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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Geschenkt?
Eingestellt am 27. 10. 2015 11:09


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sajo
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Geschenkt ?

Als ich am frühen Nachmittag zum Parkplatz zurückkomme klemmt hinter einem Scheibenwischer meines Kleinwagens etwas Großes, Dunkles. Beim Näherkommen entpuppt es sich als ein Tischset aus Plastik. Quadratisch, schwarz mit einem grafischen Muster aus weißen, sich überschneidenden Kreisen und einem noch ganz neuen Preisaufkleber auf der Rückseite: IKEA, 2,99€. Dann sehe ich erst das weinrote Teelichtgläschen, das mitten auf der Kühlerhaube platziert wurde. Auch hier ein ganz neuer Preisaufkleber am Boden: IKEA, 3,99€. Weiter nichts, kein Zettel, keine Nachricht.

Ich schließe mein Auto auf, stelle die Schultasche auf den Rücksitz und falle in den Fahrersitz, ich bin müde, nein, das trifft es nicht. Ich bin erschöpft. Es war wieder ein anstrengender Tag. Mich gegen die aufkommende Erkältung taub zu stellen und meine Motivation zusammenzukratzen, um vor diesen Horden von jungen Leuten zu bestehen, ging auch heute über meine Kräfte.Ich sitze da, und ich schaue durch die Windschutzscheibe auf den Drahtzaun, der das Gelände abgrenzt, und die gelben Blätter der Büsche, die sich von außen durch die Zaunmaschen drängen.

Neben mir auf dem Beifahrersitz das Tischset und das weinrote Gläschen. Das Gläschen gefällt mir, das schwarze Stück Plastik gibt mir Rätsel auf, ich kann mir nicht vorstellen, mich beim Frühstück an so einer Düsternis zu erfreuen. Ich kann mich da nicht reinversetzen, und ich glaube auch nicht, dass irgendjemand so etwas schön finden kann. Gerade jetzt im Herbst, wenn es morgens beim Frühstück draußen noch schwarz ist. Und auch nicht zum Abendessen, wenn schon wieder alles dunkel geworden ist und ich mir in meiner kleinen Küche etwas zu essen gemacht habe. Wenn der Tag vergangen ist und ich merke, dass ich ihn wieder einmal nicht bemerkt habe. Ich bevorzuge gelb und orange. Auf dem Tisch. Als Vorhang im Wohnzimmer. Als Bettwäsche und Handtücher.

Schwarz - wer kauft sowas? Quadratisch, praktisch, gut? Auf jeden Fall abwischbar. Wahrscheinlich sind beide Dinge Neuanschaffungen für eine der Stationen, die sich auch auf dem Schulgelände befinden. Zur beginnenden Winterzeit macht so ein Teelichtgläschen Sinn, ein bisschen Licht ins Dunkel. Ich höre die Pflegerinnen geradezu in ihrem Unnahbarkeitssingsang…das ist doch schön oder? So ein Licht ist doch immer etwas zum Freuen , Frau Meier, oder?...während Frau Meier oder wie immer sie heißen mag weiter geradeaus vor sich hin schaut. Gut, ein Lichtlein also, kann ich begreifen. Aber das schwarze Ding?

Ich bin sicher, dass eine der Heimbewohnerinnen oder ein Heimbewohner diese Gegenstände auf mein Auto gelegt hat. Sie machen manchmal so etwas. Kommen, wie auch immer sie das schaffen, ins Schulgebäude und in einen der Klassenräume, setzen sich auf einen freien Stuhl, sagen nichts, bleiben dort eine Weile, stehen irgendwann wieder auf und verschwinden ebenso wortlos. Wir Lehrer sind daran gewöhnt. Und von den Schülern kichern auch nur die auf der Schule noch Neuen vor sich hin und blicken sich ungläubig um: gibt´s das? Ja, das gibt es. Und auch die Alten, die im Schulhaus plötzlich anfangen ihre Hose auszuziehen. Und den Uringestank im Treppenhaus. Und das angstvolle Schreien aus dem Gebäude mit den Wohnstationen. Und manchmal ein Gerangel an der Pforte, wenn ein Bewohner oder eine Bewohnerin sich hinausdrängen möchte, wenn die Pförtnerin das Automatiktor für einen PKW der Lehrer geöffnet hat und handgreiflich werden muss. Und den alten VW-Polo, der mitten auf dem Rasen stehend eine Brücke in die Vergangenheit bieten soll, an dem sich ganz real die Motorhaube öffnen lässt, was ich aber noch nie einen Bewohner habe tun sehen.

Irgendjemand wird von seiner Station die Tischunterlage und das Gläschen entwendet haben und auf mein Auto gestellt. Der Parkplatz ist voll, warum mein Auto? Oder nur irgendein Auto? Bin ich gemeint? Will mir jemand etwas sagen? Wer schickt mir eine Botschaft? Ist es ein Geschenk? Wer macht mir dies Geschenk?

Um morgens möglichst lange keinem Schüler zu begegnen und noch für mich sein zu können nehme ich vom Parkplatz nicht den Hauptweg zu den Schulgebäuden. Stattdessen schlängele ich mich an den Müllcontainern, der Küche und dem Raucherplatz der Heimbewohner vorbei sozusagen von hinten an die Schulgebäude heran. Den alten Leuten, die gerade dort paffen, wünsche ich einen guten Morgen, auch wenn sie nicht antworten. Ich werfe Blicke in ihre Tagesräume, wo im Hintergrund ein Fernseher läuft und immer irgendjemand in einem Rollstuhl oder Bett am Fenster sitzt oder liegt und hinaus starrt. Ich betrachte im Vorbeigehen die jahreszeitlich wechselnde Fensterdekoration und frage mich, ob dies meine Zukunft sein wird. Dann kann ich gut die Schule betreten und mich über die jungen Leute freuen, die die Treppen hinauf in ihre Klassen schlurfen.

Mir wird kalt im Auto, ich habe eine ganze Weile auf Hecke und Zaun geschaut ohne zu sehen. Sollte ich die Sachen zurückgeben, eine der Pflegerinnen ansprechen: Schauen Sie mal, was ich auf meinem Auto gefunden habe… und wir würden beide lachen und sie würde so etwas sagen wie: unglaublich, was den Leuten manchmal so einfällt! Das will ich jetzt aber nicht hören. Ich will mich über das Geschenk freuen. Ich starte den Motor, in der auf dem Geländevorgeschriebenen Schrittgeschwindigkeit erreiche ich das Tor, die Pförtnerfrau kommt heraus, drückt auf den entscheidenden Knopf, das Gitter gleitet zur Seite. Ich öffne das rechte Fenster ein wenig, rufe der Pförtnerin ein Danke zu und sie mir einen schönen Feierabend. Ich drehe das Autoradio an.

Zuhause weiß ich nicht wohin mit den zwei Geschenken von heute, es ist weder mein Geburtstag noch Weihnachten und auch kein Schülerentlassungstag. Weil ich das schwarze Ding einfach nicht schön finden kann lege ich es schließlich in der Küche unter das Futternäpfchen der Katze. Dort macht es Sinn, es gibt schon zu viele Verfärbungen auf dem Fliesenboden, weil die Katze immer wieder mal Brocken des mit Farbstoffen angehübschten Dosenfutters über den Näpfchenrand geschoben hat. Außerdem passt es farblich zu ihrem schwarz-weißen geschecktem Fell. In das weinrote Gläschen setze ich ein Teelicht, platziere es in der Fensterbank vor meinem Schreibtisch. Wenn ich es dort stehen lasse wird es immer auf die Teelichtergläschen auf den Stationen verweisen. Und ich weiß noch nicht, ob ich das will.

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FrankK
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Nov 2006

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Hallo, @sajo

Eine Verwirrende Geschicht präsentierst Du uns hier. Vom Zeitrahmen her weiß ich sie nicht ganz klar einzuordnen, von der Thematik her abenso wenig.

Seltsame Szenerie:
Ein Schulgebäude und eine Altenwohnstätte hinter einer abgesicherten Umzäunung. Den weiterführenden Details nach durchaus sogar eine Wohnstätte für „geistig geschädigte“ Patienten. Heimbewohner einer „geschlossenen“ Anstalt?

Temporale Einnordung:
Ein alter VW-Polo (dessen Motorhaube sich noch real öffnen lässt) dient als „Brücke zur Vergangenheit“. Spielt denn das Stück in einer „ungewissen und nahen“ Zukunft?

Thematik:
Vermutlicher Heiminsasse überlässt der Lehrerin Geschenke, deponiert auf/an ihrem Auto. Sie sinniert darüber nach und kommt, wie auch der Leser, am Schluss zu keinem sinnvollen Ergebnis.

ResĂĽmee:
Kann ich nicht ziehen. Manches kommt in Betracht:


  • Heimlicher Verehrer
  • Verwechslung der Autos
  • Verwirrter Heiminsasse
  • SchĂĽlerstreich
  • Plumpe Belästigung


Dieses Stück könnte ein Teil einer größeren Geschichte sein. Das, was bisher hier dargestellt wird, hat irgendwie keine richtige Story, der Leser bleibt über das „woher, wohin und wozu“ völlig im unklaren.
Nichts gegen Kurzgeschichten mit offenem (deutbarem) Ende, aber hier schlussfolgert – nichts.


Vielleicht könntest Du mal etwas zu den Hintergründen erklären.


Abendliche GrĂĽĂźe aus Westfalen
Frank


__________________
Leben und leben lassen.

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