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Leselupe.de > Feste Formen
Gewitterstimmung (Elegie)
Eingestellt am 06. 07. 2010 19:10


Autor
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HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
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Finstere Wolken am Himmel bedrängen die heitere Stimmung.
Noch glimmt Kohle im Grill, nochmals verbreitet sich Duft.

Köstliches mampfend geht traurig mein Blick in die Höhe.
Finde ich Asche am Fleisch, spucke ich einfach nur aus.

Schw√ľle bringt Dicke und Schlanke zu gleichem st√∂renden Schwitzen.
Rinnt nur die Achsel vom Schweiß, tropft auch die Soße vom Kinn.

Nicht der leiseste Windhauch bef√§chelt die tr√ľben Gem√ľter.
Kaum noch verrinnt die Zeit. Zeitig ziehn Gäste nach Haus.
__________________
© herberth - all rights reserved


Version vom 06. 07. 2010 19:10
Version vom 07. 07. 2010 17:50

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kakadu
???
Registriert: Jun 2010

Werke: 19
Kommentare: 146
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Hallo Herbert!
Sch√∂n, auch von Dir eine Elegie zu entdecken! Da schau ich doch gleich mal vorbei. Die Gewitterstimmung liegt beim Lesen f√∂rmlich in der Luft, das hast Du gut hingekriegt. Was Du Dir vielleicht noch √ľberlegen k√∂nntest, w√§re folgendes

quote:
Noch glimmt die Kohle im Grill

Wer nicht wei√ü, dass er hier einen Pentameter zu lesen hat, w√ľrde wahrscheinlich auf "glimmt" betonen. Ich pers√∂nlich hab kein Problem damit. Kannst ja mal schauen.

quote:
Rinnt nur die Achsel vom Schweiß
Die Achsel rinnt, finde ich etwas ungl√ľcklich. Entweder: rinnt aus der Achsel... oder aber, was ich passender zum Kinn empfinden w√ľrde:

Rinnt der Schweiß von der Stirn, tropft auch die Soße vom Kinn.(o.ä.)

Sehr gelungen finde ich Deine Z-Formation im letzten Vers. Da zucken wohl die ersten Blitze am Himmel, dann aber nichts wie weg. Kompliment!


Liebe Gr√ľ√üe
Claudia

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Hallo Claudia,

ich habe eine kleine √Ąnderung eingebaut. In Z2 verzichten jetzt beide H√§lften auf den f√ľhrenden Daktylus: Also habe ich dort statt

_ v v

jeweils ein

_ _ (zweite Länge etwas leichter, man könnte fast _ v schreiben)


im Pentameter. Ich bin mir nicht 100%ig sicher, aber in der Antike m√ľsste es daf√ľr eigentlich Beispiele geben.

Sonst wäre es vielleicht tatsächlich ein Formfehler.

Die "Achsel vom Schweiß" Formulierung habe ich absichtlich so gewählt, damit eine total glatte Lesart vermieden wird, die immer die Gefahr des Überlesens in sich birgt.

Aber ich denke noch weiter √ľber Deine Hinweise nach.

Vielen Dank nochmal daf√ľr.
__________________
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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Da ich kein Beispiel gefunden habe, bei dem im zweiten Teil des Pentameters der erste Daktylus durch einen Spondäus ersetzt wurde, habe ich Z2 nochmals angepasst.


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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

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Es ist schon (oder erst) von 2010, aber ich beschäftige mich gerade mit Elegien.
Inhaltlich sind heute Elegien oft mit Trauer verbunden.
Im vorliegenden Werk sehe ich eine Trauergesellschaft, die einen lieben Menschen verloren hat. Man sitzt zusammen und ehrt ihn, geht dann bald. Das Wetter passt zur Stimmung.
Ich habe aber auch schon sehr schönes Wetter erlebt, das machte den Abschied fast noch schwerer. Und hier war es erst schön.
Wir haben ein Gedicht reich an Metaphern.
Damit haben aber die Bilder auch umfangreichere Bedeutung und die Deutung als Treffen von Freunden, die sich zerstreiten oder einander fremd werden, diese Deutung ist vordergr√ľndig immer da.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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gitano
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber HerbertH, lieber Bernd!
Ich denke inzwischen wissen wir alle, daß ein paar wenige Distichen noch lange keine Elegien sind. "Elegische Distichen" wäre von daher als Gattungsbezeichnung in der Klammer hinter dem Titel zutreffender.

Viel interessanter erscheint mir der Aspekt des "elegischen Gestus".
Mit Ausnahme der sehr alten Erscheinungsformen als Weinlied, Liebeslyrik wurde elegisch h√§ufig verstanden: wenn etwas das schon vergangen ist oder gerade am Vergehen ist nochmals durch seine Anrufung nahe ins Erleben r√ľckt...oder so wie hier: Es gibt einen "Ausl√∂ser" f√ľr elegische Gedanken.

Dies sind meinens Wissens nach die am häufigsten benannten Bedeutungen von "elegisch"

das daktylische Metrum steht in Konflikt mit den alternierenden Betonungen der neuen deutschen Sprache. Von daher ist es sehr , sehr schwer schöne Distichen in zeitgemäßer Sprache zu schreiben. Die häufigsten Konzessionen sind dann; Sprachgestus (eher barock anmutend), Vernachlässigung der klangzeitlichen Metrik, Vernachlässigung der Zäsurregeln), Zusammenfallen der Versfußenden mit den Wörtern.
All dies finden wir auch in diesem Text hier wieder...
Es ist eben nicht leicht...

Einzelheiten gern, aber nur wenn wenn wirklich gew√ľnscht (ist auch Arbeit...).

Liebe Gr√ľ√üe
gitano

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2247
Kommentare: 11064
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" ... Mit Ausnahme der sehr alten Erscheinungsformen als Weinlied, Liebeslyrik "

In gewisser Weise ist es hier eine Verbindung eines Gastmaals mit einer in Gewitterstimmung vorgehenden Trennung.
Inhaltlich passt es daher gut.

Bei der Betonung muss man den Sprachwandel mit beachten, der seit der Zeit von Voss stattgefunden hat, als er √ľner die Zeit und Betonung bei Elegien schrieb.

Eine Frage w√§re, die w√ľrde aber die Diskussion zu dem Gedicht bei weitem sprengen, wie muss heute eine Elegie aussehen?
Wie ist heute die Betonung?
Wir "deklamieren" ja Gedichte meist nicht mehr.

Passt es heute?
Hat sich die Form weiter verändert?

Wie sieht es mit den Metaphern aus?

__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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