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Leselupe.de > Ungereimtes
Gestirn
Eingestellt am 26. 08. 2009 09:54


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lapismont
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Gestirn

Soldat
im Dreimeersand
mit Knöpfen im Ohr
und Musik
in der Waffenhand,
steht Wache hier,
lĂ€uft fĂŒr den Frieden,
die Welt
und die Schweine.

HerzensschlĂ€ge meißeln Kanten
in den grĂŒnen Stahl der Landschaft,
schĂ€rfen Schatten, splittern HĂŒgel,
ein Strich kein Strich friert zu Wald.


Der Muni-Bunker
im Sternenlicht
Pralinen,
denkt er,
und wÀre da
nicht dieser
motzende Berg
aus klebriger Linde
er zöge durch
die Nacht
die Letzte
das letzte volle
Magazin
die letzten klaren Sterne
im Frost

Und durchschlÀgt den schwarzen Himmel
aus den Einschusslöchern blitzen Lichter
Leuchtspuren in roher Masse,
brennen Leben aus der Erde, Totenland.


Er singt
MĂ€dchen aus Ostberlin
in den schweigenden Block
und die grauen Stacheln des Zauns
rascheln von NATO-Hosen
geht auf und ab
mit dem Gewehr
und der Gewissheit
auf alles zu schießen,
MĂ€dchen aus Ostberlin,
Alles,
was ihm dazwischen kommt
im Dazwischensein
irgendwo in der Welt
ohne Schwere

Sekundenkettenglieder
schieben sich die DĂ€mmerung hinauf,
stocken, brechen aus und walzen
einen Plattenweg ins Gitterbett.


Wenn der Tag
aufgeht,
fallen die Schatten
und die lÀngste Nacht
fĂŒhrt zur Umkehr, Wendekehre;
MĂ€dchen aus Ostberlin,
singt er,
und ĂŒberstrahlt
am Wintermorgen
das blasse Leuchten im Osten,
ihr Gesicht auf der Stirn.

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Franke
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2009

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Hallo lap!

In der Vergangenheit konnte ich mich ja mit einigen deiner Gedichte nicht anfreunden, aber ich muss sagen, dieses Mal hast du mich ĂŒberzeugt.
Dieser Alltag eines NATO-Soldaten, der oft aus Warten, Gedanken und sicher auch Langeweile besteht, ist hier sehr treffend beschrieben. Dass hier dann auch einmal der Wunsch aufkeimt lozuschießen, ist ganz normal.
Das ist sprachlich sehr anspruchsvoll geschrieben, ich muss nur an einer Stelle meckern, drum gibts auch nicht die volle Punktzahl:

quote:
Muni-Bunker

Das passt sprachlich ĂŒberhaupt nicht zum Rest und springt einem regelrecht ins Auge. Warum schreibst du nicht einfach "Bunker"? Das wĂŒrde m.E. vollkommen genĂŒgen.

In diesem Gedicht steckt verflucht viel Arbeit, hoffentlich wird es auch entsprechend gewĂŒrdigt.

Liebe GrĂŒĂŸe
Manfred

__________________
Das Leben ist eine Krankheit der Materie (Thomas Mann)

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Papyrus
Guest
Registriert: Not Yet

mich hat der text auch ĂŒberzeugt

aber das ist glaube ich nicht der typische alltag eines soldaten, sondern der der lapismonts inspiration entspringt. trotzdem hat franke recht

soldaten trinken doch viel und sind laut klischee nicht gerade romantiker. aber klischees sind nur klischees.

"mÀdchen aus ostberlin" *sing*

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lapismont
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Hey, was habt ihr gegen den Muni-Bunker?


Aber stimmt schon, das ist ein zu weiches Wort, zwar exakt die Slangbezeichnung, aber auch irgendwie verharmlosend.

Nur Bunker entfernt etwas, das ich schon dabei haben will. Munition zu bewachen und zu vermuten, jemand könne kommen, sie zu erobern, ist etwas anderes, als nur einen leeren Betonklotz beim Verrotten zu zu sehen.

Da war ich schon am GrĂŒbeln. Granaten-Bunker, Geschoss-Bunker ...
Irgendwie fehlt mir da noch eine harte Lösung.

Auf jeden Fall danke fĂŒr euer Feedback und Papy, dieser Soldat ist ein Poet.

__________________
Kunst passiert.

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Herr Bernhard
Guest
Registriert: Not Yet

Gestirn von Ralf Steinberg
Die Unterteilung in „Konstruktive VorschlĂ€ge oder eine tiefere Analyse“ und „Spontane LeseeindrĂŒcke oder freie Textassoziationen“ finde ich gut, auch mir ging es so, dass ich im ersten Ansatz keine Lust hatte, eine tiefe Analyse zu erstellen, sondern nur meine spontanen LeseeindrĂŒcke wiedergeben wollte. Jetzt, wo ich einige Zeit mit diesem Versuch eines Gedichtes schwanger gegangen bin, fĂŒhle ich mich in der Lage, den nĂ€chsten Schritt zu vollziehen. Schlecht finde ich, dass man nur zwischen diesen zwei Möglichkeiten auswĂ€hlen kann. Den Machern dieses Forums war offensichtlich ein rigider Formalismus wichtiger als kĂŒnstlerische Freiheit. Besser wĂ€re gewesen, es dem Autor zu ĂŒberlassen, wie er seinen Kommentar charakterisieren möchte, sind doch alle Autoren angetreten, um ihre kĂŒnstlerischen FĂ€higkeiten zu dokumentieren und nicht um KFZ-Mechanikern einen Platz fĂŒr durchnummerierte Bauteile zu geben. Es könnte auch sein, die verantwortlichen rechnen in diesem Forum nicht mit selbststĂ€ndig denkenden und fantasierenden Menschen, sondern mit BefehlsempfĂ€ngern, die es sich abgewöhnt haben, kreativ zu sein. Aber das ist ein anderes Thema. Kommen wir zu den „Fantasien eines ehemaligen Soldaten“.
Der Titel „Gestirn“ ist ein Symbol, was nicht neu ist in der Literatur und verbreitet in der Umgangssprache. Der Leser kann im weitesten Sinn etwas „himmlisches“ erwarten. Schauen wir, ob das zutrifft.
Beschrieben wird ein Soldat, der Wache schiebt, dabei verbotenerweise Musik hört und unkonkret ĂŒber die Welt nachdenkt. FĂŒr einen jungen Soldaten typisch, fĂŒr einen Schriftsteller ein unverstĂ€ndlicher Verzicht auf eine Möglichkeit, Dinge des Alltags genauer zu betrachten. Stattdessen werden Bilder konstruiert, die alles und nichts aussagen, typisch eigentlich nur fĂŒr junge Menschen, die weder etwas erlebt haben noch darĂŒber nachgedacht haben, was man bei einem vierzigjĂ€hrigen Autor eigentlich nicht erwartet. Unklar ist auch, von welcher Seite der Grenze die Rede ist.
„Ein Strich kein Strich“ spricht fĂŒr die NVA,“ NATO-Hosen“ fĂŒr die andere Seite.
Viele unnötige Adjektive lassen den ohnehin blassen Text in seiner Aussage noch weiter schwÀcheln.
Geradezu grotesk lesen sich die kursiv geschriebenen Zeilen. Sie wirken, als wollte ein armloser Mensch mit der Schulter eine filigrane Schrift in den Sand malen. Man könnte fast meinen, der Soldat hat die ganze Zeit geschlafen und deshalb die vielen interessanten Details in seinem Alltag nicht gesehen und kann sie deshalb nicht einfließen lassen und bedient sich ersatzweise mit abgenutzten WorthĂŒlsen.
Schade, das Thema ist unerschöpflich, die Details unendlich, die gesellschaftliches Bedeutung gewaltig, warum begnĂŒgt sich der Autor mit mageren AllgemeinplĂ€tzen? Spiegelt das seine Stellung zur Problematik wieder? Nach dem Motto „Ich bin gegen Krieg und deshalb spreche ich nicht darĂŒber!“
Wollte er etwas anderes sagen und benutzt das Thema nur als AufhĂ€nger, dann ist das legitim. Mir erschließt sich dann nur nicht die andere Aussage. Der Autor hat viele Texte veröffentlicht. Ich werde schauen, ob die anderen eine andere Sprache sprechen.

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lapismont
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Hallo Herr Bernhard,

danke fĂŒr Deine Interpretation.

Das Thema Ausblendungen kannst Du gern im FL, per Mail oder PM diskutieren mit mir, es gehört nicht in die Werkeforen.

Desweiteren könntest Du Dir ĂŒberlegen, ob der Ton Deiner Kritik den Autor, in diesem Fall mich, motiviert, ihr einen Vorschlag zur Textverbesserung zu entnehmen.

In diesem konkreten Fall werde ich Deine Kritik einfach zur Kenntnis nehmen. Der Text gefÀllt Dir nicht, das ist völlig in Ordnung.

cu
lap

__________________
Kunst passiert.

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