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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gerettet!
Eingestellt am 09. 01. 2004 00:04


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haljam
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 28
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Es war Winter. Der erste Schultag nach den Weihnachtsferien. Zwei BrĂĽder kamen von der Schule, an einem Teich vorbei. Sie hatten noch zwei Ă„pfel von ihrem SchulfrĂĽhstĂĽck im Tornister.

„Du, weißt du was, wir spielen mal ein Spiel: Wir lassen unsere Äpfel ein wenig auf dem Eis in die Mitte rollen. Wer seinen Apfel weiter rollen lässt als der andere, der bekommt einen Punkt.“

„O ja, prima“, sagte der jüngere von beiden, „tolles Spiel! Los, Basti, lass uns das spielen.“

Sebastian, der ältere, ließ seinen kleinen Bruder als ersten seinen Apfel rollen. Ralfs Apfel rollte nicht besonders weit, er war ja noch klein und ungeübt in solchen Dingen, er rollte höchstens zwei Meter.

Sebastian nahm nun seinen Apfel, und das war schon deutlich weiter, bestimmt vier bis fĂĽnf Meter.

„Ein Punkt für mich“, sagte Sebastian. „Schade“, entgegnete Ralf traurig.

Sie betraten vorsichtig das Eis und holten sich ihre Ă„pfel zurĂĽck.

„So, zweite Runde“, drängte Sebastian, „diesmal fang ich an.“ Diesmal misslang ihm alles, der Apfel rollte schräg zur Seite und danach noch nicht mal so weit wie Ralfs Apfel beim ersten Mal. Darauf witterte Ralf seine Chance, strengte sich mächtig an, und sein Apfel rollte und rollte, viel weiter als der Apfel des großen Bruders, fast fünf Meter.

„Gut, eins zu eins“, entschied Sebastian, und der Kleine strahlte über das ganze Gesicht: „Gut, nicht wahr?“ „Ja, sehr gut!“ stellte der Ältere anerkennend fest. „Aber lass uns jetzt weiterspielen, bis zehn!“ „Müssen wir nicht nach Hause gehen? Was wird Mutti sagen, wenn wir nicht kommen?“ „Ach lass nur, es ist ja noch nicht so spät...“

Sie liefen wieder auf das Eis hinaus und holten ihre Ă„pfel. Es knirschte ein wenig, einen Moment lang verharrten sie und trauten sich nicht weiter, dann, ganz vorsichtig, schoben sie sich Schritt fĂĽr Schritt an ihre Ă„pfel heran, griffen sie sich und tasteten sich behutsam zurĂĽck ans Ufer. Das Knacken und Knirschen kam immer wieder, aber das Eis trug.

„Gut, dritter Wurf“, sagte Sebastian. „Du fängst wieder an.“

Der Kleine hatte jetzt schon ein wenig Ăśbung, stellte sich geschickt an, und der Apfel rollte weit und immer weiter, fast bis in die Mitte des Teichs.

Ehrgeizig holte nun der Große aus und rollte seinen Apfel so weit, wie er nur konnte. Der Apfel rollte und rollte und rollte... Er war fast in der Mitte des Teichs angekommen, hatte den Apfel des Kleinen um Längen überholt.

„Das war wohl ein Punkt für dich, ganz klar“, stellte Ralf anerkennend fest, „da beißt die Maus keinen Faden ab.“

„Ja, zwei zu eins“, präzisierte Sebastian. „Los, lass uns die Äpfel zurückholen. Aber pass auf, da vorne ist das Eis schon ein bißchen dünn, lass uns ganz langsam zu den Äpfeln hingehen.“

Schritt fĂĽr Schritt wagten sie sich auf den zugefrorenen Teich hinaus. Anfangs war das Eis noch ziemlich dick, nach und nach aber wurde es immer dĂĽnner. Es knackte und knirschte, das klang so unheimlich.

Ralf blieb plötzlich stehen: „Du, ich trau mich nicht weiter!“ „Ach, du kleiner Angsthase, sei doch nicht so ein Waschlappen, das ist so kalt heute, das Eis ist ganz dick, da kann uns überhaupt nichts passieren...“ „Wenn du meinst...“ erwiderte Ralf unterwürfig, und gemeinsam setzten sie ihren Weg fort.

Es ging blitzschnell, als das Eis brach: das Knistern war immer lauter geworden, es knisterte und knackte immer schneller, schlagartig gab die Eisfläche unter ihren Füßen nach, und sie rutschten beide ins eiskalte Wasser, schreiend, Ralf ganz entsetzlich schreiend, wie in Todesangst.

„Ralfi, halt dich am Rand fest!“ schrie Sebastian, ebenfalls in großer Not, „halt dich am Rand fest!“ Aber da war sein kleiner Bruder schon unter der Wasseroberfläche verschwunden! „Raaaalfi!“ schrie Sebastian, „Ralfi! Hilfe! Hilfe! Hiiiiiilfe!!!“

Ein älteres Ehepaar hatte die Kinder schon beobachtet, als sie mit ihrem Spiel begannen. Sie waren weitergegangen, dann hörten sie plötzlich Hilfeschreie aus der Richtung des Teichs. Sofort eilten sie zurück und sahen Sebastian durch das Eis gebrochen im eiskalten Wasser liegen. Mit seinem Oberkörper lag er auf der Eisfläche, laut um Hilfe schreiend.

Die Frau rief die Notrufzentrale an. Wenig später traf der Rettungsdienst ein.

Eine junge Sanitäterin begriff sofort den Ernst der Lage. In voller Kleidung sprang sie ins eiskalte Wasser. Ralf trieb schon unter dem Eis. Sie zog ihn an die Oberfläche, sie hielt ihn über Wasser, aber ihre Kräfte ließen nach, sie schaffte es nicht, mit ihm ans Ufer zu schwimmen. Zum Glück kam jetzt die Feuerwehr. Die Feuerwehrleute warfen Sebastian eine Fangleine zu. Er bekam sie zu fassen und wurde übers Eis ans rettende Ufer gezogen. Sebastian war völlig verzweifelt, er weinte und weinte und rief auch dann noch flehentlich um Hilfe, als ihn die Retter schon in den Armen hielten. Die Feuerwehrleute zogen ihm sofort die Kleider aus, wickelten ihn in eine Decke und legte ihn in ein beheiztes Auto. Nun galt es die Frau und Ralf zu retten. „Schnell, die Steckleiter!“ Die Leiter wurde flach aufs Eis gelegt. Ein Feuerwehrmann robbte bis zur Eiskante, reichte der Sanitäterin eine Sicherungsleine, konnte die Frau greifen, konnte Ralf greifen und brachte sie sicher an Land.
Ralfs Gesicht war blau angelaufen, er atmete nicht mehr, wurde wiederbelebt.

Der Rettungswagen raste zur Kinderklinik.

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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Eifersuchtsspiele

Gar nicht witzig und doch steckt ein Hass hinter dieser Geschichte. Der Hass des Ă„lteren auf den jĂĽngeren Bruder.
Zu weit gegangen und er muss es teuer bezahlen.
Beide, so wie es scheint.

Jeder wĂĽrde meinen, den JĂĽngeren trifft keine Schuld.
Er hatte argloses Vertrauen.

Aus solchen Gründen haben schon Eltern ihre Kinder abgegeben, ihren Ältesten, den Bösewicht, der dem Nachfolger
im Kinderwagen allzugerne mit dem Finger in die Augen stach.
das Eishörnchen auf dem Kopf hiel, damit der Jüngere
es nachmachte - ebenfalls arglos - und sein Eis im Dreck landete, während der große Bruder sich innerlich freute.
Kleinigkeiten nur. Hilferufe des Großen an die Eltern wegen Vernachlässigung.

lG

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knychen
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2002

Werke: 51
Kommentare: 426
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sprintstark, aber spurtschwach

sicherlich in jedem winter ein hoch aktuelles thema und bis auf ein, zwei flüchtige wiederholungen am anfang gut den faden verfolgt, aber die rettungsaktion an sich, der spannungshöhepunkt, liest sich wie die vorgabe des feuerwehrchefs für eine geplante übung. emotionslos und garantiert nicht so, wie es geplant war. und der titel nimmt ja auch den ausgang der geschichte vorweg. ich glaube, da ist mit etwas arbeit mehr raus zu holen.
beste grĂĽĂźe von knychen
__________________
kny

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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
Kommentare: 735
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Hallo, haljam

Auch ich bin nicht sonderlich angetan von dieser Geschichte. In meinen Augen unterscheidet sie sich einfach zu wenig von Erbauungs- und Lehrgeschichten, wie sie vor vier bis fĂĽnf Jahrzehnten der heranwachsenden Jugend in die Monatshefte der bĂĽndischen Jugend zwecks Belehrung und Ermahnung gedruckt wurden.

Mir wird nicht recht klar, an welches Publikum du dich mit diesem Text eigentlich richtest. Der von dir gewählte Sprachstil ist jedenfalls wenig kindgerecht. Das betrifft sowohl die Rahmenhandlung als auch die direkte Rede. Welches Kind würde sagen: „Du, weißt du was, wir spielen mal ein Spiel: Wir lassen unsere Äpfel ein wenig auf dem Eis in die Mitte rollen. Wer seinen Apfel weiter rollen lässt als der andere, der bekommt einen Punkt“?

Aber selbst wenn du mir ein solches sprachlich überentwickeltes TPrachtexemplar real existierend nachweisen könntest, wäre die Geschichte trotzdem nicht plausibel.

Die Kinder mĂĽssten
a) ĂĽber das Vorhandensein beider Ă„pfel informiert sein,
b) an die Ă„pfel ĂĽberhaupt denken,
c) ein sehr lockeres Verhältnis zum Thema "Spielen mit Lebensmitteln" haben.

Gut, das mag angehen. Und wenn das alles eintrifft, dann muss ich noch glauben, dass zwei Erwachsene - ältere, notabene! -
a) erst beobachten, was sich tut,
b) dann weitergehen und nicht die Kinder ermahnen,
c) ein Handy dabeihaben und gleich wissen, was zu tun ist.

Ja, gut, um des lieben Friedens willen. Wenn ich das alles glaube, dann auch, dass
a) Rettungsdienst und Feuerwehr rechtzeitig eintreffen,
b) nur eine Sanitäterin unterwegs ist,
c) die Feuerwehr tatsächlich die Rettungen nacheinander und nicht gleichzeitig versucht.

Gut, wenn ich all das zu schlucken bereit bin, dann sollte mir der betuliche Grundtenor des von dir gewählten Sprachstils auch nichts ausmachen. Aber leider tut er es doch.

Trotzdem schöne Grüße von blaustrumpf
__________________
DafĂĽr bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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haljam
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

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@anemone

Hallo anemone,

deine Sicht der Dinge finde ich ziemlich extrem: „Der Hass des Älteren auf den jüngeren Bruder.“ Natürlich gibt es derartige Konstellationen! Aber ich habe größte Schwierigkeiten, etwas Derartiges in meiner Geschichte zu entdecken (die übrigens in groben Zügen auf einem tatsächlichen Geschehen beruht). Da wird mir meiner Meinung nach ein wenig zu viel psychologisiert...

Schöne Grüße
haljam

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haljam
Wird mal Schriftsteller
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@knychen

Hallo knychen,

danke für deine ausführliche Textkritik. Die Wertung „sprintstark, aber spurtschwach“ trifft den Kern des Problems sehr gut: ein starker Anfang und ein schwacher Schluss, um es auf den Punkt zu bringen.

Es hängt vermutlich auch mit dem Gebrauch der wörtlichen Rede zusammen: im ersten Teil finden intensive Gespräche zwischen den handelnden Figuren statt, im zweiten Teil wird die Handlung wie ein nüchterner Bericht abgespult. Und mit dem furiosen Titel „Gerettet!“ habe ich mir tatsächlich „ein Ei gelegt“...

Mittlerweile habe ich die Geschichte ausgiebig überarbeitet, und auch den Titel habe ich gegen eine weniger verräterische Variante ausgetauscht.

Ich veröffentliche diesen Text in Kürze unter der Überschrift „Äpfel auf dem Eis“.

Beste GrĂĽĂźe von haljam

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