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Leselupe.de > Humor und Satire
Gewinnmich
Eingestellt am 28. 05. 2006 14:41


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Raniero
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Gewinnmich

Sie staunten nicht schlecht, am Morgen, die Passanten der Bahnhofshalle,
Mitten im Eingangsbereich stand ein glanzlackiertes Auto, ein hochkarĂ€tiger Sportwagen der Luxusklasse, und auf den Nummernschildern vorne und hinten war statt der polizeikenntlichen Angaben der verfĂŒhrerische Aufdruck ‚Gewinnmich‘ zu lesen. Um dieses Gewinnobjekt befanden sich Stehtische, bestĂŒckt mit Schreibstiften und Gewinnkarten, die man ausfĂŒllen und in einen dafĂŒr vorgesehenen BehĂ€lter aus dunklem Glas einwerfen konnte. Es reichte jedoch nicht aus, nur Namen und Adresse auf die Karten zu schreiben, darĂŒber hinaus musste man noch drei hochintellektuelle Fragen beantworten, in der Art wie, liegt Paris in Frankreich, ja oder nein?
Fragen, die so manch einen in Verlegenheit bringen konnten.
Seitens des Veranstalters hatte man bereits Vorsorge getroffen, und so standen in der NĂ€he vier Herren in vornehmen Outfits bereit, die nicht nur die Aufgabe hatten, die VorzĂŒge des Superwagens anzupreisen, sondern auch bei Bedarf diskret Hilfe zu leisten, bei der Beantwortung der schwierigen Fragen.

Der Nachmittag war angebrochen, und das Gewinnspiel hatte bereits Erfolg zu verzeichnen, wie an dem gutgefĂŒlltem KartenbehĂ€lter abzulesen war, als sich zwei schwarz gekleidete jĂŒngere MĂ€nner dem Fahrzeug nĂ€herten und zielbewusst auf einen der ReprĂ€sentanten des Autohauses zusteuerten. Dieser war ein wenig ĂŒberrascht, handelte es sich um die beiden Schwarzgekleideten offensichtlich um zwei Priester, wie sich unschwer an deren Kleidung erkennen ließ. Was wollten die denn mit einem solchen Auto, noch dazu mit einem, das man praktisch nicht auf dem rechten Wege erstehen konnte, sondern nur durch Zuhilfenahme des Zufalls, durch ein Gewinnspiel?
„Werter Herr“, sprach ihn auch schon einer der beiden, die sich als Kaplan R...und Kaplan S... vom Bischöflichen Generalvikariat der Nachbarstadt vorstellten, an, „wie wir unschwer bemerken, stellen Sie hier ein schönes Automobil zur Schau; nein, wahrlich, ein solch schönes Auto haben wir ja noch nie gesehen, nicht wahr Bruder Georg?“
Der so angesprochene Bruder im Geiste nickte zustimmend: „In der Tat, Bruder Franz, so ist es, aber wir sollten dem freundlichen Herrn auch nicht verschweigen, dass wir bisher eher beilĂ€ufig auf diese GegenstĂ€nde ausschweifenden Luxus achteten, da wir uns in der Vergangenheit doch im Wesentlichen mehr der Kontemplation hingaben, statt mit dieser Art von NebensĂ€chlichkeiten zu beschĂ€ftigen“.
„NatĂŒrlich, Bruder Georg. Eigentlich wussten wir bis zum heutigen Tage nur, dass ein solches Auto vier RĂ€der hat.“
„FĂŒnf!“ korrigierte der freundliche Herr, der sich vom ersten Schock, hervorgerufen durch die salbungsvolle Sprache der beiden Geistlichen, erholt hatte.
„Wie meinen Sie, bitte?“ fragte Bruder Franz unglĂ€ubig.
„Ach so, ich verstehe, Sie haben das Lenkrad mitgezĂ€hlt. Bruder Georg, er hat das Lenkrad mitgezĂ€hlt!“
Der freundliche Herr, der eigentlich ein anderes Rad mitgezĂ€hlt hatte, war verĂ€rgert, dass ihm zwei Kleriker, die nichts von Autos verstanden, auf diese Art seinen Lieblingsscherz zunichte gemacht hatten: „Nun ja, meine Herren, wenn Sie auch nicht viel von Autos verstehen, wie Sie selbst geruhten, zu sagen“, bemĂŒhte er sich, an die erhabene Sprache der Geistlichkeit anzupassen, „wollen Sie sich nicht ein Herz fassen, dieses prachtvolle StĂŒck einmal nĂ€her in Augenschein zu nehmen? Dieses Auto ist sozusagen fĂŒr manche der Himmel auf Erden.“
„Aber nur fĂŒr manche,“ riefen die KaplĂ€ne aus, unisono, „fĂŒr uns nicht! Aber wir wollen Ihnen den Gefallen tun, dieses GefĂ€hrt einmal aus der NĂ€he zu betrachten“.
Der freundliche Herr öffnete die beiden EinstiegstĂŒren des ‚GefĂ€hrts‘ sowie die Klappe zum Kofferraum, in welchem sich der Reservereifen, das Rad seines running gags , befand und gab den geistlichen Herren das gesamte Fahrzeug zur Besichtigung frei, sozusagen zu einer ersten Inspektion von höherer Warte.

Inzwischen hatten seine Kollegen, von Neugier erfasst ĂŒber das ungewöhnliche Interesse der beiden Priester an einer solch profanen Sache wie ein Fortbewegungsmittel auf vier RĂ€dern, ihre BeratertĂ€tigkeit eingestellt und beobachteten mit VergnĂŒgen, wie die hochgeistigen Herren mit fachmĂ€nnischen Blicken den Wagen untersuchten, zuerst nur, obwohl die TĂŒren einladend weit offen standen, von außen. Dann ließen sie zur VerblĂŒffung der vier freundlichen Herren und der umstehenden Schaulustigen, die sich mittlerweile eingefunden hatten, - ein solches Spektakel gab es nicht alle Tage zu sehen - die Motorhaube öffnen, um einen Blick ‚ins Herz des guten StĂŒcks‘, wie sie sich ausdrĂŒckten, zu tun.
„DĂŒrfen wir uns auch einmal hineinsetzen?“ baten sie in aller Bescheidenheit, mit fast scheu zu nennenden Blicken.
„Aber natĂŒrlich“, antwortete mit galanter Geste der erste der freundlichen Herren und zwinkerte seinen Kollegen zu, „nehmen Sie Platz, HochwĂŒrden. Wie Sie sehen, es steckt sogar der SchlĂŒssel. Einer von Ihnen ist doch bestimmt im Besitz eines FĂŒhrerscheins, nicht wahr, oder haben Sie gar beide eine Fahrerlizenz?“
„Aber nein, Gott behĂŒte“, klang die Antwort, wiederum unisono.
Alle vier freundlichen Herren lachten, und viele der Umstehenden ließen sich davon anstecken.
„Na ja, dann kann ja nichts schief gehen, dann können Sie uns ja auch nicht davonfahren“, lĂ€chelte der zweite der netten Herren, „denn sonst hĂ€tte ich beinahe gesagt, fahren Sie mit Gott, aber flott.“
Das aber hÀtte er aber nicht sagen sollen, der freundliche Mensch, denn im gleichen Augenblick startete Bruder Georg, der am Fahrersitz Platz genommen hatte, das
PS - starke Fahrzeug und vollfĂŒhrte einen Kavalierstart in der Bahnhofshalle, wie man ihn von einem Autorennen her kennt, wĂ€hrend Bruder Franz, so schien es, der auseinanderstiebenden Menschenmenge aus dem Beifahrerfenster seinen Segen erteilte. Schon brauste das Auto mit lautstarkem MotorengerĂ€usch durch die geöffneten EingangstĂŒren der großen Halle nach draußen, ĂŒber den Bahnhofsvorplatz und ward danach nicht mehr gesehen.

Die seltsame Mutation zweier HochwĂŒrden zu MerkwĂŒrden wurde das GesprĂ€chsthema, weit ĂŒber die Stadtgrenzen hinaus. Am selben Abend saßen alle vier absolut nicht mehr freundliche Herren, ReprĂ€sentanten einer Autofirma fĂŒr Sportwagen, in einem Vierbettzimmer eines schmucklosen Hotels; auch sie hatten eine Mutation hinter sich, vom vornehmen Luxushotel im Stadtzentrum in eine eher einer Jugendherberge Ă€hnelnden Behausung am Stadtrand, und den Weg dahin mussten sie auf dem Schienenwege zurĂŒcklegen, da ihnen die GeschĂ€ftsfĂŒhrung noch am gleichen Nachmittag ihre Dienstwagen gestrichen hatte.
„Verdammt noch mal“, fluchte einer zum wiederholten Male vor sich hin, „warum haben wir nicht auf den Chef gehört und die Reservekarre ausgestellt, die mit dem Motorschaden; hĂ€tte eh doch keiner gemerkt, ohne richtige Gewinnlose“.
Die anderen ‚ReprĂ€sentanten‘ blickten ihn böse an.
„Nachher ist man immer schlauer“.

Im Hintergrund des eintönigen Raumes flimmerte der Fernseher, eine sehr populÀre Suchsendung lief gerade, doch die Herren schauten gar nicht hin, da sie die Bilder schon kannten.
Auf dem Bildschirm konnte man deutlich die Phantombilder zweier schwarzgekleideter jĂŒngerer Herren erkennen, darunter war in dicken Lettern zu lesen:
Gesucht werden.....; falsche Priester als BetrĂŒger unterwegs.

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flammarion
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eine

recht nette geschichte. hoffentlich denken nicht auch alle anderen leser so wie ich sofort, dass die schweinepriester die karre klauen werden.
außerdem hat n auto 10 rĂ€der. das ersatzrad, das steuerrad, zwei vorderrrĂ€der, zwei hinterrĂ€der, zwei rechte und zwei linke. in gleicher weise hat auch jedes normale pferd 8 beine . . .
kalauer!
lg
__________________
Old Icke

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