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Leselupe.de > Humor und Satire
Geteiltes Leib ist halbes Leib.
Eingestellt am 14. 02. 2003 09:39


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pleistoneun
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Er trug die beiden soeben gelieferten leeren F√§sser in seine Wohnung in den dritten Stock. Die plumpen Beh√§lter trugen sich noch leicht, beim Runtertragen hingegen w√ľrden sie wohl bereits mit Inhalt gef√ľllt ein Mehrfaches wiegen. Die Last des vollen Fasses liegt noch verstreut am Fu√üboden seiner Wohnung. √úberall Reste seiner n√§chtelangen, harten Arbeit, die er √ľbers Wochenende mit nachhause nahm. Aus Arbeitsengp√§ssen war der bullige Henkermeister zum wiederholten Male gezwungen, seine Arbeit mit nachhause zu nehmen. Nicht zu bew√§ltigen war der Arbeitsanfall in letzter Zeit, Schwerverbrecher, Leichtverbrecher und Omas, die ihre Enkel schlugen, Erwachsenensch√§nder, st√§dtischer Unrat und Antimoralisten, Demonstranten, Wurstverk√§uferinnen und Schwarzh√§ndler, allesamt wurden sie zum Schafott gef√ľhrt. Dem Ansturm auf die Hinrichtungsst√§tte konnte nur durch √úberstunden und Wochenendarbeit beigekommen werden.

So trug es sich also zu, dass die schwere Axt auch in der Wohnung des Henkers geschwungen wurde. Petantisch wurde aller anfallender M√ľll getrennt. Kopf√ľber der Kopf ins eine Fass, der Rest war Restm√ľll und kam ins andre Fass daneben. Ein Beruf, der weitgehend ohne Psychologie auskommt. Es f√ľllten sich die Tonnen bis oben hin nicht mit R√ľbensaft oder frischem Gem√ľse, nicht mit Beerensaft oder gar Gr√ľtze. Es roch nach Kopfged√§rm und offenem Hals, nach gestocktem Blut und Schlachterwahn. Und wer genauer schn√ľffelte, vernahm sogar ein wenig Angst. Von ganz oben, aus dem Chefschafott, kam die Weisung, die Arbeit noch schneller, noch besser, und noch effizienter zu verrichten. In der Eile haute man n√§mlich oft daneben. Der Druck verst√§rkte sich, der schwitzende bullige Henkermeister, der die H√§lse schneller hackte als sein Waldpendant das Holz, wollte sich in seinem Job bew√§hren und schnell Karriere machen, sich hocharbeiten, zum Meisterhenker, zur Henkerelite graduieren. H√§lse, dick wie Baumst√§mme, verkropft, egal, mit Wucht entzweit die scharfe Klinge Kopf und K√∂rper.

Am Ende stehen am Montag Morgen mit hochgekrempelten √Ąrmeln die schnaupenden Henker in einer Schlange vor dem B√ľro des Chefs. Links und rechts die dampfenden F√§sser aufgestellt als Arbeitsnachweis mit der Hoffnung auf Bef√∂rderung. Doch abgestumpft f√ľr menschliche Anliegen wie Vorgesetzte dieser Berufssparte nun mal sind, werden die Henkersknechte mit den Worten abgespeist, sie m√∂gen ihren Umsatz steigern.

Und dann kauern sie am Korridor mit ihren blutbefleckten Westen, halten sich in Armen und beweinen ihren Beruf. Man findet bei seinesgleichen Trost und teilt nicht nur des Menschen Körper, sondern manchmal auch dasselbe Schicksal. Geteiltes Leib ist eben halbes Leib.

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
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bewhären?

Mich w√ľrde schon interessieren, wie der liebe Henkermeister seine Arbeit effizienter macht, das k√∂nntest du ruhig noch ausf√ľhren.
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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