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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Geschichte aus den Bergen I
Eingestellt am 01. 08. 2003 21:54


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Woschanova
???
Registriert: Jan 2002

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Hoch oben, im weichen Moos der Almwiese lagen wir und unsere Blicke wanderten s├╝dw├Ąrts. Sie streiften gerade noch die Dachschindeln des Hofes, der so weit fort schien und kaum noch erahnbar war. Der See, weiter entfernt unten im Tal, eingerahmt von Bergen die in Dunst geh├╝llt waren, spiegelte schimmernd gl├Ąnzend in k├Âniglichem Blau den Himmel wieder.
Seit Stunden schaukelten unsere Seelen auf dem Wellenmeer unserer Tr├Ąume und W├╝nsche. Watteb├Ąuche von hellwei├čen Wolken erz├Ąhlten uns die gleichen Geschichten, die langen ewig alten, von der Zuneigung, der Liebe und des Begehrens. Erz├Ąhlten vom Sinn und Unsinn der Besitzgier, dem Mein und Dein und das T├Ąuschung auch keine L├Âsung sei. Sprachen vom Reizen und Necken und malten uns eine Welt in den ├äther, die so verg├Ąnglich ist wie ein Augenschlag.
Noch w├Ąhrend des Aufstieges, von 1000 m H├Âhe an aufw├Ąrts, als Du vor mir gingst, wegen der Enge am Hang, auf schmalen Pfad, dein Duft die Luft durchwehte und gewisserma├čen alles belanglos erschienen lie├č, dass die Sch├Ânheit der Natur fast verblasste. Eine Augenweide, deinen Gang zu beobachten. Du kanntest den Weg, hattest ihn viele Male in all den Jahren beschritten, jeder Stein, jeder Fels, so mancher Baum und Strauch war dir vertraut von vielen Aufstiegen her. Du kanntest das Ziel, die Alm und geschmeidig schrittest Du voran. Deine Erz├Ąhlungen ├╝ber die vielen Aufstiege um Vorr├Ąte hochzubringen, die Tiere zu versorgen, nach dem Rechten schauen, Reparaturen durchzuf├╝hren, feiertags mit den Kindern rumzutollen, oder einfach nur um in Stille zu tr├Ąumen, zu schreiben, sog ich in mir auf. Die Sch├Ânheit deiner Stimme, deine Bestimmtheit in manch erz├Ąhlter Anekdote, dein Dialekt, der mich reizte, so vieles, was dich noch liebenswerter machte, mich begeisterte. Nur selten konnten wir uns die H├Ąnde reichen, ein Stadtbummel war es schlie├člich nicht. Die wenigen Male aber, wo die M├Âglichkeit bestand, suchend und schnell findend, wussten wir, wir waren im Recht.
Es war das Recht der Liebe, trotz partnerschaftlichen Gebundenheit, zweier, die sich suchten, in ├ťbereinstimmung ihrer Gef├╝hle und Tr├Ąume. Schon seit l├Ąngerer Zeit trat ein immer wiederkehrendes gegenseitiges Interesse ein. Der innere Blick wurde gesch├Ąrft, Membranen der Skepsis durchl├Ąssiger und die Amplituden der Seelenstr├Âme steigerten sich derart, das Intimstes f├╝r beide mitteilbar wurde. Die Freuden, auch die N├Âte schwangen von einem zum anderem, ohne die sonst l├Ąstig empfundene Selbstkontrolle und damit einhergehenden Vorsicht, sich nicht zuviel zu ├Âffnen, mitzuteilen.
Die Wiese, erst k├╝rzlich von dir gem├Ąht, nun wieder mit kleinen Heublumen und Moos gezierte duftige Bettstatt unserer Liebe, lag oberhalb der H├╝tte, die schon viel, sehr viel gesehen und geh├Ârt hatte. Quasi, das verl├Ąsslich schweigende Geschichtsbuch vieler Generationen Verliebter in den Bergen. Waren wir ├╝berhaupt verliebt? Bestand die Zuneigung unserer Seelen aus Liebe, aus dem Versuch, den eigenen "Marktwert" zu finden oder nur aus sexueller Gier? Warum ├╝berhaupt waren wir hier? Das aber waren Gedanken, die erst viel sp├Ąter, ja Monate sp├Ąter auf uns einstr├Âmten. Im Bewusstsein gr├Â├čter Anziehung, st├Ąrker als jedes Magnetfeld, gr├Â├čter Gravitation zweier Herzen, umarmten wir uns k├╝ssend, mit Gl├╝ckstr├Ąnen in den Augen, schauten wir uns an, erkennend, dass wir endlich allein, fern aller Untiefen des Schicksals, wir Selbst sein durften. Aus dem Korb, den wir mit brachten, zauberten wir eine k├Âstliche schmeckende Brotzeit hervor. Das Quellwasser aus dem nahen Brunnen, der dir als Kind riesig und unergr├╝ndlich vorkam, erfrischte, schmeckte nach Fels, Eis und tiefen Geheimnissen. In den langen Wintern, so erz├Ąhltest du, als drau├čen der Schnee kniehoch lag, seiest Du als Kind mit Deinen Geschwistern, jauchzend, nach Stunden nass und durchgefroren, immer ├╝ber diese Wiese heruntergerodelt, auf der wir nun lagen. Dass der Brunnen dann eingefroren sei und in Eiszapfen geh├╝llt, fast wie ein Gespenst aussah. Einmal auch sei eine Lawine mit Get├Âse herunter gekommen, die aber keine gro├čen Sch├Ąden hinterlie├č. Nun aber nach Ewigkeiten des Wartens aufeinander, es war nicht einfach gewesen, uns zu treffen, lag eine Welt vor uns, die sch├Âner nicht sein konnte. Ein Alpengras unsere Nacken kitzelte, die dicht nebeneinander ruhten. Sanft und leise, bed├Ąchtig ruhig, mit einem Glanz in den Augen der Diamanten ├Ąhnlich war, fuhrst du mit deiner Hand mir durchs Haar, sprachst von der Sehnsucht, all der Jahre, deiner Seelenverwandtschaft endlich zu begegnen und von dem L├Âsungssuchen, dass dir durch den Kopf ging. Musste unser Zusammentreffen ein Geheimnis bleiben?
Deine Ehe, eine nicht ungl├╝ckliche, relativ gute Beziehung zu deinem Gatten ├╝ber die Jahrzehnte, wollte ich, wolltest du, nicht gef├Ąhrden. Immerhin wart ihr f├╝r Au├čenstehende ein fast ideales Paar. Welch ein Widerspruch in der Realit├Ąt lag, wurde uns bewusst und dennoch lagen wir uns in den Armen und verlangten mehr voneinander, nahmen das Zittern unserer aufgew├╝hlten K├Ârper wahr. Das Spiel der Liebe, das Kumulieren der Gef├╝hle, der H├Âhepunkt, war jedoch nicht der einzige Grund unseres Treffens. Wie aber konnten wir unsere Liebe leben, ohne andere zu verletzen, zu entt├Ąuschen?
Geh├Ârt der Mensch, nur einem Einzigen, darf er ausschlie├člich nur diesem Menschen begehren und lieben, auch wenn das eigene Innere sich nach dem Anderen sehnt, sich qu├Ąlt und windet, sich teilen m├Âchte, wie der Mond, die Sonne, sich einen Himmel teilen, war unser Tun verboten? Sollte diese Liebe zu den ungl├╝cklichen Lieben geh├Âren, zu denen, die einen bis zum Tod verfolgen und erst auf dem Sterbebett sich erkennbar offenbaren, in dem du und ich einander riefen, die zitternde Hand ein letztes Mal zu halten?
Erst am sp├Ąten Nachmittag, die Sonne warf schon lange Schatten, fiel uns auf, wie schnell die Zeit vergangen war. Eine Zeit voller Gl├╝ck, Harmonie und auch Gefahr. Jetzt erst begaben wir uns zur H├╝tte, die Du aufschlosst und mir den Schl├╝ssel der H├╝tte und Deines Herzens mit einem Kuss in die Hand dr├╝cktest. Du musstest p├╝nktlich zur├╝ck sein, p├╝nktlich zum Abendbrot f├╝r deine Familie. Der Abstieg zum Berghof musste schnell geschehen und so brachte ich dich eiligen Schrittes bis zur letzten Wegbiegung davor zur├╝ck. Ein letzter fl├╝chtiger Kuss f├╝r heute und ein gegenseitiges Versprechen, aufeinander Acht zu geben, so entlie├čen wir uns in die reale Welt. Die Nacht geh├Ârte deinem Mann, mir scheinbar der Tag.
Zur├╝ckgekehrt zur H├╝tte, schnell atmend vom Aufstieg, es war schon dunkel geworden, der Mond zeigte sich hinter den Bergen aufgehend, liefen mir Tr├Ąnen ├╝ber das Gesicht. Ger├╝hrt von der ersten Begegnung mit dir fiel ich in einen tiefen, teils unruhigen Schlaf.

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Julien
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2001

Werke: 4
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Ehrlich gesagt, wundere ich mich ├╝ber 2 Dinge hier.
Erstens dar├╝ber, da├č diese meiner Meinung nach wundersch├Âne und sehr gut nach-f├╝hlbare Geschichte bisher ohne jede Zustimmung anderer Leser blieb;
und zweitens dar├╝ber, da├č Du die Geschichte als "Versuch zur Korrektur" ├╝berschreibst. Was Du beschreibst, ist so gut in Worte und Empfindungen gefa├čt, da├č meiner Meinung nach nichts ver├Ąndert werden mu├č. Allenfalls die Formulierung ├╝ber die "erst am Sterbebett offenbarte Liebe" bringt f├╝r mein Empfinden einen etwas zu traurigen Ton in diesen einen Absatz...
Das Ganze klingt so intensiv, da├č ich den Eindruck nicht loswerde, Du beschreibst eigene Erlebnisse und Gef├╝hle. Und als au├čenstehender Leser ertappe ich mich dabei, "mehr" von dieser Seelenverwandtschaft wissen zu wollen.
Ich finde Deinen Text einfach bewegend gut!

__________________
Eigentlich bin ich ganz anders - aber ich komme so selten dazu :-)

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Woschanova
???
Registriert: Jan 2002

Werke: 56
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*freu*

Liebe Julien,
danke f├╝r deine herzlichen Worte.
Die Geschichte stand schonmal in der Leselupe und diese
Fassung entstand auf Basis der Kritik, die einige Leselupe-User vorgetragen hatten. Kann es sein, das ich sie hier falsch gepostet habe? Das schreiben bei mir ist grunds├Ątzlich Autobiographisch und was mich bewegt dient als Ideenspender.
Lieben Gruss Wolfgang

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Daktari
Guest
Registriert: Not Yet

einf├╝hlsam, gut vorstellbar

Hallo, Heidi von der Alm!

Der Text ist sch├Ân geschrieben. Man sp├╝rt die Sonne auf der Haut, riecht das Heu, h├Ârt die Lerchen; kann sich gut die Gef├╝hle vorstellen.

Aber ein klein wenig k├Ânnte man - meiner Meinung nach - verbessern. Mir scheinen die S├Ątze teilweise etwas lang. Man wird fast atemlos. Unter Interpunktion w├╝rde ich auch noch mal ├╝berarbeiten. Aber ich denke, das ist bei Texten das kleinere ├ťbel. Interessant, fl├╝ssig, einf├╝hlsam, bildlich zu schreiben ist viel wichtiger. Und das stelle ich hier durchaus fast schon vorbildlich fest. Bravo.

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think twice
???
Registriert: Jul 2003

Werke: 2
Kommentare: 40
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Hallo Woschanova,

Ich kann nur schwer nachvollziehen, was andere an dieser Geschichte so toll finden. Inhaltlich mag sie ja ganz ok sein, aber vom Schreibstil her wirkt sie auf mich eher so, als h├Ąttest du bei jeder Formulierung krampfhaft nach den ausdrucksst├Ąrksten Worten gesucht - wodurch die Geschichte auf mich nur noch kitschig und unglaubw├╝rdig wirkt.

Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung alleine da, aber ich finde, weniger ist manchmal mehr.

Liebe Gr├╝├če
think twice

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Daktari
Guest
Registriert: Not Yet

ein wenig mehr Takt

Hallo, think twice!

Nat├╝rlich k├Ânnte man vorliegende Story ein wenig verbessern. Aber vielleicht kritisierst Du das n├Ąchste Mal etwas dezenter - bitte. Auch hier ist weniger manchmal mehr. Ich wei├č ja nicht, wie erfahren Woschanowa schon ist. Und ich f├Ąnde es schade, wenn jemand an Motivation verliert, weil ihn eine harte Kritik zu sehr gekr├Ąnkt hat. Soll bitte kein Anschi├č sein, aber sie hat sich wirklich solche M├╝he gegegen, die Situation nachvollziehbar zu beschreiben, da├č man sich auch mit der Kritik etwas M├╝he geben sollte.

Danke f├╝rs Verst├Ąndnis
Ciao
Tim

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