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Leselupe.de > Humor und Satire
Gib acht, alter Junge
Eingestellt am 21. 11. 2007 06:43


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Impermeabile
Wird mal Schriftsteller
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Gib acht, alter Junge

Zwölf Wochen war es her, dass sie sich diesen Hund zugelegt hatte. Ein schwarzer Mischling, Schorschi hatte sie ihn genannt. Seit acht Wochen hatten wir wegen Schorschi nicht mehr miteinander geschlafen. Ich war also ziemlich unausgeglichen. Sie lag auf dem Sofa vor dem Fernseher, der Hund strich mir um die Beine, während ich in der Küche stand und Koteletts brutzelte.

„Ist Schorschi bei dir?“

Ich antwortete nicht mehr. Oder ironisch: „Er ist gerade zur Trinkhalle, Flasche Bier kaufen.“

Seit einem Jahr ging sie bei mir ein und aus. Wir hatten eine schöne Zeit. Bis sie sich entschloss, einen Welpen aus dem Wurf von Tiggi zu übernehmen, dem Hund ihrer Schwester. Alle um mich herum waren bereits auf den Hund gekommen. Alle. Sie hießen Nikki, Bärli, Bärchen, Brausi, Schnüffel, halbhohe Tiere mit ner Menge Temperament. Und wenn wir unsere Wochenendausflüge ins Grüne machten, lagen immer zwei dogs im Auto und stanken und waren nervös.

Ich beschloss bitter zu werden.

„Alles muss ich allein unternehmen“, beklagte sich Gina.

„Du bist mit deinem Penz unterwegs, das wolltest du doch, mit einem Hund unterwegs sein, ich hab dir ja nicht gereicht.“

Ich war ziemlich geladen. Sie wohnte nur ein paar Häuserzeilen von mir entfernt, fünf Minuten. Aber seit ihr Köpek da war, brachte ich sie jeden Abend nach Hause.

„Du willst ja nicht, dass Schorschi bei dir ist, über Nacht.“

Ich wollte auch nicht, dass die Bestie tagsüber, morgens und am Abend bei mir rumlungerte. Die ersten vier Wochen ließ ich das über mich ergehen, dass sie über Nacht blieben, aber der Bastard musste mit ins Schlafzimmer. Und ich kam nicht mehr richtig in Fahrt. Das heißt, wenn unsereiner anfing sich in die höchsten Höhen der Ekstase zu jubilieren, dann stand der Furzbläh jaulend und heulend am Bettrand.

„Schorschi, was ist denn“, fragte sie dann mitleidig. „Ist doch nicht schlimm.“

Aber Schorschi fand das schlimm. Schorschi war gar nicht damit einverstanden, dass wir poppten. Das war dem Schorschi gar nicht recht. Wir verkeilten uns im Laufe der ersten vier Wochen vielleicht noch zweimal, aber dem Hund gefiel das nicht. Bei mir war sowieso Panhas am Schwenkmast. Also brachte ich sie jede Nacht nach Hause und sie blaffte: „Du willst ja nicht, dass der Hund bleibt.“

Da hatte sie wirklich mal was richtig verstanden.

„Das Essen ist fertig, hilf mir mal“, rief ich sie aus ihrer bequemen Position heraus.

„Das kann man auch freundlicher sagen.“

Sie lagerte in den Polstern: Madame Pompadour. Nie packte sie was an. Dafür häkelte sie Bordüren fürs Bücherregal. Immer lief sie mit Plastiktüten voller Strick- und Häkelwaren herum. Ihre Freundinnen stiefelten ebenfalls mit Säcken voller Wollknäuel an der einen Hand, und an der anderen führten sie ihre angeleinten Zohen durch die Gegend. Und ihre erbärmlichen Lovers fuhren auf diese Schicksen ab und sprachen von Selbstmord, wenn ihnen ihre Tussis den Laufpass geben würden. Ich verachtete irgendwann diese ganze Bande. War man zu Besuch eingeladen, konnte man sicher sein, dass drei bis vier heranwachsende Kläffer wie vergiftet durch die Räume tobten.
Und sie fanden das alle unglaublich sĂĽĂź.

„Hast du für Schorschi auch was?“

„Der kann mein Kotelett haben.“

„Du bist wieder ekelhaft. Du kannst mich nach dem Essen gleich nach Hause bringen.“

Als ich mit den vollen Tellern ins Wohnzimmer kam, stand Schorschi auf den Polstersesseln und schĂĽttelte sich gerade die letzten Tropfen Pisse aus dem Leib.

„Der Stinker hat in den Polstersessel gepisst. Runter mit dir, verdammt noch mal. Die Bello pisst in meinen Polstersessel.“

„Mein Gott, was regst du dich auf. Irgendwann wird das vorbei sein.“

„Irgendwann. Irgendwann. Wer will diesem Kerl denn beibringen, was er zu lassen hat. Steh mir bei.“

„Komm, Schorschi, wir gehen, wir sind hier nicht gewünscht.“

Als ich in den Flur trat, lag auf dem Teppichboden noch ein schöner Scheißhaufen: „Hier, den kannst du auch gleich mitnehmen.“

Das letzte Mal, dass ich sie aus meiner Wohnung rausschmiss, war, als sie im Wohnzimmer dem auf dem RĂĽcken liegenden Teppichporsche die Eier und den Schwanz kraulte. Ihm hing die Zunge aus dem sabbernden Maul und sein roter Stift hatte sich weit heraus gewagt. Und ich war mit einem Schlag die ganze verquaste Gesellschaft um sie herum los.

Ich hör sie quatschen: „Der Kerl, der hat sich schwer verändert. Der wird immer seltsamer.“

Ich finde, mit gutem Grund.

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