Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92195
Momentan online:
310 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Gesundes Leben
Eingestellt am 22. 04. 2007 21:17


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Frankybond
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2007

Werke: 2
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Frankybond eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Krischan Kahlau lebt gesund

"So, so, Taxifahrer sind sie also. Na, wo fehlt es denn sonst noch?"

Krischan versucht vergeblich es sich auf dem Designerstuhl des Arztes bequem zu machen. Schlimmer als bei der regelm├Ą├čigen Gesundheitspr├╝fung f├╝r den P-Schein konnte es ja auch nicht werden. Dieses Ziehen im Kreuz haben die Kollegen ja meist auch zu verzeichnen und bisher hat er noch keinen Kutscher im Streckverband kennengelernt.
Krischans alter Freund Kutte hat ihm auch einen hom├Âopathische Rat gegeben, der da lautet: "wenn's hinten weh tut soll man...", mit irgendwas aufh├Âren. Mist, jetzt hat er den Rest vergessen.

"Ja, Herr Kahlau. Sie bewegen sich einfach zu wenig. Haben sie ein Fahrrad?"
Klar hat Krischan ein Fahrrad, ein tolles 18er mit Dreigang-Kettenschaltung. Hat er schlie├člich zur Einsegnung bekommen und damals war es das schnellste und beste Rad in der Stra├če.
Das damals noch Adenauer Bundeskanzler war, verdr├Ąngt Krischan etwas versch├Ąmt aus seiner Erinnerung. Aber das er dieses Schmuckst├╝ck irgendwo im Keller, hinter den alten Illustrierten gelagert hat, wei├č er noch.

Tats├Ąchlich dauert es auch nur drei Stunden, etwas Schwei├č und Blumen und das Traumgef├Ąhrt steht restauriert zur ersten Ausfahrt bereit.
Krischans Frau winkt mit Tr├Ąnen in den Augen ihrem sportlichen Mann hinterher, w├Ąhrend seine Kinder sich mit roten K├Âpfen vor ihren Freunden verstecken.
Offensichtlich ist er wohl doch noch ganz gut in der ├ťbung.
Elegant, wie er mit seinen 98 Kilo in der engen Radlerleggin und dem T-Shirt aussieht, umrundet er den Gro├čen Stern und schaltet rasant in den dritten Gang, als hinter ihm schrilles Klingeln ert├Ânt.
Drei weitere Radsportler strampeln in geschlossener Front, von hinten, auf Krischan zu.

Haben sich wohl doch ein paar Regeln ge├Ąndert, zu meiner Zeit mu├čte man noch hintereinander fahren. ├ťberlegt er, als die drei wie L├╝tzows wilde verwegene Jagd vom Radweg nach rechts ausweichen, die dort stehenden Kinderwagen umkurven und unter lauten Drohungen die dazugeh├Ârigen M├╝tter in die Flucht schlagen.

Krischan sp├╝rt einen Einschlag am Kopf. Er wird von einer Babyflasche mit gaumengerechtem Sauger an der Schl├Ąfe getroffen, als eine der M├╝tter ihn, als einzigen noch greifbaren Radfahrer attackiert. Nach einigen tausend Entschuldigungen, darf er dann auch weiterfahren, nur um an der Klopstock-Ecke auf eine rote Ampel zu treffen.

Mit dumpfen Rubbeln dr├╝ckt sich der Gummi seiner Bremse auf den Vorderreifen und es gelingt ihm im grade noch vor der wei├čen Linie zum Stillstand zu kommen.

"D├Ąmlicher Idiot!" Gr├╝├čen zwei junge M├Ądchen auf schicken neuen R├Ądern, w├Ąhrend sie ihn umrunden und selbst beherzt ├╝ber die Stra├če jagen. Die Pneus kreischen, als der Kollege irrt├╝mlich auf die gr├╝ne Ampel vertrauend, in die Eisen steigt. Krischan winkt ihm kollegial-mitleidig zu und erntet daf├╝r ein dankbares "Sch... Radfahrer!"

Mit einem etwas nachdenklichen Gesicht, wartet er auf das Erscheinen des gr├╝nen Lichtes und tritt weiter in die Pedale auf seinem langen Weg zum Ernst-Reuter.
Aber nur f├╝r drei├čig Meter. Am Bahnhof Tiergarten wird wieder mal gebaut. "Radfahrer absteigen" steht da. Klar, Krischan ist ja heute Radfahrer, also steigt er ab und schiebt sein Rad an der Baustelle vorbei.

Dankbar erntet er die Anerkennung seiner neuen Sportfreunde:
" D├Ąmlicher Hund. Fahr┬┤ doch weiter, die Autofahrer schieben ihre Stinkekarren doch auch nicht!"

Auch den Flohmarkt umgehen die Zweiradlenker weitr├Ąumig, wobei sie die beiden rechten Fahrspuren locker auff├╝llen.
Das Hupen der intoleranten Autofahrer, spornt sie nur zu neuem Eifer an und Krischan beobachtet zu seinem Erstaunen ballettreife Einlagen, mit denen einzelne Autot├╝ren durch Tritte freundlich geschlossen werden.

Endlich hat er den Radweg erreicht und schwingt sich erneut auf sein Vehikel. Z├╝gig strampelnd erreicht er den Reuterplatz und umkreist diesen ungeachtet der Tatsache, da├č er an jeder roten Ampel ├╝berholt und beschimpft wird. Jedenfalls von den Radlern, die den Radweg benutzen, die Fu├čweg- und Fahrbahnbefahrer tangieren ihn nicht besonders.

Als er wieder auf die Stra├če des 17. Juni einbiegt, sp├╝rt er, wie sein Adrenalinspiegel langsam aber sicher an sein Limit ger├Ąt. Den R├╝ckweg legt er ziemlich einsam zur├╝ck, da es offensichtlich unter echten Radsportlern verp├Ânt ist den Radweg zu benutzen. ├ťberfl├╝ssig zu sagen, da├č er auch in der Bartningalle fast alleiniger Benutzer dieser Einrichtung ist.

Lediglich ein Sportrad ohne Licht, Kotfl├╝geln und funktionsf├Ąhigen Bremsen begegnete ihm.

---- Leider auf seiner Spur und frontal.

Die ├ärzte in der Notaufnahme lachten sehr herzlich, als sie h├Ârten, da├č Krischan seiner Gesundheit zuliebe mit dem Radfahren begonnen hat.
"Kreuzschmerzen haben sie? Nehmen sie lieber Massagen, die sind ges├╝nder."

Seitdem sind Krischans Kreuzschmerzen, ebenso wie sein Fahrrad weg. Und wenn es nur ein wenig im R├╝cken piekt, schaut er sich nachdenklich die Narben an seinem Schienbein an und schon massiert ihm seine Frau den R├╝cken.

Fazit: Wenn Ihr Euch wieder mal ├╝ber einen Radfahrer ├Ąrgert, der bei Rot, im Dunkeln ohne Licht, oder in der Fu├čg├Ąngerzone Euren Weg kreuzt, bedauert ihn. Er hat niemanden, der ihm den R├╝cken massiert.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


1 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!