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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Gödelparadoxon der Dichtkunst - ein gedicht über sich selbst
Eingestellt am 30. 04. 2002 11:54


Autor
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Bernd
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Zu jedem
genügend
komplex
gebildeten
leser
gibt es
ein
gedicht,
dass er
nicht
verstehen kann,
dass ihn,
wenn er scharf nachdenkt,
zu zerstören vermag,
dessen er sich
nur wehren kann
durch rauschen,
sei es das rauschen des meeres,
das rauschen der wolken,
das rauschen der straßenbahn.
ob der dichter
das gedicht selber
aushält?
das ist eine
schwierige frage,
schwieriger noch,
als die nach der sprache,
in der es geschrieben ist,
so steht nicht fest,
ob das gedicht
in russischer
oder aramäischer sprache
ähnlich zerstörerisch wirkt.
Wie hofstadter bemerkte,
gibt es zu jedem
genügend guten
plattenspieler
eine platte,
die er nicht spielen kann,
jeder andere aber
vermag es.
Ist es besser,
gedichte zu lesen,
wenn man müde ist?
entgeht man so
der spitze der sprache
die sich umdreht
und wirkt?
oder wird man
im zustand
des halbdämmerns
eher aufnahmebereit
für das gedicht?
ist das gedicht
schon geschrieben?
zu jedem dichter,
der nur genügend scharf nachdenkt,
gibt es ein gedicht,
welches er nicht schreiben kann,
denn ehe er es beendet,
hat es sich ihm entwunden.
er kennt es,
er ahnt es,
aber er kann es nicht schreiben,
vermag es vielleicht auszusprechen.
für jeden dichter
gibt es ein gedicht,
welches er nicht sprechen kann.
auch dieses gedicht
weigert sich,
endlos weitergeschrieben
zu werden,
denn es mag mich.
mag es mich gebraten oder gekocht?
es mag mich
und weigert sich
und ich kann es nicht schreiben
und ich kann es nicht lesen
und es kann nicht gelesen werden
und es ka


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WuZhao
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Lieber Bernd,

so kanns gehn im Leben, immer wieder, daß eigene Grübeleien sichtbar werden, wenn ein Mitmensch sie formuliert.

Vielen Dank
Wu
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Gelobt sei der Zweifel! Ich rate euch, begrüßt mir heiter und mit Achtung den, der euer Wort wie einen schlechten Pfennig prüft! (Brecht)

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mc poetry
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hallo bernd!

whow, ich bin ziemlich neidisch, dass ich nicht
die idee hatte. und selbst wenn, haette ich es
von der ausfuehrung nicht so hingebracht.

quote:
In jedem hinreichend großen Literaturforum
gibt es einen Dichter, der nicht in die durch
das Werk der übrigen definierten Kategorien passt.


ciao, michael

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Bernd
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In manchen auch zwei oder drei ...
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ibini
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Hallo Bernd,

ich weiß nicht warum, aber irgendwie blieb mein Blick an Deinem Beitrag hängen. Mich mit ihm zu befassen, war da nur noch ein kleiner Schritt:

Das Gedicht, das eigentlich gar kein Gedicht im strengen Sinne, sondern in Scheiben servierte Prosa ist, liest sich leicht, ist flüssig geschrieben und gut verständlich. Die Handlung scheint, sich meist an der Oberfläche abspielend, auf den ersten Blick keine Fragen aufzuwerfen. Das ändert sich jedoch schnell, wenn man sich mit der Darstellung bzw. der Thematik näher befaßt. Denn dann wird klar, daß eine ganze Reihe nahezu philosophischer Gedanken damit verknüpft ist.

Dreh- und Angelpunkt der verschiedenen Sequenzen des Gedichts ist ein Gedicht. Es scheint immer dasselbe zu sein, wobei in den einzelnen Passagen menschlich-weltliche Züge durchschimmern und so wesentlich mit zum Gesamtbild beitragen. Auffallend ist vor allem, daß in dem sich aufbauenden Spannungsfeld die Gedichte im wesentlichen negativ besetzt sind, das heißt auf weltlichen Imponderabilien beruhen. Das Warum ist unverständlich und bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Etwas verloren und eigentlich überflüssig ist der Passus mit dem Plattenspieler. Das würde auch einer wünschenswerten Kürzung entgegenkommen.

Abzuleiten ist aus all dem, daß sich hinter den einzelnen Fragestellungen menschliche Konflikte verbergen. Ein in dem Gedicht manifestiertes Negativum scheint allen Bemühungen, ein Menschenleben und die Einstellungen dazu zu ändern, entgegenzuwirken. Dabei wiederholen sich die Bemühungen, ohne jedoch zum Ziel zu führen. Das Ende ist offen.

So meine Auslegung des Beitrags, wie ich ihn verstanden habe.

Mit Gruß
ibini

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Bernd
Foren-Redakteur
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Hallo, Ibini

vielen Dank für die ausführlichen Hinweise.
Die Szene mit dem Plattenspieler ist in gewisser Hinsicht eine der Schlüsselszenen.
Die Mathematik, streng angewendet, führt zu seiner Zerstörung.
Ebenso führen Regeln, wenn sie absolut und auf die Spitze getrieben angewendet werden, zur Zerstörung.

Das Gedicht ist tatsächlich eine Art Prosa-Gedicht und behandelt die wichtigste Entdeckung in der Mathematik, die im vergangenen Jahrhundert gemacht wurde, vergleichbar mit der Relativitätstheorie in der Physik.

Das Gedicht wird - plötzlich - selbstbezüglich, es zerstört sich selbst, so hat es am Ende kein Ende.

Dieses aber verhindert, dass der Leser, ähnlich dem Plattenspieler, zerstört wird.

Dass Gedicht baut sich zyklisch auf, dabei wiederholt es sich in sich selbst, weigert sich aber, völlig Gedicht zu sein, scheint Prosa - in Scheiben geschnitten.

Doch da ist das poetische Bild, fragmenthaft zwar, unfertig, labyrinthisch.

Das Negative steht sich selbst negierend dabei und lächelt.

Hat es es geschafft?
Ist das Gedicht zerstört?
Ist das unendliche verschlungene Band gerissen?
(Hofstadter: Gödel, Escher, Bach ein Endloses Geflochtenes Band.)

Ist Unendlichkeit im Gedicht machbar? Ist das (scheinbare) Ende des Gedichtes wahr? Wirkt es weiter? Nimmt die Leere den Raum ein, den das Gedicht einst hatte?


Viele Grüße von Bernd
und vielen Dank für die Anregungen, die mich zu diesem Diskurs verleiteten.
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