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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Gier - Der gelungene Beginn einer neuen Serie von Arne Dahl
Eingestellt am 14. 03. 2012 09:48


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Arne Dahl, Gier, Piper 2012, ISBN 978-3-492-05305-1

Man kann die mittlerweile in Schweden schon abgeschlossene Krimireihe um das sogenannte A-Team des Schriftstellers Arne Dahl mit Fug und Recht als eine der besten Serien der Krimigeschichte bezeichnen. FĂĽr alle, die Arne Dahl erst mit diesem neuen Buch, dem Beginn einer vierteiligen Reihe um ein neues Team, kennenlernen, seien die BĂĽcher der letzten Reihe nach ihrer zeitlichen Handlung hier noch einmal aufgefĂĽhrt:

• Misterioso (2003)
• Böses Blut (2004)
• Falsche Opfer (2005)
• Tiefer Schmerz (2005)
• Rosenrot (2006)
• Ungeschoren (2007)´
• Totenmesse (2009)
• Dunkelziffer (2010)
• Opferzahl (2011)

Ob die beiden die Reihe abschließenden Bände „Himmelsöga“ und „Elva“ nach dem Beginn der neuen Reihe von Piper noch auf Deutsch veröffentlicht werden entzieht sich im Augenblick meiner Kenntnis.

Etliche Mitglieder des alten A-Teams sind auch in der neuen Serie dabei. Paul Hjelm, der die neue OPCOP-Gruppe bei Europol leitet, Arto Söderstedt, Jorge Chavez und seine Frau Sara Svenhagen, Kerstin Holm, die nun mit Paul Hejlm endlich liiert ist und Jon Anderson. Die anderen sind entweder im wohlverdienten Ruhestand oder haben ihren Lebensmittelpunkt in andere Länder und andere Tätigkeiten verlegt.

Die neue Gruppe der Europol, aus der Paul Hjelm sich aus den Ländern der EU die besten Polizisten ausgesucht hat, ist absolut geheim. Noch hat sich eine Gruppendynamik nicht ausgebildet, die Gruppe verspricht aber neben hervorragender Polizeiarbeit durch ihre doch sehr unterschiedlichen Charaktere und nationalen Identitäten für die Zukunft noch einigen Konfliktstoff. Und so wird Arne Dahl, wie auch in der ersten Serie, seinem Publikum nicht nur spannende und politisch brisante Fälle präsentieren, sondern erneut für viel menschlichen Tiefgang sorgen. Ein Register am Ende des Buches, hilft dem Leser gut, sich auf die neuen Personen einzustellen und sich ihre unterschiedliche Herkunft einzuprägen.

Die Handlung ist viel mehr noch als bei der ersten Serie globaler und sehr viel komplexer geworden. Darin spiegelt Dahl die Entwicklung der Globalisierung der Welt in den letzten 20 Jahren und auch die Globalisierung des Verbrechens. Immer wieder wechseln die einzelnen Handlungsstränge und die Perspektive changiert von Stockholm, Süditalien, Berlin, Riga, New York, Tibet und London. Ich gebe jedem Leser die Empfehlung, sich für das 500 Seiten starke Buch viel Zeit zu nehmen, und es an zwei oder drei Tagen ohne größere Unterbrechungen zu lesen. Dann nämlich erschließen sich die endlosen Andeutungen, die zahlreichen zu Beginn noch absolut rätselhaften Verbindungen und zahlreichen unverbundenen Fäden, die Arne Dahl mit großer Meisterschaft auch literarisch gekonnt im Verlauf eines an Spannung nicht zu überbietenden Buches einen nach dem anderen zu einem Handlungsteppich zusammenfügt.

Und es wird deutlich: der Chinese, der während des G20 Gipfels am 2. April 2009 blutüberströmt dem anwesenden Arto Söderstedt etwas ins Ohr flüstert, bevor er von einem Auto brutal überfahren wird, die zur gleichen Zeit in einem Wald bei Hampstead Heath nach brutalen Folterungen wie ein Kunstwerk an einem Baum drapierte weibliche Leiche haben etwas miteinander zu tun. Zur selben Zeit wird die chinesische Putzfrau des schwedischen Möbelherstellers Carl-Henric Stiernmarck durch ein Versehen in dessen Haus eingeschlossen und löst am Computer ihre Chefs den ersten Alarm für die neue OPCOP-Gruppe. Denn sie sucht nach dem Stichwort „Kinderpornographie“.

Auch die von Beginn der Handlung ins Buch eingefügten Emails von Ariadne an Phädra verquicken sich irgendwann in einen Komplex, der die ganze Vernetzung des organisierten Verbrechens, auch der N`Drangheta, des Drogenhandels und der internationalen Finanzspekulation zeigt.

Arne Dahl ist es meiner Meinung nach hervorragend gelungen, in einem fiktionalen Roman die komplexe Realität der weltumspannenden Zusammenarbeit zwischen mafioser Kriminalität und Finanzspekulation, die mit der Existenz ganzer Länder spielt, darzustellen. Es ist die unendliche Gier der Menschen nach Geld und Macht, die mit den Schicksalen einzelner Menschen (und davon werden in diesem Roman viele porträtiert) und ganzer Länder spielt wie bei einem Brettspiel.

„Gier“ ist ein durch und durch politischer Kriminalroman, der beim Leser ein bestimmtes Niveau an Information über das Geschehen in der Welt voraussetzt. Es ist aber auch ein Roman, der zeigt, wie die Polizei den oben beschrieben Entwicklungen auf ihrer Seite mit neuen Methoden der internationalen Zusammenarbeit und Ermittlung etwas entgegenzusetzen sucht, nicht nur auf der technischen, sondern auch auf der menschlichen Seite.

Man wird die drei weiteren Folgen dieser Reihe mit groĂźer Spannung erwarten dĂĽrfen.






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