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Leselupe.de > Kurzprosa
Gnadengasse 16.
Eingestellt am 13. 05. 2005 23:05


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San Martin
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Gnadengasse 16

Am Vorabend seines f√ľnfundzwanzigsten Geburtstages erhielt ein Mann vom Lande eine versiegelte Depesche. Die mit einer Schreibmaschine ins Papier geschlagenen Buchstaben besagten, er solle sich in die Gnadengasse 16 begeben, wo eine Gabe auf ihn warte. Beeilen solle er sich, die Zeit sei durchaus knapp, wie Grabsteine auf dem Friedhof aufgef√§delt reihten sich die Tage des Jahres aneinander, und sie werde nicht f√ľr immer warten, ansonsten verfiele sie. Aufbrechen solle er in eben dieser Stunde, ein Z√∂gern bedeute den sicheren Verlust, niemand k√∂nne absehen, was dann geschehe.

Also machte sich der Mann vom Lande unverz√ľglich auf in die Stadt, schon strebten die Pfade aufeinander zu, die baldige Ankunft in der Stadt verhei√üend, da holte er einen geb√ľckten Greis ein, der auf einen Stecken gest√ľtzt einher humpelte. Ob er wisse, wo die Gnadengasse sich befinde, fragte der junge Mann z√∂gerlich. Das wisse er durchaus, antwortete der Alte, nur k√∂nne er es ihm nicht erkl√§ren, gar zu viele Windungen vollf√ľhre sie auf engstem Raume, keine noch so genaue Beschreibung k√∂nne ihm helfen. Eines solle er aber wissen, dass er sie nur √ľber die Steinbachbr√ľcke erreichen k√∂nne.

Somit ging er weiter und erblickte bald einen graub√§rtigen H√§ndler, der an einem Baum lehnte. Jenen fragte er nach der Steinbachbr√ľcke, setzte noch, um die Dringlichkeit der Sache zu unterstreichen, den Inhalt der Depesche hinzu, achtsam, die Gasse nicht zu erw√§hnen. Nun, sprach der H√§ndler, zu ihr gehe es nur durch die Rathauspassage, doch solle er sich vom Namen nicht t√§uschen lassen, sie liege gar nicht in der N√§he des Rathauses, sie sei vielmehr am sichersten √ľber die Amalienallee zu erreichen. Alle anderen Wege seien letzten Endes doch nur Sackgassen, die sich zwar spiralf√∂rmig um sie herum w√§nden, doch noch immer vor einer nackten Mauer endeten. Komme er nicht √ľber sie, sollte er lieber gleich aufgeben.

Sich vielmals bedankend setzte der Mann vom Lande seinen Weg fort, doch war ihm kurz darauf der enger werdende Pfad von Zwillingen versperrt, die nur langsam vorankamen und dabei unabsichtlich nebeneinander gingen. Diese gr√ľ√üte er, doch sprach er weder den einen noch den anderen an. Da fragte der eine, ob der Herr zur Amalienallee wolle, und deutete dorthin, wo die Sonne zum Untergehen Anlauf genommen hatte, zugleich aber zeigte der andere stumm und kopfsch√ľttelnd in die entgegen gesetzte Richtung, wo hinter dem Horizont die Stadt jeden Moment auftauchen musste.

Dies sah ein junger Priester, der unbemerkt am Wegesrand gestanden hatte, und hielt den Mann vom Lande an. Ob der Priester ihm seinen Segen geben wolle, fragte dieser, er sei vom Lande und suche die Amalienallee, worauf der Priester erwiderte, kein Segen werde ihm nutzen, denn nur ein mit zu vielen Eing√§ngen bewehrtes, riesenhaftes Geb√§ude in der Gnadengasse gew√§hre Zugang zu ihr, und wie wolle er den rechten Einlass finden? Und darinnen seien Korridore und T√ľren, und keine T√ľr geh√∂re einem Korridor ganz, nur durch reinsten Zufall werde eine Pforte ein zweimaliges Durchschreiten mit dem gleichen Flur beantworten. Und Raum hinter Raum hinter Raum sei unbedingt wie der vorherige und sei es doch ganz gewisslich nicht, kein Faden sei so lang, dass er sich um alle Ecken und durch alle Schl√ľssell√∂cher strecken k√∂nne.

‚ÄěAber‚Äú, so fuhr der Priester fort, ungeduldig zum Haus des Mannes nickend, ‚Äěerreichtest du doch entgegen aller Wahrscheinlichkeit und Vernunft das Zimmer, in das du bestellt bist, w√§re die Mitte leer, der Raum verlassen, der Sockel verstaubt, und sie l√§ngst von einem anderen davon getragen. Du h√§ttest nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein m√ľssen, nun ist es vergebens. Im √úbrigen w√§re es mir ganz recht, wenn du dich verliefest und im Gewirr dorthin verloren gingest.‚Äú ‚ÄěWarum erz√§hlst du mir das, wenn du doch willst, dass ich mich verirre?‚Äú ‚ÄěWeil du mir gewiss keinen Glauben schenken wirst‚Äú, antwortete da der Priester und blickte gen Osten, wo die Stadt bereits in unruhigem Schlafe liegen musste.
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"I still can remember the way that you smiled on the fifth day of May in the drizzling rain."

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sohalt
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sohalt
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San Martin
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Ein in seiner Resignation herzerwärmender Kommentar. Nein, zwei sogar.

Sicher ist der Text von Kafka inspiriert. Wie er auch versuche ich durch einen un√ľbersichtlichen, schon im Ansatz in seiner Komplexit√§t unbegreiflichen (weil paradoxen) Umstand (den Weg zum Ziel, der Gnadengasse) anzuschneiden. Dabei ist niemand der Beteiligten glaubw√ľrdig; daran scheitert der Protagonist sogar noch in Sichtweite seines eigenen Hauses. Die Sinnlosigkeit seines Unterfangens ereilt ihn noch fr√ľh genug, um aufgeben zu k√∂nnen. Das Urteil des Priesters, der j√ľngste und zweifelhafteste in der Reihe der Bekanntschaften, versperrt ihm durch die Unentscheidbarkeit, ob dieser die Wahrheit spricht, endg√ľltig den Fortgang.
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"I still can remember the way that you smiled on the fifth day of May in the drizzling rain."

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bonanza
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ich werde aus der geschichte nicht klug. sie motiviert
mich beim lesen nicht. die sprache ist abgekupfert.
die story verweigert sich mir. mist, denke ich.
ist es wirklich so schlimm?
eine stimme in mir sagt: ja.

bon.

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San Martin
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Nicht sehr konstruktiv, aber immerhin eine Meinung. Wenn es auch keinem helfen d√ľrfte, wenn das Urteil √ľber eine Geschichte in einem Wort abgehandelt wird.

Ich gebe aber all denen recht, die die Geschichte ablehnen, weil sie sich ihnen nicht erschließt. Zumindest die Symbolik, wenn auch nicht der Sinn dahinter, sollte der Leser umgehend oder beinahe umgehend erkennen können, und da scheitert der Text. Ich werde ihn in naher Zukunft noch einmal umarbeiten.
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