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Leselupe.de > Kurzprosa
Ginger und Fred
Eingestellt am 07. 09. 2008 16:55


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Maya Gähler
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2008

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Nennen wir sie Ginger und Fred. Ob sie allerdings so gut tanzen können wie diese Beiden, das entzieht sich meiner Kenntnis.
Als diese Zwei in ein Mehrfamilienhaus zogen, war die Welt noch weitgehend in Ordnung, jedenfalls schien es so. Schon nach kurzer Zeit erwies sich, dass Ginger und Fred gerne aneckten. Es war immer sehr laut und es roch ganz seltsam. Immer mehr Unmut machte sich bei den √ľbrigen Mietern breit. Schon bald suchte man das Gespr√§ch mit dem P√§rchen. Leider erwies sich dies wenig konstruktiv. Denn es √§nderte sich nicht. Oder halt, doch. Es √§nderte sich einiges. Noch lauter wurde es. Ger√§usche, die nicht in fremde Ohren geh√∂rten, waren immer wieder Diskussionspunkt. W√§re es bei diesen Ger√§uschen geblieben, es w√§re wohl irgendwann nicht mehr so st√∂rend, weil man es ja irgendwie versucht h√§tte auszublenden. Oder sich die Ohren dran gew√∂hnt h√§tten.
Leider gab es auch immer √∂fter Ger√§usche, die darauf schlie√üen lie√üen, dass sie nicht einem erfreulichen Tun entsprangen. Stundenlanger Streit, ob bei Tag oder in der Nacht. T√ľren knallten, dass man im Bett stand. Wieder sprach man die Beiden darauf an. Sie suchten sofort Streit mit der √ľbrigen Nachbarschaft.

Die Verwaltung des Mietshauses wurde eingeschaltet. Daraufhin begannen Ginger und Fred die Nachbarn zu tyrannisieren. Sie dachten sich fiese Dinge aus und suchten wo sie nur konnten Streit. Kaum noch ein Kind traute sich an der T√ľr des Terrorteams vorbeizugehen. Apropos Kind, sie haben auch eines. Ein Baby. Au√üerdem hatten sie mal noch zwei Hundebabies. Kampfhunde. Gut ok, diese waren nicht sehr lange im Besitz der Beiden. Denn als die Hunde, sie waren da keine Babies mehr, mal, in Abwesenheit von Ginger und Fred, die Wohnung auseinander nahmen, stundenlang bellten und immer w√ľtender wurden, griff schlussendlich die Polizei ein.

Es wurde eine Katze angeschafft. diese wurde im Balkon gehalten und es stank immer mehr. Denn eine Katzenkiste sollte doch ab und zu geleert werden. Leider war dies dort selten bis nie der Fall. So kam zur Geruchsbel√§stigung, durch Rauchen von alten Matratzen, noch der Gestank des Katzenklos hinzu. Besonders erfreulich, wenn man selbst im eigenen Balkon sitzen oder das K√ľchenfenster √∂ffnen will.
Nun, die Katze war auch nicht so lange Gast im Block Nr. 27. Von einem Tag auf den anderen war sie weg. Keiner weiß wieso.

Aber irgendwie scheinen die Beiden nicht ohne Tiere sein zu können. Ein junger Schäferhund zog ein.
Laut Mietvertrag und in der Hausordnung sind Hunde generell verboten. Wieso sich an irgendwelche Vorschriften halten?
Der Balkon war wieder ein Ort des Grauens. Statt mit dem Hund raus zu gehen, √∂ffnete man die Balkont√ľre. Ist doch viel einfacher. Einen Blick aus meinem K√ľchenfenster erlaubte ich mir kaum noch.

Habe ich schon erw√§hnt, dass die Zwei eine K√ľndigung des Mietverh√§ltnisses bekamen, weil sie sich an nichts hielten, nur L√§rm und √Ąrger machten? Nein? Nun gut, jetzt wissen Sie es.
Mittlerweile war es kaum noch auszuhalten in der eigenen Wohnung, Gestank und L√§rm waren einfach ein unzumutbarer Zustand. An Schlaf in der Nacht war auch kaum noch zu denken, geschweige denn einmal ein wenig Ruhe tags√ľber.
Die Polizei ging mit der Zeit dort ein und aus. Aber ansonsten passierte nix. Einfach nix.

Als eines Tages ein Streit zu eskalieren drohte, wurde wieder die Polizei aufgeboten. Daraufhin tat sich einiges. Es wurde ruhiger. Verd√§chtig ruhig. Ginger und Fred gr√ľssten freundlich, jedenfalls so ab und zu mal, wenn sie gerade dran dachten. Aber nur die Kinder, nicht die Erwachsenen. Egal, es war ein positives Zeichen.

Doch es passierte wieder etwas Seltsames. Ich war gerade dabei meine Zeitung zu lesen. Da klingelte es. Eine andere Mieterin hatte unten an der Haupteingangst√ľre gel√§utet. Sie bat mich via Sprechanlage ins Treppenhaus zu kommen. Ganz ver√§ngstigt stand sie und mit ihrem kleinen Sohn dort unten, ich sah vom dritten Stock hinunter. Sie sagte, sie k√∂nne nicht in ihre Wohnung (sie wohnt im vierten Stock und einen Lift gibt es nicht). Ich fragte wieso. Sie rief immer nur: "Hund. Hund." Sie fuchtelte wie wild mit den Armen, bis ich begriff, ich solle mal einen Blick in den zweiten Stock werfen (ihr Deutsch ist noch nicht so gut, aber sie arbeitet dran). Was ich da sah, verschlug mir f√ľr einen Moment den Atem. Da war der Sch√§ferhund, der ja schon lange kein Baby mehr ist, am Treppengel√§nder angebunden und lag vor der Haust√ľre. Was sollte das denn?

Ich wusste vom Vermieter, dass die polizeiliche R√§umung anst√ľnde von der Wohnung des besagten P√§rchens.
Aber ich wusste nicht, was ich tun sollte. Auf der einen Seite habe ich keine Angst vor Hunden, aber vor der Unzulänglichkeit ihrer Besitzer. Ich wusste ja nicht, welches Kommando der Hund hatte.
Unser Sch√§ferhund damals war von der Polizeischule und war auf das Genick und auf den Hals abgerichtet. Er lie√ü jeden rein, spielte, war freundlich, aber wenn jemand raus wollte, kannte er keine Gnade. Wir brauchten ihn als Wachhund f√ľr eine Gastst√§tte.

Wie gesagt, ich hatte keine Ahnung was passieren w√ľrde, wenn ich runter zu dem Hund gehen w√ľrde. Lory war der Name, das wusste ich. Sie winselte und war sicher traurig, dass sie vor der T√ľr liegen musste. Aber eben, was passiert, wenn ich zu ihr gehe?

Meine Tochter schob Panik und die Nachbarin rief immer wieder: "Polizei".
Ich fragte sie, ob sie schon geklingelt hätte bei den Besitzern. Sie sagte, dass sie es ganz oft probiert hätte. Keine Reaktion.
So rief ich die Polizei an, schilderte den Fall und fragte, was man tun k√∂nne. Es hie√ü man w√ľrde eine Streife vorbei schicken. Unterdessen rief ich noch auf der Verwaltung an und schilderte auch dort den Vorfall.

Die Polizei war sehr schnell vor Ort und genauso ratlos wie wir. Der Polizist hatte auch keine Lust gebissen zu werden. Ich sagte, dass ich den Hund noch niemals b√∂se erlebt h√§tte, aber dass er √∂fter nicht sehr freundlich behandelt werden w√ľrde von seinen Besitzern.

Ein Nachbar kam nach Hause. Die Polizei wollte ihn aufhalten. Dieser ging einfach weiter und sagte dem Hund in forschem Ton, dass alles gut sei und er einfach liegen bleiben solle. Aber liegen bleiben war nix, er begr√ľ√üte den Nachbarn freudig und war sicher froh, dass sich mal jemand k√ľmmerte.
Der Polizist kam daraufhin auch nach oben und klingelte an der Haust√ľre. Nichts tat sich. Logisch.
Er tätigte ein paar Anrufe. Nahm dann den Hund mit.


__________________
Ich sage was ich meine und ich meine was ich sage

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Walther
Routinierter Autor
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Hallo, Maya,

herzlich willkommen in der Lupe. Deinen Text habe ich gerade gelesen.

Mein Vorschlag: Das ist eigentlich ein Bericht, den man in mehrere Teile zerlegen könnte:

(1) Die Sache mit dem Einzug und dem Verhalten der beiden Protagonisten
(2) Die Sache mit den Tieren
(3) Die Sache mit dem Baby

Alles zusammen ist zuviel f√ľr "Kurzprosa". Diese sollte kurz und knapp und auf den Punkt gebracht sein.

Ich hoffe, dieser Tipp hilft.

Lieber Gruß W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Raul Reiser
Autorenanwärter
Registriert: Aug 2008

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Ginger und Fred

Hi Maya,
ich kann Walther nur zustimmen. Das sind mehrere Geschichten in einer. Die letzte ist f√ľr mich die Beste. Die mit dem Sch√§ferhund. Das ganze f√§ngt an wie ein Bericht (manchmal wie ein Hausmeisterbericht) und Deine Betroffenheit steigert sich. Pl√∂tzlich kommt das "Ich" in die Geschichte. Was Du aussagen willst, ist zu erkennen - es ist sehr stark - aber unter mehreren Textsorten verborgen.
Fang vielleicht von hinten an und erz√§hle, was Dich bei der ganzen Geschichte betroffen hat, bzw. was Du wesentlich mitteilw√ľrdig empfindest.
Dann kann da - schreiben kannst Du ja - ein echt starker Text rauskommen.
Habe den Mut, dann gelingt es Dir auch.
Viele Gr√ľ√üe
Raul

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