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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gesellschaft
Eingestellt am 31. 03. 2014 20:24


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Sophia-kf
Hobbydichter
Registriert: Mar 2014

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Flatterhaft

„Ihr geht heute Abend feiern?“ Sie lĂ€chelte schief und blickte zur Seite. Ihre Wangen fingen an zu brennen. Wieso hatte sie davon nichts mitbekommen? Hatte man sie absichtlich ausgeschlossen? Hatte man sich hinter ihrem RĂŒcken darĂŒber lustig gemacht, sie im Unwissen zu lassen? „Wurde ganz spontan entschlossen. Die ĂŒblichen Leute gehen in die ĂŒblichen Kneipen!“, hörte sie ihre Freundin beilĂ€ufig sagen. Die ĂŒblichen Leute? Gehörte sie etwa nicht zu den â€žĂŒblichen Leuten“? Was machte sie anders? Wieso schwamm sie nicht mit dem Strom? „Ach so. Na dann. Ich wĂŒnsch euch einen tollen Abend! Ich muss jetzt wirklich los!“ Sie rang sich mit grĂ¶ĂŸter MĂŒhe ein LĂ€cheln ab, unterdrĂŒckte die aufsteigenden TrĂ€nen und winkte ihrer Freundin zum Abschied. Hastig verließ sie den Marktplatz und sprang in die nĂ€chste S-Bahn. Kaum hatte sie sich auf einen freien Platz niedergelassen, kamen auch schon die TrĂ€nen. Da die Bahn in ihrem Teil fast leer war, konnte sie sich ihnen ungestört hingeben. Sie lösten die Verkrampfung in ihrem Magen und ließen ihre HĂ€nde aufhören zu zittern. Die vertraute Unsicherheit machte sich in ihr breit. Wieso immer sie? Was hatten denn alle gegen sie? War sie ihnen nicht hĂŒbsch genug? Hatte sie sich nicht immer die grĂ¶ĂŸte MĂŒhe gegeben, sich anzupassen? Und doch war es schon wieder sie, die ausgegrenzt wurde. Die nicht wichtig genug war, um gefragt zu werden. Die anscheinend nicht „cool“ genug war, um mit um die HĂ€user zu ziehen. Durch den TrĂ€nenschleier blickte sie aus dem Fenster, sah Leute die Straße entlang laufen. Die waren alle normal. Die wurden bestimmt von allen wertgeschĂ€tzt. Die mussten nicht einen Tiefschlag nach dem anderen einstecken. Wieso konnte sie nicht so jemand sein? Irgendwann hörte sie auf zu weinen. Sie fĂŒhlte sich so klein und verletzlich wie schon so viele male zuvor. Doch irgendwann mischte sich Wut darunter, die bald Überhand nahm. Was bildeten sich diese blasierten Affen ĂŒberhaupt ein? Hatten sie das Recht, zu entscheiden wer etwas wert war und wer nicht? Was sollte sie denn noch tun, um akzeptiert zu werden? Um von allen gemocht und bewundert zu werden? Sie konnte doch nichts fĂŒr ihr geringes Selbstbewusstsein! Sie versuchte doch schon alles Mögliche um es zu stĂ€rken oder es wenigstens zu ĂŒberspielen. Aber das interessierte ihre vermeintlichen „Freunde“ doch nicht! FĂŒr die waren andere Sachen wichtig. Sachen wie Aussehen, Partys, ihre Facebook-Likes und ihre Pseudo-Weisheiten. Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken an deren OberflĂ€chlichkeit und Ignoranz. So wollte sie nicht sein! Nein, sie war anders. Und das wĂŒrde sie nutzen. Sie wĂŒrde den langen NĂ€chten am Wochenenden, dem gemeinsamen AbhĂ€ngen und dem Konkurrenzdenken abschwören. Die Welt war doch so viel mehr als nur die Gier nach Anerkennung, in Form von Likes auf seinem Profibild. Auf der Welt gab es echte Probleme wie Hunger, Krieg und Tod. Was waren da schon ihre Probleme? Sie wĂŒrde sich neue Freunde mit anderen Wertvorstellungen suchen, sich richtig in ihr Studium stĂŒrzen und sich vielleicht sogar ehrenamtlich engagieren! Ihre ErnĂ€hrung umstellen, sich mehr bewegen und sich gesund halten. All diese Gedanken verliehen ihr neuen Mut. Nie wieder ein schlechtes GefĂŒhl, wenn die Freundin in der Disco von mehr Typen angetanzt wird als man selbst! Nie wieder einen Stich im Herzen fĂŒhlen, wenn man „vergessen“ wurde zu einer Party eingeladen zu werden. Nur noch positive Gedanken und die ErfĂŒllung in der eigenen Entwicklung und im Helfen anderer Leute zu finden. Ja, das wĂŒrde ein echter Neuanfang werden. Als die S-Bahn schließlich an ihrer Haltestelle hielt, stieg sie guten Mutes und mit einem Plan im Hinterkopf aus. Fast schon beschwingt lief sie zu ihrer Wohnung und ließ sich dort angekommen zufrieden aufs Sofa fallen. Ihr Ellbogen traf auf etwas Hartes. Ihr Smartphone! Das hatte sie heute Morgen in der ganzen Hektik daheim vergessen. Der Vormittag in der Uni war wirklich unertrĂ€glich gewesen ohne ihre Status-Updates und ihre liebsten Shoppingseiten. Auf so was war sie in Zukunft zum GlĂŒck nicht mehr angewiesen! Doch die eingegangenen Nachrichten konnte sie sich ja noch kurz ansehen. Zwei Nachrichten von Sandra und eine von Stefan. „Hey SĂŒĂŸe, kommst du heut Abend mit einen drauf machen? Meine neuen Schuhe eintanzen!“, frĂ€gt Sandra sie. „Heut Abend saufen?“, liest sie in Stefans Nachricht. Sie wurde gar nicht vergessen! Man hatte an sie gedacht! Sie Dummerchen hatte doch nur ihr Handy zu Hause vergessen! In all der Aufruhr hatte sie das komplett vergessen! Ein hysterisches Lachen entfuhr ihr. All ihre Probleme lösten sich auf einmal in Luft auf. Was sie sich schon wieder alles eingeredet hatte! Wie sie sich in diese Sache hineingesteigert hatte! Sie hatte in ihrem Wahn sogar ihre Freunde schlecht geredet! Und waren die nicht immer fĂŒr sie da gewesen und hatten ihr in allem ein gutes GefĂŒhl gegeben? Sie musste grinsend den Kopf ĂŒber sich selbst schĂŒtteln und tippte mit schnellen Fingern ihre Zusage ein: „NatĂŒrlich bin ich dabei! Hab ich schon jemals zu einer Party nein gesagt? “ Ihr Leben hatte wieder einen Sinn! Einen Richtigen! Nicht so Einen erzwungenen und schön geredeten wie noch vor fĂŒnf Minuten! Euphorisiert tanzte sie ins Bad, duschte ausgiebig und hĂŒbschte sich sorgfĂ€ltig fĂŒr den Abend auf. Nachdem sie sich in ihr kleines Schwarzes geworfen hatte, das ihr immer einen kostengĂŒnstigen Abend garantierte, posierte sie noch etwas vor dem Spiegel. Sie sah verdammt gut aus! Die Jungs wĂŒrden sich heute Nacht die HĂ€lse verdrehen! Aber sie wĂŒrde cool und unnahbar bleiben, schließlich konnte sie nicht jeder haben. Sie versorgte ihre Online-Freunde noch kurz mit dem neuesten Status-Update ĂŒber das heutige Nachtleben plus einem Foto von sich in ihrem Ausgehoutfit. Das wird mal wieder eine hammermĂ€ĂŸige Nacht! Sie zĂŒndete sich eine Zigarette an und verschwand in die Nacht.

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