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Leselupe.de > Kurzprosa
Gier
Eingestellt am 18. 07. 2006 10:40


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malashon
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Frauen waren, derer nackte, um ihn her, die er einst wollt’ begehren. Doch gĂ€rte in ihm wie so große Hoffnung, baldigst schaffe die Welt Institutionen, aus welchen ihm Richtlinien erwĂŒchsen, von wannen dĂŒrfe er kommen, wes Wohnortes gereiche seiner zum Nutzen, daß solches Beginnen rechtens. Hinfort kam er nur dahin, die Heimatstadt fĂŒr Unbill zu nehmen und diesen Zweck zu heil’gen: Fleisch sei, ohne daß es bedecket, Freimut, dafĂŒr er belohnet und Freiheit, die gepreiset.

Aber dem Gerichtshof stĂŒnden jene vor, die nicht diese Ortung kannten, in der sich weiße Leiber an GelĂ€nderpfeilern wanden, beinahe als pfrĂŒndete graublĂ€tterndes EisengestĂ€nge weicher HĂ€utung, wo Gliedrigkeiten eigene BrĂŒste stĂŒtzten und fĂŒreinander hielten, ehe noch Glas gesprenkelt mit köperichtem Schweiße, auf daß sie nĂ€mlich wieder und wieder gebrochen ihrer Natur, von der reine Empfindung spreche. Daselbst schamfĂŒllig einhergehen Wonnigliche, die Lust so fĂŒr selbstheischend hervortragend, infĂŒreinander liegen sie auf Muriatischem, Bein bei Bein, das Geschlecht nahe, naheauf sitzend. Dawo er war mit denen, ihnen:
- Sie, darf ich einmal, oh, so gern mög’t ich, dafĂŒr hierselbst, mein HĂ€ndchen geb’ ich Dir!
Mit jenen, die sich selbst genĂŒgten, daß im Hause Treppen als zum Sitzen, Liegen, Weilandmachen warten, wenn schon Lustsamkeit die eine mit der and’ren faßt, leichter sind sie nun zu zwei’n geblieben in dem Kreise ihrer Gier, wie das Streicheln, KĂŒssen, Langen. Er sollte nur die TĂŒre öffnen, von dem Atrium nach Drinnen: Schreie stöhnen, Atem keuchte, Fratzen hinter klaren Scheiben ziemten sich der Freude an, keine Schmerzen – Liebesschwere! – zeichnet die Gesichter auf, MĂ€dchenblicke, FrauenĂ€uglein und doch nur in seinem Maß.

Aber dem Gerichtshof stĂŒnden jene vor, welchen diese Antwort verlautbart, der Ton zwar streng und solchen Ernstes; im Treiben setzen Pausen sich fest, so nacheinander und manchmal dann, ein Kopf gereckt, das Knie gewinkelt, aus dem Schopfe nausgefahren:
- Ja, mein Herr, ich hĂ€tt’ es gern und wĂŒrd’ so lieblich teilen, das Herz, des Grund mir ach so fremd, um nur nicht mein zu bleiben.
Warum, so fragt’ er sich, will mir das nicht gelingen, gleich ohne Regelwerk, im freien Umgebahren, dies Antwortgeberlein, das sanft und zart an unbelehnter Mauer kauert, fĂŒr mich zu int’ressieren?
- Warum, der Herr, gelingt das nicht ’nem Einzelmensch, wie meinem?
- Nur ein Körper, der dich niederhebt? Auf die Roße, hoch zu Pferde und die Weibsen unbelaßt!
- Aber heute nur möchte ich doch bei ihr bleiben: Keine Sonne strahlt dem Morgen als nicht eher mir die Freude, höchste Wonne: nur kein Tadel! Ich bin spÀter auch noch hier. Wenn dann nÀmlich Widernisse aus dem Leib sich ihrer winden, ist es doch nicht deren Schuld, aber meinem Ahnen trÀgt das Fleisch sich derbe ein.
- Niemand darf den Reiter stören, wenn er sich dem Dienste pflicht, keiner nahm dem KĂŒrassiere auch ein wenig bloß der Ehre ab.
- Widerhin die hohlen Wangen eines FederhĂ€uptelings, fahlen sie im feisten Winde einer Steppendraisinage nicht das mehr an Freiheit auf, die ein Ritt im schnellen Rauschen somit besterdings einer Gaukelei begleichen? In den Worten steckt der Sinn, daß bei aller Freundlichkeit, welche ich dem edlen Wesen eines Sattlungsdaseins messe, ein Indianer auf dem Tiere nie das GlĂŒck gewinnen wird.

...

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Waldemar Hammel
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@ malashon

Ist dieser Text von Dir erfunden, tatsÀchlich?

Ich misstraue dem Braten ein wenig, denn vor Jahren hatte ich mal ein Computerprogramm geschrieben, das aus einer Datenbank vorher eingegebener Phrasen mir auf Knopfdruck Àhnliche Texte erschuf, die ich nachtrÀglich dann nur noch von Hand ein wenig glÀtten musste, wonach sie völlig unverdÀchtig und "menschlich" ausschauten, obwohl kein Mensch sie geschrieben hatte.
Und je nach Phrasenpool in der vorher angelegten Datenbank waren damit natĂŒrlich auch verschiedene literarische Stilepochen zu simulieren.

Dein Text hier ist -als heute Ausformulierter- phantastisch, mich erinnerts an Th.Mann u.À. -von heute her erlebt- SchwafelshÀnse aus vergangenen Zeiten (Reich-Ranitzki liebt die ja).
Aber: Das hat Stil, und der ist im gesamten Textverlauf weitestgehend durchgehalten, wenn auch vielleicht ein wenig zu dicht, was einen unbedarften Leser wohl ermĂŒdet?, aber Du wolltest wahrscheinlich auch pointieren? = "wenn schon, denn schon" = "in die Vollen".

Heute so zu schreiben, ja, das ist eine wahre Kunst! (oder Computer?)

Eine Korrektur, wenn ichs recht sehe?:

[Wenn dann nÀmlich Widernisse aus dem Leib sich ihrer winden, ist es doch nicht deren Schuld, aber meinem Ahnen trÀgt das Fleisch sich derbe ein an.]
- antragen? - eintragen? -

Auf jeden Fall: Eine klare schöpferische Spitzenleistung!

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malashon
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Lieber Waldemar!

Dieses eine GefĂŒhl, worum es hier geht, daß einen so sehr angreifen kann, ich habe davon schon bei Homer gelesen. Wenn Achilleus streitet und alle anderen dawider - und das ist nun wirklich von Thomas Mann! - sind, ĂŒberall ein Lechzen und Geifern ist - um Frauen, Stolz, eine gewiße Ehre.

Davon ist vieles in den Worten. Ich weiß nicht, ob es so sein muß, daß man jedem GefĂŒhl immer eine zeitgemĂ€ĂŸe, wie auch immer beschaffene, modische Farbe geben muß. Vielleicht doch!

Bist Du eigentlich ein gleichmĂŒtiger Mensch? Mir scheint's so.

Vielen Dank!

malashon

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Waldemar Hammel
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@ malashon

Mich faszinierte die Art der Sprachnutzung in Deinem Text, nicht so sehr der Inhalt.

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malashon
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Lieber Waldemar.

Das ist in dem Text - mutmaßlich - eines: der Inhalt und die Form. Entelechie.

GrĂŒĂŸe. malashon

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Waldemar Hammel
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@ malashon

... ob man jedem GefĂŒhl jeweils eine modische Farbe geben muss/soll

Hm, darĂŒber muss ich nachdenken. Emotionen selbst sind jedenfalls archaisch, d.h. "immer gleich".
Andrerseits, wenn man ĂŒber sie "gĂŒltig" kommunizieren will, hinreichend verstanden zu werden, muss man sich derjenigen Codes bedienen, die zur entsprechenden Zeit/Epoche gĂ€ngig sind, wĂŒrde heißen, dann sie doch jeweils "modern" ausdrĂŒcken?

Das sagt aber jetzt nichts gegen den von Dir verwandten wirklich EINMALIGEN Stil oben. Das ist ne erstaunliche FĂ€higkeit: bewundernswert!, und auszubauen ...

---

"Entelechie" = das Ding hat seinen Sinn und Zweck in sich selbst.
Um dies aber angeben zu können, bedarf es eines Beobachters, und der ist derjenige, der interpretiert, nÀmlich dass seiner Ansicht nach eine Entelechie vorliegt.

Semiotisch klarer ausgedrĂŒckt dann: das Ding wird interpretiert als Zeichen fĂŒr sich selbst.

Dies kollidiert eigentlich mit dem Satz von Peirce: "Nothing is sign, unless it ist interpreted as a sign." = Nichts ist Zeichen (samt Bedeutungen), solange es nicht von einem Interpreter entsprechend als Zeichen interpretiert wird. Das heißt, Zeichen sind nicht, sondern sie werden durch die Interpretation als Zeichen erst konstruiert.
Und dies heißt, dass jede "Entelechie" eine unechte, eine SchimĂ€re ist, ein Beobachter-abhĂ€ngiges Epi-PhĂ€nomen, ein Artefakt, und kein (eigenstĂ€ndiges) PhĂ€nomen.

In einer Wechselwirkungswelt, in der wir real leben, und in der jedes Ding wechselwirken muss um ĂŒberhaupt dabei zu existieren, wobei jede einzelne WW ebendieses Ding verĂ€ndert, sodass es fĂŒr "Dinge" keine SelbstidentiĂ€t geben kann, ist der Begriff "Entelechie" gar nicht anwendbar.

Der phil. Fehler in der Begriffsbildung "Entelechie" steckt darin, dass Dingen ĂŒberhaupt Sinn zugeschrieben wird - natĂŒrlich von den Interpreten eines Dinges. Und dies ist magisches Erleben.
Moderne (naturwissenschaftliche) Lesart ist deshalb, dass "Dinge an sich" weder sinnvoll noch sinnlos sind, sondern sinnfrei (natĂŒrlich somit auch zweckfrei).
Damit aber entfÀllt der Begriff "Entelechie", weil es dann nichts mehr gibt, auf das er anwendbar wÀre.

Aufs Literarische ĂŒbersetzt, heißt das dann: Auch wenn man einen Text schreibt, der wie eine eigene Welt um sich selbst rotiert (das ist Kunst, und Du hast sie hier demonstriert), dann ist der Zweck der Übung dennoch Kommunikation = Leser als Interpretierende, und insofern ist die Entelechie im Text nur eine scheinbare. (anders gesagt: ein Text, der sich wirklich selbst genĂŒgen wĂŒrde, brauchte gar nicht erst geschrieben zu werden, weil er keines Interpreten bedĂŒrfte).

Dein Text ist indes dennoch eine AnnĂ€herung an eine Entelechie, wenn Du so willst, und dieser Eindruck eines selbstĂ€ndigen und Leser-unabhĂ€ngigen "Planeten" entsteht hpts. durch das verwendete Stilmittel, welches im Hinblick auf moderne/ĂŒbliche Codierungen "fremdartig" = unĂŒblich ist.
Und dies unterstĂŒtzt vollkommen den Titel "Gier", denn auch diese hat ihren Sinn und Zweck nach landlĂ€ufiger Lesart ausschließlich in sich selbst ( = egoistisch).

Aufgrund dieser Überlegungen halte ich Deinen Text ja eben fĂŒr außerordentlich gekonnt.

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