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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Glaube, Liebe, Hoffnung
Eingestellt am 23. 08. 2003 20:42


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knychen
Routinierter Autor
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Glaube, Liebe, Hoffnung

Hitze steht in diesem Sommer Ende der Siebziger Jahre wie eine Glocke ├╝ber Ostberlin. Nat├╝rlich steht sie ├╝ber ganz Berlin, aber f├╝r Andy und Bianca ist Berlin eben Ostberlin, denn alles, was da hinter der Mauer steht, ist f├╝r F├╝nfzehnj├Ąhrige unerreichbar und geh├Ârt einfach nicht dazu.
Die Beiden liegen in einem typischen Jugendzimmer auf einer Klappcouch. Glaubt man den Statistiken, sind sie mit diesem "Rumliegen" ihrer Altersgruppe ein ganzes St├╝ck voraus. Sie sind n├Ąmlich nackt und bewegen sich sacht in einem gleichm├Ą├čigen Rhythmus. In der Aufkl├Ąrungsrubrik der Jugendzeitschrift "Junge Welt" wurde ihre K├Ârperhaltung letztens als coitus a tergo oder coitus a posteriori bezeichnet. "Die meisten S├Ąugetiere bevorzugen diese Stellung" schrieb Frau Doktor Jutta Resch-Treuwerth noch dazu.
Vor zwei Wochen gab es schon einen Vorsto├č in diese Richtung, aber das war in Biancas Zimmer und ihre Mutter sa├č nebenan vor dem Fernseher.
Da es f├╝r beide das erste Mal war, lief alles schief. Andy hatte zwar die Sache mit der Erregung und der Erektion standhaft hinter sich gebracht, doch dann kam er in der zeitlichen Abfolge von Koitus und Ejakulation durcheinander und alles ging im Sinne des Wortes daneben.
Heute nun, in seinem Zimmer, seinem Revier sozusagen, meinte er alles unter Kontrolle zu haben. Allerdings sp├╝rte er, dass der Moment der vermeintlichen Gl├╝cksseeligkeit in wenigen Augenblicken erreicht sein w├╝rde, und weil er als ein guter Mann im Bett gelten wollte, beschloss er, die schwierige Klippe ÔÇÜStellungswechselÔÇÖ in Angriff zu nehmen. Nat├╝rlich waren weder sie noch er mit ihren f├╝nfzehn Jahren schon so abgebr├╝ht, ihre W├╝nsche zu ├Ąu├čern. Er musste also sanften Druck anwenden und hoffen, dass sie ihn verstand.
Als er sich behutsam auf seine eigenen Fersen setzte, folgte sie ihm willig. M├Âglichst ohne seine Lenden zu bewegen, begann er vorsichtig seine Beine nach vorn zu strecken.
Dieses geschafft, st├╝tzte er sich r├╝cklings auf den Ellenbogen ab und betrachtete ihren herrlichen R├╝cken. Sie bewegte sich ganz sanft auf ihm.
Pl├Âtzlich straffte sich ihr Oberk├Ârper. Ihre H├Ąnde, die sich vorher auf seinen Schenkeln abgest├╝tzt hatten, wanderten nun auf die Ihrigen. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen, aber er konnte sich den gespannten Gesichtsausdruck vorstellen, der ihr leichtes St├Âhnen begleitete.
Weil er es auf einschl├Ągigen Bildchen so gesehen, verdrehte auch er die Augen und ├Âffnete gen├╝sslich den Mund.
Ein erneutes ÔÇ×UhhmmmhhÔÇť entrang sich ganz tief aus ihr, noch straffer gl├Ąnzte ihre verschwitzte Haut.
ÔÇÜJetzt kommt das Ding mit dem multiplen OrgasmusÔÇÖ dachte er und folgte mit dem Becken ihrer aufw├Ąrts gerichteten Bewegung. ÔÇÜGleichÔÇÖ
Dann gab es ein Ger├Ąusch, welches zwar f├╝r Flatulogen die Berufsgrundlage bildet, im Paarungsritual des Menschen jedoch bei den Wenigsten und frisch Verliebten schon gar nichts zu suchen hat. Sie erstarrte und er sp├╝rte einen warmen Wind am oberen Ansatz seines Schamhaares vorbei streichen.
V├Âllige Stille, Windstille sozusagen.
Proportional zum Schwinden seiner Erregung erstrahlten ihre Ohren in einem kr├Ąftiger werdenden Rot.
Leise sagte sie: ÔÇ×Ich habe geglaubt, ich k├Ânnte es unterdr├╝cken. Tschuldigung.ÔÇť
Etwas spitz um die Nase antwortete er: ÔÇ×Ich hatte gehofft, du kriegst jetzt einen tierischen Orgasmus.ÔÇť
ÔÇ×Gehofft hatte ich das eigentlich auch.ÔÇť Dann fing sie an zu lachen und er konnte nicht anders, er lachte mit.
Durch das Beben ihrer immer noch verbundenen K├Ârper begann sich an ihm und in ihr ein erneutes Interesse f├╝r die so brutal beendete Aktion zu zeigen und da sie mit weiblichem Instinkt schnell die g├╝nstigsten Bewegungen herausfand, gab es doch noch ein wirkliches Happy-end.
Und so lernten Bianca und Andy an diesem hei├čen Sommertag Ende der siebziger Jahre, dass sich zwar der Glaube manchmal in Schall und Rauch aufl├Âsen kann, die Hoffnung indessen den Sturm auf die wahren Gipfel gestattet.

__________________
kny

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knychen
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wer auch immer

nicht das es mein ego zerpfl├╝ckt, aber interessieren t├Ąte es mich schon, wer da f├╝r den roten balken verantwortlich zeichnet.
obwohl es eigentlich wurscht ist, wer wie urteilt; warum ist mir wichtiger. schlie├člich bin ich ja noch jung und lernf├Ąhig.
gute nacht an dich da drau├čen, wer immer du sein magst.
gru├č aus berlin von knychen
__________________
kny

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JoshHalick
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Hallo Knychen,

ich wei├č zwar nicht wer mal unter deine Geschichte einen roten Balken krickelte aber ich kann dir sagen, das ich ihn f├╝r ungerechtfertigt halte.
Ich finde die Geschichte eigentlich sehr niedlich. Ob das nun aus deiner Sicht als Kompliment gilt wei├č ich nicht, von meiner Seite aus sollte es eines sein.
Das einzige was ich zu meckern habe ist, das ich den Glauben im Titel als fehlplaziert empfinde. Das weckt doch falsche Hoffnungen. Einen pfiffigeren Titel f├Ąnde ich sch├Ân.

Noch zwei Sachen zum Text:


Hitze steht in diesem Sommer Ende der Siebziger Jahre wie eine Glocke ├╝ber Ostberlin. Nat├╝rlich steht sie ├╝ber ganz Berlin, aber f├╝r Andy und Bianca ist Berlin eben Ostberlin.

Dies hier konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Ich kann mir gar nicht vorstellen das sie ganz Berlin als Ostberlin ansehen, viel mehr k├Ânnte ich mir vorstellen, das f├╝r sie nur Ostberlin existiert. Wei├čt du was ich meine?

Sie liegen in einem typischen Jugendzimmer auf einer Klappcouch. Glaubt man den Statistiken, sind sie mit ihrem Rumliegen ihrer Altersgruppe ein ganzes St├╝ck voraus. Denn was sich hier versch├Ąmt ├Ąu├čert, bezeichnet man heutzutage als ‚doggy-style’.

In diesem Absatz st├Ârt mich das „ihrem Rumliegen“… „dem Rumliegen“, w├╝rde in meinen Ohren besser klingen.
Doggy Style hab ich noch nie geh├Ârt, kann gar nicht glauben dass es so was gibt. Verr├╝ckt!

Mit der Zeit kam ich nicht ganz zurecht. Die schien mir hier und da nicht ganz konstant zu bleiben. Einmal liegen sie, dann waren sie nicht abgebr├╝ht, dann steht die Hitze und dann wird schon vom heutigen Trend gesprochen...

Ansonsten konnte ich mir nicht ganz vorstellen wie er sich auf seine Fersen setzt, das war dann aber auch schon alles.



Die besten Gr├╝├če
Josh

__________________
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. - Plato -

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knychen
Routinierter Autor
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stimmt

hallo,
stimmt, das erste, was mir schl├╝ssig wurde, ist die sache mit dem "heutzutage".
da ich ja objektiv im pr├Ąsens berichte, ist heutzutage falsch.
mehr geht jetzt nicht. hab gerade erfahren, da├č wir eine verabredung haben.
danke f├╝r die solidarit├Ąt.
gru├č knychen
__________________
kny

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katia
???
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super!

bis auf manche gro├č- und kleinschreibungen (z.B. wird "beiden" in "Die beiden" klein geschrieben) finde ich die geschichte sehr gut geschrieben, besonders nat├╝rlich die stimmungen, auch die den sommer und dann noch ├╝ber ostberlin betreffen. und nun hab ich endlich "Frau Doktor Jutta Resch-Treuwerth" wieder gefunden. DANKE!!
lg
katia
__________________
(kas)

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Echoloch
???
Registriert: Nov 2003

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Hallo knychen,
was JoshHalick „niedlich“ nennt, m├Âchte ich als unschuldig bezeichnen: Ich bin entz├╝ckt, welche „Unschuld“ dieser Text transportiert. Gro├čartig, wie still und liebevoll Du die Szene beschrieben hast. Das Ende eine wundervolle Br├╝cke zum Titel, mit dem ich allerdings auch nicht so ganz gl├╝cklich bin. Ich mag die Kommata nicht und auch die Liebe finde ich darin falsch, weil sie der Geschichte einen Pathos verleiht, den diese nun eben nicht n├Âtig hat.
Und dann noch das „Rumliegen“, das finde ich als Wort nicht gut und als Bild, wenn ich es denn richtig verstanden habe, auch nicht passend (genaugenommen „liegen“ sie doch nicht, oder?)
Ach ja, und erg├Ąnzend zu Katias Gro├č-/ Kleinschreibungs-Beobachtung: „denn Alles, was da hinter der Mauer steht,“ - Hier wird „alles“ klein geschrieben.
Die Details tun dem Text aber keinen Abbruch, ich habe ihn sehr genossen.

Gr├╝├če von Echoloch

__________________
Leben ist das, was passiert, w├Ąhrend Du eifrig dabei bist, andere Pl├Ąne zu machen.
www.echoloch.de

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