt. Hippe, junge Menschen; öde: Ihr seht doch alle gleich aus, haltet euch für ganz was Feines. Supercool und ganz ganz trendy, immer neu und schick. Schicke, neue Kleider; schicker, neuer Kopf; fade alter Füllstoff; top, top, top.
Gerdas Kopf purzelt vornüber und stößt an den Bordstein.
Alle schauen sie an.
Lachen sie aus.
Finden sie absonderlich.
Lehnen ab wer sie ist und wie sie aussieht.
Sie tuscheln.
Durchgefallen!
Gerda läuft jetzt schneller; entscheidet sich U- Bahn zu fahren. Schön kühl, aber immer noch zu viele Leute: Gehetzt; Aktentasche, Ranzen, Anzug, Hemd, Krawatte, Röhrenjeans, Pony in den Haaren.
Und immer diese Blicke! Sie wollen mir damit zeigen, dass ich ein Nichts bin!
Wie ich Menschen hasse.
In der Bahn sitzend versucht Gerda verzweifelt den Blicken der anderen auszuweichen. Die durchbohren sie und lesen ihre Gedanken. Oje! Zu lange hingeschaut, jetzt weiĂź er alles ĂĽber mich.
Gerda ist gespannt; ihr Rücken schmerzt, denn sie sitzt falsch. Doch sie traut sich nicht sich zu bewegen; die anderen könnten das missbilligen.
Zu oft Menschenwechsel zwischen den Stationen – ich hatte mich gerade dran gewöhnt!
Gleich bin ich da; dann muss ich raus und weiß nicht wie. Ich werde fallen, schwitzen, rempeln. Sie sehen mich; sie können mich nicht leiden.
Und Dette ist nicht da.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


DocSchneider
Foren-Redakteur
Häufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Marlen, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem MaĂźe an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den häufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken


Viele GrĂĽĂźe von DocSchneider

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


rothsten
???
Registriert: Jan 2015

Werke: 11
Kommentare: 392
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um rothsten eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Marlen und ein herzliches Willkommen auch von mir.

Ein interessantes Debut. Dein Schreibstil ist sehr verdichtet, sehr fokussiert auf Details. Das finde ich grundsätzlich gut. Ab und an wünschte ich mir jedoch längere Sätze, denn sonst wirkt es schnell abgehackt und atemlos.

Der Inhalt lässt mich etwas rätseln. Thema ist wohl der Ekel vor der Welt, wenngleich ich ausdrücklich das "wohl" in meiner Vermutung betone. Für mich ist das alles etwas zu abstrakt. Nur Studium, nur Großstadt und nur Freunde, die ihr Leben ohne einen weiterleben könnten ein guter Stoffträger sein. Erlebt wird dies aber nur durch Mitempfinden, und dies vor allem durch nachvollziehbare Handlungen und/oder Gedankengänge. Beides kommt mir hier zu kurz. Es klingt mir zu sehr nach undifferenziertem Weltschmerz.

Eines aber stößt mir richtig übel auf: Wer ist eigentlich Hauptdarsteller? Ist es Gerda oder ist es ein Ich? Ich weiß es nicht, denn entweder wechselt die Perspektive ständig, oder der Ich-Erzähler rennt Gerda den ganzen Tag hinterher.

Der Text hat Potential, ist mir aber zu unausgegoren. ;-)

lg

Bearbeiten/Löschen    


aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

Werke: 78
Kommentare: 4654
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um aligaga eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Wenn mich etwas nervt, @Marlen, dann ist es die immergleiche Verständnislosigkeit Texten gegenüber, die etwas anderes sein wollen als ein platter Schulaufsatz à la "Mein schlimmster Ferientag".

Natürlich ist das hier keine Kurzgeschichte, sondern eine Impression, und sie gehörte wohl eher nach "Kurzprosa".

Aber das änderte nichts daran, dass hier auf eine recht eindrückliche Art beschrieben wird, wie sich Selbstzweifel, die daraus folgende Unsicherheit und gesellschaftliche Vereinsamung anfühlen. Natürlich ist der "Plot" nichts Besonderes - Typen, die mit sich und der Welt nichts anfangen können (auch wen sie an der Uni irgendwelche Fächer belegt haben), die aus Dummheit oder Langeweile irgendetwas rauchen oder einwerfen, was ihnen nicht gut tut, und die auf den "Rest der Welt" herabgucken, obwohl sie es sind, die permanent stolpern, sind etwas schrecklich Langweiliges. Die begegnen einem allenthalben, die hängen überall ab.

Interessant wird es erst dann, wenn sie beginnen, sich zu artikulieren und einem Dritten wirklich verständlich zu machen. Du bist auf dem besten Wege dazu. Der Leser erkennt in deiner "Gerda" ein solches "Null-Bock"-Wesen; du hast es recht gut und eindrücklich beschrieben.

Was jetzt noch fehlt, ist die Erhellung der so genannten "näheren Umstände" - etwas, das den Weltschmerz des lyrischen Ichs plausibilisierte. Sozusagen ein Motiv, das die Abart "Gerdas" erklärte oder gar nachvollziehbar machte.

Dann fände sich vielleicht auch ein Schluss. Ein guter oder ein böser. Und schon würde es wirklich eine Geschichte. Oder ein ganzer Roman.

Ich drĂĽck dir schon mal die Daumen.

GruĂź

aligaga

Bearbeiten/Löschen    


CPMan
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2014

Werke: 65
Kommentare: 155
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um CPMan eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Marlen,

als Momentaufnahme gefällt mir der Text. Ein paar Sätze lösen etwas aus in mir. Diese Flüchtigkeit der Gedanken bringst du durch die kurzen, abgehackten Sätze schön rüber. Diese Langeweile gepaart mit Erlebnisdrang wird durch das Sprunghafte der Gedanken schön veranschaulicht. Und ich habe mich wie Gerda gefühlt, wann auch immer ich in berlin war: Spießig, nicht lässig genug für die einstudierte Coolness der Berliner.

Ich könnte mir eine längere Geschichte mit Gerda als Hauptfigur gut vorstellen. Dann braucht es aber Handlung. Obwohl, vielleicht auch gerade nicht, vll passt zu Gerda nur das Episodenhafte.

GruĂź,

CPMan

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂĽr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂĽck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung