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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gestrandet...
Eingestellt am 06. 06. 2002 19:36


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Ironic
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Gestrandet...

Regungslos lag er da. Sein riesiger Bauch wirkte kalt und aufgedunsen. Er musste schon eine ganze Weile so dort liegen, denn der fette K├Ârper presste seine Formen allm├Ąhlich immer tiefer in die Stelle auf der er sich befand. Er drohte ganz und gar mit seiner trostlosen Umgebung zu verschmelzen.

Es d├Ąmmerte. Um ihn herum war es d├╝ster und ruhig. Nur ein gleichm├Ą├čiges bet├Ąubendes Rauschen ganz in der N├Ąhe erf├╝llte leise die Umgebung. Das Ger├Ąusch hatte inzwischen nichts besonderes mehr an sich. Nichts von der Magie war nun mehr zu sp├╝ren, die ihn immer in seinen Bann gezogen hatte. Nur ein dumpfes, leeres Rauschen, das die einsame Stille noch erdr├╝ckender werden lies. Die Luft, die ihn umgab, verbreitete einen s├╝├člichen Duft der Verwesung, der wie ein dichter Nebel langsam und gleichm├Ą├čig aus seinen K├Ârper├Âffnungen str├Âmte. Sein Rachen war halb ge├Âffnet, sodass zudem eine klebrige Fl├╝ssigkeit ein Schlupfloch durch die Mundwinkel fand und nun geduldig sein Kinn herunter tropfte.


Pl├Âtzlich klirrte es. Durch eine ├╝berhastete Bewegung hatte er die Bierflasche auf dem Tisch umgesto├čen, deren Inhalt mit einem gro├čen Schluck seinen runden Bauch ├╝berschwemmte und sich zielgerichtet einen Weg in die Aush├Âhlungen bahnte, die sein Hintern in die Couch gedr├╝ckt hatte. Fluchend richtete er sich auf und wischte sich die Spucke aus dem Gesicht. M├╝de und verwirrt starrte er auf den Fernseher, der nur noch wei├č und schwarz vor sich hin flimmerte. Er sp├╝rte einen stechenden Schmerz in seinem Kopf und griff hastig nach der Fernbedienung um sich von dem nervenden Ger├Ąusch zu entledigen, das den Raum erf├╝llte.
Nach erneutem Fluchen dr├╝ckte er auf den verhassten roten Knopf. Nun war es still.

Jetzt sp├╝rte er die faulige Luft in seiner Kehle, die ihn jedes Mal aufs Neue erdr├╝ckte. Nach einem kurzen Griff in seine Trainingshose nahm er seine letzte Zigarette aus der Schachtel. Dann er trat m├╝de und gleichg├╝ltig hinaus auf den Balkon.



__________________
Um nicht vom Leben selbst erdr├╝ckt zu werden, sollte man ihm mit seinen Tr├Ąumen Fl├╝gel verleihen.

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Guest
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Hallo,

packende Aufnahme einer wahrscheinlich zerdehnten permanenten Alltagssituation. Macht nachdenklich Dein Text. Du hast die Figur hervorragend in den Schauplatz passend eingef├╝gt und das Dilemma einer kraft- u. mutlosen Person in einer ebensolchen Gesellschaft dargestellt. Nicht schlecht!

Gru├č,
GUIDO

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flammarion
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ja,

eine ausgezeichnete momentaufnahme. zu schade, da├č sich solche leute nicht einmal dem psychologen ├Âffnen. der schlu├č deiner geschichte deutet nicht darauf hin, da├č der mann hinunterspringt, und er h├Ątte gewi├č auch nicht den mut. er k├Ânnte h├Âchstenst das gleichgewicht verlieren, aber das w├╝nsch ich nicht. lg
__________________
Old Icke

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Ironic
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Gestrandet...

Danke f├╝r eure Antworten...

@Guido
Ja, super, genau das wollte ich damit erreichen...nachdenklich machen...das mancher sich evt. selbst ein bisschen ertappt f├╝hlt...aber wenn du dennoch irgendwelche Verbesserungsvorschl├Ąge hast (oder ihr anderen, die das lesen), w├╝rde ich mich dar├╝ber auf jedenfall freuen...bin schlie├člich erst ein Kurzgeschichten-Anf├Ąnger...

@flammarion
hm, dem Psychologen....vielleicht sollte ich dort ja auch gelegentlich mal vorbei schauen...;-) Der offene Schluss war beabsichtigt, damit sich jeder sein eigenes Urteil bildet...aber falls du der Meinung bist, dass er definitiv nicht springt, f├Ąnd ichs sch├Ân, wenn du mal eine Anregung f├╝r einen Schlussteil h├Ąttest, wo die M├Âglichkeit mehr in Frage kommt...

Liebe Gr├╝├če,
Ironic

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flammarion
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och,

ich denk ja gar nicht dran. es gef├Ąllt mir, da├č er nicht springt. wer wei├č - vielleicht bekommt sein leben ja noch eine gro├čartige wende. lg
__________________
Old Icke

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