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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Geschenke, die das Herz berühren
Eingestellt am 05. 02. 2014 17:24


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krokotraene
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Eine Valentinstagsgeschichte der besonderen Art.



Ich mußte über der Zeitung eingeknickt sein, als mein Enkel mich unsanft wach rüttelte: "Opa, Opa! Nicht schlafen!"
Leicht schlaftrunken schaute ich ihn erwartungsvoll an. "Ich brauche Deinen Rat. Bald ist Valentinstag und ich weiß nicht, was ich meiner Freundin schenken soll."

Er holte tief Luft und setzte in einem Redeschwall, der die Niagarafälle daneben klein aussehen ließ, fort. Mein altes Gehirn schaffte nur einen Bruchteil der aufgezählten Geschenksideen aufzuschnappen und sich zu merken. Hängen blieben Dinge wie, Parfüm, Urlaub, Schokoladeherzen, Thermenurlaub, Fotopolster, Ring, Halskette. Auf alle Fälle konnte ich nur Dinge filtern, die im nächsten Laden oder gar im Internet zu erstehen waren und für meine Begriffe nicht recht einfallsreich waren.

Mein Enkel stützte sich auf die breite Armlehne des Lederfauteuil und schaute mich erwartungsvoll an.
"Weißt Du David, es muß ein Geschenk sein, das ihr Herz berührt" begann ich meine Hilfestellung.

"Ja, das ist mir auch klar, aber was nun? Schau mal!", er schob mir eine Liste mit aus dem Internet ausgedruckten Vorschlägen herüber.

"So habe ich das nicht gemeint. Ich will Dir eine Geschichte erzählen", ich schnäuzte mir noch schnell die Nase, ehe ich tief in die Vergangenheit blickte. Ich wußte David liebte Geschichten aus meiner Jugend und auch hier würde er gerne zuhören.

"Damals, als ich noch relativ jung war hatte ich viele Freundinnen. Und natürlich viele Valentinstage zu bestreiten. Doch es war nie recht. Entweder war es zu wenig, zu viel, zu dumm, zu ausgefallen, zu elegant, zu mißlungen oder wer weiß der Kuckuck was. Dann sah ich bei einer Feier Deine Großmutter. Mein Vater war, wie Du ja weißt, Gärtner bei einem reichen Lord und hin und wieder waren wir bei diversen Feierlichkeiten eingeladen. Es war irgendeine Charityveranstaltung und da sah ich sie. Elegant, graziös, eine wahre Engelserscheinung. Das bodenlange Kleid und erst das markante, fein geschminkte Gesicht. Dieses frauliche Gehabe, diese Eleganz..."

"Opa, komm schon wir wollen noch vor dem Valentinstag ein Geschenk aussuchen", unterbrach mich David, der sich inzwischen auf dem Lederfauteuil laut seufzend niedergelassen hatte.

"Hast ja recht, bei dem Gedanken an das erste Zusammentreffen mit Deiner Großmutter komme ich ins Schwärmen. Aber schauen wir weiter", ich goss mir ein Glas Whiskey ein, nippte kurz daran und fuhr fort, "kurz und gut, ich wußte es in jener Minute. Diese Frau oder keine andere durfte je in mein Leben treten. Aber wie sollte ich es anstellen? Sie war damals aus Amerika zurückgekehrt. Reich und gebildet. Ihr Mann war vor kurzem verstorben und sie hatte alles geerbt. Ich wußte, bei dieser Frau sind alle Geschenke überflüssig."

"Also hast Du ihr gar nichts geschenkt?", fast empört sprang mein Enkel auf und lief aufgeregt im Zimmer auf und ab.
"Nein, naja, also doch", ich bemerkte wie ich zu stottern begann. Zu sehr erregte mich der Gedanke an die Vergangenheit.
"Ein Ebenbild von einer Frau stand damals vor mir. Sie wirkte graziös und unnahbar,"

"Opa, da waren wir schon!", nervös trommelte mein Enkel mit den Fingerspitzen auf den alten Eichentisch.

"... doch in ihren Augen loderte eine kleine Flamme. Da wußte ich, hinter dieser engelhaften Fassade steckt ein tief verborgener Kern. Und ich setzte mir zum Ziel dieses kleine Flämmchen zu einem Großbrand zu entfachen.

"Komm schon Opa, also was soll ich schenken?", ich bemerkte den ungeduldigen Unterton in der Stimme meines Enkels, während er mit dem Rücken zu mir vor dem Kamin stand.
"Wie soll ich sagen?"

"Mach schon, ich habe nicht ewig Zeit!", seine Geduld schien zu Ende zugehen, also beschloss ich die Geschichte abzukürzen.
"Weißt Du David, einer Frau, die alles hat und sich mehr als wir je erahnen können leisten kann etwas zu schenken ist eine ungeheure Herausforderung. Sowie Du heute, beschäftigte ich mich damals stunden- und nächtelang mit dieser Herausforderung, die nicht lösbar schien."

"Und? Opa, bitte mache es nicht so spannend. Dass Du damals die Frau bekommen hast, wissen wir, sonst wäre sie nicht Oma"
Ich mußte schmunzeln, wie recht er doch hatte. Ich erinnerte mich an damals. "Es war gar nicht so einfach. Ich hatte auch nicht viel Geld. Und bei einem Ball sah ich sie wieder. Ich beobachtete sie den ganzen Abend lang. Viele Männer machten ihr den Hof, doch es schien als ob niemand ihr Herz berühren konnte!"

"Opa!", David lief wieder im Zimmer auf und ab, "he, die Geschäfte sperren bald!"

"Ist schon gut, also ich überlegte damals wirklich lange. Dann kaufte ich rotes Buntpapier, Filzstifte, Uhu und kleine, weiße Straßsteine, die wie Diamanten aussahen", ich beobachtete David. Ich schien sein Interesse geweckt zu haben, denn er saß plötzlich ganz still in dem großen Lederfauteuil.

"Ich verbrauchte fast den ganzen Bogen Buntpapier, bevor ich endlich ein schönes Herz ausgeschnitten hatte. Da lag es nun vor mir. So rein und unschuldig. Viele Varianten gingen durch meinen Kopf", ich nahm einen Schluck von meinem Whiskey.

"Opa, mach weiter, es wird spannend!", raunzte mein Enkel mich an.
"Ich schrieb in die Mitte mit dicken Filzstift, `ich schenke Dir mein Herz`"
"Und das war alles?", ich hatte wirklich seine volle Aufmerksamkeit erreicht.

"Nein, ich klebte am Rand die weißen Steinchen und malte noch viele kleine Herzen dazu. Dann kam der Valentinstag. Es gab eine große Feier und ich sah den ganzen Abend diverse Männer meiner angebeteten Frau Geschenke überreichen. Einige verpackt, die anderen einfach in Papiersackerl gesteckt. Sie stellte eines nach dem anderen auf einen kleinen Geschenkstisch. Freundlich bedankte sie sich bei jedem Spender."

"Und Du hast ihr das selbstgebastelte Ding, eh Herz, vermacht?"

"Ja, ich war so ziemlich der Letzte, denn ich brauchte lange bis ich mich traute. Also ein paar Getränke später nahm ich den Mut zusammen und überbrachte meiner Traumfrau mein Herzerl."

"Und sie legte es auf den Tisch", ätzte David.
"Nein, sie hielt es lange in der Hand. Las immer und immer wieder die Schrift. Ich hatte sie nicht aus den Augen gelassen. Hatte ihr Gesicht fest fixiert. Und da sah ich erstmals ein paar Tränen in ihren Augen."

"Haha, fand sie es so grauslich oder hast es falsch geschrieben?", David spottete über meine Erzählung.
"Sei nicht so dumm. Sie hatte Tränen in den Augen, weil ich der einzige Mann war, der ihr Herz berührte. Ich hatte mein Ziel erreicht, ich hatte das Flämmchen zum Großbrand, ach was, zu einem weitgehenden Flächenbrand, entfacht. Sie drückte mich ganz fest an sich und ich merkte, wie ihre Tränen in meinem Hemdkragen versickerten!"

"Wegen dem Papierherzerl?", David schüttelte ungläubig den Kopf.

"Ja, genau deswegen. Wie schon erwähnt, war ich der erste Mann in ihrem Leben, der ihr Herz berührte und es sollten ab da noch viele schöne Momente folgen. Weißt Du David", ich nippte kurz am Whiskeyglas, "ich will Dir damit sagen, es kommt nicht auf den materiellen Wert des Geschenkes an. Der Herz-Wert ist der wichtige Faktor. Beobachte Deine ausgewählte Traumfrau und berühre mit Deinem Geschenk ihr Herz. Du wirst sehen, sie wird Dich nie wieder loslassen." Zufrieden lehnte ich mich in meinen Armsessel. Ich schaute in Davids Augen und wußte, dass er mich verstanden hatte. Ich war stolz auf meinen Enkel.
Leicht irritiert, aber nachdenklich spazierte er aus dem Zimmer.

Es waren einige Stunden vergangen, als ich auf dem Weg zu meiner noch immer wie am ersten Tag geliebten Frau war. Zufällig belauschte ich ein Telefongespräch von David. Er schilderte seinem Freund meine Erzählung und ich war so stolz auf ihn.

Herzergreifend schilderte er meine Bastelarbeit und ich wußte, er hatte verstanden, was ich meinte. Ich war mir sicher, er würde ein Geschenk finden, das das Herz seiner Traumfrau berühren wird. Er wird seine Kreativität einsetzen und den richtigen Weg einschlagen. Ich wollte schon zufrieden weiter ziehen, als ich hörte: "Aber Ferry sag wirklich, wer um Himmelswillen schenkt heute noch so einen Scheiß?"

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