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Leselupe.de > Ungereimtes
Gerechtigkeit
Eingestellt am 29. 09. 2004 16:07


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Inu
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Gerechtigkeit

September 2004




Ein verwahrloster Penner
sitzt verdreckt und verlegen
in der Karstadt-Passage.
Er kostet 'uns alle'
vierhundert Euro im Monat ... viel Geld.
Warum soll einer, der nichts bringt,
denn eigentlich essen?

Es fehlt nur die ZĂŒndschnur,
dann wird es passieren,
dann werden die BĂŒrger in heiligem Volkszorn
diesem Schmarotzer
endlich
die blau angelaufene
SĂ€ufervisage
polieren!

*

Seht dagegen
die hoch angesehenen
Armani-veredelten Big Global-Players,
die mit klugem Getue
und verschlĂŒsselten Mienen
weltweit Entscheidungen treffen,
auch sie zu nĂŒtzlicher Leistung nicht fĂ€hig,
Nieten in Nadelstreifen.
Nur im Jonglieren
mit Zahlen und Unbekannten
sind sie ganz groß,
Versager
aber ... auf höchstem Niveau.

Und
haben sie endlich genug
Pleiten und Pannen verursacht -
dann zahlt man ihnen
eine Millionen-Abfindung.
BELOHNUNG dafĂŒr,
dass sie in Zukunft
fĂŒr die gefrustete Menschheit
kein Unheil mehr stiften?

Nach dem Rauswurf
sitzen die Herren
rasch in privaten Maschinen und reisen
sicher und wohlig,
vom Dienstvölkchen sorgsam umhegt,
zu ihren Villen
in Tessin und Toscana.

*

Heute Nacht sah ich im Traum
eine Frau, die sehr bös war.
Ihr standen die Haare zu Berge,
sie hielt in der Hand eine Waage.

Und
man fing die verblĂŒfften Konzern-Herrn,
- diesmal waren sie ohne Amigos und Lawyers -
man brachte sie zu ihr -
gefesselt.

War die wĂŒtende Dame,
die mit dem Wirrhaar - Justizia?
Nein! Justizia war sonstwo und schlief,
die hier war eine
von der ehrlichen Sorte -
ich kannte sie lange.

"Und wenn dann der Kopf fÀllt",
schrie die SeerÀuber - Jenny,
"und wenn dann der Kopf fÀllt,
dann sage ich: „HOPPLA.“

Ich dachte noch: Seltsam
- warum lÀchelt die so?

Da rief ich ebenfalls: "Hoppla."

Wie kann man nur so etwas trÀumen
Ich bin doch sonst sehr
besonnen
und ...

zivilisiert.




*






Copyright Irmgard Schöndorf Welch 29.09.2004





Version vom 29. 09. 2004 16:07
Version vom 20. 08. 2008 01:13
Version vom 20. 08. 2008 01:37
Version vom 16. 09. 2008 14:11
Version vom 30. 09. 2008 22:16

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

genau, das ist mal wieder eines von der leber geschrieben,
wie ich es meist mag.
raus mit der wut! wenigstens verbal sollte man manchmal
gegen die verlogenheiten anstinken.

gut
bon.

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Inu
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Hallo Bon

quote:
wenigstens verbal sollte man manchmal
gegen die verlogenheiten anstinken.


Ich hoffe, es ist mir gelungen, ohne in allzu große Niederungen abzurutschen. Dasnke fĂŒr Deine gute Bewertung

A

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LeseWurm
Festzeitungsschreiber
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Hallo A.,

ich drĂŒcke mal meine Empfindungen aus und was mir sonst so auffiel.

quote:

Ein nichtsnutziger Penner
...

guter Einstieg, der den Kontrast hervorhebt

quote:

Es fehlt nur die ZĂŒndschnur,
...

Das ist eine "explosive" Wortwahl. Gut.

quote:

Die quirligen Nieten
in Nadelstreifen,
...
aber... auf höchstem Niveau,

man zahlt ihnen
zwanzig Millionen
...
kein Unheil mehr stiften.

Die AbsĂ€tze sind mir zu platt. Die Schlagworte sind sicher mit Absicht gewĂ€hlt, fĂŒr mich aber etwas abgedroschen.
Aber die Aussage ist gut und an richtiger Stelle.

quote:

Danach sitzen die Herren
mit betroffenen Mienen wie immer
...

Besser.

quote:

Heute Nacht sah ich im Traum
eine Frau, die sehr bös war,
ihr standen die Haare zu Berge
und außerdem hielt sie
in der Hand eine Waage.

Guter Absatz. Die letzte Zeile vielleicht umstellen, damit der Satz flĂŒssiger wird und zugleich hĂ€rter(DIE Waage)? Mein Vorschlag:
die Waage in der Hand

quote:

Man fing die verblĂŒfften Konzern-Herrn
...

"fing" hervorragend das Wort an dieser Stelle.
Ich liebe es.

quote:

„Und wenn dann der Kopf fĂ€llt“,
schrie fröhlich
die SeerĂ€uber–Jenny,
„und wenn dann der Kopf fĂ€llt,
dann sage ich: „HOPPLA.“

Ich dachte noch: Seltsam
- warum lÀchelt die so?

Dann sagte ich ebenfalls "Hoppla."

Bitterböse, bitterböse diese Zeilen. Nur durch die Traumsituation und den letzten Satz des Werkes abgemildert. Sie zaubern ein breites, böses Grinsen auf meine Lippen. Und mir wachsen kleine teuflische Hörner aus den Geheimratsecken.

quote:

Wie kann man nur so etwas trÀumen?
Ich bin doch sonst
besonnen
und...

zivilisiert.

Wunderwares Ende. Es erzeugt bei mir ein GefĂŒhl wie "Das hĂ€tte ich auch trĂ€umen können", "so denkst du doch auch" und eine eigenartige Art von Erleichterung.

__________________
ein Lieber Gruß vom <°== LeseWurm ====--~~®

"Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!" (Papst Johannes XXIII)

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Inu
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hallo LeseWurm. Willkommen hier

Ich sehe, dass mein kritischer Text Dir gefiel. Habe auch ziemlich lang daran gefeilt.

Du schreibst:

Heute Nacht sah ich im Traum
eine Frau, die sehr bös war,
ihr standen die Haare zu Berge
und außerdem hielt sie
in der Hand eine Waage.

--------------------------------------------------------------------------------

Guter Absatz. Die letzte Zeile vielleicht umstellen, damit der Satz flĂŒssiger wird und zugleich hĂ€rter(DIE Waage)? Mein Vorschlag:
die Waage in der Hand


Ja, ich hatte schon die ganze Zeit das GefĂŒhl, dass ich daran was Ă€ndern mĂŒsste. SinngemĂ€ĂŸ hast Du sehr recht, nur wĂŒrde das vom Versmaß her nicht ganz stimmen. Ändern werde ich es auf alle FĂ€lle, muss aber noch ĂŒberlegen, wie ich es genau wörtlich formuliere.

Dein positiver, einfĂŒhlsamer Kommentar macht mich sehr froh, Du hast mir meinen Morgen gerettet!


Liebe GrĂŒĂŸe vom
A.

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Sandra
Guest
Registriert: Not Yet

Wo ist das Gedicht? Die Zentrierung allein kann es nicht ausmachen. Das ist Kurzprosa und enthĂ€lt absolut keine lyrischen Elemente. In seiner Aussage halte ich es fĂŒr sehr gut gelungen, als Gedicht allerdings ein Flop.

LG
Sandra (die jetzt nach dem wichtigeren Kriterium wertet.)

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