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Leselupe.de > Kurzprosa
Gewissheit
Eingestellt am 19. 02. 2003 02:41


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peaches
???
Registriert: Apr 2001

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Auf dem Weg zur Uni, als er sie auf der anderen Stra├čenseite sieht und stehenbleibt, da kommt sie wieder, die Erinnerung an die sch├Ânen Zeiten, fr├╝her, aber auch an das, was vor nun drei Monaten passierte. Manchmal hat er das Gef├╝hl, dass sein ganzes Leben seitdem nur ein schlechter Traum ist und er irgendwann einfach aufwacht und alles ist wieder so, wie es vorher war.
Er erinnert sich daran, wie alles seinen Anfang nahm, wie das Ende seinen Anfang nahm, damals als Sophie von ihrer Studienexkursion zur├╝ckkam und er sich so sehr darauf freute sie wiederzusehen, obwohl sie doch nur eine Woche weggewesen war. Aber jeder Tag, jede Stunde kam ihm oft tausendmal l├Ąnger vor, wenn sie nicht da war und er sich nicht in ihren Augen verlieren konnte. Aber an diesem Tag war alles anders, sie machte einen irgendwie bedr├╝ckten und traurigen Eindruck und als sie ihm sagte, auf der Fahrt habe sie etwas Bl├Âdes gemacht, da erwartete er schon sonstwas Schlimmes.
Obwohl sie sich gegenseitig immer absolut vertrauten und alle Freiheiten gaben und auch offen ├╝ber alles sprachen, konnten auch sie sich nat├╝rlich nicht sicher sein, dass niemals etwas passiert, das den anderen nicht doch verletzt.
Als sie ihm nun sagte, dass sie auf der Fahrt an zwei Abenden mit wem anders geknutscht hat, war er schon sehr entt├Ąuscht, aber sie schien die ganze Sache viel mehr mitzunehmen als ihn. Vielleicht lag es daran, dass sie f├╝r den anderen auch etwas empfand, also schon irgendwie Gef├╝hle ihm Spiel waren, wie sie sagte.
An diesem Abend redeten sie gar nicht so viel ├╝ber die ganze Angelegenheit, eigentlich war es so, dass sie sich ansahen und zusammen weinten und sich einfach nur festhielten und sich gegenseitig ihre Liebe versicherten. Sp├Ąter an diesem Abend, als sie schon nach Hause gefahren war, sa├č er noch lange da und versuchte sich ├╝ber seine Gef├╝hle klarzuwerden. Er war schon irgendwie verletzt, aber an seiner Liebe ├Ąnderte das nichts und dann schrieb er ihr diesen langen Brief, in dem er ihr sagte, wie er sich jetzt f├╝hlte und welche Zweifel doch an ihm nagten, Zweifel vor allem an sich selbst, aber auch Zweifel an ihr und an ihrer Beziehung. Aber er schrieb ihr auch, wieviel sie ihm bedeute und wie sehr er sie liebe und dass sie zusammen diese Krise bestimmt bew├Ąltigen w├╝rden, weil sie doch eine so intensive und tiefe, eigentlich einmalige Beziehung h├Ątten und sie doch nicht bei der ersten Krise alles hinschmei├čen k├Ânnten, was ihnen vorher so wichtig war.
Er schrieb ihr all seine Gef├╝hle und Gedanken und als er fertig war, wu├čte er, dass er ihr diesen Brief nicht schicken w├╝rde, er sollte wohl besser noch mal ├╝ber das Alles mit ihr reden.
Leider ergab sich diese Situation zum Reden in den n├Ąchsten drei Tagen nicht und dann fuhr sie schon wieder f├╝r zwei Wochen weg zu einem Kurzpraktikum an die Nordsee. So gab er ihr diesen Brief am Abend bevor sie fuhr und sagte ihr, dass er sehr schwere Lekt├╝re sei, sie vielleicht auch verletzen w├╝rde und sie ihn nur lesen solle, wenn sie das auch wirklich wolle.
So nahm das Unheil seinen Anfang und heute fragt er sich oft, ob er mit diesem Brief alles kaputt machte, wo er doch nur ehrlich war und sie sich doch immer alles hatten sagen wollen und k├Ânnen.
In den folgenden zwei Wochen schrieben sie sich Briefe hin und her und etwa jeden zweiten Tag telefonierten und redeten sie miteinander, sie waren ehrlich und offen zueinander, beide hatten sie sich wehgetan, aber geh├Ârte das nicht vielleicht dazu? Er hatte ein gutes Gef├╝hl, er glaubte an ihre Liebe und ihre Beziehung, wollte mit ihr zusammen durch diese schwere Zeit gehen, zusammen um ihre Liebe k├Ąmpfen, aber sie wollte das wohl nicht, sie wollte nicht darum k├Ąmpfen.
Als sie wieder kam, sagte sie ihm, dass sie das Gef├╝hl habe etwas Neues erleben zu m├╝ssen und Angst habe etwas zu verpassen, sie m├╝sse sich noch austoben und deshalb wolle sie, dass sie sich eine Auszeit n├Ąhmen.
Sie sei sich auch ihrer Gef├╝hle im Moment nicht so sicher, f├╝r wen sie ├╝berhaupt was empfinde, sie liebe ihn noch immer, aber da sei auch dieses Gef├╝hl f├╝r den anderen, dieses Interesse ihn n├Ąher kennenlernen zu wollen und sie sei halt noch so jung mit ihren 20 Jahren und wolle nicht irgendwann bereuen, eine Chance nicht genutzt und etwas verpa├čt zu haben. Sie sei sich sicher, dass sie sich nicht verlieren w├╝rden, daf├╝r w├╝rde sie einfach viel zu viel f├╝r ihn empfinden und sie w├╝rden ganz sicher wieder zusammen kommen, nur das wann sei eben offen. Sie w├Ąre auch in der Zeit der Auszeit immer f├╝r ihn da, wenn er jemanden zum Reden brauche und ihre Freundschaft w├╝rde wohl ewig halten, ganz gleich was auch passiert.
Er wu├čte, es w├╝rde schwer f├╝r ihn werden, aber er w├╝rde auf sie warten, weil sie seine gro├če Liebe war und irgendwie verstand er sie auch; sie war halt schon noch sehr jung, immerhin acht Jahre j├╝nger als er und sie waren auch schon ├╝ber zwei Jahre zusammen, dieses Gef├╝hl des was Verpassens und Nachholenm├╝ssens konnte er schon verstehen, aber leichter wurde es f├╝r ihn deshalb nicht.
Und dann, nur zwei Wochen nachdem sie sich auf die Auszeit geeinigt hatten, hatte sie ihm gesagt, es sei endg├╝ltig aus und er solle nicht auf sie warten und sie wolle ihm keine falschen Hoffnungen machen, aber sie k├Ânne sich einfach nicht mehr vorstellen, mit ihm noch mal eine Beziehung zu f├╝hren. Sie w├Ąre jetzt mit dem Anderen zusammen und das sei das Beste und einzig Richtige f├╝r sie, er sei der Richtige f├╝r sie. Aber als Freund, als Menschen wolle sie ihn nicht verlieren, weil diese besondere Ebene des Sichverstehens, diese Wellenl├Ąnge, die sie immer gehabt hatten, w├╝rde es so wohl nur selten im Leben geben.
Und seit diesem Tag liegt sein Leben in Scherben und st├Ąndig fragt er sich, was er nur falsch gemacht hat. Vor allem, was ist in diesen zwei Wochen passiert, dass sich ihre Meinung so ge├Ąndert hat, was hat er in diesen zwei Wochen nur falsch gemacht? Warum sind ihre Gef├╝hle in so kurzer Zeit so endg├╝ltig und unwiderruflich verschwunden, wie k├Ânnen so starke Gef├╝hle so schnell verschwinden?
Seit diesem Tag haben sie sich nicht mehr gesehen, sie haben noch ein paar Mal telefoniert und er hat ihr ein paar SMS und Briefe geschickt, aber ihm ist klar, dass er lange brauchen wird, um in ihr nur noch eine gute Freundin zu sehen, daf├╝r sind seine Gef├╝hle einfach noch viel zu intensiv und er ist sich nicht sicher, ob seine Liebe ├╝berhaupt jemals vergehen wird. Zuletzt sagte sie ihm, er solle ihr keine Liebesbriefe oder ├Ąhnliches mehr schicken, weil es dadurch nur schwerer f├╝r sie beide werde und er m├╝sse einsehen, dass das mit ihnen aus und vorbei sei und sie h├Ątte nun eine neue Beziehung und sie sei so gl├╝cklich wie nie zuvor. Sie empfinde einfach nichts mehr f├╝r ihn und es sei besser, wenn sie erst mal etwas mehr Abstand halten w├╝rden.

In diesem Moment sieht sie ihn auch und sie scheint sich ehrlich zu freuen, ihn zu sehen, denn sie winkt ihm zu und tritt sogleich auf die Stra├če, um zu ihm her├╝ber zukommen. Er sieht das Auto kommen und wei├č sofort, dass es schon zu sp├Ąt ist. Erst als sie das Quietschen der Bremsen h├Ârt schaut sie nach links und die Angst l├Ą├čt sie stehenbleiben, unf├Ąhig sich noch zu bewegen. Er rennt los, es sind ja nur ein paar Schritte und st├Â├čt sie im letzten Augenblick zur Seite, bevor das Auto heranrutscht und ihn erfasst. Er wird hoch durch die Luft geschleudert und in dem Moment, in dem er auf der Bordsteinkante aufschl├Ągt wei├č er, dass es zu Ende ist. Als sie sich ├╝ber ihn beugt lassen die Angst und Besorgnis, vor allem aber all die anderen Gef├╝hle, die aus ihren Augen sprechen, sein Herz noch einmal schneller schlagen.
Er sp├╝rt seine Kr├Ąfte schwinden und doch, er muss es ihr einfach sagen. "Sophie, es tut mir leid, ich habe bestimmt viel falsch gemacht und wenn ich dich irgendwie verletzt habe, dass habe ich wirklich nie gewollt. Bitte verzeih mir, aber du bist der Mensch meines Lebens, meine gro├če Liebe und ich, ich liebe dich! Bitte vergi├č das niemals, okay? Vergi├č mich nicht!"
Und er sieht den Schmerz in ihren Augen als sie leise fl├╝stert: "Ich wei├č, ich liebe dich doch auch noch immer und ich werde dich nie vergessen!"
Als es schwarz um ihn wird, wei├č er, dass er nicht umsonst gelebt und geliebt hat und diese Gewissheit zaubert ein letztes L├Ącheln auf sein Gesicht...

__________________
Phantasie ist wichtiger als Wissen!
(Albert Einstein)

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Daijin
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2001

Werke: 4
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Ist schon irgendwie erschreckend, wie Du in dem ersten Teil Deiner Geschichte Erlebnisse schilderst, die ich beinahe genauso erlebt habe.
Da das alles sehr pers├Ânlich klingt (mit Ausnahme des letzten Absatzes), enthalte ich mich einer Aussage ├╝ber Stil und Ausdruck.
__________________
Die Wahrheit ist meist nur eine Ausrede f├╝r einen Mangel an Phantasie.
- Elim Garak

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Tja, ihr Lieben....

... wo k├Ąmen wir da hin, wenn Texte wegen ihres pers├Ânlichen Bezugs hier nicht kritisiert werden d├╝rften/sollten?
(fiel mir bei Dajins Signatur so ein - bitte jetzt NICHT als Anraunzer verstehen... )

Lieber peaches, Dein text besteht ja zum Gro├čteil aus R├╝ckblende - und dieser ganze Teil liest sich wie eine Grammatik├╝bung im Plusquamperfekt. Im Klartext, es wimmelt von "war gewesen".

Eine solche Massierung von Hilfsverben, die ja keine Handlungstr├Ąger im eigentlichen Sinn sind, befrachtet den Text unn├Âtig und nimmt Leben heraus. Ich w├╝rde vorschlagen, erz├Ąhle das Vergangene im Imperfekt. Der Leser sortiert sich die beiden Zeitebenen schon. Evtl. k├Ânnte man den "gegenw├Ąrtigen" Teil - also das, was nicht R├╝ckblende ist - sogar im Pr├Ąsens erz├Ąhlen (den Unfall), das bietet sich an bei so viel Dramatik.

lG, Zefira

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peaches
???
Registriert: Apr 2001

Werke: 70
Kommentare: 124
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@ Daijin
Normalerweise w├╝rde ich sagen, sch├Ân, dass du dich so in meiner Geschichte wiederfindest, aber in diesem Fall tuts mir dann doch leid.
Trotzdem sollte man sich mit Kritik nicht zur├╝ckhalten, schlie├člich sind doch alle Texte hier irgendwie pers├Ânlich, egal ob wirklich erlebt oder erfunden.

@ Zefira
Hab den Text jetzt von den Zeitebenen her abge├Ąndert und festgestellt, dass du wohl Recht hast, klingt fl├╝ssiger und nicht so nach Grammatik├╝bung.

Liebe Gr├╝├če,
Thorsten
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(Albert Einstein)

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