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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Geschafft
Eingestellt am 10. 08. 2002 09:02


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Concorde
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 6
Kommentare: 13
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GESCHAFFT

Bevor FrĂ€ulein Schwalbe das Zimmer von Herrn Direktor Dr.Klein betrat, ĂŒbte sie noch einmal vor ihrem Spiegel das verfĂŒhrerische LĂ€cheln. Als sie es Heinz, ihrem Verlobten, vorgefĂŒhrt hatte, hatte er sie nur gefragt: „Fehlt dir was, mein Schatz?“.
Forsch öffnete sie die TĂŒr und trat ein. Die ungewohnten Stöckelschuhe und der ebenso ungewohnt tiefe Teppich ließen sie stolpern. Den drohenden Sturz fing sie mit einer, wie sie meinte, eleganten Bewegung ab.
Herr Dr.Klein, offensichtlich ĂŒberrascht von ihrer Erscheinung, sprang hinter seinem Schreibtisch auf. Sicherlich hatte er vergessen, die Schublade seines Schreibtisches zu schließen, so dass seine rechte Kniescheibe mit der Kante der Lade in schmerzhaften Kontakt geriet, worauf sein zu Anfang erwartungsfrohes LĂ€cheln einen etwas glasigen Zug bekam. Ächtzend ließ er sich in seinen Chefsessel zurĂŒcksinken.
„Sie wĂŒnschen?“ krĂ€chzte er, wobei er sich bemĂŒhte, den Ausdruck von AutoritĂ€t und MĂ€nnlichkeit, den er so sehr an sich schĂ€tzte, wiederherzustellen.
„Nehmen Sie doch Platz, FrĂ€ulein Schwalbe.“
Graziös setzte sie sich auf den roten Besucherstuhl und schlug die Beine mit einem gekonnten Schwung ĂŒbereinander: Rrrratsch. Leicht beunruhigt musste sie feststellten, dass sich der Seitenschlitz ihres Kleides gut zwanzig Zentimeter ĂŒber das geplante Maß hinaus verlĂ€ngert hatte.
VerblĂŒfft starrte Dr.Klein auf ihren großzĂŒgig entblĂ¶ĂŸten Schenkel und fingerte nervös nach einer Zigarettenschachtel.
„Rauchen Sie?“ FrĂ€ulein Schwalbe hĂ€tte gerne geraucht, allerdings wusste sie nicht, wie sie nach der angebotenen Zigarette greifen sollte, da sie sich inzwischen entschlossen hatte, mit beiden HĂ€nden, in denen sich ein leichter Schweißfilm gebildet hatte, die LĂ€nge des Seitenschlitzes auf ein ertrĂ€gliches Maß zu reduzieren.
„Sie sind Nichtraucherin?“ fragte Dr.Klein, „Ich darf ja wohl?“. Mit zitternden HĂ€nden nestelte er an der Zigarettenschachtel, und es gelang ihm schließlich eine Filterzigarette anzuzĂŒnden.
Ein explosionsartiger Hustenanfall ließ darauf schließen, dass er die Zigarette verkehrt herum illuminiert hatte.
Taktvoll wartete FrÀulein Schwalbe ab, bis Herr Dr.Klein wieder in der Lage schien, ihr zuzuhören.
„Ich hĂ€tte gerne einen Tag Sonderurlaub, Herr Dr.Klein.“
Jetzt war der richtige Zeitpunkt, so hatte Heinz gesagt, das Dekollete einzusetzen. Mit einer, ihrer Meinung nach schlangenhaften, Bewegung beugte sie sich vor.
Dr.Klein schien, ihr unverstÀndlicherweise, vor einem zweiten Hustenanfall zu stehen. Sein offener Mund und sein starrer Blick jedoch lieferten schnell die ErklÀrung:
Bei ihrer, wie sie gemeint hatte, schlangenhaften Bewegung hatte sich ihre linke Brust, obwohl die Herstellerfirma des BHs guten Sitz garantierte, verselbststĂ€ndigt, so dass die angestrebte Horizontallinie ihres Busens sich in eine eher vertikale zu verschieben drohte. Um einen gewissen Ausgleich zu schaffen, strich FrĂ€ulein Schwalbe sich nun mit dem linken Arm mit zugegebenermaßen leicht fahrigen Bewegungen wiederholt das Haar aus dem Gesicht. Der Erfolg war verblĂŒffend, denn nun starrte Dr.Klein wie hypnotisiert auf die Wellenbewegungen, die sich unter FrĂ€ulein Schwalbes fast durchsichtiger Bluse abspielten. So war es erklĂ€rlich, dass sein tastender Griff zur Kaffeetasse – offenbar hatte er einen Schluck sehr nötig – misslang, und der Inhalt der Tasse sich ĂŒber seine Beinkleider ergoss.
Sein mĂŒhsam unterdrĂŒcktes Jaulen ließ den Schluss zu, dass es sich um heißen Kaffee handelte.
„GewĂ€hrt“, stöhnte Dr.Klein.
„Danke, Herr Dr.Klein“, flötete FrĂ€ulein Schwalbe und ging hinaus, wobei die Tatsache, dass sie auch weiterhin den Seitenschlitz ihres Kleides zusammenkrampfte, ihrem Gang etwas von dem beabsichtigten Schwung nahm.
„Wow“, sagte Dr.Klein und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

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Der Weg ist das Ziel....

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Hypatia
Guest
Registriert: Not Yet

Die "Waffen der Frau" humorvoll ĂŒberzogen und letztlich im Einsatz gegen sich selbst gerichtet. Non verbale Kommunikation in Aktion und Reaktion. Ich kenne solche Situationen und konnte sie gut nachvollziehen :-))

GrĂŒĂŸe Hypatia

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
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wow,

eine umwerfende geschichte. ich sah sie direkt als filmchen vor meinen augen ablaufen. einfach klasse! mach mal so weiter. ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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Concorde
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 6
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Danke fĂŒr eure BeitrĂ€ge. Den Leser zum Lachen zu bringen ist immer eine große Herausforderung und ich freue mich, wenns dann gelingt :-)

Gruß Kuno
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Der Weg ist das Ziel....

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Clara
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 3
Kommentare: 311
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Geschafft

Hm, lustige Slapstick Geschichte.

Allerdings Herr Klein versinkt hinter seinem Sessel
und Frl Schwalbe sitzt davor.
Meist sind die Dinger dermaßen breit, das ein Oberschenkel, mit Riss oder ohne nicht zu sehen ist.
Naja, ist ja alles ein wenig wunderlich, im positiven Sinne.
Echte Kurzweil.
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Clara

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Clara
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 3
Kommentare: 311
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Geschafft

wollte noch gesagt haben, dass es schön erzÀhlerisch, im Gegensatz zu aufzÀhlend , geschrieben ist.
Lebendig dadurch
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Clara

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