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Leselupe.de > Gereimtes
Glashaus
Eingestellt am 03. 04. 2001 11:01


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Nyxon
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2001

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GLASHAUS

Und wieder sitze ich vor dem Laptop und wei├č nicht weiter. Eine Woche ist es nun her, seit sie den Brief besitzt. Diesen Brief mit all seinen Wahrheiten und Selbsterkenntnissen. Ich habe ihn ihr zukommen lassen, in der Hoffnung, meine Seele durch eine Beichte zu erleichtern und ihr ohne Umschweife erkl├Ąren zu k├Ânnen, was mich plagt.
Ich dachte, ich k├Ânnte in ein paar Tagen mit einer Antwort rechnen. Zumindest eine Reaktion ÔÇô egal ob positiv oder negativ ÔÇô hatte ich erwartet. Doch es kam nichts und ich habe wenig Hoffnung, dass noch etwas kommen wird. Mittlerweile kann ich mich selbst nicht mehr verstehen. Warum nur habe ich ihr diesen Brief geschrieben und ihn dann zu ihr gebracht? Warum habe ich nicht vor dem Hausbriefkasten gesagt, dass es genug ist und bin sofort wieder umgekehrt? Ich kann es mir nicht mehr erkl├Ąren.
Es sieht mittlerweile so hirnrissig in meinen Augen aus. Ich habe sonst nie so etwas gemacht. Ich war immer sch├╝chtern und habe ein M├Ądchen, das mir gefiel nie direkt angesprochen, geschweige denn meine Masken fallengelassen. Ich habe mich mit diesem Brief endlich frei gemacht. Das kann und will ich nicht leugnen. Aber ich komme mir seit diesem Tag so nackt und ungesch├╝tzt vor.
Mein Schutzpanzer, den ich ├╝ber Jahre aufgebaut habe, ist pl├Âtzlich ganz d├╝nn und ich habe Angst, dass man die ganzen Sachen, die ich im Brief gesagt habe, gegen mich verwenden k├Ânnte. Es waren schlimme Sachen. Ich habe mich v├Âllig ge├Âffnet diesem M├Ądchen gegen├╝ber, das ich seit acht Jahren das erste Mal wieder gesehen habe. Acht Jahre! Und ich lasse mir nichts besseres einfallen, als einen Brief zu schreiben. Drei Seiten lang. Vollgepackt mit allen m├Âglichen Sachen, die mich in diesem Augenblick bewegt haben. Er hat ├ähnlichkeit mit diesem Text. Ich schreibe, was mich bewegt. Nur dieses Mal ist es anders.
Ich schreibe nicht ├╝ber Liebe und Einsamkeit. Ich beichte nicht, was mir seit Jahren auf der Seele liegt. In diesem Text verurteile ich mich wieder einmal selbst daf├╝r, dass ich mich in ein Glashaus man├Âvriert habe. Ich sitze mitten drin und kann nicht mehr heraus.
Drau├čen steht dieses wundersch├Âne M├Ądchen. Sie ist gro├č geworden und hat eine faszinierende Ausstrahlung auf mich. Ich kann nicht leugnen, dass ich vielleicht sogar leichte Verliebtheit versp├╝re. Aber gleichzeitig habe ich auch Angst.
Dieses M├Ądchen steht vor dem Glashaus, in dem ich gerade sitze. Sie kennt mich und sie kennt auch das Glashaus. Das ist n├Ąmlich aus meinem Schutzpanzer geworden. Fr├╝her m├Ąchtig ÔÇô alles abhaltend. Heute ÔÇô eine Ummantelung aus feinstem Glas. Ein einziger Stein gen├╝gt und dieses Glas bricht entzwei und ich bin daraufhin vollkommen ohne Schutz. Meine Seele liegt offen und ich werde untergehen in dieser gewaltvollen Welt, die keine Gnade kennt.
Ich bef├╝rchte, dass dieses M├Ądchen in jedem Augenblick einen Stein aufnehmen kann und ihn auf das Glashaus schleudert. Vielleicht nicht mit Absicht. Sie ist sich den Folgen vielleicht gar nicht bewusst. War ich auch nicht, als ich den Brief verfasste. Aber es passierte. Und auch kann dieser Stein geworfen werden. Ohne Absicht. Ein Reflex. Ein Experiment. Sie denkt nicht ├╝ber ihre Handlung nach und wirft den Stein auf das Glashaus.
Und das Glas ist so fein, dass es sofort zerbrechen wird. Scheibe f├╝r Scheibe wird daraufhin in tausend kleine Splitter zerspringen und das gesamte Glashaus ├╝ber mir einst├╝rzen. Ich werde vielleicht nicht sterben bei diesem Einsturz. Aber ich werde Wunden davontragen, die nie wieder verheilen werden. Ein Leben lang werde ich sie tragen. Jeder wird sie sehen k├Ânnen und mich verspotten.
Schaut! Diesem Idioten ist ein Glashaus auf den Kopf gest├╝rzt. Selbst schuld! Warum geht er auch in eins hinein, wenn er doch wei├č, dass jemand einen Stein werfen k├Ânnte.
Und ich habe nur eine Bitte an euch: Werft den Stein nicht auf mein Glashaus.

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Christina Maria Kraemer
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2000

Werke: 51
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Steinewerfer

Lieber Nyxon,

sei dir gewiss es ist nicht meine Absicht Steine auf deine Schutzh├╝lle zu werfen, ich finde deinen Text sehr sch├Ân.
Er dr├╝ckt sehr viel Gef├╝hl aus und glaube mir ich kann mich sehr gut in deine Lage hineinversetzen.
Auch ich habe solche Briefe geschrieben und dann tagelang gehofft und gebangt. Aus meinem letzten Versuch ist eine sehr tiefe wundervolle Freundschagft erwachsen, die eher eine Beziehung zwischen Geschwistern ist.

Aber wer solch einen Brief gegen dich verwendet, der war's nicht wert!
Es fordert n├Ąmlich sehr viel Mut sich so zu ├Âffnen.
Ich w├╝nsche dir weiterhin Gl├╝ck und geh aus deinem Glashaus, dann treffen dich die Steien nicht, auch wenn der Anfang sehr schwer ist, aber mit dem Brief hast du bereits den ersten Schritt getan.

Liebe Gr├╝sse
Christina
__________________
C.M.Kr├Ąmer

"...um die Tests dieser Zeit zu bestehn

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