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Leselupe.de > Kindergeschichten
Gestatten, mein Name ist ... Löffel
Eingestellt am 12. 10. 2010 10:40


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Eva
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2010

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Gestatten, mein Name ist ... Löffel.

Nur damit wir uns richtig verstehen: nicht Kaffee- oder Teelöffel, auch nicht Suppen-, Soßen-, Sahne- oder Dessertlöffel - nur ‚Löffel’!
Aber ich sag euch: mit so einem Allerweltsnamen hat man es nicht leicht. Nicht nur zum Löffeln werde ich benutzt. Nein, auch zum Abschmecken, zum Umrühren, zum Naschen, zum Tellerabkratzen – einfach für alles. Meistens ist das angenehm. Ich hab schon jede Menge gesehen, gehört, geschmeckt ... Aber manchmal ist es auch ziemlich belastend, ständig einspringen zu müssen, wenn zum Beispiel die langstielige Miss Eislöffel unpässlich ist oder Monsieur Rührlöffel im Abwasch steckt.

Wo wir uns gerade kennen lernen - ich werde euch natürlich auch etwas über meine äußere Erscheinung verraten. Bei aller Bescheidenheit, mein Griff ist herrlich glatt und glänzend, bis auf ein paar unbedeutende Krählerchen natürlich. Ihr wisst - die Zeit geht an keinem spurlos vorbei ... Aber das, was sich unten am Griff anschließt, ist so wunderbar geformt, dass es überall hineinpasst, sei es in einen Mund wie ein Strich oder wie ein Scheunentor. Wer mich benutzt, schnalzt genüsslich mit der Zunge.
Übrigens, die meisten Zungen sind in Ordnung, wirklich. Nur ein paar kleine Ausnahmen gibt es: gierig, schlürfend, schmatzend – einfach widerlich! Da darf man als Löffel nicht empfindlich sein. Augen zu und rein – man tut ja seine Pflicht.
Kompliziert ist höchstens meine Länge, die irgendwo zwischen kleinem und großem Löffel liegt. Im Besteckschub gab es bereits heftige Diskussionen darüber, in welches Fach ich gehöre. Aber warum, frag ich mich, soll man sich immer irgendwo einordnen lassen? Meistens liege ich sowieso draußen. Ich werde schließlich ständig benutzt. Das bringt mich in die vorteilhafte Lage, gut informiert zu sein und so kann ich nachts meinen Besteckkameraden die Langeweile mit ein paar Neuigkeiten aus dem Familienleben vertreiben – ob es eine Rauferei in der Schule gab, ob die Mutter vergessen hat, Brot zu kaufen, ob der Briefträger da war oder ob der Vater Stress auf der Arbeit hatte und daher rücksichtsvoll behandelt werden muss.

Aber Moment!
Bevor ich weiterrede muss ich etwas klarstellen. Vielleicht wundert sich der ein oder andere unter euch darüber, dass hier ein Löffel das Wort ergreift. Nun, das ist alles eine Sache der Fantasie. Ich weiß, bei manchen Menschen muss man sie regelrecht suchen, bei anderen quillt sie über. Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr Lust, mir in meine Welt zu folgen? Freuen würde es mich natürlich.
Tja - meine Welt - das sind die Küche, die Familie, die darin wohnt und natürlich all meine Freunde und Kollegen im Küchenschrank. Einige will ich euch, der Höflichkeit halber, kurz vorstellen. Dann aber, dann erzähl ich euch von meiner ziemlich verrückten Vergangenheit.

Nun, mein liebster Nachbar ist das ‚Besteck für alle Tage’. Es ist handlich und obwohl die Gabeln über verbogene Zinken klagen und die Messer eher zum Schmieren als zum Schneiden taugen, halten sie als Großfamilie zusammen und sind meistens gut drauf. Das imponiert mir.
Daneben gibt es das ‚Gute Besteck’, das, für die besonderen Anlässe. Das liegt nicht etwa im gewöhnlichen Schubkasten herum. Nein! Das schlummert in einem mit Samt ausgeschlagenen Kasten mit Schnappverschluss. Bei allen Familienfeiern wird es hervorgeholt, darf jede Festivität von Anfang bis Ende miterleben, wird verwöhnt mit den leckersten Speisen, wird handgespült und handgetrocknet und – das muss man sich mal vorstellen – einzeln sanft in die Rillen des Kastens gedrückt, damit sich keiner am anderen stoßen kann. So was Empfindliches!
Aber ... es ist schon eine Augenweide, wenn der Deckel beim nächsten Geburtstag wieder geöffnet wird und alle Teile glänzend und fröhlich daraus hervorblinkern.
Nur der Vollständigkeit halber will ich noch ein Erbstück, das ‚alte Silber’, erwähnen. Es ist wertvoll, aber ich kann mich nicht erinnern, wann es zum letzten Mal benutzt wurde. Vielleicht sollte ich das Silberputztuch aus der Schublade nebenan einmal bei den alten Herrschaften vorbeischicken. Das würde sie bestimmt aufmuntern. Obwohl sie manchmal etwas verstaubt wirken, haben sie doch einen edlen Charakter und das mag ich.

Was ich dagegen gar nicht mag, sind so undurchsichtige Kleinteile wie die mickrige Plastikgabel, der ausgediente Büchsenöffner und die zwei abgebrochenen Zahnstocher, die, von vielen unbemerkt, in der hintersten Schubladenecke ihr Dasein fristen. Von diesen dunklen Typen kamen schon seit einiger Zeit seltsame Bemerkungen und Blicke, die ich nicht deuten konnte. Letzte Woche erst, als ich den anderen so begeistert von den Frühlingszwiebeln im Kartoffelpüree berichtete, hatten sie sich mit schrägem Blick in meine Richtung etwas zugeraunt wie: „Der Eingewanderte spielt wieder mal den Küchenchef.“

Der ‚Eingewanderte’ – dieses Wort beschämte mich. Schon oft hatte ich mir Gedanken über meine Herkunft gemacht und mich gewundert, dass ich keines der Muster vorweisen konnte, die die anderen Bestecke zierten. Meine vorsichtigen Nachfragen in dieser Richtung waren immer damit abgetan worden, dass ich wohl ein Findelkind sei, welches die früheren Mieter bei ihrem Auszug gemeinsam mit viel Staub in der Küche zurückgelassen hätten. Doch näher wollte sich dazu niemals jemand äußern.
Vor einigen Wochen hatte ich einfach genug von diesem unbefriedigendem Zustand und beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. Nie im Leben hätte ich geglaubt, was dabei zutage kam. Ich muss das loswerden, deshalb erzähle ich euch jetzt diese Geschichte.

Der Schubkasten hatte mein vollstes Vertrauen. Er beherbergte mich nun schon so lange Zeit und ich fühlte mich in seinem Inneren immer sehr geborgen. Deshalb wandte ich mich an besagtem Abend vorsichtig an ihn.
„Sag mal Schubi, woher kommst du eigentlich?“ Oh, da hatte ich ja was gefragt!
„Hm, dein Interesse ehrt mich. Ich wollte zwar gerade durchzählen, ob die Schublade komplett ist und dann meine Nachtruhe beginnen, aber da du schon mal fragst ...“ Er dachte kurz nach. Wahrscheinlich überlegte er, in welchem Lebensabschnitt er beginnen solle. Ein forsches Räuspern zeigte mir, dass er sich schnell entschieden hatte. Ich nahm an, er würde mir kurz den Einkaufsmarkt nennen, von dem aus er hier eingezogen war, aber da hatte ich mich getäuscht. In Erinnerung versunken, den Blick sehnsuchtsvoll in die Vergangenheit gesenkt, beschrieb er mir mit blumigen Worten den Wald, in dem sein Holz gewachsen war. Nach zwei Stunden wusste ich, welche Pilze dort gewachsen waren, an welchen Stellen die dichtesten Blaubeerbüsche gestanden hatten und wie viele verliebte Pärchen Herzen in seine Rinde geschnitzt hatten.

Nun aber! Ich versuchte das Gespräch auf mein Anliegen zu lenken, doch dazu war es immer noch zu früh. Ich lernte die Holzfäller und ihre Familien kennen, ebenso den LKW, der das Holz ins Sägewerk gebracht hatte, erfuhr, was der Tischler und sein Geselle Sven am liebsten frühstückten und bekam obendrein einen Einblick in die Welt der Hobel, Fräser, Sägen, Hämmer und Nägel. Im Laufe der Zeit muss ich eingedämmert sein, denn ich hörte seine Stimme nur noch wie ein beruhigendes, leises Gemurmel, das irgendwann schließlich erstarb.

Der morgendliche Küchentrubel weckte uns unsanft und jeder verrichtete gewohnheitsgemäß seinen Dienst. Als es wieder Abend wurde und Stille im Küchenschrank einkehrte, erinnerte sich der Schubkasten an unser recht einseitiges Gespräch.
„Na, Löffel, ich nehme an, du wolltest gestern Abend mehr als nur meine Herkunft erfahren. Hab ich Recht?“ Ich druckste eine Weile herum, dann entschloss ich mich, nicht mehr um den heißen Brei herum zu reden und sagte gerade heraus: „Ich glaube, ihr verheimlicht mir etwas. Das ist kein schönes Gefühl. Ich wüsste gern, woher ich wirklich komme. An der Geschichte, die ihr mir auf die Nase gebunden habt, ist doch was faul, oder?“
Der Schubkasten rutschte unruhig hin und her und antwortete zögernd: „Nun, eigentlich solltest du die Wahrheit gar nicht erfahren, aber es wird wohl besser sein, wenn wir darüber sprechen. Du musst wissen, wir haben dich alle sehr gern, ganz egal, woher du auch kommst.“
Das hörte sich ja eigenartig an.
„Nun mach schon, erzähl!“ forderte ich ihn ungeduldig auf.
„Dein Gefühl hat dich nicht getäuscht“, meinte bedauernd der Schub. „Es stimmt, dass deine Vergangenheit anders aussieht als wir es dir erzählt haben. Doch glaub mir, wir hatten nur dein Bestes im Sinn. Um es kurz zu machen: du stammst aus einem sehr edlen Hause - aus dem Bankettsaal des Hotels ‚Zur Krone’.“
Nun war es heraus. Mir blieb die Spucke weg.
„Das 5-Sterne-Hotel, wo nur die noblen Leute ein- und ausgehen?“
„Ja, ja, genau das. Nur, ob sie wirklich so nobel sind, darüber kann man sich streiten. Jedenfalls fand dort eines Tages eine große Betriebsjubiläumsfeier statt, zu der auch unser werter Hausherr geladen war. Er hatte seinen besten Anzug herausgeholt, ich weiß es noch genau, und das Rasierwasser benutzt, das nur an besonderen Anlässen duften darf. Als die lange Festrede überstanden war und alle mehr oder weniger gesittet über das Kalte Büffet herfielen, muss es passiert sein: Er hat sich in dich verguckt. Ich hörte, wie er spät in der Nacht leicht angeheitert der Mutter in der Küche erzählte, er habe dich einfach nicht liegen lassen können, du seiest ihm sofort ins Auge gefallen und nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Immer wieder sei er zum Eiersalat geschlichen, um mit deiner Hilfe noch ein Häufchen auf seinen Teller zu laden. Und dann, als die andern schon tüchtig beim Tanzen waren und die Reste des Büffets gelangweilt vor sich hin gammelten, habe er die Chance ergriffen, dich kurzerhand abgeleckt und in die Innentasche seines Anzuges gleiten lassen.
Die entrüstete Mutter wollte davon am liebsten gar nichts wissen und schimpfte: ‚Wie konntest du nur? Nein, so etwas Peinliches! Als ob wir uns nicht genug Löffel leisten könnten ...’
‚Aber nicht diesen! So einen hab ich in noch keinem Geschäft gesehen’, entgegnete der Vater eigensinnig und schon nach wenigen Mahlzeiten warst du so beliebt in der ganzen Familie, dass dich keiner mehr entbehren wollte. Du hast eine praktische Größe, eine angenehme Form und einfach ein sehr liebes Wesen. Keiner will, dass du je wieder gehst.“

Der Schubkasten machte eine Pause und gab mir Zeit, das Gehörte erst einmal zu verdauen.
Ich konnte es nicht fassen. Wohl stammte ich aus einem der ersten Häuser der Stadt, doch warum fühlte ich mich so unbehaglich dabei? Langsam kroch ein ungutes Gefühl in mir hoch. Wenn ich es mir recht überlegte, dann war ich ... ein Diebesgut! Oh nein! Wieso nur? Was hatte ich falsch gemacht? Wie stand ich da? Ohne eine richtige Familie, ohne eine ordentliche Herkunft ...
Wie eine riesige Welle überschwemmte mich ein Gefühl von Verzweiflung und Einsamkeit. So verlassen war ich mir noch niemals vorgekommen. Meine heile Welt fiel Stück für Stück in sich zusammen. Schließlich seufzte ich kummerschwer: „Ich hab doch gleich gewusst, dass ich nicht ganz normal bin.“
Am liebsten wäre ich hinter den Schub gerutscht, dort, wo mich keiner jemals gefunden hätte und wäre nie wieder aufgetaucht – so sehr schämte ich mich.

„Was ist schon normal?“ flüsterte der Schubkasten tröstend. „Sieh mal, Löffel, die meisten von deiner Sorte kommen zwar aus einer kompletten Besteckgarnitur-Familie, doch es gibt auch viele Küchenhelfer, die als Einzelteile glücklich sind. Denk mal an den Kartoffelschäler oder den Tortenheber, an den Kaffee-Maßlöffel oder das Brotmesser. Von denen ist noch keiner auf die Idee gekommen, dass sie nutzlos wären oder allein. Es macht sogar manchmal den Eindruck, dass sie ganz froh sind, nicht so eine riesengroße Sippschaft am Hals zu haben. Es kommt nur auf dich selbst an, nicht woher du kommst und was einmal war. Jeder kann sich seine eigene Freundesfamilie aufbauen! Du hast das schon geschafft, hilfsbereit und freundlich wie du bist. Schau uns an – wir alle im Küchenschrank sind deine Familie. Darauf kannst du doch stolz sein, oder etwa nicht?“
„Schon, aber ...“ erwiderte ich noch nicht völlig überzeugt.
Der Schub fuhr sogleich fort: „Glaub ja nicht, dass in diesen Großfamilien immer alles glatt läuft. Du weißt doch, welchen Ärger eins von den jüngeren Messern laufend macht. Alle schneiden sie gut, nur Monsieur weigert sich, gleichmäßige Scheiben zu schneiden. Sie werden immer schief oder zu dick. Es hat schon ziemlich viel Ärger deshalb gegeben. Und damit nicht genug: einer von den Teelöffeln hat sich beim letzten Picknick heimlich auf und davon gemacht und die größte von den Vorlegegabeln ist ins Gartenhaus ausgewandert.“
Ich staunte. „Das hätte ich ja im Leben nicht gedacht!“
„Na siehst du? Du brauchst dich weder schämen noch traurig zu sein, es bleibt alles, wie es war. Wir gehören zusammen.“

Eine schwere Last fiel von mir ab. Die Lebensfreude kam zurück und mit ihr auch neue Ideen.
„Weißt du was, Schubi? Die kleinen Eierlöffel, die könnten alle meine Nichten und Neffen sein. Ich werde mich in Zukunft ein bisschen um ihre Erziehung kümmern und natürlich auch mit ihnen spielen.“
„Guter Einfall! Und wie wäre es mit dem alten großen Holzlöffel als Großvater?“
„Na klar und die Schöpfkelle wird meine Großmutter und der Sahnelöffel mein Cousin und ... ach, ich bin so glücklich mit euch! Danke, danke, dass du für uns alle da bist!“
„Das ist doch selbstverständlich. Mich macht es froh, wenn es euch gut geht. Was wäre ich ohne euch ... Nur ein leerer Kasten.“

„Etwas lässt mir noch keine Ruhe“, druckste ich herum. „Wie kommt der Hausherr eigentlich damit klar, dass er etwas mitgenommen hat, das ihm nicht gehört? Er hatte bisher meinen vollen Respekt, doch das, was ich nun von ihm weiß, passt gar nicht in dieses Bild.“
„Das Ende der Geschichte werde ich dir gleich berichten“, beruhigte mich der Schub. „Es lag ihm schon schwer auf der Seele, dass er Unrecht getan hatte. Zuerst merkte man es ihm nicht an. Er nahm dich immer am liebsten, um sich an dem vorzüglichen, selbstgemachten Apfelmus gütlich zu tun, doch nach einer Weile schlug ihm selbst diese Leckerei auf den Magen. Das schlechte Gewissen drückte ihn bald ständig, mal im Kopf, mal im Bauch.
Als er sogar nachts nicht mehr richtig schlafen konnte und sich unruhig von einer Seite auf die andere wälzte, fasste er den Entschluss, seine Tat einzugestehen und dich zurück zu bringen. Das fiel ihm nicht leicht, das kannst du glauben. Im Morgengrauen fuhr er zum Hotel und lief durch die Eingangshalle schnurstracks in den Bankettsaal. Er hoffte, dich einfach unauffällig im Besteckkasten ablegen zu können, ohne jemanden eine Erklärung abgeben zu müssen, aber schon nach ein paar Metern fuhr er zusammen. Hinter einem riesigen Tellerstapel tauchte ein müdes Kellnergesicht auf: ‚Entschuldigung, suchen Sie etwas? Das Frühstücksbüfett beginnt erst um halb neun.’ Auf die Schnelle fiel ihm keine Notlüge ein. Deshalb riss er sich zusammen und beichtete dem erstaunten Kellner sein dunkles Geheimnis.

Der Kellner schmunzelte innerlich. Wie viele Löffel hatten im Laufe der Jahre schon den Weg nach draußen gefunden, aber noch keiner war auf diese Weise zurückgekehrt.
‚Ersparen Sie mir den Gang zum Geschäftsführer’, bat der Hausherr flehendlich, ‚und legen Sie den Löffel wieder zurück.’
‚Das will ich gerne tun, nur ... sehen Sie mal, die Form passt nicht zu den anderen. Ach, ich weiß!’ Er schlug sich auf die Stirn. ‚Wir sind mit unseren 5 Sternen sozusagen eine gehobenen Klasse – da wird alle paar Jahre das gesamte Geschirr samt Besteck erneuert. Ich kann mit diesem Löffel nichts mehr anfangen. Nehmen Sie ihn ruhig wieder mit.’
Verblüfft stand der Löffelräuber da und starrte den Kellner ungläubig an. ‚Jetzt bin ich aber perplex! Der Löffel wird also gar nicht mehr vermisst? Sie können sich nicht vorstellen, wie erleichtert ich bin.’ Nach einem tiefen Seufzer versicherte er voller Überzeugung: ‚Ich weiß, dass ich so einen Fehler bestimmt nicht noch einmal machen werde.’

Als der erleichterte Hausherr keine Anstalten machte sich zu verabschieden, blickte ihn der Kellner fragend an: ‚Gibt’s sonst noch etwas, das Sie zurückbringen möchten?’
‚Nein, nein, das nicht!’ kam die hastige Antwort. ‚Aber wissen Sie was? Ich fühl mich so froh und befreit, am liebsten würde ich auch Ihnen eine kleine Freude machen. Sie sehen mir recht müde und bedrückt aus.’
‚Ach, gestern hat die Abendkasse nicht gestimmt. Wahrscheinlich ist mir ein Rechenfehler unterlaufen. Das ist mir bisher noch nie passiert und es kränkt meine Kellnerehre mächtig. Jeder macht mal einen Fehler, doch ich muss nun das fehlende Geld ersetzen’. erklärte er niedergeschlagen.
Hey! Das war doch die Gelegenheit, etwas gut zu machen, dachte der Vater. Ein Scheinchen wanderte vom Portemonnaie des glücklichen Löffelbesitzers in die Jackentasche des Kellners. Der fingerte erst eine Weile ungläubig herum, linste dann ins Tascheninnere und strahlte verlegen: ‚Aber das war doch nicht nötig!’
‚Doch, das war nötig! Erst jetzt bin ich beruhigt und kann mich richtig freuen. Und nun, mein lieber Löffel, wird mir auch das Apfelmus wieder richtig schmecken.’“

Hier endete der Schub mit seiner Geschichte, die eigentlich meine Geschichte war.
Meine Güte, was für eine tolle Story! Ich wunderte mich über alle Maßen, dass ich mich an nichts, aber auch an gar nichts davon erinnern konnte. Der Schub erklärte mir daraufhin, dass manch einer all zu aufregende Erlebnisse so lange verdrängt, bis er sie völlig vergisst.
So muss es wohl bei mir gewesen sein. Jedenfalls hab ich nun eine Erklärung dafür, woher meine Vorliebe für Französische Zwiebelsuppe und für Kaviar kommt - wahrscheinlich kann man seine Abstammung doch nicht völlig leugnen. Aber egal - meine Welt ist jetzt wieder in Ordnung. Heut ist heut und hier ist hier!

Seit dem frühen Morgen bin ich tüchtig am Werkeln: im Frühstücksmüsli, im Marmeladenglas, hab auch die Bratensoße abgeschmeckt, Wackelpudding verteilt, den Senf zur Bockwurst gebracht und schließlich beim Einnehmen von Magentropfen geholfen. Langeweile kenne ich wirklich nicht.

Nur – müde werde ich jetzt langsam. Wenn doch die neugierigen Gabeln nicht laufend so rascheln würden. Bei den großen Löffeln ist zum Glück Ruhe eingekehrt.

Wer kommt denn da noch angewetzt? „Ah, grüß dich, Schöpfkelle! So spät noch unterwegs?“
„N’abend Löffel, stell dir vor, ich musste vorhin noch mal raus – eiliger Einsatz im feurigen Soljankatopf. Da hat der Hausherr nachts plötzlich Appetit auf was Herzhaftes gekriegt. Jetzt aber in die Kiste und Klappe zu, sonst bin ich morgen früh nicht fit, wenn es wieder in die Mehlsuppe geht.“

Auch ich werde nun versuchen, noch ein bisschen Schönheitsschlaf zu kriegen, bevor in aller Herrgottsfrühe wieder jemand so unverschämt laut und unsensibel den Schub aufreißt und „Früüühstück!“ schreit.

Und euch wünsch ich nun eine wunderschöne, gute Nahaacht!

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Eva
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2010

Werke: 7
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Gestatten, mein Name ist ... Löffel

Eine kleine Bitte an meine Leser:
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir mitteilt, ob die Länge des Textes okay ist oder ob ihr zwischendurch vor Langeweile abgestorben seid. Und natürlich erfahre ich auch gern, was ihr sonst noch zu sagen habt.
Tschüß, Eva.

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