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Leselupe.de > Kurzprosa
Geschwindigkeit
Eingestellt am 19. 01. 2018 10:03


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brndmtzk
One-Hit-Wonder-Autor
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Geschwindigkeit

Schwer atmend stehe ich am WartehÀuschen. Es war heute nicht mein Tag. Sonst bin ich schneller. Aber verpasst habe ich den Zug noch nie. Obwohl, heute war es knapp.
Am Ende des Bahnsteigs stehen zwei mit Fotoapparaten behĂ€ngte Asiaten. Als ich auf den Bahnsteig stĂŒrmte sahen sie mich etwas verwundert an. Doch der Zug nĂ€herte sich und sie wandten sich, ihre Kameras in Position bringend, von mir ab.
Zischend und mit kreischenden Bremsen rollt die alte Dampflok an mir vorbei. Der letzte Wagen kommt direkt vor mir zum stehen. Es sind nur wenige PlĂ€tze belegt. Urlauber, Wanderer. Kaum jemand anderes fĂ€hrt mit diesem Zug. Ich bin eine der wenigen Ausnahmen. Doch ich bleibe draußen, auf der hinteren Plattform. Der Blick zurĂŒck gehört zum Ritual, mit dem ich die Woche hinter mir lasse.
Mit einem kurzen, gellenden Pfiff des ZugfĂŒhrers geht es weiter. Der Zug rumpelt ĂŒber die Weiche am Viadukt und gewinnt an Fahrt. Ich muss mich festhalten, die Wagen schaukeln auf dem schmalen Gleis hin und her.
Der Weg, den ich vor wenigen Minuten noch gelaufen bin, gleitet an mir vorbei, mal rechts, mal links. Ich könnte ihn mit geschlossenen Augen beschreiben. Mein Blick bleibt trotzdem aufmerksam.
Ein Sonnenstrahl drĂ€ngt sich durch eine LĂŒcke zwischen den BĂ€umen. Er reißt einen Kilometerstein aus dem DĂ€mmerlicht. Eine spontane Eingebung ĂŒberkommt mich, ich drĂŒcke die Start-Taste meiner Uhr. Dann zĂ€hle ich die weißen Steinquader mit den schwarzen Ziffern. FĂŒnf fĂŒr einen Kilometer. So ist das bei der Eisenbahn. Noch ein Druck, der Zeiger stoppt. Eine Skala außen an der Uhr soll die Geschwindigkeit zeigen. 130 Stundenkilometer? Schmunzelnd stelle ich den Zeiger auf Null. Hat der Zeiger das Ziffernblatt zwei mal umrundet? Oder sogar drei mal?
Die alte Lok und meine Uhr, sie harmonieren wohl nicht so recht miteinander. Obwohl sie ihre Wurzeln in der selben Epoche haben. Ich werde trotzdem ankommen, nur das zÀhlt.
Und die Geschwindigkeit? Egal!

Version vom 19. 01. 2018 10:03
Version vom 12. 03. 2018 08:52

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Wipfel
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Hi brndmtzk, gereist ist dein Prot mit einer schnaufenden Kleinbahn? Dein Vortext erklĂ€rt das Anliegen, doch irgendwie klingt alles zu bemĂŒht. An den Haaren herbeigezogen wĂ€re zu arg. Der Fahrplan und die Uhr haben mehr Gemeinsamkeiten - und ein auf freier Strecke aus-/einsteigender Gast wĂ€re soetwas wie ein Kontrapunkt...

GrĂŒĂŸe von wipfel

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anbas
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Hallo brndmtzk,

mir gefÀllt die Geschichte - aber bitte lass die ErklÀrung am Anfang weg. Der Text muss auch ohne sie funktionieren - und das tut er meiner Meinung nach auch. ErklÀrungen, ErlÀuterungen usw. (zer)stören eher das Gesamtbild.

FĂŒr mich handelt es sich um eine stimmungsvolle Momentaufnahme.

Ansonsten gibt es nur ein paar Kleinigkeiten, die ich anmerken möchte:


quote:
Schwer atmend stehe ich am WartehÀuschen. Es war heute nicht mein Tag. Sonst bin ich schneller. Aber verpasst haben ich den Zug noch nie. Obwohl, heute war es knapp. (Zu sehr Umgangssprache. Vorschlag: Doch heute war es knapp)
(...)
Noch ein Druck, der Zeiger stoppt. Eine Skalea außen an der Uhr soll die Geschwindigkeit zeigen.

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas
__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

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aligaga
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Das G'schichterl, das sich ein bisschen liest wie ein Mittelschulaufsatz, hat garantiert bei dem Wettbewerb keinen Blumentopf gewonnen, denn es verfehlt gleich zweifach das Thema.

Zum einen: Geschwindigkeit ist ein vollstÀndig wertfreier Begriff - sie kann fast null oder schnell wie der Blitz sein. Ein mechanischer Chromometer, auch ein altmodischer, könnte bei richtiger Handhabung beides messen. Er passt also sehr wohl zu einer "langsamen" Dampflokomotive.

Zum anderen: Das "Schmunzeln" des lĂŒhrischen Ichs am Ende der Story wird zum Schmunzeln des Lesers, der feststellt, dass der LĂŒhriker zwar eine - wohl ziemlich teure - PrĂ€zisionsuhr am Arm trĂ€gt, sie aber nicht ablesen kann: Der Ă€ußere Ring zeigt im Verein mit dem großen Stoppzeiger die Geschwindigkeit direkt nur fĂŒr die erste Minute an. Ist das Fahrzeug langsamer als 60 km/h, muss interpoliert werden. Dazu dienen die inneren, kleinen ZifferblĂ€tter, die fĂŒr die Minuten (meist 30) und die Stunden (meist 12) eingerichtet sind. Der Uhrenbesitzer kann daher vor allem langsame Tempi recht genau bestimmen.

Heute braucht man nicht mehr soviel Grips - die digitale GPS-Uhr sagt einem nicht nur direkt, wie schnell oder wie langsam der Zug fÀhrt, sondern auch wo und in welcher Höhe.

Schade, dass der Autor nicht erkannt hat, dass sowohl eine analoge Uhr als auch eine dampfgetriebene Eisenbahn Maschinen sind, deren Wertigkeiten nur von Menschen erkannt und geschĂ€tzt werden können, die mehr als einen flĂŒchtigen Blick auf sie haben. Auch wenn viele meinen, Schnelligkeit sei das A und O unserer Zeit - die PrĂ€zision ist das ungleich Wertvollere. Auf die ist immer Verlass. Mit der gewinnt man Uhrenfirmen-Wettbewerbe, nicht aber mit der atemberaubenden Geschwindigkeit eines D-Zuges.

Heiter immer weiter

aligaga

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