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Leselupe.de > Humor und Satire
Gestatten, mein Name ist Hubert
Eingestellt am 14. 05. 2010 11:49


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toll.er
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Hubert, der Auftragskiller

Er hob seinen Blick, sah sie an und r├╝lpste ihr den d├╝nnen Bohnenkaffeeduft ins Gesicht. Sie sah an seinem hohlen und blankrasierten Sch├Ądel mit den blutunterlaufenen Glupschaugen, der Kartoffelnase und den angefressenen Ohrl├Ąppchen vorbei aus dem Fenster.
"Du Saftsack, deine Zeit ist abgelaufen."

Langsam hob sie den schwarz gl├Ąnzenden Revolver, zielte und hielt inne. Sie konnte sich ihre Munition sparen. Noch schaute er sie ungl├Ąubig an, da kam durch das geschlossene Fenster der Hubert angeschossen. Die Scheiben splitterten, der alte Holzrahmen ├Ąchzte, sein spitzer Schnabel stie├č durch den Saftsack hindurch, wie ein Solinger Qualit├Ątsmesser durch weiche Butter.
Der Saftsack verschied mit einem gehauchten: "UFFF."

Der Flugsaurier Hubert zog seinen spitzen Schnabel aus dem Saftsack heraus, wischte ihn an der bunten ├ťbergardine ab, verbeugte sich vor ihr und sprach mit tiefer Stimme:
"Hier ist doch bei M├╝ller-Meisenheim?"

Sie sch├╝ttelte den lockigen Kopf.
"Nein, die wohnen eine Etage tiefer. Aber ist schon recht so. Bei mir sollten sie gestern kommen. Ich wollte die Angelegenheit schon selbst in die H├Ąnde nehmen."

Dabei deutete sie auf den gl├Ąnzenden Revolver, den sie noch in ihrer rechten Hand hielt.

Mit einer gemurmelten Entschuldigung und dem Versprechen, einen kleinen Nachlass wegen der Versp├Ątung zu gew├Ąhren, verlie├č der Flugsaurier Hubert das Zimmer durch das zerbr├Âselte Fenster. Einige Glasscherben fielen zu Boden.
Sie schaute sich um.
"Na, diese Sauerei mache ich nicht weg. Ich ziehe einfach aus!"

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Auf Hubert, den Auftragskiller wartete der n├Ąchste Auftrag. M├╝ller-Meisenheim. Eine Etage tiefer. Zum Gl├╝ck ganz in der N├Ąhe. Denn er war gewaltig in Verzug. Er hatte die Entfernungen untersch├Ątzt. Wieder einmal. Und die Reihenfolge auf der Liste war ihm auch durcheinander gekommen.

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Kommissar Hawelcka stand mit seiner Assistentin Veronika Lenzen vor der Leiche. Er sch├╝ttelte den Kopf. Aus seinen fettigen Haaren rieselten die Schuppen. Dann kratzte er sich seinen 5-Tagebart, unter dem das eine oder andere Ekzem wucherte.
"Wie sich die Tatorte doch gleichen. Unten in der Wohnung von M├╝ller-Meisenheim h├Ąngt ein unappetitlicher Kerl halb auf dem Tisch. Tot nat├╝rlich. Nun, nicht nat├╝rlich. Aber tot eben. Alles blutig drumherum. Und es scheint eindeutig ein sehr spitzer Gegenstand von hinten durch den K├Ârper gedrungen zu sein.
Hier - wie auch unten in der Wohnung von M├╝ller-Meisenheim - sind die Fensterscheiben zerbrochen und der Holzrahmen ramponiert. Und in beiden Wohnungen sind die ├ťbergardinen mit Blut verschmiert. Das scheint mit auf ein und denselben T├Ąter hinzuweisen."

Seine Assistentin brummte leise vor sich hin:
"Das stimmt Chef. Und aus beiden Wohnungen sind die gemeldeten Lebensabschnittsgef├Ąhrtinnen verschwunden. Und wenn man es richtig bedenkt, gestern die beiden Leichen in der Robert-Koch-Stra├če Nr 17a und in der Sperlingsgasse 95, die beiden Leichen waren auch m├Ąnnlich, ungepflegt und unappetitlich. Und auch die beiden waren irgendwie von hinten durchdolcht. Die Fensterscheiben waren kaputt, die Rahmen der Fenster ramponiert, die ├ťbergardinen blutverschmiert. Und auch keine Spur von den Lebensabschnittsgef├Ąhrtinnen. Hm."

Nach einer kleinen Pause f├╝gte sie hinzu:
"Chef, ich glaube, wir haben es mit einem Serienm├Ârder zu tun."

Kommissar Hawelcka nickte.
"Ja, wenn ich mir das ganz genau ├╝berlege, liegst du da nicht falsch. Aber lass uns nicht voreilig urteilen. Allerdings ÔÇŽ vor f├╝nf Jahren, da hatten wir zwei ├Ąhnliche F├Ąlle. Allerdings waren die Opfer appetitliche und ansehnliche Frauen. Blond, soweit ich mich erinnern kann. Und da gab es noch einen dritten Fall. Der war aber nicht blond. Jedenfalls nicht naturblond. Hm. Und in allen drei F├Ąllen war der Lebensabschnittsgef├Ąhrte auch verschwunden. Wir haben einen schweren Brocken Arbeit vor uns liegen. Lass uns anfangen."

Da kam ein weiterer Assistent von Kommissar Hawelcka herein. Der kleine aber fixe Norbert Hochwasser. Er hielt eine durchsichtige Plastikt├╝te hoch.

"Chef, wir haben unten in der Wohnung von M├╝ller-Meisenheim einen Zettel auf der Fensterbank gefunden. Da stehen ganz viele Adressen drauf. Auch diese Adresse hier, und die von M├╝ller-Meisenheim und noch viele andere. Ganz viele Adressen sind durchgestrichen. Zwei kann man aber noch ganz gut lesen. Eine lautet 'M├Âpsel, 3. Stock links, Robert-Koch-Stra├če Nr 17a' und eine andere 'Konstantinus, Eigenheim, Flachdach, eingeschossig, Sperlingsgasse 95'."

Kommissar Hawelcka schaute seine beiden Assistenten an und sagte triumphierend:
"Na, was habe ich gesagt!"

Hochwasser hob noch einmal die Hand.
"Chef, hier ist aber noch etwas auf dem Zettel. Die n├Ąchste nicht durchgestrichene Adresse hier ist merkw├╝rdig. Da f├╝hlt man sich fast verarscht: 'Kasimir Hawelcka 7. Stock, Hinterhof, Am Bunker 13'. Chef, wohnen Sei nicht da?"

Kommissar Hawelcka griff nach der durchsichtigen Plastikt├╝te mit dem Zettel und schaute genau hin. "Tats├Ąchlich! Meine Adresse!"

Seine Assistentin griff nach seiner Hand und versuchte ihn zu tr├Âsten.
"Ach Chef, bestimmt nur ein schlechter Scherz. Sie passen ja gar nicht in das Opfermuster. Weder sind sie weiblich noch blond wie die fr├╝heren F├Ąlle, noch sind sie ungepflegt und unappetitlich."
Sie schaute ihn an und erg├Ąnzte vorsichtig:
"Jedenfalls nicht so richtig ....."


..................

Hubert war stocksauer. Auf sich. Er fluchte herum und zertrampelte das Gras um sich herum.
"Schei├če! Schei├če!! Schei├če! Und noch mal Schei├če! Und oben drauf auch noch Schei├če!!
Wo ist der Zettel? Der beschissene Zettel?
Wo k├Ânnte ich den verloren haben??
Manno, wie soll ich denn jetzt meine weiteren Auftr├Ąge ausf├╝hren? Wenn ich jetzt zur Chefin fliege und der sage:
'Du Chefin, ich habe den Zettel mit den Adressen verloren', dann schmei├čt die mich doch raus!!! Die schmei├čt mich echt raus!!! So eine Schei├če aber auch!!!"


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Als Kommissar Hawelcka und seine Assistenten das Haus verlie├čen, hielt sie ein Uniformierter auf, neben dem ein kleiner dicker Knabe mit lockigem Haar stand.

"├ähhm, Herr Kommissar Hawelcka, ├Ąhh, dieser ├Ąhmm Junge hier m├Âchte gern eine Aussage machen. Ich wollte ihn ja fortschicken, aber er hat nicht locker gelassen. Und da wir ja alle wissen, dass sie Kinder m├Âgen ..."

G├Ânnerhaft klopfte Kommissar Hawelcka dem Uniformierten auf die Schulter.
"Schon recht, schon recht. Wir als Freunde und Helfer wollen es uns doch nicht mit dem Nachwuchs verderben, nicht wahr?" wobei die letzten Worte an den Knaben gerichtet waren.
"Nun, mein Junge, wie hei├čt du denn, wie alt bist du denn, wo wohnst du denn und was willst du mir denn sagen."

Der Knabe schaute mit gl├Ąnzenden Augen zu ihm auf.
"Du bist der ber├╝hmte Kommissar Hawelcka? Das ist ja toll. Da werden meine Freunde aber staunen."
Der Knabe fing sich aber schnell und antwortete pr├Ązise:
"Mein Name ist Robert Hobbendorf, genannt Dickie - na, sie k├Ânnen sich schon denken, warum ich so genannt werde - ich bin 12 Jahre alt, habe ein mittelm├Ą├čiges ├ťbergewicht, und meine Eltern und ich wohnen im Haus gegen├╝ber. Und ich habe vor etwa 2 Stunden gesehen, wie ein kleiner kurzschw├Ąnziger Flugsaurier durch das Fenster da oben" wobei er auf das Fenster der Wohnung M├╝ller-Meisenheim zeigte, " zuflog. Es hat gekracht und gescheppert, und ein paar Glassplitter sind auf die Stra├če geflogen. Nat├╝rlich wei├č ich, dass, wenn der Flugsaurier von au├čen in die Scheibe fliegt, die Splitter nach innen fallen, aber ein paar sind auf die Stra├če gefallen." Dabei zeigte er auf eine Stelle auf dem B├╝rgersteig. Dort lagen tats├Ąchlich einige Glassplitter.
"Und nach ganz kurzer Zeit, ich habe bis 10 gez├Ąhlt, kam der Flugsaurier wieder rausgeflogen, wobei er mit einem Fl├╝gel am Fensterrahmen h├Ąngen geblieben ist. Ich hatte schon fast gedacht, jetzt st├╝rzt er ab, aber so ein Flugsaurier ist ganz sch├Ân geschickt."

Kommissar Hawelcka klopfte auch dem Buben anerkennend auf die Schulter.
"Das hast du gut beobachtet. Und vielleicht hilft uns das ja, den T├Ąter zu finden."

Dann stieg er mit seinen Assistenten in die bereitstehende Limousine bayrischen Ursprungs. Nachdem sie die T├╝ren geschlossen hatten, lachte Veronika Lenzen hell und mehrfach kurz auf.
"Ja, die Jugend von heute! Eine Phantasie hat die! Ein Flugsaurier! Wie lustig."

Kommissar Hawelcka stimmte in ihr kurzes Lachen ein.
"Ja, lustig. Ich konnte auch kaum an mich halten. Flugsaurier! Ein kleiner kurzschw├Ąnziger Flugsaurier!! Aber man will es sich ja nicht mit der Jugend verderben. So, und jetzt ab durch die Mitte und ins Pr├Ąsidium."


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Kommissar Hawelcka hatte seine Assistenten in sein Dienstzimmer gerufen. Die Kuckucksuhr an der Wand schlug F├╝nf. Veronika Lenzen wollte auf den Dienstschluss aufmerksam machen, aber Hochwasser fl├╝sterte ihr zischend ins Ohr:
"Wir sind hier nicht bei 'Dienst ist Dienst' oder 'Schnaps ist Schnaps'. Wir machen durch bis morgenfr├╝h - bis wir den T├Ąter haben! Oder wollen Sie sich Ihre Karriere versauen?"

Veronika Lenzen verstummte.
Dann sagte Hochwasser zu Kommissar Hawelcka:
"Chef, ich habe da eine Idee. Auf der Liste, die wir gefunden haben, steht doch Ihre Adresse als n├Ąchste. K├Ânnten wir das nicht als K├Âder benutzen? Also ich meine, sollten wir nicht sogar? Sind wir dazu nicht verpflichtet? Sie setzen sich in ihre Wohnung. In die K├╝che. Mit dem R├╝cken zum Fenster. und wir passen auf!!"

Stille im Dienstzimmer von Kommissar Hawelcka. Jetzt schlugen die Glocken der gegen├╝ber liegenden Marienkirche F├╝nf. Die Kuckucksuhr ging ein wenig vor. Nach dem f├╝nften Stundenschlag antwortete Kommissar Hawelcka:
"Dieser Vorschlag, verehrter Hochwasser, verdient meine Hochachtung! Ich glaube, Sie stehen kurz vor einem weiteren Sprung auf der Karriereleiter. Genau das ist es, was wir hier brauchen. Kreative Gedanken! Kreative Leute! Genau so machen wir es!
Ich werde die n├Ąchsten Tage an meinem K├╝chentisch verbringen - dienstlich nat├╝rlich, die Genehmigung haben wir ruckzuck - mit dem R├╝cken zum Fenster, und ihr alle passt auf!
G e n a u s o machen wir das! Und ZACK, schon haben wir den Serienm├Ârder!"

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Und so geschah es dann auch. Allerdings sitzt Kommissar Hawelcka heute noch an seinem K├╝chentisch. Mit dem R├╝cken zum Fenster. Dienstlich.

Denn der Auftragskiller Hubert hatte sich nicht zu seiner Chefin getraut, nachdem er die Liste mit den Auftragsadressen verloren hatte. Bei Nacht und Nebel flog er davon. Nur die notwendigsten Gep├Ąckst├╝cke nahm er mit. Der Flugsaurier Hubert soll in einem Wildpark in der N├Ąhe von Paslam einen Aushilfsjob als Parkanimator angenommen haben - sehr zum Vergn├╝gen der Kinder. Zuvor hatte er sich nat├╝rlich einem plastischen Chirurgen anvertraut, der sein ganzes K├Ânnen an Hubert ausprobieren durfte. Wenn man Hubert heute so anschaut, k├Ąme niemand auf die Idee, dass es sich bei dem G├Ąnsegeier Walli um den damaligen Serienkiller Hubert handeln k├Ânnte. So sehr waren die Operationen des Chirurgen gelungen.

Kommissar Hawelcka wird zurzeit auf Staatskosten von "Essen auf zwei R├Ądern" versorgt. Er und seine Assistenten geben die Hoffnung nicht auf.

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