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Leselupe.de > Anonymus
Glaube, Hoffnung, Liebe
Eingestellt am 10. 09. 2019 14:54


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Glaube, Hoffnung, Liebe

Es sollen die drei wichtigsten christlichen Tugenden sein, eingegossen von Gott in die menschliche Seele: Glaube, Hoffnung, Liebe. Wobei der letztgenannten Tugend, der Liebe, im christlichen System der höchste Stellenwert zugeordnet wird.

Ich habe meine Zweifel.

Zunächst: Warum sollte es eine „Obertugend“ geben? Wäre dem so, hätten andere Tugenden einen Minderwert, sie wären damit quasi mit einem Makel oder Mangel behaftet. Eine befleckte oder mangelhafte Tugend kann schlecht als Tugend gelten, meine ich.

Folglich müssen die drei „Großgenossen der hehren Moral“ auf einer Stufe stehen. Betrachte ich mir die drei einzeln, finde ich zu meinem Erstaunen tatsächlich große Ähnlichkeiten, ja ich glaube fast, ich sehe, so sehr ich mich auch mühe, zwischen zweien kaum Unterschiede! Hoffe allerdings, keinem Trugschluss zu unterliegen, wie es Verliebten leicht passiert.

Ich versuche, meinen Eindruck zu begrĂĽnden.

Wenn ich glaube, vertraue ich. Einer Person, einer Lehre, einem Plan.
Wenn ich einer Person vertraue, hoffe ich, dass diese Person es gut mit mir meint; dass sie mir zu einer besseren Stellung, einer reicheren Zukunft, einem höheren Ansehen verhilft; dass sie mich stützt und auf den rechten Weg zurückführt.
Wenn ich einer Lehre vertraue, sehe ich in ihr einen sinnvollen Leitfaden, eine strukturelle Hilfe, ein Rezept fĂĽr mein Leben.
Wenn ich einem Plan vertraue, glaube ich an seine Realisierbarkeit und den Nutzen fĂĽr mich.

Meine kritische Vernunft ist im Zustand des Glaubens auf einem Abstellgleich geparkt oder gleich ganz unter die Räder meines schönen neuen Glaubens gekommen, wobei ich – letzter Abglanz des verlorenen Werkzeuges – vielleicht noch heimlich hoffe, nicht Opfer eines schwerwiegenden Irrtums geworden zu sein, siehe meine Bemerkung zu Verliebten.

Liebe ich, ganz gleich nun, ob eine Person, eine Sache, eine Lehre oder einen Gott, dürfte ich mich erst recht in einen Zustand völliger Hingabe und Kritiklosigkeit hineingesteigert haben.

Wo also sollte der groĂźe Unterschied zwischen Glauben und Liebe sein?

Möglich sind doch Sätze wie: Ich glaube, ich liebe sie; hoffentlich noch eine Weile!, zum Beispiel kurz vor oder nach einer Hochzeit. Jahre oder auch schon Stunden später könnte ein Satz gedacht werden wie „Ich glaubte, hoffte, liebte…“

Man sieht: Glaube und Liebe haben Gemeinsamkeiten, ganz gleich, ob sie stattfinden oder stattfanden.

Bestenfalls der Hoffnung gestehe ich eine kleine Andersartigkeit zu: Wer hofft, pflegt und nährt ein ambivalentes Gefühl: Einerseits hofft er auf die Erfüllung all seiner Träume und Wünsche, auf die Echtheit des Glaubens und der Liebe, auf den baldigen Eintritt ins Elysium. Andererseits ist er noch nicht völlig in seinem Glauben oder seiner tiefen Liebe befangen – oder verfangen. Er steht quasi am Eingang des Paradieses und rechnet immer noch mit der Möglichkeit einer Wendung der Dinge: die Pforte könnte vor ihm zuschlagen, ohne dass er die Schwelle überschritt. Sie könnte ihn auch auf schmerzhafte Weise treffen und verletzen oder gar töten…

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