Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92194
Momentan online:
67 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Gereimtes
Gesundbeter
Eingestellt am 27. 09. 2006 22:47


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1535
Kommentare: 9779
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Gesundbeter


Der Mond: Versucht, sich selber zu beschatten;
Die kleine Wolke gerne half dabei.
Das K├Ąuzchen schrie den letzten schrillen Schrei.
Die Eule folgte untreu ihrem Gatten.

Das Licht: Es schien so silbern im Geweih
Des Hirschs. Es raschelten dazu die Ratten.
Es gingen die, die sich verborgen hatten,
Verschmolzen nachtschwarz und zum Einerlei.

Es angelte und fischte sich im Tr├╝ben:
Das Dasein bog sich in das weite Rund.
Am Eck: Die Geister wollten sicher ├╝ben,

Sie m├╝ssten spuken doch zu dieser Stund.
Die Angst: Sie kommt und geht in kalten Sch├╝ben.
Sie betet sich und alle Welt gesund.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

Werke: 209
Kommentare: 4053
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um ENachtigall eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Gesundbeter

Hallo Walther,

das gef├Ąllt mir aber sehr!

Die Darstellung mittels Verwendung mehrerer Doppelpunkte, die H├Ąufung der Reflexiva verleiht Deinem Sonett Symmetrie, die in Kontrasten inhaltlich zur Spannung gebracht wird:

Der Mond: Versucht, sich selber zu beschatten;
Die kleine Wolke gerne half dabei.
Das K├Ąuzchen schrie den letzten schrillen Schrei.
Die Eule folgte untreu ihrem Gatten.

Das Licht: Es schien so silbern im Geweih
Des Hirschs. Es raschelten dazu die Ratten.
Es gingen die, die sich verborgen hatten,
Verschmolzen nachtschwarz und zum Einerlei.

Es angelte und fischte sich im Tr├╝ben:
Das Dasein bog sich in das weite Rund.
Am Eck
: Die Geister wollten sicher ├╝ben,

Sie m├╝ssten spuken doch zu dieser Stund.
Die Angst: Sie kommt und geht in kalten Sch├╝ben.
Sie betet sich und alle Welt gesund.


Einzig die Gro├čschreibung nach dem Doppelpunkt behagt mir nicht.

Liebe Gr├╝├če

Elke

__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

Bearbeiten/Löschen    


Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1535
Kommentare: 9779
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Guten Morgen, ENachtigall,

die Nacht ist ja schon eine Weile vor├╝ber.

Zuerst: Vielen Dank f├╝r Deine ermuternden und lobenden Worte. Schlie├člich ist der Dichter vom Feedback abh├Ąngig. Erst dann kann er ermessen, ob der Text gut (oder schlecht) ankommt.

Und nat├╝rlich kann man nach den Doppelpunkten klein schreiben. Da die Doppelpunkte durchaus wichtig sind, wie Du ja stark in Deinem Kommentar herausgearbeitet hast, habe ich sie mit dem Weiterschreiben mit gro├čem Buchstaben nochmals verst├Ąrkt. Wir lesen heute alle so schnell, da├č dieser zus├Ątzliche Reiz das Innehalten f├Ârdern sollte.

In der Tat lebt der Text von seinen Gegens├Ątzen, die sich auf den ersten Blick widerprechen. Wer Panikgef├╝hle erlebt hat, wei├č um die Ambivalenz in der Wahrnehmung, die dann auf uns wirkt. Die Filter, die alles zusammenf├╝gen und ordnen sollen, was wir aufnehmen, sind au├čer Kraft gesetzt.

Die Angst ums eigne bi├čchen Leben in der Nacht: Das ist das Thema des Gedichts. Wer mit Kreislaufproblemen oder Burnoutsyndrom oder am Rande des Nervenzusammenbruchs (kalter Schwei├č, Zittern) schon einmal nachts aufgest├Ârt ist, der kann diese Gef├╝hle nachempfinden.

Der Mensch war schon immer ein begabter Gesundbeter seiner selbst. Warum nicht auf die ganze Welt dieses Gesundbeten ausdehnen. Schlie├člich h├Ątte sie das bitter n├Âtig.

Ach ja, nebenbei bemerkt: Das Gedicht hat nat├╝rlich eine Geschichte. Texte haben es so an sich, da├č sie durchaus ein Eigenleben entwickeln. Dieser auch. Zuerst war er furchtbar vergeraten. ich war schon dabei, zu verzweifeln und ihn die Tonne zu kicken. Dann aber sch├╝ttelten sich die Bilder und W├Ârter pl├Âtzlich in die jetzt gefundene Reihung. Noch ein Metrum nachgebessert. Und nun ist es wohl einer meiner besseren Texte geworden.

So ist das mit dem Dichten und den N├Ąchten. Am Anfang ist das Ende durchaus ungewi├č. Und ambivalent, wie alles, was den Menschen angeht, eben zwischen Leben und Tod schwebend.

Gru├č W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen    


ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

Werke: 209
Kommentare: 4053
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um ENachtigall eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Danke f├╝r die ausf├╝hrlichen Erkl├Ąrungen...

zum Hintergrund des Gedichtes, Walther. Das Be├Ąngstigende nimmt nicht ├╝berhand - es wirkt beklemmend und reicht schon aus, die Atmosph├Ąre zu kennzeichnen, zumal Du eindringlich mit diesen wirklich klangvollen Worten "gespielt" hast.

n├Ąchtliche Gr├╝├če

Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

Bearbeiten/Löschen    


Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1535
Kommentare: 9779
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo ENachtigall,

danke f├╝r Deine Antwort. Gedichte sind immer auch ein wenig Selbsttherapie. Wenn sie andern gefallen und beim Leben ein wenig helfen, was will man mehr.

Lieber Gru├č

W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Gereimtes Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!