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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gesellschaft/Internet
Eingestellt am 28. 05. 2014 16:17


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relaoded
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Die BlĂŒte

Ein Lichtstrahl fiel auf die unscheinbare Pflanze, die, nach Freiheit ringend, am Fenster stand. Dort wo er sie hingestellt hatte. In ihrem einstmals grĂŒnen und farbenfrohen Gewand stand sie da, flehend nach Wasser bittend, begehrend nach den letzten Sonnenstrahlen greifend, die aus dem kleinen Fensterspalt ins Zimmer leuchteten. Seit er sich erinnern konnte, trug er sie mit sich. Seine Eltern hatten sie ihm mitgegeben. Mit ihm war sie gewachsen und aufgeblĂŒht; mit ihm hatte sie sich zu einer prĂ€chtig schönen Blume entwickelt. Doch lange waren die Zeiten her, in denen er sich um den Erhalt der schönen BlĂŒte bemĂŒhte. Lange war es her, dass er sie regelmĂ€ĂŸig begoss, die Blume. Doch es gab nun wichtigeres in seinem Leben, als den Erhalt einer unbedeutenden Pflanze. Sein Leben hatte sich in letzter Zeit verĂ€ndert, zum Besseren gewendet. Schließlich hatte er nun so viele Freunde, wie nie zuvor. Ja, er war nun ein sozialer Mensch, voll integriert in das moderne, soziale Leben, dieser sich schnell drehenden Welt. Noch eben bekĂ€mpfte er mit unzĂ€hligen seiner Freunde wilde Barbaren. Ein schneller Sieg; keine halbe Stunde hatten sie gebraucht. Sich versammeln und ein Dorf vor tausenden Wilden beschĂŒtzen, das alles in einer halben Stunde! Wie stark er doch war! Wie unbezwingbar sein Heer! HĂ€tte ihn Napoleon erlebt, wĂ€re dieser vor Neid untergegangen.
Er war nicht zu stoppen. Welche Möglichkeiten sich ihm jetzt doch darboten! Nie hatte er sich etwas gegönnt. Letztlich tat er es aber seinen Freunden gleich. Eine Wahl blieb ihm ohnehin nicht. Wie sonst sollte er den Kontakt derer behalten, mit denen er frĂŒher die Tage verbrachte? Wie sollte er sonst mit denen reden, die er nun nie zu Gesicht bekam?
Sein Blick huschte zur Pflanze. Mager sah sie aus. Hatte die BlĂŒte eben ein Blatt verloren? Wie auch immer, er hatte keine Zeit. Sein Tag war wiedermal ereignisreich. Inmitten der ganzen Pflichten, vergaß er doch einzukaufen. Aber auch dies war schnell erledigt; er brauchte lediglich zwei Schritte. Mit einem gelang er zum Regal und entnahm diesem, was er benötigte. Mit dem nĂ€chsten, stand er dem Kassierer gegenĂŒber. Der Kassierer. Dieser bat um das Geld. Er gab es ihm, konnte ihm allerdings nicht ins Gesicht blicken. So fremd war dieser Mensch. War es ein Mensch? Immerhin konnte er sein Gesicht nicht sehen, ihm nichts sagen. Vom Einkauf zurĂŒckgekehrt, waren seine HĂ€nde leer.
Er schaute auf die Uhr. Es war spĂ€t geworden. Die Zeit verflog dahin eher er es bemerkte. War sie jetzt noch zu erreichen, oder sollte er lieber bis morgen warten? Sie hatten keine Verabredung. Wozu auch? Er konnte sie sprechen, wann es ihm danach war. Erst vor seiner großen Schlacht eben, hatten sie sich gesprochen, sich ĂŒber ihre Vorlieben unterhalten. NatĂŒrlich wusste sie nichts von seinem spĂ€teren Kampf gegen die Barbaren. Warum sollte sie auch? Damit konnte er bei ihr keinen Eindruck machen. Nur bei seinen Freunden galt er als gefĂŒrchteter HeeresfĂŒhrer.
Er erinnerte sich an ihre Schönheit, ihre Augen, mit dieser wunderschönen Augenfarbe. Nein, das tat er nicht. Wie auch? Wie konnte er ihre Augenfarbe kennen? Er kannte nur ihren Namen, sofern es ihr richtiger war, und das was sie ihm erzĂ€hlte. FĂŒr ihn war sie nichts anderes als Worte.
Im kleinen Schimmer der untergehenden Sonne viel ein weiteres Blatt. Es war dunkel geworden. Seine Erfolge an diesem Tag waren immens. Nun war es Zeit fĂŒr eine Pause, um den nĂ€chsten Tag genauso ereignisreich und sozial zu gestalten. Sein Blick wandte sich vom Bildschirm ab, dessen Licht sich in seinem Antlitz spiegelte. Mit einem Knopfdruck, hatte er den Computer ausgeschaltet, worin die Erfolge seines Daseins bis zu den nĂ€chsten Morgenstrahlen der Sonne ruhten. Die Entfernung vom Schreibtisch zu seinem Bett schien unĂŒberwindbar zu sein, doch schweren Schrittes erreichte er dieses. Im vollen Bewusstsein nun unerreichbar fĂŒr andere zu sein, schloss er seine Augenlider und zwang sich in einen einsamen Schlaf. Die Blume weiterhin unbeachtet, im Dunkeln stehend.

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