Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
96 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Gesund und leistungsfähig !
Eingestellt am 16. 11. 2009 17:00


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Herbert Schmelz
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2009

Werke: 80
Kommentare: 102
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Herbert Schmelz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

GESUND UND LEISTUNGSFÄHIG !
Über bedrohliche Fiktionen

Worauf geht die persönliche Scheu zurück, über die Verbindung von Gesundheit und Leistung zu sprechen? Unausgewiesene, heimliche Leistungsverweigerung gilt als unmoralisch, Gesundheit als positives Zeichen eines guten Lebens. Faulheit ist verwerflich, Krankheit womöglich selbst verschuldet. Gründe genug, in vorsichtiger Zurückhaltung sich zu üben.

Gelegentlich wird auch auf die marktwirtschaftliche Ordnung verwiesen, die in freier Anwendung des Tauschprinzips eine ‚Leistungsgesellschaft’ begründe. Daher können sogar Kranke und Behinderte im Zeichen der Gleichberechtigung starke Leistungsorientierung beweisen. Olympische Spiele für Behinderte finden weltweites Interesse.

Andrerseits ist nicht jedem selbsternannten ‚Leistungsträger’ unbesehen auch zu glauben. Es könnte hinter seinem Anspruch auch eine trickreiche Täuschung sich verbergen. Da nun die verschiedensten Neigungen und Handlungen harmonisch auf die Gerechtigkeit des Marktes als dem Ort des äquivalenten Tausches und die freie Wirksamkeit des Leistungsprinzips zurückführbar sind, entsteht vor unseren Augen eine bunte, lebendige, freiheitliche Ordnung. Hier wird das Lebensnotwendige motiviert getan. Jeder darf seines Glückes Schmied sein!

Jetzt ertönt aber aus dem Innern der ‚Leistungsgesellschaft’ so mancher Verzweiflungsschrei, der oft mühsam identifiziert werden kann. Seit Jahren wird regelmäßig gemeldet, dass Unternehmen erfreut eine abnehmende Zahl von krankheitsbedingten Fehlzeiten verzeichnen. Ebenso regelmäßig, aber wenig erfreut, werden Gegenrechnungen aufgemacht: Medikamentenkonsum, Furcht vor Arbeitsplatzverlust und die Zahl derjenigen, die sich krank zur Arbeit ‚hinschleppen’, sind Störfaktoren im unternehmerischen Gesundheitsbild. Anonymisierte Ergebnisse von Erhebungen tun zunächst nicht weh. Sie errichten aber Normen, die bei passender Gelegenheit Druck im Sinne der Statistik ausüben. Die verborgene Drohung geht auf die Frage hinaus: Wer ist noch 'sein Geld wert'?

Die von außen um Einblicke in die ‚Leistungsgesellschaft’ bemüht sind, setzen sich mit den paradox erscheinenden Tatsachen auseinander; die unmittelbar mit ‚ihren’ Aufgaben Beschäftigten jedoch empfinden ihr Tun als freiwillig, nach flüchtigem Nachdenken als fremdbestimmt erzwungen. Es klingt seltsam paradox, von freiwilligem Zwang zu sprechen. Die in 'ihrer' Aufgabe aufgehenden Menschen fühlen sich im Grunde einsam, isoliert und glauben fälschlich, ‚ihre’ Probleme nur allein lösen zu müssen oder zu scheitern. Die Tatsache, dass mehr Menschen unter den Druck unübersichtlicher, 'unbegreiflicher' Kulturideale geraten, verstärkt die Neigung zu depressiven Sozialcharakteren.

Berlin hat offenbar seit Jahren durch sein ‚Landesamt für Gesundheit und Soziales’ Gesundheitsdaten von Stellenbewerbern erfasst. Immerhin stellt das Bundesland ein Unternehmen mit rund 58000 Beschäftigten dar. Hier werden also Arbeit Suchende bis heute gefragt: „Haben Sie nachgewiesene Allergien? “-
„Nehmen Sie Arzneimittel z.B. auch Abführmittel oder die ‚Pille’?“ Der Aufschrei der Empörung, besonders in der Tagespresse, lenkt die Blicke auf den ‚löchrigen Datenschutz’, behauptet, die von Arbeitgebern „oft verlangten Gesundheits-Tests“ seien „völlig illegal“.

In der Wirklichkeit unsrer ‚Leistungsgesellschaft’ verpuffen diese Selbsttäuschungen an zweitrangigen Fragen. Bevor sich also ein ernsthafter Widerstand gegen die erfasste und verwaltete Gesundheit entwickeln kann, wird ein anderer Konsens die reale Chance der Verwirklichung erhalten. Nämlich spezialisierte Gentests als Einstellungsvoraussetzung und liberale Eugenik können auf den Wegen heutiger Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik mit praktischer Anwendung rechnen. Das einmal als Unwort des Jahres beklagte ‚sozial verträgliche Ableben’ nistet sich bereits in der Wirklichkeit ein. Für bestimmte Tätigkeiten kann die Notwendigkeit von Gesundheitsüberprüfungen rechtlich und moralisch überhaupt nicht bezweifelt werden. Wer hiergegen ankämpfte, würde sich lächerlich machen.

In Hessen haben vier erfolgreiche Steuerfahnder, die auch vor ‚großen Tieren’ keine Furcht bewiesen, schon vor Jahren die Erfahrung machen müssen, dass das Gutachten eines Mediziners sie zu psychisch kranken Menschen machte. Ihre damit erzwungene Entlassung aus dem Landesdienst und Versetzung in den ‚Zwangs-Ruhestand’, die inzwischen erfolgte Verurteilung des Gutachters wegen fachlich inkompetenter Beurteilungen haben noch nicht zur Besinnung der politisch Verantwortlichen geführt. Wie üblich, ist auch hier, wo die Gesundheit zu einem zerstörerischen Spielball wurde, mit langwierigen Rechtsauseinandersetzungen zu rechnen. Die parlamentarisch organisierte Verantwortung versickert in ihnen, und funktioniert weitgehend nur noch in einem repressiven Sinne. Das oppositionelle Geschäft wirkt saft- und kraftlos.

Die bürgerliche Fiktion der unbegrenzten und innovativen Leistungsbereitschaft auf Grundlage ‚natürlicher’ Leistungsfähigkeit hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ihre Realisierung hat zur Bedrohung des Individuums geführt überall dort, wo dem Einzelnen wie der Gruppe substanzielle Mitsprache verwehrt ist. Eine freiere Kulturentwicklung auf der Basis vernünftig gestalteter Arbeit ist eine angemessene politische Forderung. Aber ebenso ist im Inneren der individuellen Sozialisierungsprozesse besonderer Raum zu schaffen für aktive Mitwirkungen selbständig und selbstbewusst handelnder Persönlichkeiten, die sich nicht im Netz scheinbarer Naturzwänge verfangen.

Die akuten Probleme der Gesellschaft bezüglich der lebenswichtigen Güter Gesundheit und Leistungsfähigkeit lassen sich im Sport beobachten. Die Dynamik im Sport stärkt eher die optimistische Betrachtung. Gerade der unfreiwillige Tod des erfolgreichen Torwarts der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Robert Enke, hat eine nicht erwartete Aufklärungsbereitschaft und Anteilnahme hervorgerufen. Im Moment des Innehaltens kam es punktuell zur kritischen Infragestellung des geistig-materiellen Systems, das die Identifikation mit der sportlichen Höchstleistung nur mit Geld honoriert, die selbstbewusste Vernunft gegenüber den gesellschaftlichen Idealen aber verkümmern lässt. Die Mannschaftskameraden der Nationalelf fragen im Abschiedsbrief an ihren Torhüter unter anderem: „Warum ist es in unserem Leistungssport, in unserer Leistungsgesellschaft nicht möglich, Angst und Krankheit auszusprechen?“ Sie sollten diese Frage ernsthaft ergründen, um sich vor Augen zu führen, welches ihre Gegenmittel auf bedrohliche Fiktionen sind.





__________________
Ernst H.Stiebeling,EHS

Version vom 16. 11. 2009 17:00
Version vom 20. 11. 2009 09:45
Version vom 21. 11. 2009 10:47
Version vom 21. 11. 2009 11:57
Version vom 21. 11. 2009 13:10
Version vom 22. 11. 2009 10:40
Version vom 24. 11. 2009 22:16
Version vom 02. 12. 2009 22:04
Version vom 03. 01. 2010 22:30
Version vom 09. 01. 2010 22:26
Version vom 15. 01. 2010 09:02
Version vom 15. 01. 2010 09:28
Version vom 15. 01. 2010 09:44
Version vom 10. 04. 2010 10:14
Version vom 05. 11. 2010 07:23

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

quote:
Allmählich scheint die Sache unnötig kompliziert !
… ist das meiner Meinung nach passende Zitat zu diesem Text. Deine/Ihre anderen Texte kamen schon nicht sooo leichtfüßig daher, wie es (mir) angenehm zu lesen gewesen wäre, aber da war es noch lesbar. Hier verliert sich der "rote Faden" aber zu sehr.

Schon der Anfang mit dem "Tauschen" macht einen wirren Eindruck. Ich wusste bis tief in den Text hinein nicht, um was für eine Art Tausch es hier geht, konnte (und kann) mit dem "nach dem Tod wird weitergetauscht" nicht viel anfangen (vor allem nicht im Zusammenhang mit dem Rest des Textes) und finde – so im Nachhinein – diesen Einstieg ohnehin extrem unpassend. Es sei denn, ich habe den Text missverstanden und es geht gar nicht darum, dass "alles immer schlimmer wird, weil …". Dem Text nach (der recht oft mehr oder weniger dicht am "Punkt" vorbeschramm – ich ahne, worauf es hinauslaufen soll, nur tut es das im Text dann nicht) ist ohnehin "(sich/etwas) verkaufen, Marktwert" der treffendere Ansatz als das weichspülende "Tauschen".
Bei der Frage "Ist das alles?" habe ich ein Problem mit dem Problem. Jeder tauscht (was, warum und warum über den angeblich gelichmachenden Tod hinaus?) steht in dem Absatz. Also lautet die Frage "Ist tauschen alles?". Wie jetzt? Als Lebensziel? (… kommt auf den Typen und die Tauschobjekte an.) Als Lebens"mechanismus"? (… offenbar ja.) Als Grund, Ursache, Anlass? (Wofür? Für die Gesellschaft, wie sie ist? Dann ganz klar: nein, es ist nichtmal etwas Grund, geschweige denn aller Grund.)

Zweiter Absatz: Was ist das für ein Landesamt-Fragebogen? Was hat der mit den Fragen der "meisten Unternehmen zu tun"? Ist das Urteil "Desinformation" (also: Es gibt gar keinen Fragebogen!) wirklich Unzufriedenheit oder doch eher Erkenntnis nach Vergleich? Was hat das mit den Printmedien zu tun und warum sollte die Zahl der zufriedenen Leser abnehmen, wenn die Dinge zugespitzt gesagt werden? (Erfahrungsgemäß kommt sowas doch grade gut an!) Was soll der Satz „Lügen treffen allgemeinverständlich auf nur geringe Leidensfähigkeit." sagen? Was heißt "Dabei wollten wir zunächst nur auf den üblichen mentalen Austausch ausgewählter Kommentare zur Gesundheitsproblematik aufmerksam machen."? Der Autor will auf Telepathie hinweisen? Er will drauf hinweisen, dass Kommentare ausgetauscht werden? Wo, wie und warum? (z.B. im Blog der eine Kom mit einem anderen überschreiben? Das ist wohl nicht gemeint. "Kommentierst du mich, kommentier ich dich"? Und hat das was mit dem Tauschen (über den Tod hinaus) aus dem ersten Absatz zu tun?


Dritte Absatz: “ Da keiner so leicht in euch hineinschauen kann, darin seid ihr euch wieder einmal ziemlich gleich, müsst ihr mit euren Mitteln und Kräften eigen verantwortlich haushalten." – ich dachte beim Satzanfang: "Weil die Verhandelnden nicht gegenseitig in sich reinsehen können, müssen sie einander ein Bild malen, was der Vetragspartner bekommen wird." Was "Weil mein zukünftiger Boss nicht in mich reinsehen kann" mit „deshalb muss ich aufpassen, dass ich mich nicht überarbeite" zu tun hat, ist mehr als vage. Auch "ich darf keinen Raubbau an meiner Gesundheit treiben" und "er darf nicht blind dem Markt vertrauen" (was immer das heißen soll) scheint mir nicht in vergleichbaren, also so wiue geschehen aufzählbaren Kategorien zu liegen.

Was hat "Wissen über Unternehmen saugen" mit "Tauschvorgängen vor/bei/nach Pleiten" zu tun?

… ich hör mal auf. So unter die Leselupe genommen verstrickt sich der Text noch viel mehr in unzusammenhängenden Phrasen, vage zueinander gestellten Fakten und Halbfakten, als ich beim ersten Lesen bemerkt hatte. Es wirkt einfach nur wirr, noch nicht auf den Punkt gebracht. Es wirkt (auf mich), als habe der Autor den Punkt noch nicht mal für sein eigenes Verstehen so recht finden können.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Herbert Schmelz
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2009

Werke: 80
Kommentare: 102
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Herbert Schmelz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Gesund und leistungsfähig !

Sehr geehrter jon,

die Kritik an der Originalfassung, am Schreibstil und der verwirrend unklaren Sachaussage war zweifellos gerechtfertigt.
Danach bin ich selbstkritisch in mich gegangen und habe hoffentlich Linie in das grundlegende und aktuelle Thema 'Gesundheit und Leistung' bringen können.

Meine Auffassung, dass uns die unmittelbare Lebenswirklichkeit oft über die wahren Zusammenhänge täuscht, zwingt mich allerdings zur Einbeziehung glaubhafter und bekannter Fiktionen, die als Faktor in der erlebbaren Welt wirken. Dieser Zwang macht die Gedankengänge komplizierter als der direkte Weg des Schreibens (Verschriftlichung?) - dennoch hoffend, in nächster Zukunft genießbare, wirklichkeitsnahe Texte zu publizieren, die Kritik herausfordern und ihr standhalten können, verbleibt EHS
__________________
Ernst H.Stiebeling,EHS

Bearbeiten/Löschen    


1 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!