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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gestrandet
Eingestellt am 03. 02. 2002 17:36


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Delirium
Hobbydichter
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Gestrandet

Kruse war lange zur See gefahren, hatte weite Reisen unternommen und fremde L├Ąnder gesehen. Kruse hatte die See geliebt, bis sie ihm seinen einzigen Sohn genommen hatte. Das war im Herbst vor 12 Jahren. Seitdem war Kruse nicht mehr der, der er fr├╝her war. Er hatte begonnen, die See zu hassen. Er wurde krank und strandete schlie├člich in einem alten H├Ąuschen vor den Toren der gro├čen Stadt. Seine Frau hatte ihn all die Jahre gepflegt, hatte versucht, die Wunden zu heilen, die die See in seiner Seele hinterlassen hatte. Doch sie folgte ihrem Sohn nur sechs Jahre sp├Ąter und Kruse blieb allein zur├╝ck. K├Ârperlich fehlte ihm nichts, doch innerlich war er leer, ganz leer.

Das kleine alte H├Ąuschen am Wald hatte nur eine Etage, die Kruse bewohnte. Dar├╝ber lag der Dachboden, auf dem Andenken aus Zeiten verstaubten, in denen der K├ĄptÔÇÖn die See noch geliebt hatte. Au├čerdem hatte das Haus einen Keller. Einen Luftschutzkeller, noch aus Zeiten des Krieges. Es gab drei R├Ąume, dazu ein kleines Badezimmer, nur mit Waschbecken und Toilette und einen Heizungskeller. Zwei der etwas gr├Â├čeren R├Ąume waren gefliest, der eine Raum wurde als Waschk├╝che benutzt, der andere war jetzt leer. Diesen Raum musste man durchqueren, um in die Waschk├╝che zu gelangen. Fr├╝her hatte Kruses Sohn hier sein Fahrrad untergestellt.

Den dritten Raum hatte Kruse seit 12 Jahren nicht betreten. Zwar hatte er oft die T├╝rklinke unter seiner Hand gesp├╝rt, doch er hatte nie den Mut gehabt, sie herunterzudr├╝cken. Hinter dieser T├╝r lag Pauls Zimmer. Gemeinsam hatten Vater und Sohn damals die W├Ąnde neu verputzt und isoliert, hatten Kabel verlegt und die kahlen W├Ąnde mit Tapeten und Bildern verziert.
Wenn Kruse in den Keller ging, um die W├Ąsche von der Leine zu nehmen, kam er an der T├╝r vorbei. Oft stand er minutenlang davor und z├Âgerte, war hin und hergerissen, den Raum zu betreten oder weiterzugehen und entschied sich jedes Mal f├╝r letzteres.

Es war in der Nacht zum 24. September, als Kruse von seiner Frau tr├Ąumte. Es war hell und er sah nichts weiter, als ihr Gesicht. Nicht das Gesicht der vom Leben gebeugten Frau, das er in ihren letzten gemeinsamen Jahren so oft gesehen hatte. Nein, es war das Gesicht der jungen Annemarie, das Gesicht der 20j├Ąhrigen hinter der Theke der Hamburger Hafenkneipe, in der er sie als junger Matrose kennengelernt hatte. Das helle Licht aus dem Hintergrund umrahmte sie und sie l├Ąchelte, als sie zu ihm sprach: ÔÇ×Kalle! Hallo, Kalle! Wir haben uns lange nicht gesehen! Wie geht es dir?ÔÇť Sie schien auf eine Antwort zu warten, doch Kruses Traum lie├č keine zu. ÔÇ×Kalle! Gut siehst du aus, wirklich! Wie geht es dem Jungen? Hat er den Schulabschluss geschafft? Er ist ja ein so netter Bursche!ÔÇť Wieder machte sie eine Pause und wieder war Kruse nicht f├Ąhig, zu sprechen. ÔÇ×Ich muss gehen, Kalle! Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder!ÔÇť rief Annemarie. Das strahlende Licht im Hintergrund wurde dunkler. ÔÇ×...gr├╝├č den Paul von mir!ÔÇť h├Ârte Kruse ihre Stimme noch sagen, bevor ihr Gesicht im Dunkel verschwand. Er schlug die Augen auf. Minutenlang verharrte er regungslos und starrte die Decke des Zimmers an. Dann stand er langsam, aber entschlossen auf. Es war an der Zeit, sich seinem Sohn zu stellen. Er hatte Paul immer geliebt, doch mit den Jahren war ihm klargeworden, dass er ihn kaum gekannt hatte. Jetzt, in dieser Nacht, w├╝rde er in den Keller gehen und nachholen, was er all die Jahre vers├Ąumt hatte...

Kruse schl├╝pfte in seine ausgetretenen Hausschuhe, zog den Morgenmantel ├╝ber den Pyjama und verlie├č das Schlafzimmer mit einem seltsamen Gef├╝hl. Auf dem Weg in den Keller dachte er ├╝ber die Zeit nach, in der er die Gelegenheit gehabt h├Ątte, Paul kennenzulernen. Fast ein Vierteljahrhundert! Doch er hatte diese Zeit nie genutzt, hatte die See immer mehr geliebt, als seine Familie, bis seine stille, klare Geliebte ihm seinen Sohn genommen hatte. Auch seine Frau, die gutherzige und immer so fr├Âhliche Annemarie hatte eine Geliebte gehabt: die Kunst. Kaum war Paul alt genug, um l├Ąnger allein klarzukommen, hatte sie sich dem Theater gewidmet, war auf Tourneen in ganz Deutschland gegangen und hatte Paul sich selbst ├╝berlassen. Doch der Junge war immer gut klargekommen, er hatte gute Noten geschrieben, hatte das Haus in Ordnung gehalten und sich um den kleinen Garten gek├╝mmert... Kruse bereute nicht zum ersten Mal, nicht mehr Zeit mit Paul verbracht zu haben.
Als Kruse vor der T├╝r angekommen war, f├╝hlte er sich, als st├╝nde er an der Schwelle in eine andere Welt. Wieder z├Âgerte er, wie schon so oft zuvor, doch diesmal dr├╝ckte er die Klinke herunter.

Abgestandene Luft und der Geruch von Staub schlug ihm entgegen, als Kruse die T├╝r aufstie├č. Vorsichtig ertastete er den Lichtschalter neben dem T├╝rrahmen. Die alte Gl├╝hbirne flackerte kurz auf, dann erhellte der Raum sich. Er war leer.

__________________
sometimes you fall and wake up
sometimes you fall and die
sometimes you fall and... fly

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Ralph Ronneberger
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Hmm,

abgesehen davon, da├č sich mir der Inhalt der mehr als sp├Ąrlichen und obendrein von v├Âllig unn├Âtigen Beschreibungen unterbrochenen Handlung einfach nicht erschlie├čen wollte, m├Âchte ich dich einfach mal fragen, ob Du mal gez├Ąhlt hast, wie oft das Hilfsverb "hatte" in deinem Text auftaucht.
Mein Vorschlag: Entschlacken, Handlung rein bringen, stilistisch verbessern und somit eine G e s c h i c h t e draus machen, die den Leser auch bei der Stange h├Ąlt.

Gru├č Ralph
__________________
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Delirium
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abgesehen davon, da├č sich mir der Inhalt der mehr als sp├Ąrlichen und obendrein von v├Âllig unn├Âtigen Beschreibungen unterbrochenen Handlung einfach nicht erschlie├čen wollte, m├Âchte ich dich einfach mal fragen, ob Du mal gez├Ąhlt hast, wie oft das Hilfsverb "hatte" in deinem Text auftaucht.

Nein, habe ich nicht.

Mein Vorschlag: Entschlacken, Handlung rein bringen, stilistisch verbessern und somit eine G e s c h i c h t e draus machen, die den Leser auch bei der Stange h├Ąlt.

Bei einer Seite den Leser bei der Stange halten? Ich glaube, die meisten halten das auch so irgendwie durch.

Del
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Ralph Ronneberger
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"Bei einer Seite den Leser bei der Stange halten? Ich glaube, die meisten halten das auch so irgendwie durch."

Tja - was soll ich dazu sagen? So betrachtet mu├č ich dir wohl Recht geben.

Gru├č Ralph
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Andrea
???
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5 von 10

Egal wie lang ein Text ist, ein Leser sollte sich darin wohlf├╝hlen..

Es stimmt, das "hatte" ist etwas h├Ąufig, und auch sonst wirken die Satzstrukturen bisweilen recht monoton auf mich, aber das pa├čt irgendwie zur Stimmung. Was mir nicht so recht gef├Ąllt, sind der erste und der vierte Absatz.

Im ersten Absatz wird vieles gesagt, was schlicht unn├Âtig ist, etwa da├č sich Kruse ver├Ąndert hat. Wenn da erst steht, da├č er das Meer liebte, und dann, da├č er es ha├čt, d├╝rfte klar sein, da├č er sich ver├Ąndert hat. Also lieber: Damals hatte Kruse begonnen, die See zu hassen. Aus einem anderen Grund sticht mir: "[...]hatte versucht, die Wunden zu heilen, die die See in seiner Seele hinterlassen hatte." ins Auge - es klingt recht pathetisch, fast kitschig, und pa├čt nicht richtig zu der Stimmung.

Im vierten Absatz w├╝rde ich den Traum radikal k├╝rzen. Ist es wirklich wichtig, welche Fragen seine Frau stellt? Reicht es nicht, wenn du schreibst, da├č er von ihr tr├Ąumt und sich beim Aufwachen nicht einmal so recht mehr daran erinnern kann, nur da├č sie ihm Gr├╝├če an ihren Sohn aufgetragen hat, ist ihm noch im Ged├Ąchtnis geblieben? (├ťberhaupt - wieso fragt sie nach ihm? Sie ist nach ihm gestorben, wei├č also, da├č er tot ist.. gut, es ist ein Traum von einer Toten, aber vielleicht w├Ąre es sinniger, wenn sie vor Paul gestorben w├Ąre. Dann k├Ânnte man sich auf den Wunden-heilen-Satz sparen...)

Nun ja, alles in allem ist der Text ganz nett.

__________________
Andrea Rohmert

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